Schönheit erleben
Von Tania Konnerth • 8 Kommentare
Und wenn wir die ganze Welt durchreisen, um das Schöne zu finden: Wir mögen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht.
— Ralph Waldo Emerson
Endlich Urlaub! Entschädigung für den Alltagsfrust! Doch in der Fremde kommt man dann tagelang nicht von der Toilette, der Muezzin schreit einen um 4 Uhr früh aus dem Bett, im Basar hagelt es Heiratsanträge und das Wüstentaxi ist ein Haufen Schrott Baujahr 1972. Das soll die Schönheit des Orients sein?!
Natürlich kann es heilsam sein, den Ort des Alltags zu verlassen. Man gewinnt Abstand, entspannt und kann so das Schöne intensiver wahrnehmen. Man nimmt aber auch sich selbst überall hin mit. Im Gegensatz zu dem Nörgler staunt ein Anderer vielleicht über die weit tragende Stimme des Vorbeters und genießt den Sonnenaufgang.
Aber warum muss man Schönheit erst in sich selbst finden, um sie im Außen zu sehen? Ich glaube, dafür gibt es zwei Gründe: Erstens kommt es auf meine „Wahr-Nehmung“ an, ob ich von einer schönen oder hässlichen Welt umgeben bin. Und zweitens gibt es da eine – oft durch Wut oder Angst verstopfte – Quelle in uns. Ob ich sie Gott, Erleuchtung, Agape oder wie auch immer nenne, ob ich es spirituell, philosophisch oder ästhetisch erkläre, alles deutet auf einen inneren Draht zur Quelle der Schöpfung hin. Sich ihr zu öffnen bringt die Erfahrung von Harmonie und Schönheit.
Wo wir uns auch aufhalten, eine akzeptierende und liebevolle Haltung, gerade wenn wir oder die Umstände nicht perfekt sind, lässt einen auch bei Frust Schönheit erleben. Damit diese Haltung gelingt, muss man innehalten und Abstand nehmen. Und dafür kann ein Ortswechsel natürlich ideal sein!
Was sind Ihre Erfahrungen mit der Schönheit? Muss man mit sich selbst im Reinen sein, um sie zu empfinden? Gibt es einen Unterschied zwischen einem vermackelten Ego und einem vollkommenen Selbst? Und von wo aus betrachten Sie die Welt, wenn Sie Schönheit empfinden?






Die Voraussetzung um Schönheit empfinden zu können ist für mich,mit wachen Sinnen ganz im Augenblick zu sein. Das ist öfters ein Eindruck in der Natur. So durfte ich einmal ein Alpenglühen erleben. Jetzt noch, Jahre danach ist mir dieses Erleben gegenwärtig. Es ist Ergriffenheit, die meine Seele berührt, ein ehrfürchtiger Schauer.
Ein schönes Gedicht, Bild oder ein Musikstück und noch viel mehr, können die selben Gefühle auslösen, ich spüre eine Verbundenheit, ein Erkennen ...
Ja, es gibt einen Unterschied zwischen einem vermackelten Ego und einem vollkommenen Selbst? Wir alle, so verkorkst unser Ego auch sein mag, haben ein vollkommenes Selbst, einen göttlichen Kern und der lässt uns Schönheit erfahren. Angesichts von Schönheit fehlen mir manchmal die Worte – wie jetzt. ;-)
Hallo Zusammen,
ich bin vorgestern in der Badewanne untergetaucht. Und ich war ergriffen, wo dem was ich hörte. Es war mein eigener Herzschlag. In diesem Moment habe ich unsagbare Dankbarkeit empfunden und dies war einfach nur wunderschön!
Die Welt ist wunderschön und mein Herz ist die Welt!
Lancaster
vermackeltes Ego kann man(n)/frau HABEN oder der göttliche Kern (Senfkorn)SEIN...!
Sein scheint mir hier der wahre Ausdruck für das, was wir sind, und für diese Erfahrung würde ich meinen, eignet sich folgende Weisheit besonders gut: nur mit dem Herzen sieht man wirklich gut...
Probiert hats vielleicht der/die eine oder andere und genießt seither die Schönheit allen Seins, können könnte es jede/r...
Ich würde sagen, es gibt nichts gutes, ausser man(n)/frau tut es... - die wahre Schönheit ist innen zu entdecken...
und wie ES IST, mag jede/r selbst schauen oder auch nicht...
herzlich(t)e Grüße :)
Allgemein kommt hier raus, so verstehe ich es jedenfalls, dass man schon ein bisschen "aus sich selbst" sein muss, um die Schönheit zu erkennen. Z.B. Lancaster ist in der Badewanne aus sich heraus, um sein Herz zu hören.
