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Mal anders gesehen!

Von Tania Konnerth40 Kommentare

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“

– Antoine de Saint-Exupéry

Das Zitat aus der letzten Woche und mein Text dazu haben sehr verschiedene und zum Teil heftige Reaktionen ausgelöst. Mich hat das sehr nachdenklich gemacht.

Was mich am meisten verblüfft hat, war die Wut, die aus manchen Beiträgen spricht. Warum provoziert der Gedanke, die Welt könnte ein Geschenk sein?

Die Aussage, die Welt sei ein Geschenk, ist zunächst wertfrei, denn wer hat behauptet, dass uns das Geschenk gefallen muss? Geschenke, vor allem Geschenke des Lebens, sind nicht immer bunt und hübsch. Das Leben ist meiner Ansicht nach IMMER ein Geschenk – ob uns das Leben gefällt oder nicht. Ganz abgesehen davon ist die Welt aber nicht nur schlecht – das wäre eine ähnlich verzerrte Sicht wie die Behauptung, sie sei nur schön.

Die Welt ist einfach, Punkt. Und wir leben in ihr. Ich denke, nichts weiter sagt das Zitat letztlich aus: Schau, was du aus deinem Leben machen willst. Und um etwas aus seinem Leben zu machen, gibt es nützliche Sichtweisen und weniger nützliche.

Nehmen wir an, unser Leben ist alles andere als schön – wer, wenn nicht wir selbst, kann denn dafür sorgen, dass uns unser Leben besser gefällt? Wer kann aktiv werden, wer kann etwas ändern? Wie nützlich ist es, unserer Mutter vorzuwerfen, dass sie uns überhaupt geboren hat oder mit all denen zu grollen, die uns schlecht behandelt haben oder mit der Welt zu hadern, weil es in ihr Kriege und Katastrophen gibt? Wie nützlich ist es, auf den Staat zu schimpfen oder auf die Nachbarn, denen es so viel besser geht?

Ich denke, ich kann gut nachvollziehen, dass und auch warum so viele Menschen in ihrer Lebenssituation vollkommen frustriert sind – Gründe gibt es genug. Aber die Frage ist doch immer wieder: Mit welcher Lebenseinstellung kann man eher an einer solchen Lebenssituation etwas ändern – mit der, dass das Leben eine Last ist oder mit der, dass es ein Geschenk ist?

Glauben Sie bitte nicht, dass ich als Gemütssonnenscheinchen geboren wurde. Nein, ich kenne die andere Seite sehr gut. Ich habe lange Zeit mit fast allem gehadert und mein Leben empfand ich zu dieser Zeit auch oft mehr als Last denn als andere. Aber genau deshalb weiß ich auch, wie befreiend ein Blickwechsel sein kann. Dass sich Türen und Tore öffnen können, wenn man einen neuen Gedanken zulässt. Wenn man beginnt zu erkennen, welche Möglichkeiten man hat – im Kleinen, wie im Großen.

Probieren Sie doch einfach einmal verschiedene Sichtweisen aus. Wenn Ihr Leben eh so unbefriedigend oder schrecklich ist – was haben Sie denn schon zu verlieren?

  1. Michael schreibt am 17. Juni 2008 um 14:12

    Tanja schrieb:
    "Warum provoziert der Gedanke, die Welt könnte ein Geschenk sein?"

    Vielleicht provoziert er die Menschen, die das Leben eben nicht als Geschenk sehen oder empfinden können. Die könnten ja denken, das sie einfach nur zu blöd sind, ein simples Geschenk auszupacken während andere Menschen hier fast übersprudeln vor Freude beim auspacken der Geschenke. Ich stelle mir gerade zwei Kinder auf Weihnachten vor, das eine sieht 10 Geschenke und das andere nur eins. Ob das zweite Kind da nicht auch etwas ärgerlich wäre ? Ich denke sowie so, das das Leben eben nicht EIN Geschenk ist sondern man immer mal wieder Geschenke bekommt. Manche Geschenke werden eben nicht erkannt.

  2. mika schreibt am 17. Juni 2008 um 18:43

    "Warum provoziert der Gedanke, die Welt könnte ein Geschenk sein?"

    weil ergenauso einseitig ist, wie beispielsweise zu sagen: "die welt ist eine hölle".

    das leben ist, wie oben so schön gesagt, einfach so wie es ist. weder eine einzige hölle, noch ein einziges geschenk.

    das wort "geschenk" ist für mich nicht wertfrei, sondern beinhaltet eine eindeutige positive stimmung.

    zudem beinhaltete das zitat ja auch nicht den satz "jeder bekommt bei seiner geburt das leben geschenkt", sondern "jeder bekommt die GANZE welt geschenkt."

    sorry, das stimmt einfach nicht, die GANZE welt, wir bekommen viel geshenkt, aber auch die glücklichsten von uns bekommen nicht ALLES.

    deshalb finde ich solche zitate so platt (so wie positives denken) und anmassend gegenüber menschen, die wirklich leiden und ihr leben nicht als ein einziges geshenk betrachten können.

    liebe grüße
    mika

  3. Ursula Kruck-Hantschel schreibt am 18. Juni 2008 um 05:28

    Hallo & Guten Tag,

    das Zitat "Was mich am meisten verblüfft hat, war die Wut, die aus manchen Beiträgen spricht" - spricht auch mir aus dem Herzen. Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, wie viel „Negatives“ Menschen doch noch im Positivsten finden müssen!
    Ein positiver Gedanke wird geradezu von „kollektiven Schwarzsehern“ solange zerfetzt, bis es ihn nicht mehr gibt!

