Über das Loslassen…
Von Tania Konnerth • 12 Kommentare
„Wir brauchen nicht zu lernen, wie wir Dinge loslassen können; wir müssen einfach nur lernen, es zu erkennen, wenn sie schon fort sind.“
– Suzuki Roshi
Das Thema „Loslassen“ beschäftigt viele von uns immer wieder. Wir haben wohl alle eine gute Vorstellung davon, wie viel Erlösung möglich wäre, wenn wir mehr loslassen würden. Und gleichzeitig tun wir uns oft auch so schwer damit…
Nun haben sich schon viele Menschen Gedanken dazu gemacht, wie uns das Loslassen leichter fallen kann und es ist auch viel darüber geschrieben wurden. Manches erweist sich als hilfreich, aber ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir fällt das Loslassen oft noch immer sehr schwer.
Als ich nun dieses Zitat von Suzuki Roshi las, war ich mehr als verblüfft.
Was für eine schon regelrecht freche Aussage das ist! Es geht seiner Ansicht nach gar nicht ums Loslassen, sondern nur darum, zu erkennen, was schon nicht mehr da ist.
Lassen Sie diesen Gedanken einmal auf sich wirken.
Spüren Sie dieser Idee einmal bewusst nach.
Vielleicht ist es tatsächlich so einfach?





Zu erkennen, daß etwas nicht mehr da ist, nicht mehr existiert, ist wohl das Entscheidende. Und sich an dieses Nicht-mehr-Vorhandene zu klammern, ihm nachzutrauern, kostet unnötige Energie, die sinnvoller für Aufbauendes und Neues genutzt werden kann und sollte.
Mir persönlich hat in manchen solcher Situationen immer auch geholfen: Alles hat seine Zeit!
Veränderungen bedeuten auch Entwicklung und Fortschritt.
Ein toller Satz, den ich mir gleich abschreiben und an meine Küchenwand pinnen werde. Wenn ich es schaffe, in Momenten in denen ich Gefühlen, Menschen, Beziehungen nachtrauere zu erkennen, dass sie vergangen, nicht mehr da sind - das wäre doch die Lösung! Aber ich glaube, das braucht schon eine ordentliche Portion Distanz. Egal, ich werd's versuchen!
Nein, das ist natürlich nicht so einfach.
Die Erkenntnis, dass manche Dinge schon fort sind, ist auf der rationalen Ebene sicherlich zu erreichen. Der Prozess des Loslassens ist aber nur ein einem ganz geringen Teil rational bedingt. Emotionen spielen hier eine wesentlich größere Rolle. Loslassen braucht Zeit, bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger und es gibt sicherlich auch Menschen, die bestimmte Dinge überhaupt nicht mehr loslassen können. Rationale Einsicht kann aber ein erster Schritt sein, um in diesen Prozess bewusster einzutreten.
Shakespeare hat es in seinem Kaufmann von Venedig treffen beschrieben:
"Wäre tun so leicht als wissen, was gut zu tun ist, so wären Kapellen Kirchen geworden und armer Leute Hütten Fürstenpaläste."
Ich erkannte, die Ursachen von nicht loslassen wollen/können(?)als eine Illusion, die aus der alten Urangst; Mutter oder Vater zu verlieren entstand. Sie gaben dem damaligem Kleinkind seine erforderliche Sicherheit. Die erste Zurückweisung seitens der Mutter; das abstillen, löste meiner Ansicht nach diese Prägung aus. In wirklichkeit ist es aber keine Zurückweisung gewesen, das wussten wir nicht, da wir noch keine Identität, kein Selbst- Bewusstsein hatten. Und damit auch nicht das nötige Unterscheidungsvermögen.
Demnach leben wir in der Illusion des Denkens, nicht loslassen zu können. Diese kann ich auflösen, indem ich sie als solche illusionäre Konstrucktion erkenne.
Und somit kann ich dem Auspruch von Roshi nur beipflichten, das diese Situation schon längst nicht mehr vorhanden ist; in meinem Fall, nicht mal mehr meine ehemaligen Eltern. Es ist wie bei einer Sucht: Der Auslöser(locker sein, entspannt, sich gut fühlen wollen) ist längst nicht mehr vorhanden, doch die Sucht/ Abhängigkeit kann weiter bestehen.Im Fall des nicht loslassen nenne ich es mal "Anhaftung".Sie ist eine Form von Abhängigkeit und unfrei sein.
Dieter :)
Ich denke, dass dies viel mit der eigenen Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung zu tun hat. Wichtig ist für mich die zentrale Frage:
Bin ich wirklich aufmerksam oder nehme ich nur das wahr, was ich wahrnehmen möchte? Denn wie soll ich dann erkennen, das es schon gar nicht mehr da ist!
