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Einfach nur so

Von Tania Konnerth9 Kommentare

„Blumen blühen auch wenn keiner zuschaut.“

– Phil Bosmans

Viele Menschen ziehen ihre Motivation aus dem Ziel Anerkennung für ihr Tun zu bekommen. Das ist menschlich und oft sehr wirkungsvoll – bedenken Sie einmal, was Menschen aus Ehrgeiz alles zustande bekommen!

Ich selbst bin auch ein recht ehrgeiziger Mensch und ja, ich liebe Anerkennung. Interessanterweise habe ich gerade in den letzten Jahren etwas herausgefunden: Mein Ehrgeiz hat mich immer schon zu Höchstleistungen beflügelt. Mir ist aber bewusst geworden, dass ich echte Glückseligkeit nicht in meinem Leistungs- und Anerkennungsstreben finde, sondern sie erlebe ich in Momenten, wo ich Dinge um ihrer selbst wegen tue und nicht, weil ich mir etwas davon verspreche.

Nun habe ich mich gefragt, warum das so ist und bin auf Folgendes gekommen:

Ehrgeiz und das Bedürfnis nach Anerkennung sind außenorientiert. Was ich tue, tue ich mit dem Blick auf andere. Das kann mich erfolgreich machen, keine Frage, aber kann es mich auch nähren?

Wirklich erfüllend empfinde ich Tätigkeiten, die ich aus mir heraus tue, weil alles in mir sie tun will. Und das unabhängig von anderen! Unabhängig von Meinungen und Einschätzungen anderer. Ja, sogar unabhängig von jedem "Lohn". Solche Tätigkeiten sind selbst Lohn genug für mich. Mehr noch: sie schenken mir Befriedigung und ja, Glückseligkeit.

Schauen Sie doch einmal, ob Sie bei sich selbst auch die Unterscheidung machen können zwischen Dingen, die Sie (durchaus auch gerne!) tun, weil Sie sich davon etwas von anderen erhoffen und Dingen, die Sie wirklich nur für sich allein tun. Die Sie als Sache selbst nähren und bei denen Sie keine Motivationsanreize von außen brauchen.

Meiner Erfahrung nach sind solche Tätigkeiten unschätzbar wertvoll. Sie ermöglichen es uns, ganz in uns selbst zu versinken und das zu erleben, was Mihaly Csikszentmihalyi als "Flow" bezeichnete.

Sollten Sie solche Momente noch nicht für sich kennen, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich auf die Suche danach zu machen.

  1. Ingo schreibt am 15. November 2009 um 09:48

    "Wo Sein daheim ist"

    Selbsterfüllt sein macht Leben zum Geschenk. Lob von außen ist schön, hat jedoch niemals die Kraft, die aus dem eigenen Selbst heraus entfaltet wird.

    Selbsterfülltes Tun wird "Hobby" genannt. Leben als Hobby traun wir uns oft nicht, weil die vermeintliche "Ernsthaftigkeit" fehlt. Letztlich kann ich jedoch alles im Leben so ernsthaft betreiben wie ein Hobby. Auch Geldangelegenheiten, Gesundheit und die Tätigkeit, zu der ich mich BERUFen fühle.

    Ein deutliches Beispiel für die möglichen Folgen von Aussengelenkt sein liefert uns aktuell Robert Enke. Der es nicht vermocht hat, sich nachhaltig selbst in Besitz zu nehmen.

    Leben lebt jeder für sich SELBST. Da Jeder über ein eigenes verfügt, kommt dabei niemand zu kurz. Sich selbst zu folgen ist das wohl wichtigste Geschenk, was ich anderen geben kann. Es öffnet Friede, Freude, Erfüllung und den unbändigen Spaß am Sein. Für Jeden.

    Danke für dieses grundlegende Thema. Allen Segen *INGO* :-)

  2. Eva-Maria schreibt am 15. November 2009 um 12:07

    Danke Ingo,
    habe die Trauerfeier verfolgt von Robert Enke,so Schlimm und doch so Schön,wenn er das gewußt hätte,wieviel Menschens Seele er berührt hat,und ich hoffe mal,das sein Tod nicht Umsonst war.
    Angst,das große Thema,wo wirklich alle Menschen sich vor fürchten es zu zeigen,ich erlebe es jeden Tag in meiner Familie.
    Ich wünschte wirklich das die Menschen in der Welt und Politik,Menschlicher würden....

  3. Claudia schreibt am 15. November 2009 um 12:57

    Hallo Ingo

    danke für deine Zeilen, das tat mir jetzt echt gut nach dem schon interessanten Artikel.
    Schade das so wenig feedback darauf kam.

    Ich wünsche allen einen schönen Sonntag mit Liebe im Herzen für sich selbst und alle die wir lieben ;-)

    Claudia

  4. Balancer schreibt am 15. November 2009 um 16:35

    Lasst doch den Robert Enke in Ruhe. Jeder sollte sich an die eigene Nase fassen und seine Bewertung eines Lebenskonzeptes nicht aus dem vermeintlichen Schicksal eines Fremden ziehen.
    Es sind Phrasen - oder lebt der Einzelne dadurch anders.