    Wie kann ein Gedanke provozieren?
    Ist es nicht eher so, dass derjenige, der sich durch einen positiven Gedanken provozieren lässt, einen Aufhänger sucht, um sich mal wieder selber ärgerliche Gedanken machen zu können! Warum eigentlich, frage ich mich oft, wollen die Menschen sich so gerne schlecht fühlen?

    Jetzt höre ich schon die Argumente hochkommen:
    Die hat leicht reden! Die macht sich das viel zu leicht.

    Ja! Und wissen ihr was: das ist gut so – warum soll ich mir das Leben so unnütz schwer machen? ;-) Warum soll ich ständig leiden, was hat das für einen Sinn?

    Ich denke die Wurzel dieses Verhaltens "leiden müssen um jeden Preis" liegt in der wachsenden Unzufriedenheit mit sich selbst und der "ganzen Welt". Warum denn auch Geschenke annehmen, wenn man sich selber nicht annehmen kann…… ? ;-)

    Wie wäre es denn damit: einfach mal das Leben leicht "annehmen" & genießen" - und nicht ständig mit "Eifer suchen" = Eifersucht, um sich negative Gedanken machen zu können, um sich ärgern zu können.

    Und wer das an dieser Stelle noch nicht kann, hat jetzt die Chance damit anzufangen! Es ist nie zu spät!

    Ich wünschen Allen eine positive Zeit und umsegelt die Welt doch mal mit liebvollen Gedanken :-)

    Herzlichst Ursula

  4. U. schreibt am 18. Juni 2008 um 08:35

    Was ist so schlecht daran, das Schlechte auch schlecht nennen zu dürfen und es nicht als "Geschenk" zu betrachten? Darf ich nicht weinen und meinen Kummer ausleben, wenn ich einen schrecklichen Verlust erlitten habe oder sehr verletzt wurde? Das heisst doch nicht, dass ich deshalb alles nur noch negativ sehe. Vielleicht brauche ich das einfach, um danach wieder gestärkt aus der Krise zu kommen
    - oder auch nicht, weil ich nicht allmächtig bin.

  5. mika schreibt am 18. Juni 2008 um 09:58

    Ich stimme meinem Vorgänger zu, er hat das auf den Punkt gebracht was ich nicht so richtig in Worte fassen konnte. Wir sind nicht allmächtig. Trotzdem ist das Leben schön, ich bin alles andere als ein Schwarzseher - aber muss ich deshalb so tun, als wäre ALLES weiss?

    Das Zitat ("GANZE Welt") geht mir zu sehr in Richtung dieses Allmachtsgedanken, wir könnten ALLES erreichen, wenn wir nur wollten, und wir könnten IMMER glücklich sein, wenn wir uns nur genug anstrengten.

    So einseitig empfinde ich das Leben aber nicht.

    Und mein Leben ist voller wunderbarer kleiner und großer Geschenke. Aber es ist nicht ALLES IMMER ein Geschenk, diesen Gedanken finde ich unrealistisch und er macht mich krank, denn wenn das alles so einfach ist, dann ist es wohl meine SCHULD, dass ich nicht 24h glücklich bin, oder wie?

    ES gibt einfach Dinge, die liegen außerhalb unseres Einflussbereichs. Und das alles gut und als Geschenk empfinden zu MÜSSEN, empfinde ich persönlich als Last.
    So empfinde ich das Zitat.

    Hat mit schwarzsehen nichts zu tun, meiner Meinung nach. Ich hoffe es ist etws klarer geworden.

  6. mika schreibt am 18. Juni 2008 um 10:01

    Im Nachhinein kann man natürlich so manches Schwere und Traurige als Geschenk empfinden, weil es einen auf eine Art und WEise weitergebracht hat, die man in der akuten Notlage noch nicht sehen konnte. Aber im Nachhinein ist nicht im Vorhinein: In dem MOment, wo es furchtbar war, war es nunmal furchtbar. Und es gibt auch Dinge, die nichtmal im Nachhinein ein Geschenk sind.

  7. Conny schreibt am 18. Juni 2008 um 17:12

    Ich habe den Eindruck, die vielen unterschiedlichen Sichtweisen gehen auf unterschiedliche Vorstellungen zum Begriff 'Geschenk' zurück!
    Wer ein Geschenk per se als etwas Positives definiert, kann dem Gedanken 'wir bekommen die ganze Welt geschenkt' nicht zustimmen. Das würde ja bedeuten, die ganze Welt ist positiv. Sicher (und leider) nicht...

    Wer 'Geschenk' als wertfreie 'Überraschung' sieht, kann Tanjas Text eher Gutes abgewinnen. So hatte ich das zuerst verstanden.
    Manches Geschenk ist dann negativ für den Auspacker. Der sich darüber auch ärgern, wütend sein, traurig sein darf, na klar! Geschenkt kriegt er es so oder so.

