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Die wissen schon, was sie tun!?

Von Tania Konnerth8 Kommentare

"Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."

– Gustav Mahler

Erfahrung wird von vielen Menschen hoch geschätzt. Wer "viel Erfahrung" hat, steht immer ein bisschen höher im Ansehen als solche, die nicht darauf verweisen können.

Aber ganz ehrlich: Erfahrung allein hat mich noch nie wirklich beeindruckt.

Das mag jetzt vielleicht etwas überheblich klingen, aber Erfahrung muss nicht immer ein Qualitätsmerkmal sein – im Gegenteil: manchmal kann unsere Erfahrung uns nämlich auch ganz schön einschränken.

Wenn in einem Unternehmen z.B. Entscheidungen allein auf der Grundlage langjähriger Erfahrungen getroffen werden, besteht schnell die Gefahr, aktuelle Trends, neue Ideen und Entwicklungen unberücksichtigt zu lassen. Und wer sich bei seinen eigenen Entscheidungen allein auf seine eigenen Erfahrungen verlässt, muss sich nicht wundern, wenn er wichtige Aspekte übersieht.

Die ach so angesehenen Erfahrungen können in der Praxis zu Betriebsblindheit führen. Dazu, dass junge Mitarbeiter/innen von Beginn an frustriert werden ("Lassen Sie mal, wir wissen schon, was wir tun"). Dazu, dass Konkurrenzunternehmen an einem vorbeiziehen, weil sie näher am Nerv der Zeit sind.

Keine Frage: Beständigkeit und auch Tradition sind hohe Werte. Aber genau hier kommt das obige Zitat ins Spiel: Man sollte nie das Feuer des Neuen in sich erlöschen lassen. Die Erfahrenen dürfen genau dieses Feuer bei den Neuen, den Jungen und den noch Unerfahrenen nicht austreten, sondern sollten sich selbst ein Stück weit neu entfachen lassen. Gerade unbedarfte Impulse von Menschen, die noch kaum Erfahrungen auf dem jeweiligen Gebiet haben, bringen so manche Frage oder Idee ins Gespräch, von der man aus enorm profitieren kann, können so manches Innovationsfeuerwerk entfachen.

  1. Heide schreibt am 6. November 2008 um 09:46

    Das ist genau der Grund, warum ich altersgemischte Teams mag:
    Natürlich gibts auch "feurige" Ältere und "erloschene" Junge.

    Aber in der Regel haben die Jungen neue Ideen und Lust, etwas Neues auszuprobieren.
    Die Älteren haben Erfahrung und können einige "Sicherungspfosten" einschlagen. Und sie können sich mitreißen lassen und IHRE Lust am Neuen wiederfinden.

  2. UKH schreibt am 9. November 2008 um 09:48

    Hallo, liebe Tanja,

    Erfahrung schließt Innovation nicht aus, noch schränkt sie diese ein. Im Gegenteil!

    Erfahrung ist eine gute Basis, einige Fehler bereits gemacht zu haben, die im Zielflug des "Feuers" des Neuen die Brandblasensalbe in der Tasche hat!

    Erfahrung bedeutet ebenso zu wissen, wann es sich lohnt sich Brandblasen zu holen und wann nicht.

    Beständigkeit und Werte können sicherlich unterschiedler Interpretation entspringen. Für mich ist z.B. die Beständigkeit der Qualität ein hohes Wertemaß, dass mich nicht daran hindert es besser zu machen und auch loszulassen, um unkonventionellen Ideen freien Lauf zu lassen.

    Es kommt immer auf die Persönlichkeit des Menschen an.
    Ich lernte ein Unternehmen kennen, das Tradition und Werte, sowie Erfahrung, gegen jugendliche Dynamik und Höhenflüge austauschte. Nach 10 Erfahrungen mit unerfahrenen Angestellten und Managern/innen haben sie die Erfahrung zum Ausdruck gebraucht, dass sie einen gravierenden Fehler machten.

    Erfahrung erdet und hilft im richtigen Moment die Richtige Entscheidung zu fällen!
    Es gibt so einen interessanten Ausspruch:
    "Aus Erfahrung wird man klug!"

