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Die Kunst des Reframings

Von Tania Konnerth21 Kommentare

"Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird."

– Albert Camus

Das Zitat, das ich dieses Mal für Sie herausgesucht habe, passt nicht nur zur Jahreszeit, sondern es zeigt uns auf anschauliche Art und Weise, was es mit dem so genannten "Reframing" auf sich hat. Der Begriff "Reframing" stammt ursprünglich von Virginia Satir und dürfte vielen von Ihnen aus dem neurolinguistischen Programmieren (NLP) bekannt sein. Gemeint ist damit das Umdeuten eines Sachverhaltes – wir ersetzen einen Gedanken, der uns nicht gut tut, durch einen, der besser für uns ist.

Der Herbst ist für viele Menschen nicht wirklich positiv – die Temperaturen fallen, das Licht wird weniger, das Wetter wird schlechter und der Winter naht. Der Frühling hingegen ist meist positiv besetzt, hier wird das Wetter besser, wir können Sonne tanken und wir freuen uns auf den Sommer.

Das Zitat nun setzt den Herbst in ein neues Licht oder besser gesagt: es zeigt uns, wie wir den Herbst auch sehen können. Denn das ist der für mich entscheidende Punkt: Es darf beim Reframing nicht darum gehen, uns etwas schönreden zu wollen, sondern es geht darum, etwas Schönes zu entdecken.

Wer sich schwer damit tut, eine für ihn negative Situation umzudeuten, ist oft nicht in der Lage, den Blick so weit zu öffnen, dass er die Situation aus einer anderen Perspektive sehen kann und dort vielleicht etwas Wertvolles, etwas Schönes entdecken kann. Je ernster und je schlechter die Situation für uns ist, desto schwieriger ist es natürlich, einen positiven Aspekt zu finden, aber schwierig heißt nicht auch unmöglich. Nur manchmal braucht man dafür Hilfe von außen. Die Fähigkeit, positive Aspekte zu entdecken, ist in jedem Fall etwas, das wir trainieren können.

Fragen wie:

können uns dabei helfen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen und etwas Neues (Hilfreiches, Positives, Wertvolles) entdecken.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Welt des NLPs lade ich Sie nun ein, das Zitat von Albert Camus und den Herbst in vollen Zügen zu genießen.

  1. simone schreibt am 23. September 2008 um 07:41

    für mich ein sehr hilfreiches zitat, welches ich für eine Trauerkarte verwende.Ein gleichwertiger Satz wie " Alles wird wieder gut", wäre zu so einem Ereignis nicht passend.

  2. Marcy schreibt am 23. September 2008 um 08:49

    Das erinnert mich wieder daran, dass ich erst gestern zu meiner Freundin sagte:

    Der Anblick meines Gartens im Herbst erinnert mich daran, dass auch in manchem Ende viel Schönes zu entdecken ist.

  3. Ginger schreibt am 23. September 2008 um 10:37

    Es kommt immer auf den Blickwinkel an!!
    Schönes Zitat!

  4. Matthias schreibt am 23. September 2008 um 16:05

    www.zeitzuleben.de ist eben eine Schatzkiste ...
    Gruß

  5. Selma7 schreibt am 24. September 2008 um 18:21

    Ja, zzl ist eine Schatzkiste! In dieser Schatzkiste habe ich gerade einen interessanten Artikel über das Phänomen des Übertragens gefunden, aus dem ich eine Erkenntnis gewinnen konnte.
    Vor einigen Jahren lernte ich einen Mann kennen und verliebte mich. Aus seinen Büchern und Vorträgen schloss ich, dass wir weitgehend ähnliche Weltanschauungen und Empfindungen haben. Wir kamen einander näher, schwammen auch tatsächlich auf der gleichen Welle, bis es plötzlich kippte. Oft unterbrach er mich mitten im Satz und unterstellte mir eine ganz andere Meinung.
    Vor kurzem bin ich wieder auf jemanden gestoßen, von dem ich annahm eine ähnliche Wellenlänge zu haben.
    Ich erinnerte mich an meine letzte Begegnung und ging gleich auf Konfrontationskurs.
    Man lernt nie aus.

