Wurzeln und Flügel

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

– J. W. von Goethe

Heute mal ein Zitat, das eine wundervolle Anregung für Eltern und für alle anderen ist, die mit Kindern oder jungen Menschen zu tun haben. Darüber hinaus können diese Zeilen aber auch sehr gut als Inspiration für die eigene Lebensgestaltung dienen, denn es ist nie zu spät, an dem zu arbeiten, was es uns ermöglichen kann, glücklich und zufrieden zu leben.

„Wurzeln und Flügel“ – mit so einfachen Worten kann man so genau das anschaulich beschreiben, was wir alle gut gebrauchen können, um tatkräftig und lebensfroh durchs Leben zu gehen.

Wir benötigen Wurzeln, um fest stehen zu können, auch wenn um uns mal alles stürmt und tobt. Diese Erdung stellt sicher, dass wir uns nicht in Luftschlössern verlieren, sondern aktiv handeln können. Sie schenkt uns Stärke.

Gerade in schweren Zeiten ist es gut, zu wissen, wo man steht und in bewegten Zeiten hilft es, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu bleiben.

Die Flügel aber brauchen wir zum Träumen und damit wir uns nicht allein mit der Bodenhaftung zufrieden geben. Denn ein Leben ganz ohne Höhenflüge wäre nur halb so schön!

Mit unseren Flügeln können wir uns ausmalen, was alles möglich ist und wir können uns ein Stück emporheben, um dort mit den Vögeln am Himmel zu tanzen.

„Wurzeln und Flügel“ – vielleicht auch für Ihr Leben ein brauchbares Bild?

Wie finden Sie den Beitrag?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (30)
Loading ... Loading ...

Kommentare

Hubert schreibt am 17. März 2007

Dieses Goethezitat enthält wie vieles von diesem außerordentlichen Dichter eine tiefe Weisheit. Dabei sagt er nicht, sie sollten es bekommen, sondern er stellt den erhöhten Anspruch: sie sollen es bekommen.

Goethe hat es hier auf die Eltern beschränkt. Ich denke, man kann die Forderung auf die Schule und die Gesellschaft allgemein ausweiten.

Leider wird sie meiner Ansicht nach völlig ungenügend erfüllt.Viele Eltern sind selber entwurzelt und fluguntauglich und können somit nicht wirklich Wurzeln und Flügel mitgeben.
Bei Pädagogen ist mein Bild auch nicht viel optimistischer, obwohl es sicherlich vereinzelt welche gibt, die mit großer Intensität versuchen diese Fähigkeiten zu vermitteln.
Hinzu kommt noch das Menschen mit Flügel und Wurzeln sich schwer normieren lassen und auch Freiheitsansprüche stellen. Alles keine Attribute, die in einer effizienten Hochtechnologiegesellschaft gebraucht werden.

Danny-Mo schreibt am 18. März 2007

Es ist ein schönes Zitat, aber was ist , wenn die Wurzeln fehlen und die Flügel gebrochen sind?

Annette schreibt am 18. März 2007

Wenn die Wurzeln fehlen -
Ich glaube, dass sie nie gänzlich fehlen. Aber es kann schon sein, dass mal jemand entwurzelt wird. Aber das ist der Vorteil von uns denkenden Menschen. Wir können uns bewusst entscheiden neu zu wurzeln, d.h. uns einen Ort zu suchen, an dem wir leben wollen und dort Menschen kennenlernen (über Sportvereine, Kurse,…), die uns dabei helfen.

Wenn die Flügel gebrochen sind -
müssen sie heilen. Und dann können ganz zaghafte Flugversuche gestartet werden (s.o.) und mit Geduld und Zuversicht wird das Fliegen wieder möglich sein.

Danny-Mo schreibt am 18. März 2007

Dann bin ich scheinbar kein denkender Mensch. Oder ich merke meine Verwurzlung nicht, weil ich noch nie spüren konnte, wie sich Wurzel anfühlen. Ist das normal,wenn man einsam ist?
Und es gibt Brüche, die nie ausheilen können. Ist der Flügel erstmal gebrochen, wird der Flug nicht mehr so sein, wie er mal war.