    Ich wünsche viel Erfahrung
    Schöne Grüße

  3. Andrea Gabriele schreibt am 9. November 2008 um 11:55

    Junge Leute werden oft schon im Vorhinein frustriert, indem man ihnen nichts zutraut. Dbei hat schon ein Baby das Potential - d.h. die Aura - eines Erwachsenen, nur wir (Blinden) wissen das nicht, ist aber so.

    Nicht die Kinder sollten uns an- oder nachbeten, sondern wir sie/ihnen. Sie haben noch Erfahrung mit dem Himmlischen und sind ihm viel näher. Die Erziehungsperson sind im "geistigen Sinne" nicht wir, sondern unsere Nachfolgegeneration. Wir haben von ihnen zu lernen und nicht sie müssen unser altes, verstaubtes Wissen wiederkäuen.
    Das ist ein gänzlich neuer Ansatz ich weiß, aber ich habe es praktiziert und es hat bestens funktioniert.

  4. Andrea Gabriele schreibt am 9. November 2008 um 11:56

    Junge Leute werden oft schon im Vorhinein frustriert, indem man ihnen nichts zutraut. Dabei hat schon ein Baby das Potential - d.h. die Aura - eines Erwachsenen, nur wir (Blinden) wissen das nicht, ist aber so.

    Nicht die Kinder sollten uns an- oder nachbeten, sondern wir sie/ihnen. Sie haben noch Erfahrung mit dem Himmlischen und sind ihm viel näher. Die Erziehungsperson sind im "geistigen Sinne" nicht wir, sondern unsere Nachfolgegeneration. Wir haben von ihnen zu lernen und nicht sie müssen unser altes, verstaubtes Wissen wiederkäuen.
    Das ist ein gänzlich neuer Ansatz ich weiß, aber ich habe es praktiziert und es hat bestens funktioniert.

  5. gerhardq schreibt am 9. November 2008 um 12:49

    Es gibt kein Lernen ohne Erfahrungen!
    Das Problem liegt darin, herauszufinden, warum gemachte Erfahrungen uns an etwas hindern. Jedes Buch, das wir lesen, jeder Film oder jedes Theaterstück, das wir sehen, jedes Erlebnis das wir haben, prägt uns. Erfahrungen erlauben es uns, etwas zu tun oder zu vermeiden, was wir in ähnlicher Form schon einmal "erfahren" haben, welche Wege wir schon einmal gegangen sind. Das erlaubt es uns, unsere Umwelt zu beurteilen ohne jedes Mal jeden Vorgang neu zu erleben. Das macht unsere Welt ökonomischer.

    Etwas Neues kann im Grunde nur auf Erfahrungen von Vergangenem aufgebaut werden. Kein Hochhaus, keine Maschine wird gebaut, ohne daß die Erfahrungen der Architekten oder Ingenieure bis in die Frühzeit berücksichtigt werden. Daher halte ich auch nichts von Patenten, denn die Idee basiert immer auch auf der Idee anderer.

    Was wir uns allerdings angewöhnen sollten, ist, daß wir unsere Erfahrungen hinterfragen, ganz im Sinne von Karl Popper. Erst wenn wir davon ausgehen, daß unsere Erfahrungen auch falsch sein könnten, können wir sie sinnvoll einsetzen.

    Die meisten Menschen meinen jedoch Dogmen oder auch Tabus, daß heißt, "angebliche" Erfahrungen, die nicht hinterfragt werden dürfen. Ein Dogma oder Tabu ist unveränderlich und darf auch nicht hinterfragt werden. Oft ist es auch keine Erfahrung, sondern wird oft ungefragt von anderen übernommen. Dogmen sind gefährlich, denn sie verhindern, daß wir über etwas nachdenken. So haben wir keine Möglichkeit, hier zu entscheiden, ob etwas noch richtig ist oder schon falsch.

    Die Vorstellung, daß Kinder, bzw. junge Menschen besonders kreativ sind, weil ihnen die Erfahrungen fehlen, halte ich für ein großes Dogma dieser Zeit. Zum einen müssen wir berücksichtigen, daß junge Menschen sich in einer Phase des Probierens befinden. Und zum anderen, in dieser Probierphase hinterfragt der junge Mensch im Grunde alles. Er muß sich erst in seine gesellschaftliche Rolle hineinfinden, er testet seine Grenzen.

