Sorgen um nichts?
Von Tania Konnerth • 10 Kommentare
„Am meisten Energie vergeudet der Mensch mit der Lösung von Problemen, die niemals auftreten werden.“
– William Somerset Maugham
Mit dem heutigen Zitat schneide ich ein Thema an, das wir schon öfters mal am Wickel hatten, welches aber immer wieder für eine Kolumne gut ist. Denn die Tendenz, sich Sorgen um Dinge zu machen, die oft gar nicht eintreffen, ist nicht so einfach loszulassen.
Ich spreche aus eigener Erfahrung, denn ich bin auch ziemlich gut darin, mir Gedanken um alles Mögliche zu machen, von dem dann nur ein Bruchteil tatsächlich geschieht. Verteidigt habe ich mich bisher immer damit, dass ich halt gut vorbereitet sein will. Aber zwischen „guter Vorbereitung“ und „sorgenvoller Panik“ liegen Welten. Und deshalb habe ich für mich nun folgendes Procedere entwickelt:
Wenn ich merke, dass ich mir Sorgen wegen etwas mache, frage ich mich zunächst:
- Was genau befürchte ich, was eintreten kann?
- Was wäre daran so schlimm?
- Wie wahrscheinlich ist es, dass das eintritt?
An dieser Stelle muss ich mich immer zwingen, inne zu halten und mich wirklich auf die Fragen einzulassen. Gerade wenn man im Prozess des Sorgens ist, scheint es unerheblich zu sein, wie wahrscheinlich etwas ist – einfach die Möglichkeit, DASS es passiert reicht.
Tatsächlich aber liegt hier der erste, entscheidende Schlüssel zur Relativierung des unguten Gefühls! Wenn ein Ereignis nämlich nach objektiven Maßstäben nicht sehr wahrscheinlich ist und ich mir das auch wirklich klarmachen kann, kann ich es tatsächlich schaffen, meine Sorgen zu reduzieren. Ich versuche dann, mir selbst liebevoll und geduldig zu vermitteln, dass mein Verhalten überdimensioniert ist und dass es auch reicht, wenn ich mir einfach etwas weniger Sorgen mache. Klingt vielleicht seltsam, aber ich versuche, mit mir selbst einen angemessenen Sorgenpegel auszuhandeln.
Auf diese Weise unterbreche ich den automatischen Prozess der Panikmache, in den ich mich selbst hineinsteigern kann, und mein Kopf wird frei für eine konstruktive Problembehandlung. Ich kann nun nämlich Antworten auf folgende Fragen sammeln:
- Was kann ich jetzt tun, damit es nicht passiert?
- Was kann ich tun, wenn es doch passiert?
- Wo bekomme ich dann Hilfe?
So niedergeschrieben hört sich das alles vielleicht sehr aufwändig an, tatsächlich aber kann ich vieles inzwischen schon recht schnell, wie dargestellt, durchdenken. Bei starken und vor allem auch bei realen Sorgen denke ich auch gerne schriftlich, vor allem die Beantwortung der letzten drei Fragen. Die Antworten dazu schwarz auf weiß zu haben, beruhigt ungemein.






Hallo Tania!
Der Artikel kommt grade sehr passend fuer mich: ich hab wieder mal festgestellt, wie viel Energie ich damit verliere, mir Sorgen zu MACHEN. Ich werde deine Fragen zu dem Thema mal ausprobieren, danke fuer die Anregungen! Es tut gut, so konkret zu sehen, dass ich nicht alleine mit dieser Herausforderung :) bin. Ich wuensche uns allen eine massige Portion Vertrauen in uns, in jeder schwierigen Situation schnell einen passenden Weg zu finden!
Ganz liebe Gruesse und vielen Dank fuer eure wundervolle Arbeit, mit der ihr so viele Menschen unterstuetzt und so viel Mut macht, an sich zu glauben und den eigenen Weg zu gehen!!
sunrise
Hallo & Guten Morgen,
eines Tages las ich folgende Empfehlung:
"Mach Dir morgen Deine Sorgen und lebe heute unbeschwert"
Eine Reihe der besten aneinander gereihten Worte! In mir trat eine angenehme Ruhe ein - konnte ich meine Sorgen auf Morgen einfach verschieben - Tag für Tag.
