Eine Frage der Perspektive
Von Tania Konnerth • 15 Kommentare
„Jeder Ausgang ist ein Eingang.“
– Tom Stoppard
Wer dieses Blog hier regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich vor allem Zitate schätze, die uns einen Perspektivwechsel ermöglichen. Und das Zitat, welches ich in dieser Woche für Sie ausgesucht habe, tut genau das: es offenbart einen so einfachen wie nachvollziehbaren, dabei aber dennoch gänzlich verblüffenden, neuen Gedanken, finde ich.
Wer durch eine Tür geht, geht aus einem Raum heraus und tritt in einen anderen Raum ein. Wenn man das nicht nur real sieht, sondern auch im übertragenen Sinn, dann schenkt uns das Zitat einen neuen Blick auf Abschiede, auf Absagen oder andere Enden.
Ganz praktisch: Das Ende einer Beziehung kann man als Ausgang sehen – der Verlust eines geliebten Menschen. Es ist aber auch ein Eingang, denn es werden neue Begegnungen möglich, neue Beziehungen. Eine Kündigung kann man als Ausgang sehen, also man wird rausgeworfen. Man kann sie aber auch als Eingang sehen: etwas Neues wird möglich.
Schon jetzt weiß ich, dass dieser Text wieder einiges an Widersprüchen provozieren wird, von wegen "schönreden" und dergleichen mehr. Aber wer sagt denn, dass der Fokus auf dem Ausgang wahrer oder realer ist als der Fokus auf dem Eingang? Wer gibt vor, dass wir unsere Aufmerksamkeit mehr auf das legen müssen, was wir verlieren als auf das, was wir bekommen können?
Statt zu fragen, wer Recht hat, bevorzuge ich immer mehr die Frage danach, wem es mit seiner Ansicht besser geht. Und wenn ich ein Ende mehr als Eingang denn als Ausgang sehe, geht es mir persönlich besser. Dass in dem neuen Raum, in den ich eintrete, nicht alles kinderleicht sein muss und dass ich hin und wieder auch traurig über das Verlorene bin, gehört mit dazu – aber der Gedanke, dass mich ein Ende immer auch an einen Anfang bringt, kann sehr viel Kraft schenken. Probieren Sie diesen Gedanken doch einfach mal aus.





Persönlich kann ich diese Gedankengänge schon nachvollziehen, ich bevorzuge jedoch, soweit das möglich ist Eingänge und Ausgänge selber zu wählen.
Es scheint mir allerdings fraglich ob diese Sichtweise, die zweifelsohne den Focus auf Dinge lenken kann, die oft ausgeblendet werden, alltagstauglich ist.
Seit einigen Wochen beobachte ich mal mehr mal weniger das Gerangel um den Fortbestand oder die Insolvenz der Fa. Opel. Auch aus Verwunderung darüber, dass niemand Notiz davon nimmt, wenn Arbeitsplätze in einer Schneiderei in einer Bäckerei oder bei anderen kleinen Unternehmen verlogen gehen.
Der Betriebsratsvorsitzende von Opel muss nun in regelmäßigen Abständen „nach vorne“ und den Kollegen erklären wie es weiter geht.
Ich wäre echt gespannt, was passieren würde, wenn der den Eingangstext in etwas abgewandelter Form als Alternative präsentieren würde. Ich glaube, die würden das nicht vertragen und wahrscheinlich wäre für ihn dann am nächsten Tag auch schon eine neue Tür offen. Natürlich sind deren Arbeitsplätze überflüssig, aber die müssen am nächsten Monat die Miete bezahlen. Wenn sie dann dem Vermieter sagen, er bekomme zwar keine Miete, aber dafür könne er eine neue Lebensperspektive gewinnen oder in eine neue Tür gehen (kein Geld) könnte es sein, das sein begrenzter Verstand daraus die völlig falschen Schlüsse zieht.
Einen Arbeitsplatz bei Opel zu haben, wäre für mich längst ein Grund eine neue Tür zu suchen, und ich kann mich vorstellen es gibt Spannenderes als Reifen auf Achsen zu drücken, und der eine oder andere bei Opel sieht das vielleicht auch so. Aber wie gesagt, vielleicht macht er diese Tätigkeit nur um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und wenn er Pech (oder vielleicht auch Glück) hat, hat er auch noch eine Familie zu versorgen.
