Ein Bürgergeld für alle

“Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen. Interviews und Reaktionen” von Götz W. Werner . – Stuttgart: Urachhaus, 2007. – ISBN-10: 3-7725-1789-7 . – ca. 5,- EUR

Seit einiger Zeit stößt man immer wieder (und öfter) auf eine ganz besondere Idee: Und zwar geht es um die Forderung nach einem Grundeinkommen oder auch einem so genannten “Bürgergeld”: Jeder Mensch soll eine bestimmte Summe erhalten, ohne dafür arbeiten zu müssen, eine Grundversorgung also.

Um diese Idee geht es in dem vorliegenden Buch. Hier können Sie nachlesen, wie Götz W. Werner sich die Umsetzung vorstellt und welche Folgen seiner Ansicht nach ein Bürgergeld hätte. In Artikeln und Interviews zeichnet er ein Bild einer Gesellschaft, die sich von unserer erheblich unterscheiden würde. Das Buch wirkt “wenig aufbereitet”, als vielmehr “zusammengestellt. Es ist also im Wesentlichen eine Materialsammlung. Die aber ist gut zu lesen und informativ.

Ob das wirklich machbar ist, kann wohl kaum einer voraussagen. Dass aber eine solche Idee auf immer breiterer Ebene diskutiert wird, ist wichtig und gut. Das Buch bietet einen prima Einstieg in die Diskussion und liefert einige gute Argumente für einen solchen Weg.

Fazit: Ein preisgünstiges Buch für Leute, die gerne mehr über die Idee des Grundeinkommens erfahren wollen.

Bewertung: PunktPunktPunktPunktPunkt

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Kommentare

Friedrich schreibt am 15. Juli 2007

Der Gedanke ist nicht neu. Ähnliche Vorschläge gab es auch bei Rudolf Steiner (niemand soll aus dem Ertrag seiner eigenen Arbeit leben) aber auch bei Erich Fromm. Es ist ein sehr komplexes Thema und lässt sich nicht in ein paar Zeilen zusammenfassen. Für mich ist jedoch eines sicher: Es würde einen Beitrag leisten zu einer gerechteren Verteilung des Volksvermögens woran es ja in den industriellen Nationen erheblich mangelt!- Schauen wir doch einmal auf die wirklich armen Menschen in der Gesellschaft, ich kenne niemanden unter diesen, der nicht irgend einem Erwerb nachgeht und sei es nur, dass er den Müll nach brauchbaren Dingen durchsucht. Es ließen sich viele andere Beispiele aufzeigen. Grundsätzlich jedoch leistet JEDER einen Beitrag zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung und aus diesem Aspekt steht ihm auch eine Versorgung zu.

Birgit schreibt am 16. Juli 2007

Für diejenigen,die heute viel verdienen und finanziell gut zurechtkommen, würde das Bürgergeld wohl kaum etwas ändern.
Aber bei allen, die heute auf Hilfe durch den Staat angewiesen sind, würde es die laufenden Rechtfertigungen, Kontrollen, Nachweise, etc. reduzieren. Sie hätten einen Grundstock und können dann darauf je nach Wunsch und Können aufbauen.

Manfred schreibt am 16. Juli 2007

Grundeinkommen – Bürgergeld, welche fantastischen Wortschöpfungen, genauso wie der Solidaritätszuschlag, der mir nicht zugeschlagen, sondern abgezogen wird.

Welchem vergeistigtem Gehirn entspringen solche Gedanken? Schon die Aussage “Grundsätzlich jedoch leistet JEDER einen Beitrag zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung und aus diesem Aspekt steht ihm auch eine Versorgung zu” bringt jegliche Form des sozialen Zusammenlebens zum Scheitern. Die Idee ist gleichzustellen mit einem Schneeballsystem, wo die letzten schließlich alles verlieren. Die Doofen, die arbeiten, sollen die Nichtstuer finanziell mit ihren Steuern unterstützen. Wen der Verfasser wirklich keinen der “armen Menschen” kennt, die nicht einem Erwerb nachgehen, so soll er sich mit mir in Verbindung setzen, ich kann ihm genügend benennen. Oder sieht er Rauschgifthändler, die beim Sozialamt wörtlich erklären, dass sie keine Lust zum Arbeiten haben und dann dennoch Sozialhilfe bekommen, als zu Unterstützende an?