  6. Hubert schreibt am 25. September 2008 um 22:12

    In der Tat haben die Dinge nicht nur eine Seite oder zwei sondern mehrere. Genaues Hinsehen ist aber notwendig. Wo kann das besser geübt werden, als in der Kunst!?
    Der Künstler Alf Lechner schafft immer wieder Werke, die dazu einladen.
    Bei Interesse:
    http://www.lechner-museum.de/

  7. lilifee schreibt am 26. September 2008 um 05:27

    lieber Ralf,liebe Tania,

    ich möchte mich Ralf und Selma7 anschließen.
    "zeit zu leben" ist eine wirkliche schatzkiste,in der es jeden tag neue und spannende dinge zu entdecken gibt.

    ich bin froh diese scatzkiste entdeckt zu haben.

    danke für eure tollen denkanstösse.

    gruß lilifee

  8. Tania Konnerth und Ralf Senftleben schreibt am 26. September 2008 um 11:12

    Danke schön für das nette Lob - wir freuen uns! Eine Schatzkiste zu sein, ist was richtig Schönes :-)

    Herzlicher Gruß von
    Tania + Ralf von "Zeit zu leben"

  9. Selma7 schreibt am 26. September 2008 um 17:16

    Ein wunderschönes Museum, das lechner-museum. Weiße Räume empfinde ich sehr wohltuend. Interessante geometrische Formen und besonders ein blaues Eisenmeer sind sicher sehenswert und beflügeln Phantasie und Inspiration.
    Leider ist Ingolstadt schon ziemlich weit von mir entfernt, es wird wohl etwas dauern, bis ich mir dieses Museum ansehen kann, danke für den Tipp. :-)

    Wieder ein Schatz in diesem Kisterl ;-))

  10. Neofene schreibt am 27. September 2008 um 12:20

    ich mag auch Herbst - hat doch auch was Schönes...

  11. Heide schreibt am 27. September 2008 um 16:21

    @ Selma7

    Du schreibst: "Vor kurzem bin ich wieder auf jemanden gestoßen, von dem ich annahm eine ähnliche Wellenlänge zu haben.
    Ich erinnerte mich an meine letzte Begegnung und ging gleich auf Konfrontationskurs."

    Und wenn es nun dieses Mal wirklich so war, dass ihr auf derselben Welle schwimmt?

  12. Yvonne van Dyck schreibt am 28. September 2008 um 08:47

    oh ja Ralf, Reframings müssen WERT voll sein und kein Schönreden und Tricksen ...

    hier ein paar wert volle Re framings:

    Eine neue Sicht der Dinge - bringt neue Dinge in Sicht :)
    Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke
    Shit happens und der ist ein sehr guter Dünger ;) YvD
    Fehler sind Feedback (eine der Grundannahmen des NLP)

    kunterbunte herbstliche Grüße von einer NLP Trainerin, die NLP als Tiefenstruktur für wertschätzende Kommunikation sieht alles Liebe Yvonne

  13. Selma7 schreibt am 28. September 2008 um 11:18

    @Heide

    Ich weiß nicht ob ich dieselbe Begegnung auf derselben Welle wieder haben werde und wie sie dann weitergeht.
    Auf jeden Fall habe ich meine 'Abwehr aus Angst' als solche erkannt.
    Danke für die Nachfrage,
    viele Grüße
    Selma7

  14. Nelly schreibt am 28. September 2008 um 12:24

    Mein Freund hat sich vor vier Monaten in eine Andere verliebt. Wir waren 14 Jahre zusammen. Während ich noch in unserer gemeinsamen Wohnung lebe und auf Wohnungssuche bin, lebt er mit ihr glücklich zusammen.

    Nun
    kann ich den Fokus auf verschiedene Sichtweisen richten (ohne zu richten).
    Ich kann mich als arme Verlassene sehen
    oder positiv als Beobachtende. Kann mich freuen auf eine schöne neue Zukunft mit mir, kann neugierig gespannt auf die neue Wohnung sein und mich in 5 Jahren rückblickend darüber freuen, dass alles so gekommen ist.

    Aber auch die Gefühle wollen gesehen oder gelebt werden. Auch äußerst unangenehme. Und es ist für mich eine große Kunst, nichts zu verdrängen, zu sehen oder zu fühlen was ist, ohne Bewertung. Und mich in all dem ganz anzunehem.
    Das ist zwar manchmal alles zum Stöhnen schwer, aber es lohnt sich doch immer wieder.

    Dies zum derzeitigen Lernprozess. Ich übe mich also im "Reframing", wobei ich keine Fremdwörter mag.
    Der Herbst ist und war für mich schon immer eine schöne Jahreszeit.

    Herzlichen Dank an Tanja und Ralf. Ich lese gerne Eure Newsletter.