Das der für den Grundgedanken des Eingangstextes (den ich durchaus für nachdenkenswert halte) wenig anfangen kann, möchte ich einfach mal unterstellen.
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube in dieser Gesellschaft ist und wird es zunehmend ein Privileg einer kleinen Schicht, sich diese Denkweisen zu eigen zu machen.
Am leichtesten fällt es sicherlich jenen, die Räume aus Neugier und Interesse verlassen um andere Räume zu entdecken, die nicht an (vermeintlicher) Sicherheit kleben, die loslassen können und die, die versuchen frei zu leben. Diejenigen, die aus ihren geliebten Räumen vertrieben werden haben große Schwierigkeiten damit, und ich kann das nachvollziehen. Die fallen dann (nicht nur gedanklich) ins Nichts.
Schön für diejenigen für die auf den Ausgang gleich ein neuer Eingang folgt oder zumindest die Hoffnung auf einen solchen besteht....was ist mit denen, für die auf den Ausgang ein tiefes Loch folgt???? Keine Frage, dass der Fokus auf die neuen Eingänge besser ist als auf den verlassenen Ausgang, aber wenn diese Eingänge fest verschlossen sind? Jemand, der z.B. heutzutage mit über 50 Jahren seinen Job verliert wird sicher nicht mit Optimismus auf die vielen neuen Möglichkeiten schauen können, die ihm sich durch seine Entlassung eröffnen....
Ich habe vor ein paar Monaten den Job verloren.
Ich habe eine Frau und zwei Kinder.
Ich habe Pläne wie alle anderen Menschen auf dieser Welt.
Was sollen denn Eurer Meinung nach die Menschen machen wenn ihnen schlimmes wiederfährt.
Sollen wir alle aufgeben nur weil wir glauben dass es uns gerade schlecht erwischt?
Egal was mir oder jemandem anderen zustößt, das einzige das hilft ist der Blick nach vorne. Es spielt doch keine Rolle wer die Verantwortung dafür trägt.
Für mich ändert es überhaupt nichts ob mein ehemaliger Boss, die Regierung, die Wirtschaft oder was weiß ich wer Schuld ist.
Für mich und meine Familie zählt nur dass ich aus meinen Möglichkeiten alles heraushole.
Wenn es mich schlecht erwischt frage ich mich nur ob ich aufgeben möchte und die Antwort ist definitiv nein.
Wir alle wissen was es heißen würde aufzugeben.
Es gibt sicher Menschen auf dieser Welt denen es wirklich schlecht geht aber die können sich sicher nicht auf ein Sozialsystem wie unseres verlassen.
NEVER GIVE UP
@ andi
das ist die richtige einstellung!!!!
nur so kommt man weiter.
ich bin überzeugt du schaffst es.
dir und deiner familie alles gute.
vielleicht ist es auch noch wichtig zu sagen,dass auch rückschläge einen nach vorne bringen können.
also,bewahre dir deine einstellung.
gruß lilfee
gruß lilifee
@ andi
das ist die richtige einstellung!!!!
nur so kommt man weiter.
ich bin überzeugt du schaffst es.
dir und deiner familie alles gute.
vielleicht ist es auch noch wichtig zu sagen,dass auch rückschläge einen nach vorne bringen können.
also,bewahre dir deine einstellung.
gruß lilfee
gruß lilifee
Zwei Dinge fallen mir zum Eingangsgedanken und den Kommentaren ein:
1. Wir sollten uns von "Schuld"gedanken frei machen.
2. Ich kann nur immer wieder für mich selber entscheiden, ob ich den Ausgang als Eingang betrachten mag. Die Klugscheibenkleisterei Anderer ist dabei eher hinderlich.
Gruß
Thomas
Ich stimme Thomas L. zu. Nichts passiert, weil irgendwer Schuld hat - es ist wie es ist. Die Suche und Gedanken nach Schuld sind doch nur hinderlich im Finden eines neuen Einganges.
Ebenso sollte man sich selbst auf seine innere Stimme verlassen. Ich kann mir gern die "gut gemeinten" Ratschläge der anderen anhören, aber entscheiden sollte ich das, was ich will. Und wenn ich zur Zeit keinen Eingang finden will, dann ist es so. Dann ist das auch ok. Jeder Mensch hat das Recht zu leben, wie er will.