Mir ist es oft schon so gegangen, wenn ich an all das zurückdenke, was mich wirklich mit Schönheit beeindruckt hat, dass ich in dem Moment der Betrachtung nicht auf mich sondern absolut auf das "draussen" konzentriert war. Ich wollte es in mir speichern, das schon, und so kam mir oft erst wie ein Hammerschlag die Erkenntnis "Mann, ist das schön hier!". Ich glaube, hier geht es darum, sich selbst nicht so unendlich wichtig zu nehmen, dann ist man auch offener für die Schönheit, kann sie wesentlich besser geniessen.
Und, wenn der Muezzin einen um vier aus dem Bett schreit, so muss man daran vorher denken. Wer das nicht will, der sollte sich, bittschön, vorher überlegen, wohin er sich begeben möchte.
Das heisst, Rolf, ich gebe Dir recht: man muss mit sich selbst im Reinen sein, sich wohlfühlen und offen sein für die Wunder dieser Welt. Nur allzuoft begegnet man im Alltag schönen Dingen, ohne sie wirklich wahrzunehmen, weil das Draussen einfach nicht wichtig genug ist, der Stress im eigenen Inneren vorrangig herrscht.
Einfach hinschauen und sich freuen
empfiehlt
Sommerwind
o,o, bitte entschuldige meinen Tippfehler. Es sollte Ralf heissen, nicht Rolf.
War keine Absicht.
Gestern bin ich abgehoben....
Ballonfahrt !
Jeder , der das mal erlebte wird bestätigen...Hurra !
Das Erlebnis , aufzunehmen ,gelingt dort oben nicht
digital , sondern vielmehr im Kopf und wirkt deshalb nach.
Heute Morgen Sonnenaufgang - keine Eile - sondern Stop !
Meine Sinne sind geschärft !
Herzliche Grüße
Gregor
Das Empfinden von Schönheit in dem Sinne, etwas als schön zu bezeichnen ist sicherlich etwas sehr Subjektives, während das Empfinden von Schönheit als Eigenschaft des Menschen meiner Ansicht nach deutlich vom seinem Bewusstseinszustand abhängt.
Dieser kann wohl auch durch "Entspannungsdrogen" wie Alkohol erreicht werden, denn von dem einen oder anderen Zeitgenossen ist schon mal zu hören: Die/Den habe ich mir vorher "schöngetrunken".
Aber ich denke, dass ist nicht die Art Bewusstseinszustand die man dauerhaft anstreben sollte, um Schönheit erleben zu können. Für mich gehört eine sensitive Gelassenheit dazu, manchmal ein Blick aus einer gewissen Distanz und die Abwesenheit von Stressoren.
Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft sich hierauf auch einzulassen. Ob man dafür um die halbe Welt fliegen muss oder bestimmte Ort aufzusuchen hat, sei dahingestellt. Der Wald oder Park nebenan schein mir dafür auch geeignet zu sein, obwohl ich zugeben muss, dass wenn man beispielsweise durch die Rocky Mountains fährt oder auf den Pazifik schaut dies wohl niemanden völlig unberührt lässt.
Einen gewissen Zweifel hege ich jedoch daran, ob das Empfinden von Schönheit nicht auch durch Zeitgeist und Gesellschaft geprägt wird. Wie wäre sonst zu erklären, dass bspw. Claudia Schiffer allgemein als schön empfunden wird und Frau Merkel als weniger schön. Mir gefallen zwar beide nicht, aber bei Meinungsumfragen kommen oft Resultate zu Stande, die auch was mit "Machen von Schönheit" zu tun haben müssen.
@Hubert:
Genau, wenn man den Leuten lang genug einredet, dass dies und nix anderes das Idealbild ist, dann glauben sie es irgendwann. Deshalb gibt ja so viele magersüchtige Jugendliche, die sich dem Ideal nahehungern, obwohl Frauen von Haus aus einfach einen Bauchansatz haben. Meine Tochter ist ein solcher Fall, ich habe ihr dringend einen Besuch beim Frauenarzt ans Herz gelegt, der sie mal über ihre inneren Organe aufzuklären hat und sie anschliessend zu entfernen hat, damit dieser blöde Bauchansatz endlich verschwunden ist.
Es hat nur einen Augenblick gedauert, dann hat sie gelacht.
Und, ehrlich: lieber eine etwas fülligere Frau als ein Hungerhaken.
Danke, dass Du als Mann das auch so siehst.
Sommerwind