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Von schlechten und guten Blättern…

Von Tania Konnerth6 Kommentare

„Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen.“

– Arthur Schopenhauer

Das Leben ein Kartenspiel? Ein Gedanke, der mich hat aufhorchen lassen, denn tatsächlich lässt sich  da so manche Parallele ziehen.

Ich habe schon ziemlich früh Skat und Doppelkopf gelernt und spiele diese Kartenspiele immer wieder gerne. Nun gibt es Tage, an denen hadere ich mit fast jedem Blatt, das mir gegeben wird. Die Karten sind zu schlecht, um zu spielen und ich habe das Gefühl, nichts als ein Kartenhalter zu sein und eh keine Chance zu haben. Frust ist die Folge. An anderen Tagen bin ich mutig und spiele auch mal mit Blättern, die nicht gerade nach einem sicheren Gewinn aussehen. Und selbst wenn ich manches dieser Spiele verliere, habe ich ein besseres Grundgefühl, weil ich im Spiel bin.

Das erzähle ich Ihnen, weil ich hier eine schöne Verbindung zu Arthur Schopenhauers Zitat sehe: Wir haben wenig Einfluss darauf, welche Karten uns das Leben gibt, aber wir haben viel Einfluss darauf, was wir mit dem Blatt, das wir bekommen, anstellen.

Es ist nämlich die Frage, ob meine Blätter an den jeweiligen Tagen tatsächlich durchgehend so grundverschieden sind oder ob ich sie nicht vielleicht eher schon durch einen gewissen Filter betrachte.

Wenn ich z.B. das Gefühl habe, eh nur zu verlieren, werde ich viele Blätter schon gleich als chancenlos einschätzen, während wenn ich das eine oder andere Spiel gewonnen habe, mutiger sein werde. Und auch meine Grundstimmung wird eine Rolle spielen: Bin ich an dem Tag gut gelaunt und locker, lache ich viel öfter über ein verlorenes Spiel und genieße einfach das Zusammensein mit meinen Lieben, auch wenn ich halt öfters nur Kartenhalten bin. Bin ich angespannt oder missgelaunt, habe ich meinen Fokus auf den schlechten Karten, empfinde sie als ungerecht und habe keinen Sinn mehr für das, worum es eigentlich geht: einen netten Abend zu haben.

Keine Frage: mit einem guten Blatt gewinnt es sich einfacher als mit einem schlechten – das gilt im Kartenspiel genauso wie im Leben. Aber auch mit einem schlechten Blatt kann ich eine schöne Zeit, sprich: ein gutes Leben haben, dann nämlich, wenn ich nicht darüber jammere, sondern das Beste daraus mache. Denn es ist doch nicht das Gewinnen, auf das es ankommt, als vielmehr auf das Spiel selbst, meinen Sie nicht?

  1. Birgit schreibt am 22. April 2008 um 05:55

    Danke für dieses Zitat heute morgen, denn gestern abend habe ich ein schlechtes Blatt gezogen, ich werde heute versuchen die Karten gut auszuspielen. Dieses Zitat musste heute sein, vielleicht hat sich ja damit gerade das Blatt gewendet.
    Einfach Danke

  2. dita schreibt am 22. April 2008 um 15:15

    Ach wirklich!?

  3. Hubert schreibt am 25. April 2008 um 01:03

    Schönes Zitat und eine interessante Interpretation.
    Das Leben als Kartenspiel; sicherlich, da gibt es die eine oder andere Analogie.