Wenn ich mich jedoch dafür entscheide, mich nicht unterkriegen zu lassen und nach jedem Ausgang den neuen Eingang suche, dann werde ich auch fündig. Ein Bsp. aus meinem Familienumfeld: Mein Vater wurde mit 57 Jahren entlassen. Natürlich waren die ersten 2/3 Tage gedrückte Stimmung, aber er gab nicht auf und schrieb Bewerbungen und wurde aktiv. Und nach ca. 3 Monaten Arbeitslosigkeit fand er einen Job...
Ich habe vor knapp vier Monaten von einem Tag auf den anderen meine Stimme verloren. Diese Hilflosigkeit, die damit verbunden war, war groß. Dank der Unterstützung durch Familie und Freunde habe ich einen Arzt gefunden, der meine Erkrankung diagnostiert und mich wundervoll behandelt hat. Durch die notwendige Stimmbandoperation, für die dieser Arzt "goldene Finger" hat, wurde mir meine Stimme zurückgegeben. Ich kann und darf wieder arbeiten gehen. Ohne diese Operation hätte ich meinen Beruf aufgeben müssen und meine privaten Kontakte auf Gestik umstellen müssen. So ist die Krankheit der Eingang zu einem dankbaren Bewusstsein für meine zurück gewonnene Stimme geworden. Gleichzeitig ist meine Achtsamkeit für mich gewachsen und ich musste bzw. durfte Geduld entwickeln. Das neue Zimmer wurde betreten. Nun ist jeder Arbeitstag ein Tag voller Dankbarkeit geworden. Und im privaten Bereich freut man sich mit mir über meine neue Stimme.
Liebe Rosa,
danke, ich bin froh, dass du das hier veröffentlicht hast! (ist gut und interessant für mich zu lesen).
Ich habe Stimmbandödeme (incl. Heiserkeit und Stimmverlust usw.), muß garantiert irgendwann operiert werden.
ABER ich bin auch dabei zu überlegen, WAS will mir denn diese Krankheit nun sagen?
Denn ICH will ja schließlich nicht nur die SYMPTOME BESEITIGEN, sondern auf jedenfalls auch die URSACHEN, die psychosomatisch/krankheitssymbolbedeuterisch dahinter stehen.
Aber ich bin noch dabei... (mein Knoten ist noch nicht ganz geplatzt.
Schön zu lesen, dass es auch im Aussen hilft. (bei dir)
Interessant, Du hast nicht direkt Ursachenforschung betrieben, sondern dir wurde die Krankheit wahrscheinlich als GANZES geschickt, um in Achtsamkeit zu wachsen, in Geduld zu üben und für den Arbeitsplatz dankbar zu sein.
Das ist bei mir ein bischen anders.
Ich befürchte nämlich - und vermutlich nicht zu unrecht, - dass wenn ich WIEDER NUR die Symptome behandeln / wegschnippeln lasse, dass ich dann wieder eine erneute SYMPTOMVERSCHIEBUNG bekomme. Diese leidliche Erfahrung habe ich nämlich bereits gemacht :(
Ich weiß nur das:
ich habe Stimmbandödeme bekommen
1. wegen der Raucherei leider (aussen)
2. (innen) als ich einen Traum von meiner Seele/Gott bekommen hatte, eine Lebensaufgabe, die ich nicht KANN und will bzw. wollte - seit dem wurde es ganz heftig mit dem Stimmverlust! Das hat mir sozusagen "die Sprache verschlagen" im wahrsten Sinne des Wortes und auch des Bildes sozusagen.
Mehr weiß ich momentan noch nicht, aber ich versuche diesbezüglich auf dem Weg zur Besserung zu sein, irgendwie...
Außerdem habe ich EXTREME Angst vor der OP :(
Falls noch jemand eine Idee dazu hat, bin ich dankbar.
Auch wenns Offtopic ist (ich weiß - sorry) aber für mich sehr wichtig.
lg Wally
Hallo Zusammen,
es gibt sicherlich viele Kombinationen von Aus- und Eingängen oder auch von Ein- und Ausgängen. Diese können rein emotionaler Art sein wie aber auch sachlich-emotional kombiniert.
