Das Wichtigste bei Burnout-Gefahr
Von Tania Konnerth • 12 Kommentare
"Der Stress von heute ist die gute alte Zeit von morgen."
– Unbekannt
Das heutige Zitat kommt sehr zynisch daher und es dient mit als Aufhänger für ein Thema, zu dem ich immer wieder Anfragen bekomme: und zwar das Thema "Burnout".
All jenen, die unter einer akuten Überforderung leiden, hilft nämlich so ein lapidarer Satz, wie das genannte Zitat wenig. Klar, man kann darüber schmunzeln, aber die Seele schreit auf, da sie ihre Hilferufe im Nichts verhallen sieht.
Der Stress von heute darf nicht die gute alte Zeit von morgen werden! Denn der Stress von heute setzt schon sehr, sehr vielen Menschen massiv zu. Es mag sein, dass man sich an ein Mehr an Belastung gewöhnen kann und ihr zumindest kurz- und mittelfristig gewachsen ist – aber ein Zuviel führt zwangsläufig zu einem Verlust nicht nur an Lebenskraft, sondern vor allem auch an Lebensfreude.
Nun ist es nicht leicht, in einem solch kurzen Text wirklich hilfreiche Tipps zur Burnoutvermeidung zu geben – schließlich ist das Anforderungspaket von jedem anderen und so sind für jeden andere Maßnahmen nötig.
Eines aber scheint mir ganz wichtig zu sein: Wer an einer massiven und chronischen Überforderung leidet, sollte immer an dem Punkt ansetzen, der die größte Belastung darstellt. Viele, die merken, dass alles zu viel wird, versuchen sich damit über Wasser zu halten, dass sie an verschiedenen kleinen Punkten im Leben die Anforderungen reduzieren. Vielleicht wird eine Vereinstätigkeit zurückgesetzt oder man liest die Emails nur noch 3x am Tag statt die gewohnten 10x.
Jede solcher Maßnahmen ist natürlich gut, aber wirklich helfen tut bei einer echten Überforderung nur eines: genau an dem schlimmsten Überforderungsherd anzusetzen. Da, wo der meiste Schmerz entsteht, da wo die meiste Kraft hineinfließt.
Erfahrungsgemäß sind das die Gebiete, die uns am wichtigsten zu sein scheinen, weshalb wir meist glauben, genau da eben nicht viel machen zu können. Dieser Gedanke ist aber ein Fehler, und zwar einer, der verhindern wird, dass Sie sich wirklich selbst entlasten können.
Mein Rat ist deshalb an alle, die sich einer zu großen Belastung ausgesetzt sehen: Gehen Sie die großen Bereiche an! Trauen Sie sich, sich genau dort Hilfe und Unterstützung zu holen oder ggf. dort auch massiv zu reduzieren.
Wer glaubt, das sei unmöglich, sollte für einem Moment daran denken, dass wenn wir ausfallen – durch Krankheit oder einen Zusammenbruch – alles irgendwie weiterläuft. Kein Mensch ist unersetzlich – nirgendwo! Wählen Sie lieber selbst die Art, wie Sie reduzieren und die Sachen umorganisieren wollen, bevor es im Notfall andere für Sie tun.






Diese Aussage...
Zitat:
_________
Kein Mensch ist unersetzlich – nirgendwo! Wählen Sie lieber selbst die Art, wie Sie reduzieren und die Sachen umorganisieren wollen, bevor es im Notfall andere für Sie tun.
_________
...möchte ich "erweitern".
Ich glaube der Mensch "verträgt" nur ein gewisses Maß an Veränderung.
UND
Dieses Maß verringert sich trastisch, wenn Sie die Dinge nicht "mitgestallten" können.
__________
Das bedeutet, wenn erstmal "Andere" das Gestallten übernehmen, schlägt die "Überforderung" (auch wenn Sie sie vorher gar nicht bemerkt haben) erst richtig durch ;o)
Abschließend noch ein kleiner Linktipp:
http://blog.setzwein.com/2010/02/01/entbehrlich-sein/
Viele Grüsse
Bernd
Hmmm - kann das nicht zu leicht als ein Anlass zum Aufgeben aufgefasst werden?
Mit genau dieser Argumentation hat mein Mann mich und die Kinder verlassen. Ohne an seine Verantwortung, noch bestehende Gefühle und die Auswirkungen auf die Kinder zu denken.
Dabei ist durch Arbeit an sich selbst, seinen Erwartungen und Gedanken ja so viel mehr Zufriedenheit möglich!!! (Tipp: The secret)
Das Zitat: "Der Stress von heute ist die gute alte Zeit von morgen" finde ich gar nicht zynisch.
Im Gegenteil, es gibt Hoffnung für die Zukunft. Es beruhigt, wenn man sich an frühere schwierige Zeiten erinnert, die man überwunden hat und bei denen einem manches im Rückblick die damalige Aufregung übertrieben vorkommt und man vielleicht sogar heute darüber sagen kann: "Das habe ich ja auch geschafft" und: "Das war gut für mich".
Oder z.B. "Teenagerprobleme", die damals sooo dramatisch waren und die einen heute schmunzeln lassen.
Also: alles mal wieder Ansichtssache.
Liebe Grüße
Karan
"Der Streß von heute ist die gute alte Zeit von morgen."
Ich würde dieses Zitat nicht als zynisch einstufen, sondern als ganz große Mahnung und Warnung, endlich genau hinzusehen, aus der Situation zu lernen und danach zu handeln!
Warum? Weil dieser Spruch schon vor hundert oder mehr Jahren gesagt worden ist, als Eisenbahnen gebaut, Telegrafenkabel gelegt, Telefone aufgehängt, Autos gebaut worden sind usw. usf.