Scheinbar verblödet die Menschheit immer mehr und es scheint in Mode zu sein, solche irre Gedankenspiele zu verbreiten. Dann noch diese Ideen als wichtig und gut zu beurteilen und dafür eine Diskussion anzuregen zeigt wohl, dass der Verfasser wohl in einer irrealen Traumwelt lebt und nicht wirklich im Leben steht.

Man stelle sich nur mal einen Staat auf einer kleinen Insel mit 50 Personen vor, wovon 30 einfach nichts tun, jeden Tag baden, in der Sonne liegen, sich das Getreide von den anderen anbauen lassen, von den anderen die Viehzucht durchführen lassen und dann sich von alldem bedienen. Wer nun glaubt, das könnte funktionieren, der muss sehr krank im Kopf sein.

Aber es steht jedem und dem Buchautor natürlich selbstverständlich frei, von seinem Einkommen (Als Einkommen bezeichnet man umgangssprachlich regelmäßige Einnahmen eines Haushalts) 500 Euro oder 1000 Euro oder auch mehr, denen zu geben, die sie für so arm ansehen.

Ralf Senftleben
Ralf Senftleben schreibt am 16. Juli 2007

Lieber Manfred,

was Sie schreiben ist für mich leider nur Polemik und enhält keinerlei Argumentation, während die Verfechter des Bürgergeldes doch eine ganz gute Argumente haben.

Mich würden eher Ihre Argumente interessieren, warum das nicht funktionieren kann…

Viele Grüße,
Ralf Senftleben

Devi schreibt am 17. Juli 2007

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum anzunehmen, Menschen würden nur für Geld arbeiten und gäbe man ihnen ein Grundeinkommen, so würden alle nichts mehr tun. Vielleicht im Anfang – aber dann fehlt die Aufgabe, die Bestätigung, der Sinn. Warum engagieren sich sonst so viele Menschen ehrenamtlich?

Natürlich kennt jeder Beispiele eines wirklich faulen Menschen, der vielleicht sogar den Sozialstaat ausnutzt. Aber das ist ein gewissen Prozentsatz, den es mit oder ohne Bürgergeld geben würde und gibt.

Ändern würde sich durch das Bürgergeld die Einstellung zur Arbeit und die Position der Arbeitgeber. Mir macht meine Arbeit Spaß, weil ich einen guten Arbeitgeber habe. Schlechte Arbeitgeber, die mies bezahlen, Mobbing dulden oder unterstützen und die Arbeitnehmer ausnutzen, hätten dann wirklich Probleme, Arbeiter zu finden. Sie MÜSSTEN was ändern und könnten sich nicht auf die Position zurückziehen: Wenn der eine nicht will, dann finde ich noch 10 Willige auf der Straße.

Und alleine das wäre eine große Verbesserung!

Als problematisch sehe ich allerdings eine zu erwartende Preissteigerung, die sich im Extremfall so auswirken kann, dass das Bürgergeld dann wieder nicht zu (einfachen) Leben reicht und jeder wieder arbeiten MUSS. Damit hätte sich die Idee ad adsurdum geführt und wir hätten die gleichen Zustände wie bisher.

