Kontakt
Facebook
Twitter
RSS
Gästebuch
Wöchentlicher Newsletter

Abschied nehmen

Von Tania Konnerth18 Kommentare

„Wer nicht stets Abschied nimmt, ist noch nicht zu sich gekommen.“

Erhard Blanck

Versuchen Sie mal folgendes Experiment: Wenn Sie telefonieren, dann reagieren Sie auf das „Tschüß“ ihres Gesprächspartner einfach nicht. Der Andere wird wirklich Schwierigkeiten haben, aufzulegen. Er wird Sie fragen, ob noch irgend etwas ist, und wenn Sie das verneinen und trotzdem immer noch nicht Tschüß sagen, wird der Andere sehr verwirrt sein. Wollen Sie sich denn nicht endlich mal verabschieden?

Abschiede sind wichtig, die erzwungenen ebenso wie die freiwilligen oder die ersehnten. Abschied heißt: Sich ganz bewusst von etwas zu trennen, die Trennung zu akzeptieren, loszulassen und sich auf das Neue einzulassen.

Manchmal erscheint das auf den ersten Blick mehr als einfach. Wenn der Steuerprüfer endlich seine schmuddeligen Pfoten aus Ihren privaten Unterlagen nimmt und sich verabschiedet, werden Sie dem Mann keine Träne nachweinen.

Drei Wochen später ärgern Sie sich immer noch. Wieso kriegen Sie den Kopf nicht frei? Es ist nicht der Prüfer, der Ihnen Probleme bereitet, sondern der Abschied von Ihrem Geld und dem Gefühl von Sicherheit.

Wie aber soll man bewusst und akzeptierend loslassen und sich dem Neuen öffnen, wenn der Verlust des Alten so sehr schmerzt? Und was hat das damit zu tun, zu sich selbst zu kommen?

Bei sich sein heißt im Augenblick zu sein, momentane Gefühle wahrzunehmen, auszuleben und dann ziehen zu lassen. Konkret: Sich bewusst über den bösen Steuerprüfer ärgern und dann den Blick auf die Zukunft richten: Wie kann ich die drohende Firmenpleite abwenden? Wie kann ich mich in meinen eigenen vier Wänden wieder geborgen und unantastbar fühlen? Was kann ich Positives aus der Situation schöpfen?

Es kommt darauf an, sich selbst in der neuen Situation neu zu erleben, ein neues Selbstbild zu gewinnen – beim Verlust kleiner Dinge ebenso wie bei den großen.

Der Abschiedsweg geht immer irgendwann zu Ende. Das Ziel: „Ich“ in einer durch den Abschied veränderten und gestärkten Version.

Was denken Sie? Kann man sich das Abschiednehmen durch bewusstes Loslassen erleichtern? Gibt es eine Abkürzung auf dem Weg der Trauer? Wie lässt sich Abschied ertragen, und wie schafft man es, ihn als den großen Erneuerer immer wieder in sein Leben einzuladen?

  1. Annette schreibt am 6. Oktober 2006 um 21:09

    Bei vielen Abschieden gibt es doch keine Wahl (selbst beim Telefonieren). Und so versuche ich mir diesen Abschnitt bewusst zu machen, bedanke mich bei den Personen oder auch Dingen, laut oder still für mich und nehme es als gegeben hin. Was Abschiede schmerzen lässt, ist oft das Gefühl etwas verpasst zu haben. Z.B. finde ich es schade mich von der Kindheit meiner Kinder zu verabschieden und die neue Phase "Pubertät" zu begrüßen. Aber ich habe es bewusst getan und hoffe auch in diesem neuen Abschnitt noch Positives erleben zu können. Das Verpasste oder Ungesagte (gerade beim Tod eines Menschen) schreibe ich als Brief auf und lese ihn in Gedanken der Person vor. Das macht es erträglicher.