    Und er kann sich entscheiden, will er viele Geschenke auspacken oder wenige? Jedes könnte negativ oder positiv sein, manchmal wird erst viel später klar, was von beidem. Nicht jeder bekommt gleich viele positive Geschenke, aber jeder kann sich entscheiden: möchte ich heute dieses Geschenkband aufziehen und nachsehen? oder lieber gar nicht gucken? Will ich mein Geschenk von heute beiseitelegen, will ich es vielleicht doch benutzen, auch wenn es mir nicht so gut gefällt?

    Die zeitzuleben-Texte, besonders in den letzten Wochen, waren für mich wertvolle Geschenke! Dankeschön, ich freue mich auf weitere Anregungen & Diskussionen :)

    Conny

  8. mika schreibt am 18. Juni 2008 um 20:02

    conny, das ist eine sehr gut erläuterung!

    es hängt sicher mit dem begriff zusammen, deinem ersten absatz kann ich nur zustimmen. deshalb gefällt mir das zitat auch nicht, weil ich geschenk ausschließlich positiv definiere, ich für mich, so ist es halt.

    liebe grüße
    mika

  9. Michael schreibt am 18. Juni 2008 um 20:14

    Für mich ist ein Geschenk auch nicht wertfrei sondern eher positiv besetzt.

  10. Beate schreibt am 21. Juni 2008 um 06:45

    ... ist das eine wunderbare Diskussion! Ich finde es toll, dass auch wenn die Meinungen sehr verschieden sind, Ihr Euch alle die Zeit nehmt Eure Meinung zu sagen und zu vertreten..., ich finde damit sind wir "auf einem wirklich guten Weg"...

    Der Satz von Silvia "Gott hat Dir Dein Leben geschenkt, was Du daraus machst ist Dein Geschenk an Gott!" hat mir sehr gefallen..., ich werde ihn mit in den Tag nehmen.

    Euch allen ein schönes Wochenende!

  11. Birgit Köhncke schreibt am 22. Juni 2008 um 11:13

    Hallo liebe Tanja,
    zunächst vielen Dank für den Impuls zum nachdenken. Schön, dass es noch mehr Menschen gibt, die gerne denken. Ich wußte es!
    Für mich hat der Gedanke der geschenkten Welt auch noch einen anderen Aspekt. Es gibt schöne und nicht so schöne Geschenke - da brauch ich nur an die Duftkugeln von Tante Friedel denken-. Was ihnen aber gemeinsam ist, ist mein Entscheidungsfreiraum im Umgang mit ihnen. Und das ist etwas, was für mich das Wichtigste im Leben ist. Ichkann die Annahme schon ander Tür verweigern, kann das eingepackte Geschenk hundert Jahre im Schrank verwahren, es ausgepackt voller Freude nutzen, in die Mülltonne schmeissen, zurückschicken, weiterverschenken, verkaufen, zerstören, auseinandernehmen und umwandeln und und und und... Was ich damit mache, liegt bei mir. Nur, weil es da ist, muß ich nichts damit machen. Das ist Wahl und Qual zugleich. Das hat viele Möglichkeiten, schlußendlichkann ich alles beim Alten lassen - und das ist eine Entscheidung, kein Schicksal, oder ich nehme von Fall zu Fall das Angebot an. Sich diese Grundhaltung zu erarbeiten erscheint mir am schwersten und am hilfreichsten. Und der erste Schritt besteht für mich in der Akzeptanz, dass die Entscheidung darüber, was ich tue, bei mir liegt. Nichts zuverändern und so zu lassen wie es ist, ist absolut legitim und ist eine Entscheidung.
    Und jetzt entscheide ich mich am Sonntag nachmittag an die Elbe in die Sonne zu gehen.

    Liebe Grüße, Birgit

  12. Franz schreibt am 22. Juni 2008 um 14:31

    fuer mich gibt es verschiedene Interpretationen der Aussage:
    a) nehmen wir an das Geschenk "Leben" liegt unter dem christbaum, aber wir gehen nie in das Zimmer wo der christbaum steht, sondern sitzen immer im Fernseh-Zimmer und ärgern uns ueber die schlechten Nachrichten im TV.

    b) das Geschenk ist eine besondere Begabung z.B. Berg steigen. Und in unserem Leben gibt es Felswände, die wir scheinbar nicht bezwingen können - ja wir verbringen sogar mal Nächte in eisiger Kälte, weil uns das schlechte Wetter in den Bergen überrascht hat. Als Geschenk empfinden wir diese Felswand erst, wenn wir sie überwunden haben.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz - Franz

  13. Simara schreibt am 22. Juni 2008 um 17:54

    Ich bezeichne mich gerne als optimistischen Fatalist. Das Leben ist allgemein gut und wenn mir etwas Schlechtes widerfährt, so denke ich, dass es schon wieder besser wird. Aber für mich ist diese Denkweise relativ einfach, da ich gesundheitlich noch nie Probleme hatte und die - relativ viele - emontionalen Krisen durch meine optimistische Einstellung relativ gut bewältigen konnte.

    Wer jedoch ohne eigene Schuld sehr krank wird und/oder seinen Job verliert, der darf doch sicher zuerst einmal Wut auf sein Schicksal entwickeln. Da kann man einfach nicht mehr alles als ein "Geschenk" betrachten.

    Diese Lebensphilosophie ist sicher gut gemeint, aber bei jemandem, der sich gerade in einem Tief befindet, kommt sie halt einfach nicht an.