Friedrich schreibt am 18. März 2007

Nun, Goethe war nicht nur ein großer Dichter, er war auch ein großer Philosoph und Wissenschaftler in seiner Zeit. Wenn Goethe von den Wurzeln spricht, meint er nicht nur die Verwurzelung an einem Ort, sondern auch “mit beiden Beinen auf dem Boden stehen”, bereit zu sein, sich den Anforderungen des Lebens zu stellen, aktiv am Leben teilzunehmen. Natürlich ist es für einen Menschen sehr schwer dies zu leben, wenn er keine entsprechenden Vorbilder hat und dies sind in erster Linie die Eltern, auch noch heute. Das mit den Flügeln ist nicht viel anders, auch hier bedarf es der Vorbilder, in aller erster Linie der Eltern. Es geht doch darum, dass man sich über das Alltägliche erhebt, immer wieder bestehendes in Frage stellt und in seinen Flügen Neues und Besseres entdeckt, neue Ziele erkennt.

Danny-Mo schreibt am 18. März 2007

Ich würde gerne mit beiden Füßen auf dem Boden stehen, aber sie werden ständig weggerissen. Hab auch irgendwie keine Lust mehr, immer aufstehen zu müssen, keine Kraft… Und auch keinen Grund dafür.
Ich stelle viel in Frage, aber meine gebrochenen Flügel bringen mich zu nichts Neuem hin. Ich drohe abzustürzen und das kann gar nicht besser sein.

Joanna schreibt am 18. März 2007

Hmm, ich hab Eure Kommentare gelesen. Und ich kann Dich, Danny-Mo durchaus verstehen (auch wenn ich nicht in dieser Situation bin).

Aber insgesamt interpretiere ich für mich das Goethe-Zitat etwas anders.

Schon, dass Eltern + “soziales Umfeld” einem Kind die Wurzeln geben SOLLTEN – wenn das nicht gegeben ist/war, wird es sehr schwer, jemals “Wurzeln zu schlagen”. Diese stabile Ausgangslage wäre eine solide Basis für ein Leben.

Allerdings interpretiere ich das mit den “Flügeln” etwas anders: keine “Höhenflüge”, sondern (im Gleichgewicht zu den “Wurzeln”) die Freiheit zu erhalten, sich selbst – so oder so – zu entwickeln. Auch dazu gehört wieder die “Ausgangsleistung” der Eltern. Die sie leider oft nicht leisten (können).

LG
Joanna

Danny-Mo schreibt am 18. März 2007

Letztendlich hat Hr. von Goethe ja von “sollte” gesprochen und ich habe nur die Frage eingeworfen “was wäre wenn nicht?”
Ich werde wohl nie Wurzeln schlagen und meine Flügel tragen mich auch nirgends hin. Jedenfalls nicht da hin, wo ich gerne wäre.
Meine Freiheit ist begrenzt.
That´s it!

ninapeter schreibt am 19. März 2007

Woher weisst du das alles so genau, Danny-Mo? Kannst du in deine eigene Zukunft sehen?

Danny-Mo schreibt am 19. März 2007

Ich habe mich noch nie irgendwo zuhause gefühlt.Noch nicht mal in diesem Körper. Der ist auch die Grenze für meine Freiheit. Und während man ja von einer “grenzenlosen Freiheit” spricht, wird meine Grenze immer enger um mich gezogen.
Ich kann nicht in die Zukunft sehen, aber ich spüre sie jeden Tag