Einziges Problem dabei war zu allen Zeiten: Die Menschen waren nicht aufmerksam und haben nicht gelernt, wo ihre Grenzen sind. Oder: Nicht NEIN gesagt!
"Der Streß von heute ist die gute alte Zeit von morgen."
gibt energetischen Ansporn zum Durchhalten. Wichtig ist, wie bei jedem Energiekick, das richtige Maß. Dazu bedarf es des ergebnisorientierten Bilanzblickes. Leider ist dieser in der burnout Situation verraucht. Es zählen beziehungsorientierte Werte, die den Faktor "Dummheit" von Mitarbeitern und Vorgesetzen nicht berücksichtigen. Das heißt, der erste Schritt um nicht auszubrennen ist, an der Bildung und Aufklärung unkompetenter Vorgesetzter zu arbeiten! Sobald sich Mitläufer organisieren, ist die Gefahr von Burnout gebannt und der Weg zur guten alten Zeit von morgen geebnet.
Wenn das so einfach wäre. Mein großer Bereich ist/war meine berufliche Tätigkeit. Im Laufe der Jahre wurde mein Aufgabengebiet immer größer und abwechselungsreicher. Hört sich gut an? War es am Anfang auch. Nur merkte ich irgendwann, dass ich in Anbetracht von 12-Stunden-Arbeitstagen kaum noch Zeit mit der Familie verbrachte. Mein Hobby hatte ich aufgegeben.
Irgendwann stellte ich mir die Sinnfrage, und zwar zu einem Zeitpunkt, als wiederum eine Umorganisation im beruflichen Umfeld anstand. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nicht mehr. Jeden morgen quälte ich mich an meinen Arbeitsplatz, war immer in Hektik und teilweise aggressiv zu Kollegen. Als meine Vorgesetzte ankündigte, mich auf eine noch besser bezahlte Stelle mit mehr Führungsverantwortung zu befördern, habe ich abgelehnt. Heute bin ich in die "zweite Reihe" gewandert und bin glücklich. Endlich wieder pünktlich Feierabend machen.
Nur meine Kolleginnen und Kollegen reagieren teilweise ungehalten, wenn ich erkläre, dass ich für den einen oder anderen Arbeitsbereich nun nicht mehr zuständig bin. Egal, ich bin den richtigen Weg gegangen.
@Jennifer
Genauso wie es Dir seinerzeit erging, geht es mir momentan.
Da ich aber selbständig bin, weiß ich nicht, wie ich diesem teufelskreis entkommen soll.
Auch meine Familie leidet mittlerweile enorm darunter.
ich suche nach professioneller Hilfe, weiß aber nicht, wo und wie ich die finden soll...
Mathias, vielleicht hast Du den ersten Schritt schon gemacht? Auch bei mir war die Selbsterkenntnis der Auslöser. Du kannst Deinen Kunden schwer Grenzen setzen. Das hätte finanzielle Folgen, vermute ich mal. Dennoch gibt es immer einen Ausweg. Auch ich war zuerst der Meinung, den neuen Job annehmen zu müssen. Überall das große Schulterklopfen. Jenni, Du bist genau die richtige usw. Nur mein Bauchgefühl sagte stopp. Ich habe damals viel gelesen, weil ich in der Situation auch nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte. Meinem Hausarzt sagen, dass ich kurz vor dem Ausbrennen bin? Wäre mir zu peinlich gewesen. Doof oder?
Vielleicht bist Du mutiger. Ich wünsche es Dir.
Kein Mensch ist unersetzlich – nirgendwo!
Es wäre mir lieber, da stünde: keine von Menschen verrichtete Arbeit ist unersetzlich, weil sonst hieße es umgekehrt: jeder Mensch ist ersetzlich - überall!
"Niemand wird bewußt ohne Leiden" (C.G.Jung)
Jeder von uns hat die Wahl: entweder dem Körper und der Seele etwas GUTES zu tun, oder warten, bis uns die Krankenkassen die Medikamente, Operationen, Bestrahlungen, Chemo usw. finanzieren.
Das Geheimnis liegt in uns selbst. Solange wir die Selbstverantwortung für unser Leben nicht übernehmen und uns nicht wertschätzen, wird keiner etwas für uns tun, damit wir eine bessere Lebensqualität genießen können. Alles, was uns nicht gut tut und wir es trotzdem zulassen, wird früher oder später Folgen haben. Und es ist nicht die Frage: OB, sondern WANN wir krank werden.
Allen wünsche ich Mut, sagt ja zu euch und nicht zu den Situationen, die euch die lebensnotwendige Kraft rauben.
Die Erfahrung habe ich machen dürfen und bin sehr dankbar dafür.
Alles im Leben hat seinen Sinn, selbst das größte Chaos, das erkennen wir meist später...
Hmmm... wenn man (frau) selbständig ist, und nur bei gehaltenen Stunden verdient, dann ist hier der Ersatz teuer.
Dennoch hab ich es verdient krank zu sein und "blau" zu machen. Und siehe da - ich lebe noch - bzw. kanns mir sogar "leisten" - zu leben !!
Als ich mit meinem dritten Kind schwanger war wußte ich, dass ich meinen geliebten Job loslassen musste. Ich habe mich geschunden und irrsinnig schwer getan. Bis der Satz meiner Feder entsprang: alles geht weiter im Leben, wenn Du nicht da bist - nur das Leben in Dir nicht!
Damals habe ich gelernt zu verstehen, dass "das Leben in mir" nicht nur mein Kind, sondern schlicht ich selbst bin!
Trotzdem fällt es mir immer wieder schwer, richtig und gut für mich zu sorgen, nein zu sagen, nicht erpressbar und nicht durch falsche Versprechungen becirzbar zu sein. Dieser Prozess ist wohl nie zuende!