Viele Grüße

Kajo schreibt am 17. Juli 2007

Ja lieber Manfred, besten Dank für deinen leistungsbezogenen Beitrag, somit auch diesem Blog eine Ansichtsvielfalt gegeben wurde. Sicher hast du für deine eigene Welt so recht, weil du noch nicht gelernt hast auch anders zu denken. Du erkennst zwar dass die Menschheit verblödelt, hat aber wohl mit deinem Umfeld zu tun, da ich genau das Gegensätzliche in meinem Umfeld erkenne. So ist halt die Dualität.
Wie es dann letztendlich sein wird, können wir nur dann erfahren, wenn wir Menschen solches auch zulassen, so haben wir schon immer in den letzten 10.000 Jahren gehandelt. Das Neue setzt sich durch, wenn der Verstand bereit ist altes loszulassen, sonst könnten wir auch jetzt nicht elektronisch miteinander kommunizieren.
Es gibt jetzt sehr viele “Dinge” die uns als wichtig erscheinen und uns angenehmes erfahren lassen, doch wurden “sie” bei der Schaffung der Uridee aufs äußerste bekämpft.

Nach meinem empfinden (meine neueste Erkenntnis)ist jeder Mensch für einen Teil des ganzen sehr Verantwortungsvoll und vollzieht seine Aufgabe tapfer u. Pflichtgemäß. Gebe es diese so genannten “Nichtstuer” (lt.Manfred) nicht, könnte er seine verhindernde und abblockende Ideenwelt nicht aufrechterhalten. Auch würde ihm das Urteilen über andere und das ‘sich besser’ fühlen ja ganz fehlen.
Deshalb lieber Manfred, gibt es auch diese Pflichtbewussten Menschen, weil wir SIE in unseren Spiel aufgestellt haben und sie brauchen.
Sonst wäre dieses Spiel sofort und abrupt zu Ende und wäre das nicht schade?
Meine Meinung ist nun folgende:
Jeder Schauspieler der Erde sollte seine gerechte Bezahlung bekommen, da jede Spielfigur von ihrem Ausdruck von so hoher Wichtigkeit für unser aller ist. (Wertschätzung!)
Darum bin ich für die Öffnung des Gedankens „Grundeinkommen“.

Grüsse an alle Schauspieler und auch an dich Manfred

Mike schreibt am 23. Juli 2007

Hallo miteinander,
wäre mit der Einführung des Bürgergelds wirklich eine Preisteigerung zu erwarten? Ich hab keine Erfahrung mit solchen Eingriffen in die Gesellschaft. Weiß aber, das in Spanien die Preise während der Gold und Silbereinfuhren aus Amerika so sehr stiegen, dass das reiche Spanien wieder arm war – vielleicht läßt sich daraus eine Verbindung zur Einführung des Bürgergelds stricken.
Was mich noch umtreibt, wäre ein Bürgergeld in Form von Naturalien. Also jeder bekommt die Waren, die er zum Überleben braucht sichergestellt. Vielleicht läßt sich die Wirtschaft und Wissenschaft auf existenzielle Gebiete des Menschlichen Lebens ausrichten.
Wenn man einen Bauern von Heute mit einem von vor 2oo Jahren vergleicht, so hat der Bauer der Neuzeit mit Hilfe seines technischen Geräts und dem mehr an Wissen die Möglichkeit, um ein vielfaches mehr an Menschen mit Nahrung zu versorgen. Und trotzdem ist die Arbeit noch nicht ausgegangen, weil sich der Mensch nun auch weniger lebensnotwendigen Dingen zuwandte.
Wird der Mensch durch den Einsatz von Maschinen nicht immer weniger als Arbeitskraft (auf körperliche Arbeit bezogen)gebraucht? Und sollte das nicht eine Arbeitsersparnis bewirken ? Stattdessen dreht sich das Karussell immer weiter.
Was mich noch bewegt, ist der Umgang mit und das Vertrauen in die Technik, was das Vertrauen in und den Umgang mit der Natur rückläufig werden läßt. Doch ist es immer noch die Natur, die uns ernährt und sich nicht vom Mensch beherrschen lässt. Irgendwie hat es schon was von dem Fall: “Man beißt die Hand die einem füttert.”
Und noch was:”Glücklich sein hat nicht unbedingt was mit Geld zu tun.” Eine glücklichere Gesellschaft sollte das Ziel sein.