  14. Friederike schreibt am 22. Juni 2008 um 18:10

    Ich lese gerade ein Buch von Joseph M. Marshall, das ganz gut zum Thema passt, finde ich.
    Es heißt "Bleib auf deinem Weg", Verlag Herder

    Viele Grüße aus Wien - Friederike

  15. HarteTour schreibt am 22. Juni 2008 um 19:03

    Seine Einstellung zu ändern ist sehr schwer. Dem geht meist eine Einsicht in Form eines AHA-Effektes voraus. Auch, wenn man den ganzen positiven Aspekten und Sichtweisen intellektuell zustimmen kann, es versteht, heißt das noch lange nicht, daß man es wirklich erfasst.

    Mir ging es so, aber ich hatte zum Glück irgendwann den AHA-Effekt. Die Einsicht selber schuld zu sein, keinem die Verantwortung zuschieben zu können, ändert doch so einiges. Die Erkenntnis, daß das eigene kleine Leben auf unserer weiten Welt extrem unbedeutend ist, ebenso. Das macht ruhiger, gelassener, weniger zornig, wütend etc. "Was rege ich mich auf? Wer bin ich, daß ich mich empöre? Warum sollte und muss es mir besser gehen, wie so vielen anderen?"

    Man kann nichts tun. Außer sein Bestes geben. Man kann niemanden ändern, außer sich selbst. Wenn mir etwas nicht paßt - ändern, oder eine andere Einstellung dazu entwickeln.

    Gut, ich bin mittlerweile Mitte 30, seit 10 Jahren arbeite ich an mir. "Erreicht" habe ich trotzdem in meinem Leben nicht viel, wenn man allgemeine Standards annimmt. Eher im Gegenteil. Dafür geht es mir eigentlich ganz gut.

    Aber, etwas mehr Glück würde ich mir manchmal schon wünschen. Und es ist wie bei allem. Je früher man mit etwas anfängt, umso weiter kann man kommen. Im Sport, in der Musik, im Beruf oder in seiner persönlichen Entwicklung.

    Wächst man jetzt aber in einem Umfeld auf, wo so etwas nicht Thema ist, dann wird es schwierig. Bekommt jemand eine entsprechende Erziehung, kann er sein Leben sicherlich anders gestalten, als jemand, der sich im Erwachsenenalter erst auf ein Niveau bringen muss, welches andere schon im Grundschulalter haben. Wenn man erst lernen muss, daß man gestalten kann, daß man Wünschen und Bedürnissen entsprechen sollte. Wenn Willen, Wünschen und Bedürfnisse überhaupt erst einmal ausgebildet werden müssen.

    Ich denke, daß hat mit Intelligenz und Intellekt zu tun, wenn jemand das einsehen und später nachholen kann. Aber immerhin besser, als dahinzuvegetieren, auf Hartz IV zu sein, andere verantwortlich machen usw.
    Aber ich will niemanden verurteilen, der ALG II bekommt. Ich selber war noch vor kurzem darauf angewiesen.

    Dann wird es ganz blöde. Wenn man weiß oder glaubt, daß man sein Leben selber in die Hand nehmen sollte/kann, aber es klappt einfach nicht.

    Was dann?

  16. Kerstin schreibt am 22. Juni 2008 um 20:51

    Der Autor des Zitates Leo Buscaglia (1924–1998) unterrichtete Erziehungswissenschaften in USA. Der Selbstmord einer seiner Studentinnen traf ihn so tief, dass er die Liebe zum Leben und ein liebendes Miteinander als seine Lebensbotschaft fortan verkündete. "Die ganz Welt geschenkt" steht aus meiner Sicht als Bild für die FREIHEIT - deren Schwester ist die VERANTWORTUNG (für das eigene Leben?). Ja, die meisten Erwachsenen haben eine Wahlfreiheit (happy oder nicht?), auch wenn die Hirnforschung bereits Unterschiede ausgemacht hat. Jeder, der sich dieser Verantwortung stellt, generiert dadurch ein gutes, ein wertvolles Selbstgefühl. Und umgekehrt. Eine mögliche Erklärung für die heftigen Reaktionen: Enttäuschung (über sich selbst.) Gefühle sind intelligent. Sowohl als auch. Wir können unsere inneren Glaubenssätze (Geschenkband) definitiv verändern (öffnen), so wir sie kennen und es wollen. Es ist eines der größten Abendteuer, die eigene Freiheit zu erleben. Ein Wert, für den Generationen vor uns, ja ganz Völker gestorben sind. Auch in dieser Verantwortung stehen wir heute: Wir sollten das "Geschenkband" wenigstens berühren...

  17. Nadine schreibt am 23. Juni 2008 um 09:23

    Wie schnell das geht...
    zu glauben, man wäre zu kurz gekommen.

    Ich brauche nur mein Innerstes mit dem Äußeren von Tania und Ralf zu vergleichen und schon ist klar: Die beiden haben alles, ich habe nichts. Man sieht ein wunderbares Portal voller Lebensweisheit. Boah, den beiden geht es richtig gut! Wie soll man da mithalten.

    Aber wie Tania schon schrieb, ist sie eben auch nicht als "Gemütssonnenscheinchen" geboren. Wir haben alle unsere Höhen und Tiefen, Sorgen, Nöte und Freuden. Man sieht es nur nicht immer im Äußeren. Stelle ich aber mein Innen neben das Innen eines anderen und lasse mir von jemand anderem über mein Außeres berichten und betrachte dann ihn, verschwinden viele Unterschiede von allein. Ich habe genauso viel zu tragen und bin genauso gesegnet wie alle anderen.