  2. Max schreibt am 7. Oktober 2006 um 09:52

    Hallo Annette,
    an der Phase der Pupertät der Kinder ist nun wirklich der Abschied das Schönste. Es ist, als ob ein Schmetterling aus seinem Kokon kriecht. Plötzlich treiben furchtbach stachliche Kakteen wunderschöne Blüten und man erkennt einen wunderbaren erwachenen Menschen mit Verhaltensweisen, die man selbst mit geformt hat. Ich bin von meinen beiden ehemaligen "Kakteen" immer wieder auf neue begeistert und wünsche Ihnen, dass Sie sich auf dieses Erlebnis freuen können und Ihnen das die schwierige Phase der Pupertät etwas erleichtert.

  3. Joysea schreibt am 8. Oktober 2006 um 16:04

    Loslassen als Unterstützung für den Abschied? klingt auf den ersten Blick sinnvoll, jedoch auf den zweiten nicht mehr.

    Denn genaugenommen bedeutet es ja, dass ich dafür erstmal etwas zu meinem Besitz gemacht habe, und ich meine, die meisten Schmerzen beim Verabschieden kommen vom festhalten an diesen Dingen oder Menschen, die mir tatsächlich nie gehört haben.

    Wenn ich mir das bewusst mache, kann ich schauen, wie die Dinge oder Personen mein Leben bereichert bzw. beschenkt haben und dann kann ich mich dafür bedanken.

    Bedanken würde ich sagen ist eine funktionierende Möglichkeit um Abschied zu beschleunigen. Was die Sache verzögert ist evtl. die Annahme, ich hätte zu wenig oder nicht das richtige bekommen. Eigentlich zeigt sich da aber nur, daß ich das eigentliche Geschenk übersehen und nicht gewürdigt habe.

    Sobald ich das klar sehen kann ist Abschied leicht, jedoch ist mir kein Weg bekannt, Trauerzeit abzukürzen, sie ist mal länger mal kürzer und hat sicher ihre Berechtigung und ist notwendig für das seelsiche Wohlbefinden, so als würde man eine Pflanze gießen. Wenn man da zu sparsam ist, würde die Blume verwelken, insofern finde ich Trauer gut und wichtig. Und wenn ich weiß wozu die Dinge geschehen sind, und ich mich dafür bedankt habe, ist es auch leichter durch die Trauer hindurch zu gehen.

    Wenn danach die Erinnerungen ihren Platz im Herzen gefunden haben und ich begreife, welche Entwicklung ich dadurch gemacht habe, kann ich vorfreudig neuen Wachstumschancen entgegensehen.

    Soviel aus meinen Erfahrungen zu den Fragen

    Herzlich(t)e Grüße an Alle :)

    Joysea

  4. Heike schreibt am 8. Oktober 2006 um 18:18

    Wir müssen lernen alles anzunehmen, was in unserem Leben geschieht und aufhören, mit dem Schicksal zu hadern. Die meisten Menschen leben entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft, statt achtsam im Augeblick zu sein. Es ist nicht der Steuerprüfer, der unangenehme Gefühle bereitet. Kein Mensch kann einem anderen Menschen Gefühle bereiten, sie können sie höchstens auslösen, aber niemals verursachen. Man ist stets für seine eigenen Gefühle verantwortlich. Aber ich gebe zu, es ist mitunter ein schwieriger Prozess, dies zu erkennen und die Aufmerksamkeit ins innen statt ins außen zu richten. Schließlich hat man uns bereits als Kinder beigebracht, wir würden Mutter oder Vater Kummer machen. So sind wir u.a. zu Hühnern geworden, statt unsere Adlerschwingen auszubreiten. Wem die Adlergeschichte genauso gut gefallen hat wie mir, unter dieser Adresse gibt es mehr wissenswertes über Adler: Adresse gelöscht :-) (Bitte keine Werbung hier)
    Herzliche Grüße

  5. Irmy schreibt am 9. Oktober 2006 um 05:45

    Hallo Joysea,

    deine Gedanken über das Loslassen bringen mich zum Nachdenken. Für mich ist Abschiednehmen immer auch loslassen. Selbst wenn ich Menschen und Dinge nicht zu meinem Besitz gemacht habe, sie mir nicht gehören, so gehören sie doch zu mir. Darin sehe ich einen Unterschied, ich werde mich mit diesem Thema noch beschäftigen ...