    Das ältere Menschen ihre Erfahrungen nicht hinterfragen, ist nichts weiter als intellektuelle Faulheit. Ich habe mittlerweile altersmäßig das halbe Jahrhundert überschritten. Ich bemühe mich jedoch, meine gemachten Erfahrungen, meine Einstellungen und Verhaltensweisen ständig zu hinterfragen. Für mich ist ein Tag verloren, an dem ich nichts Neues gelernt habe.

  6. Martina D. schreibt am 9. November 2008 um 13:22

    Ich stimme ihnen zwar völlig zu, dass es wichtig ist, neben Bewährtem auch das Neue zuzulassen.
    Jedoch denke ich, dass sich das "Feuer" aus dem genannten Zitat nicht auf die neuen Ideen und Trends bezieht, sondern schon auf das Alte, auf die Erfahrung. Gerade aus diesem Grund ist mir dieses Zitat so wichtig!
    Meines Erachtens wird heutzutage viel zu oft und gedankenlos auf vermeintlich "Neues", auf "Fortschritt" auf "Modernes" gesetzt und oft doch nur die Irrtümer der Vergangenheit in neuem Gewand präsentiert und durchgeführt.
    Bewußt gemachte Erfahrungen bringen mit sich, dass manche Dinge zu "Asche" werden, nicht mehr angemessen und brauchbar sind - deshalb auch nicht weiter verfolgt werden sollten, nur um einer Tradition willen.
    Aber jede Erfahrung birgt auch Glut und Feuer, aus denen sich neue Wege für die Zukunft ablesen lassen. Wird dieses Feuer, aus Tradition und Erfahrung geboren, in die ZUkunft getragen, kann es weiterbrennen und viel Positives hervorbringen, neue Erfahrungen und immer wieder neue, der Zeit und den Menschen angemessene Wege.
    Traditionelles nur um der Tradition willen und Neues, nur um des Modernen willen sind dagegen für mich Wege, die nur jemand mit Überzeugung gehen kann, der vielleicht zwar Erfahrungen gemacht hat, diese aber nichts mit ihm zu machen in der Lage waren.

  7. Alice Schwarz schreibt am 10. November 2008 um 12:10

    Der Text passt gut zu meiner jetzigen Situation:
    Ich habe vor wenigen Monaten meine Ausbildung erfolgreich mit guten Noten beendet. Sogleich habe ich mich an verschiedenen Stellen beworben.
    Doch ich und auch viele meiner Klassenkammeraden bekamen meistens die gleiche Antwort "Nein, wir suchen jemanden mit Berufserfahrung"
    Ich kann es ja verstehen, dass es anstrengend ist einen Berufsanfänger einzuarbeiten, aber wenn sich diese Einstellung nicht ändert, wird es für uns "Neulinge" keine Gelegenheit geben Erfahrung zu sammeln und man verlernt nach einer gewissen Zeit sogar das gelernte.

    Erfahrene! Gebt uns Unerfahrenen eine Chance, schenkt unseren Ideen Beachtung und lasst uns an eurer Erfahrung teilhaben. Nur so entsteht eine positive Weiterentwicklung!

  8. Christiane Bach schreibt am 11. November 2008 um 16:16

    Ich hatte in den letzten Jahren eher den Eindruck, dass innerhalb der Unternehmern gar kein Interesse an Erfahrung mehr besteht, da ja die Mehrzahl Leute über 50 gar nicht mehr beschäftigt. Erst jetzt besinnt man sich, wie gelegentlich zu lesen ist, wieder darauf, dass es auch Mitarbeiter geben muss, die nicht jedem Trend hinterher laufen, sondern aus eigener Erfahrung eine begründete Vorstellung haben, was nun GUT für das Unternehmen ist.

    Im persönlichen Leben bin ich froh, mittlerweile über einige Erfahrung zu verfügen - das bringt Gelassenheit und man regt sich nicht mehr über jeden Pipifax so auf! :-) Wer allerdings mit seinen Erfahrungen andere ungefragt beglückt oder Unerfahrene gar nicht mehr Ernst nimmt, ist auf dem besten Weg ins verkalkte, rechthaberische Greisentum!