  18. Evelis Afzal schreibt am 23. Juni 2008 um 10:09

    Es ist nicht immer einfach das Leben als Geschenk zu betrachten, aber dank der Hilfe meines Lehrers und der Erfahrung die ich in mir machen kann, wird es ganz eindeutig
    "Das Leben ist ein Geschenk" Eine gute website ist
    Forum Dreilinden .de
    Da redet er über solche Dinge .

    Viel Spaß beim Zuhören und beim Leben.
    E v e l i s

  19. Sabine Dietrich-Schledorn schreibt am 23. Juni 2008 um 11:09

    Einen sonnigen Gruß an alle!

    Blickrichtungen - Ihr alle habt unterschiedliche Betrachtungsweisen, ob das Leben ein Geschenk ist oder nicht.

    Aus jedem seiner Situation sieht das anders aus. Vieles bringt man aus der Kinderzeit mit, was einem anerzogen wurde, Glaubenssätze, an denen man festhält, die garnicht mehr passen,
    Erfahrungen, die man erlebt hat, stellen sich oft in den Weg.

    Es ist wichtig, andere Türen zu öffnen, andere Erfahrungen, Werte und und und zuzulassen.

    Eine polynesische Weisheit, die mir sehr weitergeholfen hat, lautet wie folgt:

    "Wenn die Dinge nicht so laufen, wie Du es Dir vorstellst, dann stell Dir etwas anderes vor."

    Es gibt nicht nur einen Weg, daß Leben als Geschenk zu betrachten!

    Ich wünsche allen eine schöne Zeit.

    Sabine Dietrich-Schledorn

  20. Rosel schreibt am 23. Juni 2008 um 12:17

    Die von Ihnen propagierte positive Denkansätze sind löblich.
    Doch ich weiss inzwischen, dass sie nicht wirklich funktionieren das sagt z.B. auch die bekannte Autorin Barbara Sher. Seit kurzem bin ich in einem Erfolgsteam eine Art Selbsthilfgruppe und wir helfen uns gegenseitig über die ganz individuellen Hürden, Schmerzen zu unseren grossen und kleinen Träumen.
    Wie Sie selbst sagen erzeugt "verbales Zuckerstreuen" nur Schuldgefühl: wir machen uns schlecht , weil wir glauben nicht so gut zu denken wie Sie und schon sind wir wieder im alten "Opfer" Zyklus...
    Holen wir doch die Menschen da ab wo sie sind in ihrem Frust, Schmerz und Verzweiflung ob überhaupt etwa szu ändern sei.....Das erscheint mir effektiver als gebetsmühlartig positive Denken auszustreuen...das ist modern ausgedrückt out. siehe auch barbarasher.com

  21. Heike Schatz schreibt am 23. Juni 2008 um 14:20

    Hallo zusammen,

    ich mag den Gedanken, die Welt als Geschenk zu sehen. Wahrscheinlich habe ich das ganz bewertungsfrei annehmen können. Auch das ist ein Geschenk. Ja, wer sagt, dass es nur tolle Geschenke gibt? Ich denke an etliche Geschenke (wie Schlafanzüg oder Socken zu Weihnachten :-), vieles landet in der hintersten Ecke im Schrank, manches wird umgetauscht, über einiges beklagt man sich beim Geber und mit anderem freundet man sich im Laufe der Zeit tatsächlich an. Man hat den Wert nicht gleich erkennen können...Manche Geschenke lassen mich Bestätigung finden, an anderen kann ich mich erproben, andere lassen mich meine Grenzen erkennen, ich kann an einigen wachsen, wieder andere machen mich auch traurig und über viele freue ich mich mächtig. Und je mehr Varianten an Geschenken ich kenne, desto eher kann ich auch mal an einem Gabentisch vorbei gehen...

    viele Grüße
    Heike

  22. Balancer schreibt am 23. Juni 2008 um 16:05

    wenn ich mir kleine Kinder oder auch andere, kleine Lebewesen ( Welpen , Kätzchenen, Fohlen etc. ) anschaue, wie sie die Welt entdecken. Eine Welt, die gar nicht groß genug sein kann, verstehe ich das Zitat sehr wohl. Jede Sekunde, jeder Tag läßt Neues entdecken. Jede Situation läßt Erfahrungen machen und diese alles unvoreingenommen als ein RIESIGES Spiel, in dem es noch keine Regeln gibt.
    Wohl dem, der die Welt noch manchmal aus Kinderaugen betrachten kann. Wohl dem, der die Brille des konditionierten Denkens beiseite legen kann.
    Ich finde auch, die Welt ist ein Geschenk - aber auch mit Geschenken kann man es eben nicht jedem Recht machen und manachmal ist es auch so, da stimmt das Geschenk, nur der Schenkende paßt einem nicht.