Und eines Morgens hörte ich auf mir Gedanken über meine Sorgen zu machen.
Alles liebe und eine sorgenfreie Woche wünsche ich ;-)
Ursula
Kenne auch das Problem des sich oft unnötig Sorgen machens.
Bei mir kommen diese Gedanken leider oft frühmorgens im Bett nach der 1. Tiefschlafphase im Halbschlaf und ich werde sie dann nicht mehr los bis zum Aufstehen.
Ich bekomm sie dann einfach nicht abgestellt.
Hat jemand nen Tipp?
Lieber Joe,
Du bekommst sie nicht abgestellt, weil Du denkst, sie seien etwas Fremdes, das Dich hinterrücks überfällt und aus dem Schlaf reißt.
Wenn Du verstehst, dass die Gedanken in Deinem Kopf aber wirklich nur die Gedanken in Deinem Kopf sind, sonst nichts - dass sie also nicht die Wirklichkeit sind, sondern ein Lärm in Deinem Kopf, den Du selbst veranstaltest - kannst Du sie wahrscheinlich besser abschalten. Oder wenigstens nerven sie Dich dann weniger.
Guck Dir die Gedanken an, sag Dir, aha, das denke ich jetzt gerade, wie wäre es, wenn ich diese Gedanken einfach zur Seite lege, ihnen zuschaue, was sie machen, wenn ich sie nicht festhalte, wenn ich einfach entscheide, mich nicht darauf einzulassen. "OK, jetzt sind die Gedanken gekommen, jetzt lasse ich sie wieder ziehen."
Mir hilft das jedenfalls.
Schöne Grüße
Elke
Danke für diesen Artikel.
Obwohl ich von mir behaupte, lösungs- und nicht problemorientiert zu sein, merke ich immer mal wieder, dass mich meine Gedanken in "Problemwelten" entführen. "Was wäre, wenn...?", "Was könnte passieren, wenn...?", "Wenn dies passiert, was passiert dann, wenn...?"
Ich habe mir hier die "STOPP!!"-Technik angeeignet. Merke ich, dass meine Gedanken mich wieder einmal in die "Problemwelten" mitnehmen wollen, stehe ich sofort von meinem Stuhl auf oder verlassen den Punkt, auf dem ich stehe - und rufe laut wenn ich alleine bin, sonst nur leise für mich selbst): "Stopp!!", um diesen Gedankenstrom sogleich abzubrechen.
Mir ist es in früheren Zeiten immer mal wieder passiert, dass, wenn ich dies nicht mache, meine Gedanken in eine Negativspirale hineingleiten. Das kann interessant sein, ist es zumeist aber nicht, da es mir letztlich nicht hilft. Es sei denn, ich nutze die von Elke beschriebene Technik, um meine Gedanken gewissermaßen nur von außen zu betrachten, um etwas über mich zu erfahren - und sie dann wieder auf die Reise von mir weg zu schicken.
@Joe: Wenn ich merke, dass ich im Bett ins negative Nachdenken oder in ein unproduktives Denken der Gedanken komme, stehe ich sofort auf und verlasse Bett und Schlafzimmer. Dieses Gedankenrotieren im Bett verhindert ja auch oft, das man wieder in den nächsten Tiefschlaf kommt, da der Geist mit der "Bearbeitung" dieser Gedanken beschäftigt ist, statt mit der Konzentration auf Ruhe, Schlaf und Erholung.
Nach einer kurzen Weile gehe ich dann wieder ins Bett und konzentriere mich auf meine Atem und auf den erholsamen Schlaf.
Ich sehe das zudem so: Wenn ich meinem Unterbewußtsein signalisiere, dass Gedankenspiralen und Problemdenken im Bett in Ordnung sind und dort hingehören, wird daraus die Gleichung: Bett = Denken. Daraus habe ich für mich den Schluß gezogen, dass ich meinem Unterbewußtsein suggeriere, dass für mich folgende Gleichung gilt: Bett = Schlaf und Erholung.
Für mich ist es schwer nachvollziehbar, wie man erst fiktive Probleme herandenken kann, sie durch das Gefühlszentrum jagt, dann eine Strategie entwickelt, um die negativen Gefühle zu relativieren, um dann fiktive Probleme in der Zukunft fiktiv zu bewältigen.
