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Glücklich unterwegs

Von Ralf Senftleben12 Kommentare

„Es gibt keinen Weg zum Glücklichsein. Glücklichsein ist der Weg.“ Buddha

Das Zitat scheint etwas so Grundlegendes und Einfaches zu sagen — und doch ist einfach glücklich sein eine der größten Herausforderungen, die ich mir denken kann.

Neulich zum Beispiel habe ich mir richtig schöne Schuhe gekauft. Die kleine Dorothy hätte im Wunderland Oz keine schöneren bekommen können! Das Glücksgefühl deswegen taucht kurz auf, wenn ich sie anziehe und das Haus verlasse. Aber haben mir die neuen Schuhe den Ärger über die Hundekacke im Fahrstuhl erspart? Oder das Einkaufschleppen erleichtert? Wirklich glücklich haben sie mich nicht gemacht.

Es gibt eben vieles, was uns Anlass gibt, nicht glücklich zu sein. Wir wollen etwas haben, etwas anderes müsste aus der Welt geschafft werden, bevor Glück sich einstellen darf.

Vielleicht ist es aber auch nur eine blöde Angewohnheit, mich immer wieder auf das Negative zu konzentrieren und überall das Haar in der Suppe zu finden.

Aus der Neurologie ist ja bekannt, dass das Hirn seine eigenen Datenbahnen erschafft. Ein Gedanke ist erst nur ein schmaler Trampelpfad, wird bei wiederholtem Denken aber bald zur Schnellstraße. Bald habe ich ein ganzes Straßennetz des Nörgelns und Zweifelns erschaffen, während der Weg des Glücks immer mehr verkümmert.

Das funktioniert doch aber wohl auch mit dem glücklich sein, oder? Wenn ich mich bewusst immer wieder lächelnd auf die stillen kleinen glücklich machenden Waldwege begebe und die gute Luft und die intensiven Farben genieße, kann ich nach und nach tief ausgetretene Wege des Glücks erschaffen. Dann geht es in meinen wunderschönen Schuhen immer öfter über weiche Moosteppiche zum tiefen, kühlen Weiher der Zufriedenheit, und durch raue Felsschluchten hinauf zur Trutzburg des Glücks.

Was meinen Sie? Kann man sich das Glücklichsein einfach angewöhnen? Oder gibt es Dinge, die einen Menschen ganz objektiv daran hindern? Was brauchen Sie zum Glücklichsein?

  1. Sommerwind schreibt am 11. Oktober 2006 um 05:29

    Ja, es gibt Dinge, die einen daran hindern, glücklich zu sein. Dazu gehört: sich selbst anlügen, dass man doch auch immer das Positive an einer negativen Situation sehen muss. Ich glaube, das Schlimmste ist, die Fähigkeit zum realistischen Denken zu verlieren.
    Meiner Meinung nach kann nur glücklich werden, wer sein Herz und seinen Verstand im Einklang hat. Ich fühle mich nur wohl, wenn mein Kopf mir sagt:"Genau! So sollte es sein."
    Wenn das nicht der Fall ist, entrümple ich, auch in meiner Beziehung.
    Dann kann ich wieder auf den Waldwegen wandern und, ehrlich, dann ist mir der Hundekot egal.
    Liebe Grüße
    Sommerwind

  2. subby schreibt am 11. Oktober 2006 um 10:57

    Tatsächlich ist es ja so, dass auch ich dazu neige zu sagen: 'Glücklich kann ich sein wenn..." und dann folgt eine Liste von sicher tollen Sachen. Aber mal ehrlich, selbst wenn die Ziele erreicht wären (was oft gar nicht möglich ist) hätten sich in der Zwischenzeit doch neue Wünsche, Pläne und zu überwindende Hindernisse angesammelt.

    Sicher sind Ziele wichtig, und ich denke es sinnvoll die Erfüllung meiner Wünsche anzustreben. Doch noch wichtiger ist es, im hier und jetzt zu sehen wo ich stehe und was ich aus dieser Position Positives erreichen kann. Das ist denke ich das größte Hindernis beim Glücklich sein: Sich über etwas zu ärgern, nach etwas zu Streben, was völlig außer Reichweite liegt.

