Vom Wesen des Menschen

“Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält” von Richard D. Precht. – München: Goldmann, 2010. – 544 S. – ISBN-10: 3-4423-1218-3. – ca. 20,- EUR (gebunden)

Bei manchen Büchern fasziniert mich, dass sie zu Bestsellern werden und ich frage mich, wer sie wirklich liest. Dazu gehören all die dicken Wälzer mit klugen Gedanken auf bleiwüstenartigen Seiten, die einen Lese-Atem verlangen, den eigentlich nur noch wenige haben.

Richard D. Precht hat bereits Bestseller geschrieben (Wer bin ich und wenn ja wie viele und Liebe: Ein unordentliches Gefühl) und dieses hier ist sicher auch ein Kandidat und dass, obwohl es weit über 500 eng bedruckte Seiten ohne Strukturhilfen hat. Einfach wegen des Namens und weil man mitreden will und weil sich der Titel gut im Regal macht? Sicher nicht nur, denn wenn der Autor eines kann, dann ist es schreiben. Darüber hinaus wuchert er nur so mit Wissen und das ist schon eindrucksvoll (da mag man sich fast fragen, was eigentlich in den anderen Büchern stehen kann, wo doch hier bereits eine solche Wissensfülle präsentiert wird).

Inhaltlich geht es um die Moral. Oder besser um alle möglichen Moralansichten und darum, für welche wir uns entscheiden wollen. Sofern wir das können, denn vielleicht ist der Mensch doch gar nicht zum Guten in der Lage? Und damit sind wir schon mitten im Thema. Und dieses Thema wird sehr breit aufgefächert – philosophisch, geschichtlich, gesellschaftspolitisch, alltagsbezogen und vieles mehr.

Wie gesagt, schreiben kann er, der Herr Precht – locker und intelligent präsentiert er seine Ansichten und davon viele. Das sollte man beim Lesen dieses Buches nämlich angesichts all der Bezüge zu Philosophen, der Wissenschaft, der Forschung, der Wirtschaft und den Medien nicht übersehen: Dieses Buch beinhaltet persönliche Ansichten und subjektive Interpretationen. Denen kann man zustimmen oder man kann sich an ihnen reiben – in jedem Fall sollte man sie überdenken, bevor man sie einfach übernimmt, denn nur dann erreicht ein solches Werk sein Ziel: anzuregen.

Fazit: Ein dicker Wälzer gefüllt mit anspruchsvoller Unterhaltung zu gewichtigen Fragen unseres Seins.

Bewertung: PunktPunktPunktPunktPunkt

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