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Ich will alles anders, aber…

Von Tania Konnerth5 Kommentare

"Wer sich nicht bewegt, wird nichts bewegen."

– Joachim Meisner

Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die unzufrieden mit ihrem Leben sind. Sie würden gerne vieles anders haben – aber sie sind im Gegenzug nicht bereit, sich selbst zu ändern. „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ – genau das ist die Einstellung dieser Menschen. Oder anders gesagt: „Ich will alles anders, aber ich will mich nicht verändern.“

Es ist liegt auf der Hand, dass das nicht funktionieren kann. Bei anderen können wir das sofort sehen und wir erkennen, dass der Mensch natürlich bei sich selbst anfangen muss, wenn er oder sie etwas anders haben will.

So weit, so gut.

Aber wie ist es bei uns selbst? Sind Sie sich wirklich sicher, dass Sie nicht manchmal in dieselbe Falle tappen? Dass auch Sie sich über etwas beschweren (vielleicht über den ungerechten Chef, über zu wenig Geld auf dem Konto, über die Arbeit, die so langweilig ist, über Ihre Kinder, die nicht machen, was sie sollen o.ä.) und dabei übersehen, dass Sie selbst aufgerufen sind, etwas zu ändern, wenn Sie sich Veränderung wünschen?

Tatsächlich möchte ich behaupten, dass es fast allen von uns hin und wieder so geht. Wir schimpfen auf etwas und sehen die Störfaktoren im Außen:

Wenn dann noch jemand, bei dem wir uns beklagen, einen konstruktiven Vorschlag macht, wie z.B.

reagieren wir häufig alles andere als erfreut. Wir sollen uns ändern? Wenn doch die Ursache bei den anderen liegt?

Ja, ganz genau!

Und warum? Weil nur wir selbst uns ändern können! Wir können nicht den Chef ändern, nicht den Partner und nicht das Leben. Aber wir können uns ändern. Und das hat dann Auswirkungen auf das Außen.

Unzufriedenheit, die uns nach Veränderung sehnen lässt, führt uns immer direkt zu uns selbst, dazu, dass wir uns bewegen, dass wir uns verändern.

  1. Hubert schreibt am 13. September 2007 um 11:29

    Von dem hier gesagten ist sicherlich vieles richtig und wird oft bei der Betrachtung und Analyse bestimmter Situationen übersehen oder verdrängt.
    Ich sehe mich allerdings nicht ganz so machtlos was die Veränderung meines Umfeldes angeht, ohne mich selbst bzw. meine Einstellung zu ändern.
    Letztlich sind es Macht- oder auch Strategiefragen.
    Es ist sicherlich schwierig, dem Chef zu erzählen, was er zu tun und was er zu lassen hat. Aber unmöglich ist es nicht. Wenn man weiß wie so ein „Elefant“ funktioniert, kann man lernen, ihn subtil zu dressieren. Nicht ganz einfach, aber nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es gibt Sekretärinnen, die sind im Grunde viel mächtiger als der Chef, und dieser weiß das noch nicht einmal.
    Das ganze hat mit vorhandenen Machtstrukturen zu tun, die teilweise auch schwer zu erklären und zu durchschauen sind. Die Macht von Hausmeistern ist mir bis heute ein Rätsel.
    Das Verhalten eines Mitarbeiters oder eines Untergebenen zu ändern (nicht seine Einstellung zu den Dingen) ist vergleichsweise ein Kinderspiel. Entweder er tut es, oder er trägt die Konsequenzen. Das wird heutzutage auch durchgehend so praktiziert.
    Als weiteres Beispiel mögen die sogenannten Streitigkeiten innerhalb der Nachbarschaft dienen. Ob es nun der Maschendrahtzaun ist, oder der ruhestörende Lärm. Vielleicht ändere ich das Verhalten meines Nachbarn nicht, die Polizei hat da andere Möglichkeiten.
    Ich bin darüber hinaus der Auffassung, das ein nicht geringer Teil der Menschen dazu neigt, Dinge hinzunehmen, die im Grunde nicht hingenommen werden sollten.
    Gut dann kann man sich die Frage stellen: Lohnt sich das, gemessen am möglichen Ärger und dergleichen. Ist eine Abwägungssache. Aber mir gefällt es wenig, das die Klügeren nachgeben und die Dummen die Welt regieren.