    Auf dem Weg zu den eigenen Zielen kann ein wenig Fröhlichkeit, Gelassenheit und Selbsterkenntnis nur helfen. Ist das Glück?

  3. Irmy schreibt am 11. Oktober 2006 um 11:24

    Glücklich sein bedeutet für mich zuerst zufrieden und dankbar sein. Meinen Fokus auf die positiven, schönen Dinge in meinem Leben zu richten. Das was mich unzufrieden macht zu ändern, wenn ich die Kontrolle darüber habe und, wenn ich das nicht kann, die Gegebenheiten akzeptieren und das
    Beste daraus machen.

    Wenn ich gedanklich Bedingungen stelle, dieses oder jenes müsste sein, damit ich glücklich sein kann, dann hab ich wahrscheinlich kein Talent fürs Glücklichsein.

  4. Hubert schreibt am 11. Oktober 2006 um 11:30

    Sich das Glücklichsein, was auch immer das für den einzelnen sein mag, einfach anzutrainieren bzw. herbeizudenken, ist vielleicht ein wenig zu schlicht gedacht.

    Um den Zustand des Glücklichseins, insbesondere den des nachhaltigen Glücklichseins und weniger der ganz kurzen Momente zu erreichen, spielen meiner Ansicht nach unterschiedlichen Faktoren eine Rolle.

    Der amerikanische Psychologe Seligman hat das in seinen wissenschaftlichen Untersuchungen, wie ich finde, auf eine einleuchtende mathematische Formel gebracht:
    G = V + L + W
    G steht für das Glücksniveau das auf Dauer erreicht werden kann.
    V kennzeichnet die vererbte Bandbreite erreichbaren Glücks
    L beinhaltet die persönlichen Lebensumstände
    W steht für den eigenen Willen zum Glück.

    Um dies mit Beispielen und Ergebnissen von Untersuchungen weiter zu verdeutlichen ist die Kommentarform, wie in diesem Forum, weniger geeignet. Was mich an Seligsman`s Untersuchung besonders verblüfft hat ist die Komponente V. Demnach ist die Bandbreite, die ein Mensch an Glück empfinden kann teilweise durch seine Gene determiniert. Ein Mensch mit wenig Glücksempfinden hat nach mehren Monaten keine Freude mehr an seinem Lottogewinn, während ein Querschnittsgelähmter mit positiver genetischer Disposition sich nach weniger als einem Jahr genauso glücklich fühlt wie vorher. Lediglich der Tod des eigenen Kindes hat sich auch bei dieser Gruppe langfristig negativ auf das Glücksempfinden ausgewirkt.

  5. Edith schreibt am 11. Oktober 2006 um 16:32

    Ich finde die Metapher ein bisschen unglücklich gewählt (ja, das Haar in der Suppe ;)), denn wenn ich immer denselben Waldweg langtrampele, dann wächst da irgendwann eben kein Moos mehr. Mich macht es glücklich, die geheimen Dinge im Alltag zu entdecken - und das erfordert es, auch mal nach Links und Rechts zu schauen statt immer nur geradeaus.

    @Hubert: ist das wirklich eine genetische (also biologische) Geschichte oder hat es vielmehr soziologische (also anerzogene) Gründe?

  6. Hubert schreibt am 11. Oktober 2006 um 19:00

    @Edith:
    Plausibeler erscheint mir auch, dass es eher eine Frage der Konditionierung ist, wie stark das Glücksempfinden sich später ausprägt. Ich bin auf dem Gebiet der Psychologie allerdings eher ein Laie.
    Seligman vertritt hier eine andere Auffassung. In seinem Buch "Der Glücks-Faktor - Warum Optimisten länger leben" ,Verlag Ehrenwirth 2003, schreibt er auf Seite 88 von einem "Steuermann“, den wir von unseren biologischen Eltern vererbt bekommen, der uns auf ein bestimmtes Niveau von Glücklichkeit und Traurigkeit hinsteuert. Er greift dieses Thema im weiteren Verlauf des Buches des öfteren auf. Wenn ich ihn richtig verstehe hält er eine solche Disposition nicht für völlig unabänderlich jedoch für eine bedeutende Einschränkung.