  6. manfred schreibt am 9. Oktober 2006 um 07:02

    ABSCHIED NEHMEN, DER EINEM SCHWER FÄLLT: LÄSST SICH LEICHTER ERTRAGEN WENN MAN IN VERBRENNT.
    DAS FEUER HAT SEINE DOPPELBEDEUTUNG IM ZERSTÖREN UND IM ERWÄRMEN: DIES KANN AUCH DER ABSCHIED SEIN.
    NIMM DIE TRENNUNG BEWUSST HIN, DENN ES WIRD SICH NEUES VIEL LEICHTER ERGEBEN, DASS DU HEUTE NOCH NICHT KENNST.

    EINEN SONNIGEN TAG UND NEHMT ABSCHIED VON DEM HEUTE -- MORGEN WIRD REGEN SEIN UND WIR WERDEN ES GENIESSEN IN DEN WARMEN VIER WÄNDEN ZU SEIN

    MANFRED

  7. Julie schreibt am 10. Oktober 2006 um 05:49

    Bewusst Abschied nehmen, bewusst trauern, ist etwas ganz Wundervolles. Es ist der Schlüssel zu dem was neu beginnen möchte. Wir alle haben in unserem Leben ein gewisses Erlebnispotential, das wir aber nur voll ausschöpfen können, wenn alte Dinge immer wieder loslassen, die Menschen gehen lassen, die gehen möchten und uns öffnen für die, die zu uns kommen möchten. Leben ist stetige Veränderung!!

    Herrmann Hesse beschreibt es sehr schön in seinem Gedicht "Stufen" : "Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten...."

  8. Irena schreibt am 10. Oktober 2006 um 18:21

    Der Kommentar zur Pubertät tut mir zur Zeit sehr gut! Bin allein erziehende Mutter von drei Söhnen (16, 13 und 11).Danke!

  9. Corina schreibt am 11. Oktober 2006 um 15:33

    Dieser Artikel hat mich gerade ein ganzes Stück weitergebracht.
    Ich bin auch gerade dabei loszulassen, das heißt ich versuche zu akzeptieren, dass ein Mensch nicht länger in meinem Leben vorkommt.
    Zum guten Glück habe ich ziemlich schnell erkannt, dass es alles einen Sinn hatte und dass ich aus meiner ganzen Situation etwas lernen kann. Ich bin gerade noch dabei und heute dachte ich einen "Rückschlag" erlebt zu haben. Ich wusste nicht mehr was ich tun sollte, ob ich auf dem richtigen Weg bin und ob ich je wieder glücklich werden kann.
    Danke an diese Seite, jetzt weiß ich, dass es richtig ist, loszulassen und dass ich traurig sein DARF und vielleicht auch MUSS, um alles rauszulassen!

    Und weiter geht's... :-)

  10. to doo schreibt am 6. November 2006 um 14:36

    Alles hat Seinen Sinn, auch das was wir nicht sehen können.
    Und wenn wir offen(?) sind, können wir (unser Unterbewußtsein/ das Leben/ das Licht?...)kleine Wunder entdecken: Zur richtigen Zeit das richtige Buch im Buchladen, oder die richtige Internetseite. Sind das "ZUfälle"?

    Und das Kaktusproblem kenne ich auch!!

  11. senith schreibt am 27. November 2006 um 17:57

    Ich komme mit dem Loslassen überhaupt nich klar - bin schon seit fast 3 Jahren von jemandem getrennt, und komme einfach gefühlsmäßig nicht von ihm los; obwohl er mir sogar im Nachhinein sehr unrecht/weh tat. Bin zwar erst erbost gewesen, aber nach einer Weile geht die Wut weg und die Sehnsucht ist wieder da...
    Leider muß ich die Person auch hin u. wieder sehen, vielleicht liegt's ja daran.
    Erschreckt mich jedenfalls an mir selbst.