    Nur mit Schopenhauer in diesem Zusammenhag tue ich mich ehrlich gesagt etwas schwer.
    Er gilt als der größte Pessimist unter den Philosophen, obwohl er –von außen betrachtet- dazu wenig Grund hatte.
    Eine Aussagen über das Leben von ihm mögen das verdeutlichen:
    „Alles Leben ist Leiden“, „Das Leben unseres Leibes ist nur ein fortdauernd gehemmtes Sterben, ein immer aufgeschobener Tod, oder - es wird zur furchtbarsten Leere und Langeweile, und unser Wesen und Dasein uns zur unerträglichen Last.“
    Oder: „Das Leben ist ein Pensum zum abarbeiten.“
    Schopenhauer war sicherlich niemand, der sein Leben wie ein Kartenspiel mit neuen Möglichkeiten gesehen hat und versucht hat, darin etwas positives zu sehen.
    Zitat:
    „ Allerdings ist das Leben nicht eigentlich da, um genossen, sondern um überstanden, abgetan zu werden“

    Ich kann den Gedankengängen bezüglich des Kartenspiels durchaus was abgewinnen, aber Schopenhauer ist hier der falsche „Protagonist“ auf der Bühne des Lebens.

  4. Heide schreibt am 25. April 2008 um 12:26

    Ach Hubert,

    warum so kritisch?
    Du siehst, sogar ;-) Schopenhauer hatte seine optimistischen Minuten.

    Warum also nicht über das Zitat nachdenken? Und daraus (und in Folge davon: aus seinem Leben) das Beste machen?

    Gruß!
    Heide

  5. Hubert schreibt am 26. April 2008 um 10:00

    die mag er wohl gehabt haben, Heide, allerdings wohl weniger in Zusammenhang mit dem Zitat.
    Schopenhauer vertrat die Auffassung, das wir nicht in der Besten sondern in der Schlechtesten aller möglichen Welten leben und es nur zwei Wege gibt sich davonr zu befreien:
    Die Kunst und die verneinung des Willens in Mitleid, Gerechtigkeit und Nächstenliebe. (etwas vereinfacht gesagt)

    Aber Schopenhauer hat auch etwas zu unseren Einflußmöglichkeiten auf unser eigenen Leben geäußert:

    „Unser Lebenslauf“, so SCHOPENHAUER, „ist keinewegs schlechthin unser eigenes Werk“ aber er ist auch nicht das Werk einer direkt wirkenden fremden Macht, die man Erziehung nennen könnte.
    Vielmehr ist der Lebenslauf das fortlaufende Produkt zweier Faktoren,„nämlich der Reihe der Begebenheiten und der Reihe unserer Entschlüsse, welche stets ineinandergreifen und sich gegenseitig modifizieren. Hinzu kommt noch, dass das in beiden unser Horizont immer sehr beschränkt ist, indem wir unsere Entschlüsse nicht schon von weitem vorhersagen und nicht weniger die Begebenheiten voraussehen können, sondern von beiden uns eigentlich nur die gegenwärtigen recht bekannt sind. Deshalb können wie, solange unser Ziel noch
    fernliegt, nicht einmal gerade darauf hinsteuern; sondern nur approximativ und nach Mutmassungen unsere Richtung dahin lenken, müssen also oft lavieren. Alles nämlich, was wir vermögen, ist, unsere Entschlüsse allezeit nach Massgabe der
    gegenwärtigen Umstände zu fassen, in der Hoffnung, es so zu treffen, dass es uns dem Hauptziel näher bringe“

    Du siehtst diese Aussagen sind viel differenzierter, als das Einganszitat vermuten lässt. Und vielleicht waren da auch noch opitimistische Momente dabei, als er das schrieb.
    Aber niemand muss sein Leben nach Schopenhauer ausrichten, und es ist hier auch keine Schopenhauer-Diskussion.
    Jeder der sein Blatt des Lebens spielen möchte, dem wünsche ich viel Glück dabei!

  6. Heide schreibt am 26. April 2008 um 10:56

    Hallo Hubert,

    du hast Recht, wenn du schreibst: " es ist hier auch keine Schopenhauer-Diskussion."

    Eigentlich ein wenig schade, aber einen Nutzen hatte das Zitat auf jeden Fall: Es hat dich und mich und auch noch viele andere zum Nachdenken über das Leben, über das eigene Leben gebracht - und das ist ja gut so.

    Ein schönes Wochenende!
    Heide