    Das hat natürlich seine Grenzen. Machtausübung in der Ehe und in einer vertrauensvollen Partnerschaft (aber auch das kommt vor) macht nicht den geringsten Sinn. Denn es ist ein Widerspruch in sich.
    Genauso wenig gibt es Leute die im Leben immer nur Pech haben, oder für alles was ihnen im Leben zustößt selbstverantwortlich sind. Das sind für mich verzerrte Wahrnehmungen der Wirklichkeit.

  2. Monika schreibt am 13. September 2007 um 14:28

    Es stellt sich im Leben immmer die Frage, warum man selbst immer die Kollegen hat, mit denen nicht auszukommen ist. Oder man das Pech förmlich anzieht. Und genau da, muss man selbst etwas verändern. Es gibt immer nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine Situation zu aktzeptieren oder es zu ändern. Wenn ich mit meinen Kollegen nicht auskomme, kann ich entweder das Gespräch suchen, die Firma wechseln oder einfach alles so lassen wie es ist. Wir haben immer die Wahl! Und das Leben will uns ja nicht ärgern, es gibt uns Aufgaben um daran zu wachsen und uns zu förder. Mir hilft es, wenn ich mir das immer wieder mal bewußt mache! Das Leben ist zu kurz, um sich mit unwichtigen Dingen zu beschäftigen. Wenn wir immer nur erwarten, dass wir Pech haben, ja was wird dann wohl passieren....? Und damit sind wir wieder bei der Einstellung und dass jeder sein Leben in der eigenen Hand hat! Aus jeder Situation kann was Gutes gemacht werden!

  3. Heide schreibt am 14. September 2007 um 19:39

    Hubert hat natürlich auch Recht.

    Aber wenn ich beim Ärger mit dem Nachbarn die Polizei rufe, ist das ja auch schon eine Handlung, also eine Änderung der bisherigen Situation.

    Ich bin aber auch der Ansicht, dass man vieles selber mitverursacht.

    Und wenn man das erkannt hat, dann ist es oft gar nicht so schwer, etwas zu ändern.

    Man muss es nur erst mal merken oder gesagt bekommen.

  4. Norbert Glaab schreibt am 15. September 2007 um 13:22

    Ich will alles anders, ist eine Erwartungshaltung. Da steckt das Wort „WARTEN“ drin. Damit gebe ich das Gesetz des Handelns aus der Hand.
    Es ist eher die Aufgabe, sich festzulegen was man genau möchte. Am besten kurz und informell schriftlich. (Hier ist die größte Lücke) Das gilt auch für sich selbst und nennt sich dann Selbstverantwortung. Die kann niemand, außer ich selber, kontrollieren. Damit erhalte ich die Macht, die ich dann einem anderen verleihen kann.
    Macht wird immer nur verliehen.
    Das gilt in der privaten wie in der geschäftlichen Welt.

    Wenn ich meine Erwartungen fixiere, kennt der Partner meine Haltung. Die Möglichkeit, eine andere Entscheidung zu treffen besteht dann immer noch.

  5. Andrea Gabriele schreibt am 16. September 2007 um 20:47

    Andere stochern immer in unseren Problemen herum wie «Aasgeier», weil sie genau merken, dass wir da einen
    Schwachpunkt haben.

    Es wird an auf die Tränendrüse gedrückt, ans schlechte Gewissen appeliert usw: Dabei kann die Gerechtigkeit
    ganz schnell auf der Strecke bleiben. D.h. wenn man die Gesamtsituation betrachtet sieht man, dass der oder die Andere gar nicht so ganz unschuldig bzw. unfähig ist,
    aber es ist halt so schön, das arme vernachlässigte Kind
    zu spielen, man fühlt sich dabei sogar moralisch im Recht.

    Das hat jetzt nichts mit realen oder strukturellen Problemen zu tun (die es natürlich gibt) - denn wie heißt es so schön: "Wer bittet, dem wird gegeben". Es gibt so viele soziale Stellen, die sich mit ihren Angeboten überschlagen und es gibt auch Menschen, die freiwillig helfen. Die Frage ist allerdings: Will ein Alkoholiker oder Junkie Hilfe und wenn ja, dann welche?

    Helfen ist bei Gott nicht einfach, wie das Christentum suggeriert und es kann nicht das Ziel sein, dass der der hilft dabei vernichtet wird - erlebe ich gerade. Ich hab
    es aber auch gestoppt * u.a. mit diesen Zeilen. Manche Menschen verstehen nicht, was Du meinst, aber die werden´s leider in zehn Jahren auch noch nicht verstanden haben.