Loslassen beginnt meiner Meinung nach schon viel früher! Ich kenne das aus meiner Praxis in Projekten. Am Ende eines Projektes haben Teams immer wieder Probleme des loslassens. Ob wohl von Anfang an klar ist, wenn das Ziel erreicht ist, geht man auseinander, ist es doch so dass es häufig Probleme mit dem "Loslassen" gibt! Da ist noch nichts weg und doch macht sich Unsicherheit und Unwohlsein im Team breit. Ergo, es muss mehr als nur die rationale Ebene geben. Es hat was mit Sicherheit, verlassen eines gewohnten Umfeldes, eines gewohnten Ablaufs oder auch nur das Verlassen eines gewohnten Rituals sein. Das alles ergibt die These es geht um Ängste und Befürchungen. Es geht um Wohlfühlen und Vertrauen. Das alles ist unbekannt wenn man etwas losläßt. Was kommt dann?
einer meiner lieblings sprüche dazu kommt von einer ehr unbekannten band aber ich finde er hat in gewisser weise eine ähnliche aussage:
projektion und illusion werden staub und werden stein
und diese steine fallen ins wasser
ziehen kreise um mich rum
erinnerung und traurigkeit wird vernunft.
und weg vom festen ufer einer längst vergangenen zeit
der einst so blinde passagier macht sich bereit
Hallo,
hier eine kleine Geschichte zum Loslassen aus dem ZEN:
"Tanzan und Ekido wanderten einmal eine schmutzige Straße entlang. Zudem fiel auch noch heftiger Regen.
Als sie an eine Wegbiegung kamen, trafen sie ein hübsches Mädchen in einem Seidenkimono, welches die Kreuzung überqueren wollte, aber nicht konnte. “Komm her, Mädchen”, sagte Tanzan sogleich. Er nahm sie auf die Arme und trug sie über den Morast der Straße.
Ekido sprach kein Wort, bis sie des Nachts einen Tempel erreichten, in dem sie Rast machten. Da konnte er nicht länger an sich halten. “Wir Mönche dürfen Frauen nicht in die Nähe kommen”, sagte er zu Tanzan, “vor allem nicht den jungen und hübschen. Es ist gefährlich. Warum tatest du das? ” “Ich ließ das Mädchen dort stehen”, antwortete Tanzan, “trägst du sie noch immer? ”
Alles Liebe
Wie wahr, wie wahr:)
Ellen und Stephan
ich glaube das problem hierbei liegt nicht darin zu erkennen das etwas nichmehr da ist, nein das ist nicht schwer.
das problem ist einfach das man nicht bereit ist loszulassen.
vor zwei wochen sagte mir meine freundin das sie für einen anderen gefühle empfindet die sie nicht länger einschließen will, und hat somit unsere beziehung beendet. auch als ich ihr ihren seitensprung verzeihen wollte hat sie nicht reagiert. als ich dann ein treffen mit ihr vereinbarte um ihr meine gefühle zu schildern sagte sie mir sie wäre nicht alleine zuhause und ich könne nicht kommen.
jedem dem ich das erzählt habe sagte ich soll sie vergessen, und du hast etwas besseres verdient.
aber trotzdem kann ich sie nicht loslassen und muss tag für tag daran denken wie ihr "neuer" neben ihr im bett liegt, beide glücklich sind und ich alleine zuhause sitze, gefangen mit meinen gedanken.
was ich eigentlich sagen will, ich weiß das sie "fort" ist,aber loslassen kann ich einfach noch nicht, da meine gedanken noch immer bei ihr sind da ich mich einfach nicht mit dieser situation abfinden kann.
Im Buddhismus wird davon ausgegangen, dass das Nicht-Loslassen-Können das zentrale Problem des (menschlichen) Lebens ist. Natürlich geht es dabei um das Festhalten an materiellen Dingen, Menschen etc. Aber es geht auch um das Anhaften an Gedanken und Konzepten.
Letztlich geht es aber darum, dass wir am Sein haften. Wir haben ein solides Konzept davon, wer wir sind und was wir sind. Und wir alle wollen "jemand" sein, bestätigt werden, geliebt werden. Tatsächlich sind das alles nur Illusionen. Die Welt ist einfach so wie sie ist. Und sie ist in ständigem Wandel. Es gibt nichts, dass nicht ständig im Fluß wäre. Konsequenterweise wird die Existens eines stabilen Egos ebenfalls als bloße Illusion erkannt. Solange wir uns mit unseren Gedanken und Gefühlen idetifizieren und glauben, "wir" hätten diese, würden diese besitzen, solange ist völlige Freiheit nicht möglich.
Wenn die Gedanken und Gefühle aber eher wie Wolken über den weiten Himmel des Geistes ziehen als wie eine dichte Nebeldecke alles einzuhüllen, wird alles klar, einfach, freudvoll, ja glücklich. Und zwar völlig unabhängig von den äußeren Umständen.
Okay, das ist zunächst Theorie. Interessanterweise haben aber Mystiker aller Zeiten, Traditionslinien und Religionen immer wieder diese Erfahrung gemacht und teilweise sehr lebendig beschrieben.
Mein Fazit: Echte Geistesschulung mit einem erfahrenen Lehrer, d.h. auch: täglich meditieren. Vielleicht gibt es andere Wege. Ich glaube es nicht.
Ja, so ist das mit dem Loslassen...ich glaube nicht das wir das steuern können. Vielleicht können wir mit ein paar Maßnahmen den Prozess begünstigen. Irgendwann, habe ich festgestellt, führt das "loslassen-Wollen" zum gewünschten ERgebnis. Aber bis dahin ..fließt vielWasser ins Meer und man weint so manche Träne.
Wieso eigentlich kann man sich von manchen Gedanken-Einstellungen so schwer lösen ???