  23. sig schreibt am 23. Juni 2008 um 16:18

    Es stimmt schon, dass man sich auch beim Betrachten oftmals für einen Weg entscheiden kann (mag man die Philosophen außen vor lassen). Allerdings kommt der Begriff Perspektivwechsel aus meiner Sicht viel zu kurz weg. Vielleicht könnte dieser an einem späteren Wochenende noch einmal thematisiert werden.
    Viele Grüße
    Sig

  24. Angelika Knischewski schreibt am 23. Juni 2008 um 18:34

    Guten Tag,
    ich bin ganz "zufällig" auf diese Newsletter gestoßen und finde sie sehr interessant und aufbauend. Vielleicht darf ich einen Anstoß zu einem "Blickrichtungswechsel" geben, der die Chance bietet uns aus dem Kreis der Emotionen und Opferhaltungen herauszuführen. Ich möchte es mit einem Zitat von Willigis Jäger sagen:
    "Wir sind keine menschlichen Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, wir sind spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen."
    Es ist an der Zeit uns Gedanken zu machen, wer wir wirklich von Natur aus sind. Wir spielen auf diesem Planeten immer nur das Opfer und Täter-Spiel. Das Ego ist unser größtes Hindernis. Wir kennen nicht die Gesetze des Universums, weil sie uns keiner beigebracht hat. Nur weil wir sie nicht kennen, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. Wenn wir mutig sind wissen zu wollen, wird sich eine positive, wenn auch nicht immer leicht zu verstehende , Blickrichtung auftun. Eine schöne Zeit wünscht Ihnen Angelika

  25. möchte ich nicht angeben schreibt am 24. Juni 2008 um 11:26

    Jede Person,die sich so aufregt, hat mit dem bisherigen Blickwinkel nicht das erreicht, was er oder sie sich gewünscht hat. Damit aus Wünsch Wirklichkeit wird, muss man sich Ziele setzen. Dann hat man die Chance, seine Wünsche zu erreichen. Wenn man seinen Blickwinkel nicht ändert, bleibt alles so, wie es jetzt ist. (Gott gibt uns die Nüsse, knacken müssen wir sie selber.)
    J.W. 24.06.08

  26. Balancer schreibt am 24. Juni 2008 um 11:52

    ......aber, wenn Gott dir keine Nüsse gibt, kannst du lange warten, bis du was zu knacken hast.

  27. eichhörnchen schreibt am 24. Juni 2008 um 18:48

    ja, aber weil das eichhörnchen früh genug gesammelt und gehamstert hat, sind reichlich nüsse vergraben. das eichhörnchen hat für sich genug wiedergefunden. und da die natur aus dem überfluss schöpft, ist es auch nicht schlimm, wenn das eichhörnchen über den winter ein paar verstecke vergessen hat und die gartenbesitzer sich im frühjahr über sprießende grüne Bäume wundern. wenn sie sie wachsen lassen, tragen sie vielleicht früchte und es gibt ein fest. Falls nicht, ein anderes mal.

    ich habe gerade ein geschenk ein zweites mal bekommen, meine fähigkeit geschichten zu erfinden ist wieder da, die meine beiden nichten so mochten, als sie kleine kinder waren und ich noch dort wohnte. vielleicht ist es mir auch nur wieder eingefallen.

    man sieht nur mit dem herzen gut, das wesentliche ist für die augen unsichtbar. mein liebstes zitat aus dem kleinen prinzen, schon ganz lange

  28. nachdenkliche schreibt am 25. Juni 2008 um 14:36

    ich habe mühe mit der aussage, dass die welt ein geschenk ist. Geschenke haben für mich eher einen positiven gedanken. und es ist nicht immer möglich die geschenke des lebens oder der welt z.B. nicht auszupacken, weiterzusenden, zu verstecken, zu ignorieren etc. wie jemand schreibt. ich habe meine 30-jährige tochter durch einen autounfall verloren. ihre 2-jährige süsse tochter wurde sehr schwer verletzt. Ist das ein geschenk, kann ich es wegsenden, nicht anschauen, verweigern? manchmal sind halt auch zitate nicht besonders gut. dieses auf jeden fall hat mich auch eher wütend gemacht. und zum zitat, dass man mal die sichtweise ändern soll, ändern auch nichts am tod meiner tochter und am unsäglichen schmerz der tag und nacht bohrt und unendlich traurig macht.

  29. Diane schreibt am 26. Juni 2008 um 08:36

    Liebe Tania, lieber Ralf,
    ich finde Eure Homepage einfach Klasse. Einfach schon die Tatsache, dass es Euch gibt und ihr Monat für Monat so tolle Denkanstöße gebt, ist ein Geschenk. Das man auf Eurer Homepage gelandet ist (egal wie es auch geschah) war/ist ein Geschenk.
    Ich habe schon so viel gelernt von Euch. Mein Leben verläuft jetzt angenehmer und positiver.

    Liebe "Nachdenkliche"
    es ist ganz schlimm, einen geliebten Menschen zu verlieren. Das ist auch kein Geschenk. Da war das Schicksal sehr grausam. Ich glaube, dass Schlimmste daran ist die Frage nach dem WARUM, die leider unbeantwortet bleibt. Verstehen hilft. Leider gibt es hier kein Verstehen. Daher ist der Schmerz so groß.

  30. Balancer schreibt am 26. Juni 2008 um 09:52

    @ nachdenkliche
    Sicherlich neigt jeder dazu, die Aussage über das Geschenk der Welt mit der momentanen Gemütslage zu verknüpfen.
    Sicherlich hätten Sie es bei der Geburt Ihrer Enkeling anders bewertet - vielleicht dem sogar zugestimmt.