    Liebe Grüße an alle,
    Nelly

  15. Eva-Maria schreibt am 28. September 2008 um 13:28

    DANKE an Euch,ein wirklich schönes Zitat....

  16. birdy schreibt am 28. September 2008 um 16:42

    Der HERBST ist für mich der MALERMEISTER der Natur

    und totaler Inbegriff des LOSLASSENS !

    Ich danke Tania und Ralf dafür,
    in diese Schatzkiste greifen zu dürfen.

    LB birdy

  17. Sternchen schreibt am 28. September 2008 um 18:05

    Hallo ihr Lieben, ich lese immer wieder eure interessanten Beiträge und möchte mich heute zum ersten mal aktiv beteiligen. Das Refraimen habt Ihr hier so wunderbar beschrieben, auch der Kommentar von Yvonne gefällt mir sehr gut. Vielleicht kann mir jemand helfen. Ich bin gerade dabei zu lernen wie ich eine glückliche Partnerschaft führen kann. Irgendwie schaffe ich es immer wieder, dass sie zerbrechen und mit ihnen auch ein Teil von mir. Ich versuche Situationen die ich erlebe zu refraimen, also etwas Schönes in Ihnen zu erkennen, doch irgendwie schaffe ich das nicht. Ich wäre so gerne glücklich mit einem lieben Partner und oft reicht es,wenn er etwas für andere ganz harmloses sagt, ich fühle mich aber sehr verletzt, klein und machtlos. In solchen Situationen kann ich nichts Schönes entdecken, weil meine Angst so groß ist. Wie komme ich in dieses Gefühl der Schönheit, das ich mir nicht nur schönrede, sondern auch wirklich spüre?
    Ich freue mich auf eure Antworten!
    Sternchen

  18. Coach Ausbildung schreibt am 29. September 2008 um 11:53

    Viele halten das Reframing für eine NLP-Errungenschaft. Ist es aber nicht, bereits in der antiken Literatur gab es Reframings.
    Ich bin im Coaching immer wieder überrascht, wie schnell ein Reframing wirken kann, wenn es gut auf den Coachee paßt.

  19. Dörti schreibt am 6. Oktober 2008 um 01:04

    Ich warte schon jede Woche auf euren neuen Beitrag und finde auch immer Bezug zu mir und meinem Leben ... Heute kam ich erst später zum Lesen und kann der Schönheit des Herbstes nur zustimmen ... Aber ... als ich zu euren Fazit-Fragen kam, bäumte sich bei mir innerlich etwas auf ... Ich komme mit dem Sinn des Reframings auf meine Situation bezogen nicht klar ... Mein Mann ist im vorigen Jahr von mir gegangen und ich bin traurig ... das klappt wohl doch nicht immer ... Lieben Gruß von Dörti

  20. Evelyn schreibt am 6. Oktober 2008 um 09:40

    Hallo Dörti,

    das an der Situation etwas Positives entdeckt wird heisst für mich nicht zwangsläufig, dass alle "negativen" Gefühle verschwinden.

    Vor langer Zeit ist mein Bruder gestorben. Nach 20 Jahren tut es immer noch weh und auch die Tränen versiegen nie ganz, aber heute "verfluche" ich den Schmerz nicht mehr.
    Denn ich sehe auch, dass ich durch diesen Verlust u.a. gelernt habe bewusster (natürlich nicht immer, nobody is perfect ;-)) mit Menschen, die ich treffe umzugehen (es könnte das "letzte Mal" sein). Und außerdem: Viele Probleme, erscheinen mir relativ klein, denn was ist schmerzvoller als der "endgültige" Verlust eines Menschen, der einem wichtig ist. Und den Verlust habe ich auch überlebt und das Lächeln, Lachen und glücklich sein nicht ebenso endgültig in meinem Leben verloren :-).

    In diesem Sinne: Viel Kraft und Glaube

    Evelyn

  21. Marianne schreibt am 4. November 2008 um 11:41

    Ich finde das Zitat sehr schön und ich habe es mir schon seit langem zu Eigen gemacht, darauf zu achten, den Blickwinkel nicht aus den Augen zu verlieren, viele, auf den ersten Blick negativ erscheinenden Dinge, haben bei genauerem Betrachten immer etwas Nützliches, Hilfreiches für mein Leben.
    Zweiter Frühling.......Es gibt so viele Menschen die erst im Herbst ihres Lebens durch erlangte Reife erblühen und mit jeder Falte schöner werden!!! In diesem Sinne

    Alle Liebe und weiter so
    Marianne