    Mathias Rudolph
    Janah schreibt am 30. Juli 2012

    Hallo Danny-Mo !
    Ich habe erst vor kurzem diese Seite entdeckt, und einige Tage über das Thema „Wurzeln und Flügel“ und Deine Kommentare nachgedacht.
    Ich glaube, daß Gott jedem Menschen starke und tiefe Wurzeln mit auf den Lebensweg gibt. Nur manchmal können wir nicht glauben, daß wir solche Wurzeln haben. Wir fühlen uns entwurzelt, ohne Halt im Leben . . .
    Auch die Menschen, die keine gute und schöne Kindheit und Jugendzeit hatten, denken manchmal, daß sie keine Wurzeln bilden konnten.
    Gedanken und Vorstellungen haben eine große Kraft und Wirkung. Im positiven Sinn wie auch im Negativen.
    Wenn Du tagtäglich denkst : ich habe keine Wurzeln. Dann wirst Du genau das fühlen und erfahren. Am Besten Du wirfst diesen negativen Satz, jedesmal wenn er Dir durch den Kopf geht im hohen Bogen in die nächste Mülltonne ! Er zieht Dich nur runter.
    Denke statt dessen, so oft es geht : ich habe starke und tiefe Wurzeln. Auch wenn Du Dich überhaupt nicht so fühlst ! Auch wenn es scheinbar der Wirklichkeit widerspricht !
    Mach es zu Deinem Thema. Male vielleicht ein Bild von Dir mit Wurzeln dran oder nimm ein Foto und zeichne Dir Wurzeln dazu. Vielleicht meditierst Du mit diesem Bild : bei jedem Einatmen stelle Dir vor, Energie und Kraft einzuatmen, und bei jedem Ausatmen stellst Du Dir vor, Du schickst diese Energie in Deine Wurzeln hinein. Die dann kräftig wachsen können. Oder Du gehst in den Wald und schaust nach Baumwurzeln, die aus dem Boden herausragen. Berühre diese Wurzeln, sehen sie so aus wie Deine ? Umarme einen Baum und spüre in seine Wurzeln hinein.
    Oder schreibe ein Gedicht über Deine Wurzeln oder mach ein Lied zu dem Thema. Aber achte darauf, daß Du keine negativen Sätze/Formulierungen benutzt. Und bitte keine Sätze dieser Art : wenn ich Wurzeln hätte, dann . . .
    Das funktioniert übrigens auch, wenn Du überhaupt nicht an Gott glaubst. Das ist keine Vorbedingung. Und weiß Du was ich gerade jetzt beim Schreiben spüre ? Meine starken und tiefen Wurzeln !
    Wie das mit den Flügeln ist, darüber muß ich erst noch ein wenig nachdenken . . .
    Liebe Grüße
    Janah

Hubert schreibt am 19. März 2007

Hallo Danny-Mo,
ich kenne Deine persönlichen Umstände natürlich nicht, aber alleine die Tatsache, dass Du hier fünf mal antwortest zeigt, dass Du das Interesse an Deiner Person und der Welt trotz allem nicht verloren hast.

Die Entscheidung, ob ich hier antworte oder nicht, ist meiner Ansicht nach auch schon ein Stück ausgeübter Freiheit und Dein Nachdenken über Dich und Deine Situation zeigt, das Du Dich selbst sehr gut kennst und die eigene Person auch nicht als unwichtig erachtest.

Ich denke, im Grunde bist Du mit Dir selber vertraut. Was spricht dann eigentlich dagegen in sich selber zuhause zu sein, und auch dort seine Wurzeln zu finden. Oder magst Du Dich nicht?
Wäre schade, denn Deine Beiträge klingen ganz sympathisch.

Danny-Mo schreibt am 19. März 2007

Hallo Hubert!

Ich teile mich hier mit, weil ich sonst keinen habe, der sich das anhört. Und das Zitat hat mich eben nachdenklich gestimmt und mir die besagte Frage aufgeworfen. Die weiteren Kommentare dazu wollte ich nicht einfach so stehen lassen, da sie ja auf meinen Einwurf erfolgt sind.
Und ehrlich gesagt, will ich auch mal auf den Arm ;-)

Ich habe Freiheiten. Das habe ich ja auch nicht bestritten, aber meine ist eben mehr begrenzt , als bei anderen. Und bevor hier etwas geschrieben wird: Ich weiß, daß es Milliarden von Menschen bescheidener geht als mir. Nur fühle ich mich in meinem Leben, in meinem Körper, in meinen Gedanken nicht zuhause, nicht wohl. Und wie du schon bemerkt hast, Hubert: Ich hasse mich!

alex schreibt am 21. März 2007

Hallo Danny-Mo,

dass du dich in deinem Leben nicht wohl fühlst, kann ich nachvollziehen. Mir geht es im Moment genauso, aber ich weiß, dass ich etwas ändern kann, wenn ich es wirklich will.
Wenn ich fragen darf: Warum fühlst du dich mehr begrenzt als andere, oder bist du es wirklich?