    Sind die Bekundungen nicht in vielen Fällen Schuldgefühle, die man sich als Teil der Gesellschaft macht oder streicheln die öffenlichen Beleidsgefühle das persönliche EGO.
    Was bleibt denn in den nächsten Wochen, wenn der Medienhype vorbei ist - wahrscheinlich warten auf den Nächsten -. Das Blumenmeer der Trauer, die Lichterketten, die Menschenmengen als kollektives Spektakel - aber natürlich moralisch einwandfrei.
    Wir bewegen uns doch schon wieder auf einen Wettstreit der Trauerfeiern hin.

    Enke hat mit der Entscheidung, seinem irdischen Leben ein Ende zu setzen, die, für ihn in dem Moment, richtige Entscheidung getroffen - wahrscheinlich hat er sich sogar endlich einmal, wie es sich so schön anhört,sich in Besitz genommen und ist aus seinem mentalen und emotionalen Gefängnis, welches er und andere ihm gebaut haben, ausgebrochen. Vielleicht hätte er eine Minute später ganz anders gehandelt - aber es bleibt seine Entscheidung und die sollten wir so akzeptieren.
    Robert Enke hat seinem irdischen Leben ein Ende gesetzt und einen anderen Zustand angenommen.
    Er hat jetzt seinen Frieden vermutlich gefunden und seine Angehörigen werden ihn auch finden, wenn man sie lässt.

    Die Liebe lässt sie verstehen.

  5. Monika K. schreibt am 16. November 2009 um 10:01

    Liebe Tania Konnerth,
    herzlichen Dank für diesen wunderbaren Artikel zu einem sehr schwierigen Thema. - Unsere Leistungsethik in Deutschland löst beinahe automatisch Druck, Ehrgeiz, Konkurrenzkampf, Unruhe, Schuldgefühle aus. Sehr schwer, sich dagegen zu stemmen und der inneren Stimme/ dem inneren Sein Raum zu geben.
    Dazu passt hervorragend der Artikel über das Morgenritual! - Beinahe möchte ich behaupten: ohne morgentliche Besinnung (für manche könnten andere Tageszeiten geeignet sein) kein friedvolles Fließen am Tage. Mein Morgenritual, bei dem ich ca. 30 Minuten in einem religiösen Buch lese, Andacht halte und Prioritäten für den Tag setze, ermöglicht Freiräume für das "Einfach nur so", also für Sachen, die ich liebe und bei denen ich den "Flow" spüre. Immer, wenn dieses Fließen von Ehrgeiz oder Druck überlagert wird, weiss ich, dass mein Ego mich wieder im Griff hat und kann gegensteuern.
    Mein Bestes geben, ohne auf Anerkennung zu schielen, hat viel Druck aus meinem Leben genommen. Aber ich muss kleinlaut gestehen, dass dieser Prozess mit jahrelanger Übung verbunden war und immer noch ist. - Liebe Grüße.

  6. Claudia Tischler schreibt am 16. November 2009 um 10:43

    Alles schön und gut! Jedoch, was ist mit den Menschen, die durch das Handeln des Robert Enke mitgerissen wurden? Was mit dem Lokführer?Seiner Frau und seinem Kind?Seinen Freunden?
    Kann ich Anderen meine unabänderliche Entscheidung auf diese Weise zumuten? Auch solche Fragen müssen erlaubt sein neben allem Verständnis für R.E. Krankheit.
    Auch ich wünsche R.E. den Frieden und ganz besonders denen, die zurückgeblieben sind: mögen sie ihren ganz persönlichen Frieden in ihren Herzen finden und damit einen Weg all das Traurige und Schockierende zu verarbeiten.

  7. Balancer schreibt am 18. November 2009 um 11:33

    was kann man sich zumuten ?

  8. Guido Wirth schreibt am 19. November 2009 um 23:58

    Das Leben ist ein Geschenk

    Von wem ist dieses Geschenk?
    Was habe ich für dieses Geschenk zu tun?
    Was fange ich mit diesem Geschenk an?
    Wo kann ich das Geschenk zurück geben?

  9. Ruth schreibt am 4. Dezember 2009 um 08:47

    "FLOW"
    "FLOW" ist ein schönes Wort, das für mich das Fließen der Liebe Gottes in unser Herz ausdrückt.
    Wenn wir uns IHM hinhalten - gerade in der Meditation, die uns ja zu unserer ureigenen Mitte führt, wo ER in uns wohnt - dann spüren wir plötzlich, wie sich alles Harte oder Dunkle in uns löst, weil wir dann zur Urquelle unseres Seins zurückgefunden haben, ob wir IHN nun Gott nennen, oder einfach die in uns wohnende Kraft.
    Aber ich finde die "Liebe Gottes" weitaus persönlicher und würdevoller für den, der sie uns gibt, der uns also auch g a n z p e r s ö n l i c h liebt und uns helfen will!

    Danke fürs Zuhören!
    PS Ich soll jetzt als "komische Zeichenfolge" 7HG1 eingeben! Schönes Reihenfolge, die mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, denn sowohl die 7 als auch die 1 sind für mich göttliche Zahlen - und HG ist meine persönliche Abkürzung für "Heiliger Geist"! Danke, Herr!