  7. Julie schreibt am 13. Oktober 2006 um 05:09

    Glücklichsein, setzt für mich die Fähigkeit, den Moment bewusst zu erleben voraus, ohne jeden Gedanken, ohne jede Bewertung, einfach nur wahrnehmen, annehmen und "Lieben was ist" wie es Byron Katie nennt.
    Wenn mein Glücklichsein abhängig wäre, von äußeren Umständen, Gegebenheiten, Menschen, dann müsste ich auch im Außen ständig etwas unternehmen, dass mich glücklich macht. Das würde bedeuten, dass ich dem Glück nachjage. Wozu die Anstrengung, wenn ich voller Vertrauen, einfach stille bin, passieren lasse, dann kommt das Glück einfach zu mir und läuft direkt in meine geöffneten Arme, fließt durch mich hindurch und ist ein unerschöpflicher Quell von Lebensfreude.
    Nein, ich möchte nicht die sicheren und bequemen Trampelpfade immer und immer wieder abwandern, sondern das Abenteuer meiner eigenen inneren unberührten Welten erleben, neue Wege schaffen, auf denen mir viele Menschen folgen können, aber nicht müssen.
    Ich bin ehrlich erstaunt, dass es Menschen gibt, die aus dem Glücklichsein auch noch eine mathematische Formel erschaffen können und somit einem Menschen der dafür offen ist, eine Beschränkung auferlegen. Mancher würde sich angesichts Seligmans Formel fragen: "Vielleicht kann ich niemals glücklicher sein?"
    Glücklichsein, heißt für mich GLÜCKLICH IM SEIN.

  8. Joysea schreibt am 15. Oktober 2006 um 20:26

    schöne neue Schuhe oder die Hundekacke darunter???

    Ich würde sagen, ich muß mich gar nicht entscheiden, ich kann beides haben und trotzdem glücklich sein...

    z.B. weil ich mir denke, in Hundekacke zu treten bringt Glück, also danke...

    oder weil ich an einem Ort lebe, wo es noch Tiere gibt, also danke...

    oder, oder, oder...

    ich finde, Glücklichsein ist eine gute Gewohnheit, die man(n)/Frau sich zulegen kann, wenn sie/er denn will.

    Ich bin mir bewußt, daß ich mich jeden Moment entscheiden kann, wie ich auf die Dinge schaue. Das schöne dabei ist, daß alle da sein kann, so wie es ist, ich kann es so oder so wahrnehmen, ganz wie es mir gefällt...

    Gewohnheiten entstehen ja durch ständige Wiederholungen, dadurch ist es auch gar nicht so schwierig, Glücklichsein zu entwickeln und dauerhaft darin zu schwelgen...

    ganz nach dem Motto - Fröhlichkeit, Traurigkeit, beides kommt vor, eins nur ist wichtig, trags mit Humor!

    Was mich daran hindern könnte, glücklich zu sein???
    Vielleicht die Wahl zu treffen, unglücklich zu sein, aber warum sollte jamand sich freiwillig dazu entscheiden??? Allenfalls weil er unbewußt ist über sich selbst, wir haben die Möglichkeit zu entdecken wer wir sind, in jedem Moment...

    welch Glück!

  9. Renate schreibt am 16. Oktober 2006 um 08:08

    Zu dem Thema kann ich das Buch 'Anleitung zum Ungluecklichsein' von Watzlawick empfehlen. Seltsamerweise sind wir (fast) alle davon ueberzeugt dass unsere negativen Gedanken unser Leben beeinflussen, aber wir haben immer wieder Zweifel ob dass mit den positiven Gedanken auch so klappt. Ich bin davon ueberzeugt dass ich 'ueben' kann Gluecklich zu sein - in dem ich mich auf das konzentriere und bewusst wahrnehme was mich Gluecklich macht. Die kleinen Dinge genauso wie die grossen. Denn 'What I focus on expands' ... und das gilt nunmal unabhaengig davon ob wir das 'etwas' auf das wir uns konzentrieren als positiv oder negativ bewerten.

    Also - 'ueben' wir gluecklich zu sein, angefangen mit dem daran erinnern und bewusst wahrnehmen (Achtsamkeit ;-) ) was uns den Tag ueber gluecklich macht!

  10. Karsten schreibt am 16. Oktober 2006 um 08:10

    Glück ist Schicksal.