So kann man sich auch beschäftigen.
Und welche Probleme ich dadurch heraufbeschwör, daran mag ich gar nicht denken - Wäre ja auch reine Fiktion.
Danke für die vielen guten Anregungen, wie man mit Sorgen-Gedanken umgehen kann: Sie hinterfragen, sie stoppen, etwas anderes tun, die Ursache beseitigen usw.
Meine Erfahrungen sind ähnlich wie die Euren: Zu leicht identifizieren wir uns mit unseren Gedanken und lassen sie einfach laufen, bis sie zu einem Gedankenkomplex werden und uns peinigen und wir nicht mehr ein- noch aussehen.
Eine stärkste Hilfe, die ich für mich in solchen Situationen anwende, ist das Gebet: Ich bitte Gott, unseren Schöpfer und himmlischen Vater, um Hilfe, dass ich erst mal wieder zur Ruhe finde, und dass ich erkenne, was wirklich wichtig und notwendig ist, und was Er an meiner Stelle tun würde. Durch die Übung gelingt es mir inzwischen recht gut, sorgenvolle, meist negative Gedanken, einfach loszulassen und sie Gott zu übergeben. Ein weiterer, wichtiger Schritt ist es, dann aktiv positiv zu denken, bis sich durch die positiven Gedanken ein Stärkegefühl in mir mehr und mehr breitmacht. Solche Gedanken sind z.B. Danke Vater, alles ist gut. Du stehst mir bei, auch diese Situation zu klären. Bitte hilf mir, den rechten Weg zu erkennen und zu gehen. Danke für Deine Liebe für mich und alles Leben. Hilf mir, dass auch ich alle Mitmenschen immer mehr selbstlos lieben lerne und immer mehr mein Bestes geben lerne. In meinem Herzen und in meinen Händen ist die Kraft des Herrn. Was ich auch tue, ich tue es mit Deiner Kraft, Vater.
Wenn ich mir für dieses Gebet gerade morgens gleich nach dem Aufwachen genügend Zeit nehme, bis ich gut auf Gott und die positiven Kräfte ausgerichtet bin, dann kann ich beruhigt in den Tag gehen und die Arbeit geht mir viel leichter von der Hand. Und vor schwierigen Situationen habe ich kaum mehr Angst, denn ich weiß: Ich kann jederzeit in mein Inneres gehen und mit Gott reden und Seine Hilfe und Kraft erbeten. Und ich weiß. Gott hilft mir, denn Er liebt mich und will nur mein Bestes. So gelingt mir jeder Tag immer leichter und vieles von meinen früheren Sorgen hat sich einfach in Luft aufgelöst.
Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, Euch auch so frei und froh und glücklich zu fühlen, wie mir es inzwischen möglich ist.
Unter meiner Schreibtischauflage, gut für mich sichtbar, liegt folgender Spruch:
"Verschwende keine kostbare Energie mit Lösungsversuchen, von Problemen, die noch gar nicht existieren. Außer in der eigenen Vorstellung."
Dieser Spruch kommt in meinen Grübelkopf, wenn sich ein Zukunftsproblem, was noch gar nicht ansteht, was vielleicht gar nicht eintrift, versucht sich auszubreiten. Dann kann ich sogar etwas lachen und den zurzeit unrealistischen, unsinnigen Gedanken wegschieben.
Für Probleme gibt es auch meist ein paar verschiedene LÖSUNGEN, die man halt erst SUCHEN muss: Klingt etwas SIMPEL, ist aber wirklich so.
Hallo,
ich mache mir auch über alles und zu jeder Gelegenheit Sorgen. Ich steigere mich da manchmal so hinein, dass ich ganz deprimiert bin und keinen Spaß mehr an anderen Dingen habe. Ich spiele diese Sorgen immer wieder durch und verstärke damit meine Befürchtungen anstatt mit positiven Gedanken dagegenzusteuern. Mit meinem immer-und-über-alles-Sorgen-machen mache ich auch meine Frau ganz verrückt.
Aber vielleicht kann ich in Zukunft mit den Tipps dagegensteuern, ich hoffe es gelingt mir einigermaßen; ein bisschen wäre mir schon geholfen.