    Aber gerade in Zeiten, wo es einem nicht gut geht, hat meiner Meinung nach dieses Zitat der Veränderung der Blickrichtung seine Aussagekraft.
    Wer nach einem Schicksal nur nachdenkt, sich nur mit der Vergangenheit, dem Warum ...... beschäftigt, wird diese schreckliche Situation nicht verändern.
    Sie haben Recht, eine Veränderung der Sichtweise ändert nichts am Tod Ihrer Tochter - aber eine Veränderung der Sichtweise kann sicherlich etwas an der Strategie, mit dem Schicksal und dem Schmerz umzugehen, verändern.

  31. nachdenkliche schreibt am 26. Juni 2008 um 18:26

    an balancer
    haben sie schon mal so einen schicksalschlag erlebt. ich sitze nicht da und lebe nicht mehr und hadere mit meinem schicksal.obwohl das könnte ich sehr wohl tun, denn meine tochter wurde brutal von einem riesenlastwagen bzw. dessen fahrer getötet. ich weiss, dass es nichts hilft nach dem warum und wozu zu fragen. das heisst aber noch lange nicht, dass man mit einem sichtwechsel nun plötzlich glücklich ist. Und der vergleich mit der geburt meiner enkelin ist gelinde gesagt eine zumutung. ich habe gelernt, dass vor allem menschen die eine "sorgloses" leben führen und geführt haben mit solchen und ähnlichen aussagen kommen. Ich lebe trotz allem weiter, manchmal fröhlich, manchmal etwas glücklich, doch immer auf dem trauerteppich, der niemals mehr weggehen wird. Und ich werde immer meine trauer und meine wut, aber auch meine freude, mein lachen und meine liebe zeigen. das war mir schon wichtig vor dem tod meiner tochter und nun noch viel mehr. und abgesehen von meinem eigenen schicksal dürfen wir doch wohl unterschiedlicher meinung sein und nicht alle diesen oder andere zitate gleich gut finden. oder nicht?

  32. nachdenkliche schreibt am 27. Juni 2008 um 12:17

    noch zu TK: "ändern sie doch einfach mal die sichtweisen, wenn ihr leben doch so unbefriedigend oder schrecklich ist, was haben sie schon zu verlieren". können sie sich vorstellen, dass ich diesen satz als absolut respektlos anschaue. was er für sie ist, weiss ich nicht. für mich ist es eine phrase, die mir ganz bestimmt nicht weiterhelfen würde in einer notsituation. da helfen nur wirklich respektvolle menschen, die zu mir stehen und mit mir schwierige zeiten durchlaufen ohne billige trostworte. manchmal ist eine umarmung, ein wortloses dasein tausend mal mehr wert als gescheite sprüche wie z.b. die zeit heilt alle wunden, positiv denken hilft und ähnliches. manchmal möchte ich, dass so gedankenlos daherplappernde menschen wenigstens für einige wochen einen schmerz ertragen müssen, den sie sich niemals vorstellen können. dann, um nicht brutal und ebenso respektlos zu sein dürfte dann für diese menschen alles wieder gut werden. leider ist das im realen leben meistens nicht der fall. schönen und nicht allzu respektlosen sommertag wünsche ich allen.

  33. Ralf Senftleben schreibt am 27. Juni 2008 um 12:53

    Ja, ich kann Ihre Wut und Ihren Ärger verstehen und ich kann mir auch vorstellen, dass Sie irgendwann, wenn der Schmerz ein klein wenig nachgelassen hat, vielleicht irgendwann sogar bemerken, dass Sie genau das getan haben, was Tania geschrieben hat: Es hat sich Ihre Sichtweise geändert.

    Aus Ihrer Warte klingt das vielleicht heute respektlos, das kann ich sogar nachvollziehen. Und manchmal merken wir ja auch erst viel später, wenn wir zurückblicken, dass die Dinge, gegen die wir am meisten gekämpft haben, die sind, die uns meisten geholfen haben.

    Alles Gute für Sie.

  34. Angelika Knischewski schreibt am 27. Juni 2008 um 17:40

    Liebe Nachdenkliche, alles braucht seine Zeit. Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck in Ihrem Schmerz. Jeder hat einen anderen Rhythmus, wann er Schmerz loslassen kann. Es gilt die These: "Erinnern, beweinen, bewüten, begreifen, beenden."
    Jeder Mensch braucht mehr oder weniger Zeit um die Dinge, die um uns herum geschehen zu verarbeiten. Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Kummer, nur Achtung, dass Sie nicht daran zerbrechen.Finden Sie einen Weg für sich, der Ihnen Halt gibt. Sei es, die Kommunikation auf diesen Seiten,sei es Hilfe jedweder Art, die für Sie stimmig ist.Ich glaube wir verstehen alle Ihre Wut in dieser Situation und auch wenn ein anderer das eine oder andere nicht erfahren hat, wird er ein Auge zudrücken und sich nicht beleidigt fühlen. So ein schmerzvoller Verlust kommt ja auch nicht alltäglich vor. Einen Dank an Herrn Senftleben, dass er diese Seiten ermöglicht!!! Alles Liebe

  35. Edeltraud schreibt am 29. Juni 2008 um 10:20

    Liebe Nachdenkliche,

    ihr Schmerz ist sicher unvorstellbar groß, aber bedenken Sie immer: Gott macht keine Fehler.
    Auch wenn wir es nicht verstehen können.
    Viel Kraft, Mut und Gottes Segen wünsche ich Ihnen.