Mich ärgert es, wenn ich auf sachliche berufliche Ausgänge keine Eingänge erhalte. Wenn mein Ausgang-Empfänger mich ignoriert und mir damit meine "Unwichtigkeit" symbolisiert.
Aber wenn mich dieser Ausgangs-Empfänger braucht, dann folgenden bei mir Eingänge zeitnah und fortlaufend. Dann bin ich wieder versucht Ausgänge hinzuhalten um zu blockieren.
Ist ja letztlich eine kindische Reaktion, man sollte über diesen Gedanken stehen - aber ich fühle mich jedes Mal wieder beinahe körperlich mißachtet.
Wie also kann hier ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aus- und Eingängen oder zwischen Ein- und Ausgängen von mir geschaffen werden?
Helga
Herzliche Pfingstgrüße an Alle
und ............. meine Erfahrung ist, Ausgänge sind nichts Negatives!
Mich hat schon Öfter jemand zum Ausgang geschubst, weil ich unbedingt in dem bekannten und dadurch scheinbar sicheren Raum bleiben wollte und ich war letztendlich immer dankbar für den Schubs zur Türe raus!
Allerdings habe ich mich nicht immer gründlich genug im neuen Raum umgeschaut und in jüngeren Jahren zu oft denen vertraut, die schon im neuen Raum auf mich warteten, um mir zu zeigen , wo es lang geht.
Ich kenne Lebensphasen, in denen wirklich kein Geld reinkam. Immer wenn ich aufhörte mich selbst zu bedauern und die Schuldigen nichtmehr suchte ;-/ .......... wurde der neue Raum heller und ich sah mehrere Eingangstüren :0
ich bin kein zwanghaft "Positivdenker" sondern permanent lernfähig und für jeden input dankbar
Hallo und Namaste!
Beim lesen des Zitates musste ich spontan in Gedanken lachen, da ich folgendes Bild aus der Vergangenheit vor meinem geistigen Auge hatte:
Zaungespräch zwischen meinem Kind und dem Nachbarkind, zwischen ihnen ein Zaun und eine Gartenpforte:
Nachbarkind: "Komm doch raus!" mit entsprechender Geste.
Mein Kind: "Wiso, ich bin doch draussen, komm du doch raus!"
Damaliges Happy End: Zaun und Pforte wurden nach einigem hin und her abgebaut und beide Kinder waren draussen.
Gegenwärtig - wir wohnen inzwischen woanders - gibt es neue Zäune, sehr hoch und undurchsichtig, ... doch Zäune/Pforten ziehen nicht nur Grenzen, sondern schützen auch, z.B. vor einem aggressiven Hund und der ist drinnen, ...
"Hey, aggressiver Hund - ganz ruhig - bleib doch drinnen, wir sind draussen ;0P"
*
LichtGruß
Iris
Krisen sind als Chancen anzusehen ist ein guter Ansatz - vor allem weil wir ja wissen - dass alles Energie ist und dort wo wir die Aufmerksamkeit hinlenken auch die Energie hinfliesst.
Manchmal sollte man sich von dem reinen Lösungsorientierten lösen und sich erlauben - ein wenig um den geliebten Menschen oder Tier trauern zu dürfen !
Einen schönen Pfingstmontag wünsche ich Euch allen
Manchmal kann es der größte PERSPEKTIVENWECHSEL sein, eine Angelegenheit so zu akzeptieren wie sie ist.
Seien wir doch ehrlich, wir oder Andere doktern in unserem Leben und in unserer Psyche dauernd herum anstatt zu denken: "So ist es, so ist es, so isses eben und ich bin da."
also was mir dazu einfällt: natürlich wäre es besser, gesünder auf die Eingänge zu fokussieren.
Aber die neuen Möglichkeiten, neuen Begegnungen liegen halt ungewiss in der verschleierten Zukunft vor einem.
Was man verlorgen hat, sei es einen geliebten Menschen oder den Arbeitsplatz, das ist etwas ganz Konkretes.
Über diesen Verlust kann man tatsächlich Schmerz und Trauer empfinden, man weiß ja, was man verloren hat.
Aber wie soll ich mich auf etwas freuen, von dem ich nicht weiß, ob es kommt? wann es kommt? was es sein wird?
Da ist es schon sehr viel schwieriger, sich statt auf den Ausgang, auf den Eingang zu konzentrieren.