Kritik an der Schule

“Was wir unseren Kindern in der Schule antun: …und wie wir das ändern können” von Sabine Czerny. – München: Südwest, 2010. – ISBN-10: 3-5170-8633-9. – ca. 18,- EUR (gebunden)

“Was wir unseren Kindern in der Schule antun” ist ein engagiertes, wichtiges und informatives Buch. Neben sehr persönlichen Schilderungen der Autorin, die selbst Lehrerin in Bayern ist und die aufgrund ihrer Versuche, das System zu ändern, bereits strafversetzt wurde, finden sich auch eine Fülle an Fakten in einzelnen Infomationskapiteln, z.B. zu Themen wie “Medien”, “ADHS”, “Gehirn” u.a.

Sehr eindringlich wird aufgezeigt, was der schon früh einsetzende Druck durch Benotungen für Kinder bedeutet – die ja in der Grundschule erst am Beginn ihrer Entwicklung stehen. Deutlich wird, dass das bestehende System kaum Raum für Individualität und Persönlichkeit lässt – weder bei den Kindern noch bei den Lehrern – und dass das eine ganze Reihe negativer Folgen hat. Schon nach der Lektüre der ersten 100 Seiten hat man keinen Zweifel mehr daran, dass sich einiges ändern müsste in Sachen Schule.

Ich lese Bücher immer auch auf ihren Praxisnutzen hin – und da hat “Was wir unseren Kindern in der Schule antun” für mich ein Manko. Denn eigentlich geht es so gut wie nur um genau diesen Titel und der Zusatz zum Titel, nämlich das “…und wie wir das ändern können” kommt zu kurz. Wenn ich mich frage, wer das Buch lesen soll, so fallen mir allen voran Lehrer ein, dann vielleicht auch der eine oder andere Politiker und einige sehr engagierte Eltern. Aber die breite Masse der Eltern, also die Personen, von denen ein flächendeckender Einsatz in Sachen Schulverbesserung wünschenswert wäre, dürften mit diesem fast 400 Seiten starken Wälzer schlicht überfordert sein. Das ist schade, denn die Inhalte sind immens wichtig! Das, was Schule mit und aus unseren Kindern macht, ist wegbereitend nicht nur für die Zukunft der Kinder, sondern auch für die der Gesellschaft. Schließlich sind die Kinder von heute die Macher von morgen.

Ich würde mir nach diesem Buch nun noch eines von der Autorin wünschen, indem sie ausarbeitet, was die einzelnen Gruppen konkret tun können – was also in der Macht von Eltern steht, wie sich Lehrer/innen organsieren und einsetzen können und wie sich auch die Politik erreichen lässt.

Fazit: Ein wichtiger Wegbereiter für eine umfassende Diskussion und Neuorganistation des Bildungssystem – allerdings fehlen praktische Ansätze gerade für Eltern.

Bewertung: PunktPunktPunktPunktPunkt

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Kommentare

Edith Schuler schreibt am 27. Februar 2011

Die Einführung des Gesetzes, dass jedes Kind Anrecht darauf hat, eine Schule zu besuchen, liegt noch gar nicht so lange zurück. So weit ich korrekt informiert bin, soll erst seit dem Jahre 1844 ein grosser Teil der Erdbevölkerung das Lesen und Schreiben erlernt haben. Die Kinder als Arbeitskräfte in Abhängigkeit zu halten, ist dadurch – wenigstens bei uns – nicht mehr gegeben.

Bestimmt wurden, wie in allen anderen Bereichen, auch im Bereich Wissensvermittlung viele Fehler begangen. Immer wieder sind wir Menschen aufgefordert, alte Muster zu überdenken und uns für neue Wege zu öffnen.

Mich mag die Lektüre des Buches “Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation” von Gabriele Seils über und mit Marshall Rosenberg – weltweit tätiger Friedensmediator und Gründer der sogenannten “Giraffenschulen” – immer wieder zu berühren.

Viele Beispiele rund um unsere Schulsysteme, Notengebung, Motivation zum Lernen, Konfliktlösungen zwischen Lehrern, Eltern, Schülern etc. sind darin zu finden. Ein berührendes Buch, das Mut macht, zum Denken anregt und zu bewegen vermag. Schritt für Schritt!

Viel Spass beim Lesen, Edith

Brigitte schreibt am 27. Februar 2011

Als ich das Buch im letzten Jahr las, sah ich darin vor allem eine Bestätigung meines Weges als Lehrerin über die Montessori-Pädagogik hin zur Arbeit mit einzelnen Kindern als Coach: Selbstwert stärken und wieder Spaß am Lernen haben, weil man da ansetzen kann, wo man gerade steht und das auch anerkannt wird.
Wenn sich Eltern, Lehrerinnen und Lehrer nach der Lektüre dieses Buches bewusst werden, was das System den Kindern antut, und sich dann immer mehr trauen, ihrem Gefühl zu glauben und gegen starre Reglements im Sinne der Kinder zu entscheiden, wäre schon ein Schritt getan.
Damit viele Menschen so ein Buch lesen und durch die Inhalte zum Nachdenken angeregt werden, müsste es “dünner”/komprimiert sein und, wie Sie schon bemerkt haben, konkrete Möglichkeiten zur Veränderung enthalten. Aber welche für wen?
Für uns Eltern geht es doch vor allem darum, nicht mehr aus Angst vor der Zukunft auf Biegen und Brechen die Kinder zum “bestmöglichen” Abschluss zu bringen, sondern ihnen die Bedingungen zu schaffen, dass sie den für sie selbst passenden Lebensweg einschlagen können. Ein erster Schritt wäre wohl, die Angst vor den Konsequenzen des eigenen Handelns oder Nicht-Handelns zu überwinden und darauf zu bauen, dass Liebe und stabile Beziehungen der beste Nährboden zum Wachsen und Gedeihen unserer Kinder sind.
Kann man das in einem Buch vermitteln?

Edith Schuler schreibt am 27. Februar 2011

Liebe Brigitte, du fragst, kann man das in einem Buch vermitteln? meines Erachtens JA! man kann…. siehe meine Buchempfehlung! – die Umsetzung ist grundsätzlich kinderleicht. Für die meisten, den Kinderschuhen entwachsenen Menschen, eine grosse Herausforderung, als ob es gälte eine Fremdsprache zu erlernen.

Edith