  12. Karl schreibt am 3. Dezember 2006 um 23:30

    Ich weiss nicht was manche Leute für Sorgen haben und von was sie sich so alles verabschieden aber eins ist mir beim lesen der Kommentare klar geworden.
    Jeder einzellne dieser Menschen hat noch nie einen richtigen Abschied erlebt.
    Ich werde bald meine Frau an den Krebs verlieren.
    Sie ist mein Lebensinhalt und wenn sie geht kann das doch nicht eine Neuanfang sein
    Es ist ein Verlusst der nicht von einigen Möchtegern- Intellektuellen auf dieser Seite schönzureden ist und den man nicht als Chance verstehen kann
    Aber in der heutigen Zeit gibt man ja lieber einen Partner
    auf als sein fettes Auto
    Ich weiss nicht ob diese Welt und vor allem diese Gesellschaft überhaupt noch erlebenswert ist.
    Ich glaube nicht.

  13. Horst Grimpe schreibt am 17. Januar 2007 um 13:05

    Hallo,
    ich habe Letztens ein Zitat von Hermann Hesse gelesen,
    wer kann mir weiterhelfen ?????????????
    Morgen kommen immer wieder (weiß nur noch den Anfang)

  14. Melany schreibt am 4. Mai 2007 um 07:02

    Hallo,
    ich habe vor zwei Tagen erfahren das ich meinen Vater verloren habe. Leider hatten wir die letzten zwei Jahre keinen Kontakt mehr. Umso schwieriger ist es mit dem Tod umzugehen, denn es gab keine Möglichkeit ihn vorher nochmal zu sehen. Es sind so viele Warum?...-Fragen für mich offen und er kann sie mir nicht mehr beantworten. Gibt es Stellen oder Instutionen wo man sich Hilfe holen kann die Trauer zu verarbeiten?

  15. Tania schreibt am 4. Mai 2007 um 09:07

    Hallo Melanie,

    so ein Verlust ist immer schwer zu verarbeiten - die eigenen Eltern zu verlieren, tut immer weh, egal wie fern man einander auch war.

    Es gibt im Internet viele Foren, in denen sich Betroffene zum Thema "Trauer" austauschen - gibt einfach mal "Trauer" bei google ein. Ich kann Dir leider keines empfehlen und ich denke auch, dass es ganz gut ist, sich da eines auszusuchen, was für einen persönlich passt.

    Wenn Du mal in unserer Suche "Trauer" oder "Tod" eingibst, findest Du eine Reihe von Buchtipps, vielleicht ist auch da etwas passendes für Dich dabei.

    Und hier noch ein Hinweis auf einen Artikel zum Thema: http://www.zeitzuleben.de/artikel/persoenlichkeit/tod-und-trauer-4.html

    Dir alles Liebe und Gute,
    Tania, vom "Zeit zu leben"-Team

  16. Morgenfrau schreibt am 16. Oktober 2007 um 05:01

    Guten Morgen,

    hier schreibt Morgenfrau.

    Trauerbegleitung von Angehörigen kann vermittelt werden.
    Bitte wendet Euch an ein Hospiz.

    Hospize arbeiten mit Ehrenamtlichen Sterbe-/Trauerbegleitern zusammen und können sicher Hilfestellung geben.

    Es ist eine sehr sinnvolle und intensive Aufgabe.

    Liebe Grüße
    Morgenfrau

  17. Kasriel schreibt am 27. Oktober 2008 um 21:09

    Hallo
    Eine andere gute möglichkeit ist auch Dem Verstorbenen zu schreiben. Dann den Brief Copieren und das Orginal in stille an einen Guten Ort zu verbrennen. Die Copy ab ins Tagebuch oder zu Erinnerungen. sie hilft dabei beim durchstöbern das bewusstsein zu stärken das man alles gesagt hat in dem Augenblick.
    Alles liebe Kasriel

  18. Michaela schreibt am 24. Oktober 2009 um 00:53

    ....ich bin so dankbar für diese Seite auch wenn ich hier wahrscheinlich fehl am Platze bin...es ist fast 3.00 Uhr früh und ich werde vermutlich Abschied von meinem geliebten Hundemädchen nehmen müssen...ich suche so verzweifelt Trost und finde doch keinen. Mein Herz zerspringt fast vor Schmerz....