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Ewig unzufrieden?

Von Tania Konnerth4 Kommentare

"Jeder Wunsch, der sich erfüllt, kriegt augenblicklich Junge."

– Wilhelm Busch

Wenn Sie hier bei uns schon ein bisschen länger mitlesen, dann wissen Sie, dass wir Fans davon sind, persönliche Wünsche tatkräftig anzugehen. Also daraus konkrete Ziele zu formulieren, sich zu überlegen, wie man diese Schritt für Schritt angehen kann und dann loszulegen.

Als ich nun neulich auf das obige Zitat von Wilhelm Busch traf, nickte ich sofort. Ein Widerspruch zur Zielorientierung?

Für mich ist es kein Widerspruch, sondern vielmehr etwas, das wir einfach beachten und im Hinterkopf behalten sollten. Konsequente Zielorientierung ist eine feine Sache, da wir damit sehr viel erreichen können. Am anderen Ende aber steht die Gefahr einer ständigen Unzufriedenheit, denn ja, erreichte Ziele und erfüllte Wünsche bekommen tatsächlich schnell Junge.

Für Menschen, die gerne etwas erreichen, ist es fast immer eine Herausforderung, das Erreichte auch genießen zu können. Sie sind gut darin, den Blick schon wieder aufs nächste Ziel zu legen, ohne wirklich den Erfolg des bereits Erreichten realisiert und vor allem genossen zu haben. Und so wirken solche Menschen manchmal ständig hungrig und getrieben.

Wie so oft liegt das Maß der Dinge zwischen den Extremen. Wunsch- und Zielorientierung auf der einen Seite, Genießenkönnen und auch mal Fünfe gerade sein zu lassen auf der anderen – beides zusammen schenkt uns erst die Möglichkeit zu wirklicher Zufriedenheit.

Die Antwort auf das Zitat liegt also nicht darin, keine Wünsche mehr anzugehen, sondern weniger Befriedigung im Erreichen der Ziele zu finden, als im Weg zu den Zielen und Genießen dessen, was man geschafft hat.

  1. Jürgen schreibt am 8. Juni 2010 um 09:18

    Da ist etwas Wahres dran. Schon Logan Pearsall Smith meinte ja: „Man muss im Leben zwei Ziele verfolgen: Erstens muss man das erreichen, was man begehrt; und zweitens muss man dann das Erreichte zu genießen verstehen. Doch nur den klügsten Menschen gelingt auch letzteres.“

  2. hit schreibt am 9. Juni 2010 um 11:13

    Vor allem am letzten Absatz ist was Wahres dran. Mir geht es immer wieder so, dass ich denke, ich habe noch so viele Projekt vor bzw. noch nicht abgeschlossen. Aber gerade das macht den Reiz des Lebens aus, wenn man laufend Dinge zu erledigen hat, und das wird auch immer so sein. Sonst wäre es wahrscheinlich langweilig und wir hätten erst recht schlechte Stimmung. Man muss von diesen Denken des "Zielerreichens" wegkommen;
    Darum: Ziele in kleinen Schritten erreichen, und jeden kleinen erledigten Schritt genießen, und wieder den nächsten kleinen Schritt planen, denn diese kleinen Schritte gibt es laufend und fast jeden Tag.

    hit

  3. Reinhild Becher schreibt am 13. Juni 2010 um 04:52

    Danke für das Zitat. Ich werde es nächste Woche sofort nutzen, um Lehrern zu einer Veranstaltung zu zeigen: Wenn wir es ereichen, dass Schüler - die sich wahnsinnig Mühe geben - erfolgreich sind, erfüllen diese sich einen Wunsch: nämlich Erfolg zu haben. Dies wiederum löst eine gewisse Zufreidenehit aus, die wir mit ihnne genießen sollten. Das kann dann der Ansatz sein, weitere schwierige Augaben lösen zu wollen, sie werden motiviert sein. Daraus ergeben sich dann weitere Erfolge - Der Erfolg bekommt "Junge". Ich selbst habe das schon mehrfach erfahren. Mit kleinen Schritten zum Erfolg! Aber nachhaltig. RB

  4. Joachim schreibt am 13. Juni 2010 um 08:52

    Ich bin mir ja schon seit längerem fest bewusst, dass der Weg das Ziel ist bzw. sein muss. Da man ansonsten immer wieder neuen Zielen nach eifert. Man setzt sich ein Ziel, erreicht es und fragt sich dann: "War´s das jetzt?" "Nein, da muss mehr kommen, sonst wird´s ja langweilig."

    Ich setze sehr viel Hoffnung in den Zustand des erreichten Ziels und stelle dann fest, dass sich nicht alles so Bewahrheitet, wie man es sich ausgemalt hat.

    In meinen jungen Jahren (25) hab ich im Verhältnis (Selbstbewusstsein: vergleiche dich nicht mit anderen) schon einiges erreicht, auf das ich Stolz sein könnte. (Leider) weiß ich es irgendwie nicht richtig zu schätzen. Ich könnte ja noch mehr erreichen. Aber dann kommt wieder die Frage auf, für was macht man sich den ganzen Ärger, Stress und Aufwand? Man könnte doch einfach das Erreichte genießen, sich faul zurücklehnen und einfach in den Tag hineinleben.

    Dies wiederum widerspricht dem oben geschriebenen, denn dann wird´s ja wieder langweilig...

    Wenn man sich nun also als logische Konsequenz ein Ziel auswählt, bei welchem der Zielzustand zwar erwünscht ist, jedoch der Weg zum Ziel das eigentliche Ziel der Bewältigung der Aufgabe darstellt. Dann sollte ja das Ziel in möglichst später Zeit erreicht werden, so dass der Weg zum Ziel lang ist und richtig ausgiebig genossen werden kann.

    Von der Theorie zur Praxis:
    Wenn ich mir vornehme zu Wandern, Rad zu fahren oder was auch immer mir bei der Ausführung Spass macht. So werde ich doch versuchen diese Tätigkeit möglichst lange auszuführen. Wegen einer Stunde fange ich nicht an zu Wandern bzw. höre ich nach einer Stunde nicht damit auf, nur weil ein Ziel erreicht ist. Ich möchte dann weiter gehen, da mir das Wandern an sich Spaß macht und nicht etwa das Zielerreichen. Selbiges gilt beim Radfahren oder Spielen. Solange ich im sogenannten Flow bin, ist alles gut. Ich bin zufrieden und denke noch nicht konkret über das nächste Ziel nach, da ich aktuell noch voll beschäftigt bin.

    Es ist für mich wirklich nicht einfach, die erreichten Ziele zu würdigen, auch wenn man von seinen Freunden hört, dass man beneidet wird und man doch so viel Glück im Leben hatte und es doch endlich schätzen solle. Ich will weiter machen und nicht einfach stehen bleiben. (Mein Ziel scheint noch nicht erreicht.)

    Daher ist mein aktuelles Ziel - oder Zwischenziel - meine Antwort auf die Frage zu finden: "Wie werde ich zufrieden? - Auch wenn ich weiter mache."

    Ich wünsche allen Lesern noch einen schönen Sonntag und hoffe, dass ihr Zufrieden sein könnt, mit euch, euren erreichten Zielen und allem was euch umgibt und antreibt.

    Vielen dank an das Team von Zeitzuleben und Unternehmenskick. Ihr regt mich immer wieder an über einige Themen nachzudenken. Meist ergibt es sich sogar so, dass die Themen der Newsletter eh schon in meinem Kopf präsent sind.

    So dann, viele Grüße
    Joachim