ute Wiedel schreibt am 27. Juli 2007

Ich begrüße die Idee des Grundeinkommens sehr, und bin der Ansicht, dass Menschen, die nicht um ihr Existenzminimum betteln müssen (Harz 4) sehr viel mehr zum Wohle der Allgemeinheit beitragen würden, als wenn sie eine völlig ungeliebte Arbeit annehmen, und dabei sich selbst, und / oder ihren Kindern kaum noch gerecht werden können.
Habe mich schon viel mit der Idee beschäftigt und auch einige Veranstaltungen zum Thema besucht.
Die Zeit ist reif dafür!
Ute W.

Dirk schreibt am 10. August 2007

Mike schrieb:
> Wird der Mensch durch den Einsatz von Maschinen nicht immer
> weniger als Arbeitskraft (auf körperliche Arbeit
> bezogen)gebraucht? Und sollte das nicht eine
> Arbeitsersparnis bewirken ? Stattdessen dreht sich das
> Karussell immer weiter.

Schön wäre es. Es scheint aber so, dass die meisten Menschen sich nicht damit zufrieden geben, dass ihre Grundbedürfnisse befriedigt sind, sondern immer mehr haben will: mehr Geld, größeres Auto, tollere Reise, größeres Haus, exklusiver Kleidung… Ob dies angeboren ist oder von der Gesellschaft erzogen wäre noch zu klären, ich denke beides spielt da mit hinein.

Georg schreibt am 23. August 2007

Bürgergeld soll eine befriedigung der grundbedarfs erfüllen. Der sinn ist eine gerechte ausgangsbasis für alle. Kinder sollen die möglichkeit haben ihr leben mit einer sozial gerechten ausgangsbasis zu beginnen. Als jugendliche haben sie dann die möglichkeit selbst zu entscheiden ob sie studieren wollen oder nicht. Nicht die soziale möglichkeit der eltern sondern die unabhängigkeit des kindes ist wichtig!!!

Ohne bürgeld werden wir in etwa 5 bis 10 jahren eine totale machtkontrolle der wirtschaft (über Lobbyarbeit” haben. Hier ist die USA als beispiel zu sehen. Die armut (ich habe in Los Angelos einiges gesehen) stigt so weit, dass menschen wie tiere (slums) gehalten werden und reiche tun und lassen können was sie wollen. Dem menschen gehörrt die welt und nicht dem menschen mit hohem einkommen.

Die finanzierung des bürgergeldes ist viel einfacher als die meisten denken. Es gibt nur noch zwei steuerklassen: 15 % für privatleute (für einkommen über 800,- €) und 25 % für unternehmen. Buchalterische steuertricks, wie es ein bekanntes möbelunternhemen in deutschland praktiziert werden abgeschafft (wie schon unserer finanzminister sagte: bei steuergleichheit wäre der deutsche staat pleite). Der rest würde über streichung von subventionen finanziert werden.

Hartz IV ist nur ein weiteres kontrollinstrument der wirtschaft jugendliche an unser system “armut durch arbeit” zu gewöhnen. Der einzige der von Hartz IV profitiert hat ist nach meiner meinung Roland Berger. Wie ich gelesen hatte soll er dafür 620 Mio € erhalten haben.

Der Staat (jeder einzelne bürger ist der staat) muss an die mehrheit denken und nicht sich nicht bereichern (unternehmer über politiker)an dem einzelnen. Durch das Bürgergeld ist es gewährleistet dass mehr gerechtigkeit herrscht (z.B. würde keiner für einen mindestlohn von 3,05€ mehr arbeiten)

Freiheit für den einzelnen hörrt dort auf wo er andere beschneidet!!!