Danny-Mo schreibt am 21. März 2007

Hallo Alex!
Ich bin krank. Mein Körper baut immer weiter ab.Und gerade im letzten Jahr ging es ziemlich schnell bergab. So bin ich körperlich mehr begrenzt, als ich es jemals wollte, und es andere jemals sind. Generell steuere ich immer mehr auf etwas zu, was ich für mich nie in Betracht gezogen habe, Jeder Traum, jedes Ziel verpufft wie eine Seifenblase. Bitte erspart mir, daß ich mir dann neues suchen muß… Jeder der in so einer Lage war/ist, weiß wie schwer und vielleicht sogar wie unmöglich das ist

Ina schreibt am 23. März 2007

Hallo Danny-Mo,

wohl wissend wie grausam es ist, mit Krankheit und zunehmender körperlicher Einschränkung zurecht kommen zu müssen liegen unsere tatsächlichen Begrenzungen in erster Linie in unseren Gedanken. Auch wenn es Dir momentan nicht weiterhelfen mag, unsere wunderbaren Begabungen liegen vorallem in der Möglichkeit, selber über unsere Gedanken und Gefühle zu entscheiden, in unserer Persönlichkeit und nicht ausschliesslich in körperlichen Fähigkeiten.
Krankheit ist grausam – keine Frage – und sie kann zum Todesurteil werden. Aber die Zeit bis dahin ist trotzdem das Geschenk vieler ungeahnter Möglichkeiten – wenn auch anderer als der erhofften und erträumten. Und in mir selber liegt die Freiheit, ob ich daran verzweifeln werde oder meine Sicht auf das richte, was mir zu Möglichkeiten werden kann. Und solange ich mit der Bewegung meiner Augäpfel mühsam einen Computer bedienen kann, habe ich die Möglichkeit mich mitzuteilen und ein verbales Lächeln in die Welt zu senden – auch wenn sich sonst kein Muskel mehr rührt. Ich kann mir selber leid tun und mit meinem Schicksal hadern – oder ich kann das ständig weniger werdende was mir noch bleibt dankbar schätzen solange ich es habe und mich daran freuen, daß ich die Stunden durchgehalten habe, dies es braucht wenige Zeilen zu schreiben wenn man kaum in der Lage dazu ist.

Franziska schreibt am 27. März 2007

Liebe Ina und lieber Danny-Mo, und auch die anderen, die – wie ich vermutlich gesund und beflügelt und wenigstens teilweise verwurzelt sind.
Was und wie Ihr schreibt, hat mich sehr berührt und beschäftigt, (ich bin nur über diese Seite gestolpert…), für Euch beide Ina und Danny-Mo fehlen mir jegliche Worte und Trost. Mir bleibt nur ein wirklich demütiges Dankeschön.
Ich hab mich ein bisschen bei dem Gedanken “erwischt”, ob DAS ( Eure Krankheit) nicht Eure Wurzeln und Flügel sind… Ich bin Christ und mir fiel eine Textstelle aus einem Paulusbrief ein: .. “Meine Gnade genügt Dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.” (2. Kor.12/ 9) Ganz liebe Grüße!

donste schreibt am 21. Januar 2008

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

ist nicht von Goethe sondern ein altes osteuropäisches Sprichwort!

nichtlustig schreibt am 27. Februar 2010

War wohl eher ein Ökotrophologe:
Karotten und Chicken Wings ergänzen sich schließlich prima…