    Man kann sich kein Glück machen oder denken, wer das tut läuft mit einer "Rosaroten Brille" durchs Leben.

    Glück und Unglück sind zufällige Ereignisse in meinem Leben. "Ich fuhr als einziger bei Nacht über die einsame Landstraße, als ein Reh über die Straße wechselte. Warum jetzt? Warum genau in dieser Sekunde? Wäre ich eine Minute später aus dem Haus gegangen, wäre es nicht zu diesem Unfall gekommen"!

    Der Weg des Lebens besteht aus Entscheidungen und du triffst immer wieder auf eine Weggabelung. Gehe ich rechts oder links, du entscheidest dich für rechts und findest den besseren Weg, bist zufrieden und Glücklich. Doch Entscheiden kannst du nur zwischen rechts oder links ohne zu wissen was da kommt. Das liegt bei einer höheren Macht -ohne deinen Einfluss.

    Du hast einen tollen Lebenspartner, gleich beim ersten mal hats gefunkt. Stell dir vor du wärst - damals - nur 10 Sekunden später gekommen, du hättest ihn/sie niemals getroffen. Ist das Glück, Zufall, Pech?

    Ich denke, mach das beste aus deiner gegenwärtigen Situation, vielleicht ist sie nach eigener Einschätzung Glücklich - oder?

    Glück auf!

  11. Susanna schreibt am 18. Oktober 2006 um 09:50

    Das wichtigste im Leben ist ganz einfach - es ist Liebe für sich und alles, was uns begegnen und geschehen mag.
    Ich habe wichtige Dinge mit in die Wiege gelegt bekommen, worüber ich sehr dankbar bin: eine starke künstlersche Veranlagung, eine tief innere Gewissheit, dass mir nichts zustösst, wo ich nicht auch die Kraft geschenkt bekomme, das zu tragen, ein tiefes inneres Gefühl zu wissen, dass ich "jetzt" lebe.
    Das alles hat nicht verhindert, dass ich krank wurde, und seit 20 Jahren Schmerzpatientin bin. Aber es hat mir geholfen Wege zu finden, um heute zu sagen, dass ich "Ganz" bin, so wie ich bin. Dass ich jeden Morgen dankbar und glücklich erwache, wenn auch mit Schmerzen; mein Blick dabei hinaus in den Morgen geht und ich mich freue aufzustehen, ob es nun regnet oder die Sonne scheint, Nebel hat, oder hell ist.
    Die glücklichsten Momente sind, wenn mir dabei Worte für ein Gedicht einfallen, die ich dann als erstes festhalte, um sie später am Morgen umzusetzen.
    Diese Grundstimmung wird zur Übung. Natürlich geschehen bei der Arbeit, im Zusammenleben und bei der gemeinsamen Arbeit mit Mitmenschen Dinge, die manchmal sehr schwer zu tragen sind. Aber diese innere Kraft, lässt nicht zu, dass ich mich verloren fühle.
    Ich habe aber auch gelernt besser auf mich zu achten, meine Kräfte besser einzuteilen, nein zu sagen. Ruhezeiten als etwas ganz Wichtiges und Kostbares zu sehen, auch wenn noch viel zu tun wäre.
    Ich lernte Sorgsamkeit für mich, meine Mitmenschen und Sorgfalt im Gebrauch von Umgebung und Dingen.
    Ich lernte Behutsamkeit im Gespräch mit meinen Nächsten, Freunden, Mitarbeitern und Fremden.
    Ich lernte den Tag so abzuschliessen, wie den Morgen zu beginnen. Es ist mir wichtig mit meinen Söhnen und ihren Frauen Kontakt zu haben, so wie sie sich dabei wohlfühlen. Noch zu lesen, Worte zu suchen, die mich stärken und zum vergangenen Tag Beziehung haben. Diese Worte sende ich meinem besten Freund, um ihn bei seinem Tun zu stärken, ihn für den nächsten Tag zu ermutigen.
    Meine letzten Gedanken tausche ich mit meinem Mann aus, wobei das Danke sagen immer am wichtigsten ist.

  12. Petra schreibt am 31. Januar 2007 um 19:44

    Schon mal das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" gelesen ??