    Edeltraud

  36. Balancer schreibt am 29. Juni 2008 um 13:26

    @nachenkliche
    zu Ihrer Frage: Ja, ich habe schon einmal so einen Schicksalschlag erlebt. Auch ich habe einen geliebten Menschen durch einen tragischen Unfall verloren. Ich war beteiligt und wurde verletzt und nur durch einen Umstand hatte ich vorher den Platz gewechselt, sonst wäre ICH gestorben. Ich habe mich auch noch zusätzlich mit der Frage: "warum nicht ich ".... auseinandergesetzt.
    Einige Jahre später hatte ich noch einen schweren Unfall beim Surfen. Ich trieb 3 Stunden hilflos und unterkühlt in der Ostsee, bis ich geretttet wurde.
    Ich durfte also zumindest 2 außergewöhliche Situationen in meinem Leben einmal verarbeiten lernen. Die Situation mit dem Verkehrsunfall, wo ich schon abgeschlossen hatte und mein ganze Leben innerhalb eines Bruchteiles einer Sekunde in mir ablief und die Gedanken, während des hilflosen Treibens Meer und die Bewusstseinsveränderungen durch die ständig zunehmende Unterkühlung, haben MEINE Sichtweise einiger Dinge verändert.
    In beiden Situationen durfte ich auch erleben, daß ich keine Angst vor dem Tod hatte, ich war ruhig und gefasst. Für mich ist aus dieser Erfahrung heraus der Tod an sich nichts Schlimmes und ich neige auch im Nachhinein nicht dazu, etwas hinein zu interpretieren.

    Bei Angehörigen spielt aber sicherlich nach einem fremdverursachten Todesfall auch das Gefühl eine Rolle, das man ihnen etwas weggenommen hat.

    Meine Genesung dauerte 18 Monate und ich hatte viel Zeit, mich mit mir und anderen Sichtweisen auseinanderzusetzen.
    Ich habe mich dann auch mit dem Verursacher des Verkehrsunfalles auseindergesetzt - ich lernte ihn als seelisches Wrack kennen, er hat den Unfall bis heute nicht verarbeitet.
    Mir ist schon bewusst, daß jeder Mensch seine Trauer anders, im Rahmen seiner Erfahrungen und seiner Konditionierung verarbeitet.
    Einige Kulturkreise verstümmeln sich, schneiden sich Finger ab oder stechen sich Wunden in die Haut, andere feiern den Tod eines anderen Menschen als Übergang in eine andere, bessere Welt.
    Wir neigen aber bei uns oftmals zu konträrem Verhalten, erzählen unseren Kindern oder Enkeln, daß Mama, Papa, Oma oder Opa jetzt im Himmel sind und es Ihnen gut geht und gleichzeitg brechen wir dann heulend am Grab zusammen.
    Vielleicht ist das ja auch die Art und Weise, wie wir mit dem Tod umgehen der Grund, warum wir nicht manchmal Leben, Leben sein lassen können.

    Und richtig ist auch, daß ich ein zufriedenes Leben führe, ob es " sorglos " ist, weiß ich nicht.
    Ich weiß nur, daß ich für die Zufriedenheit meines Lebens selber verantwortlich bin.
    Ich weiß, daß ich, seitdem ich mich bemühe, in elementaren Situationen meines Lebens, andere Sichtweisen und Meinungen zu suchen, ja manchmal zu verlangen, es mir richtig gut geht.
    Ich habe erlebt, daß mir die verschiedensten Zitate schon geholfen haben, die Sicht der Dinge aus der Entfernung zu betrachten, insbesondere auch aus der Erkenntnis heraus, daß Zitate oftmals von 10 Menschen 10 Mal anders interpretiert werden.
    Das ist doch Leben und nur der Mensch - nicht der Hund , nicht die Kuh, nicht der Wurm - hat die Fähigkeit dieses Leben, in allen seinen Facetten - so zu erfahren.
    Ich bin froh, daß sich kein Wurm bin.

  37. LadyM schreibt am 30. Juni 2008 um 06:33

    Das Leben als Geschenk betrachten. Naja, manchmal bekommt man auch etwas geschenkt, das man nicht haben möchte.
    Und so ist es auch manchmal mit dem Leben. Ich habe es mir nicht ausgesucht. Es wurde mir aufgezwungen und nun muss ich das Beste daraus machen.
    Sicher, es gibt viel im Leben, das Glück, Freude und Zufriedenheit beschert, aber es wird teilweise auch immer schlimmer auf der Welt. Ich bin mittlerweile aber dazu übergegangen, nicht mehr soo sehr darüber zu jammern und mich schlecht zu fühlen, sondern ich habe gemerkt, dass ich durch mich anderen Leuten auch einiges geben kann. Dann können wir uns das Ganze in schweren Zeiten auch gegenseitig erträglich machen.

    LadyM

  38. azuro schreibt am 30. Juni 2008 um 09:27

    Wollen wir nicht alle Frieden?

    Will nicht jeder Einzelne von uns ein zufriedenes Leben leben??? Warum immer diese Wut, warum diese Missgunst und der Neid anderen Menschen gegenüber?
    Wenn ein Zitat einem nicht zusagt, dann muss es doch nicht wütend machen!!
    Das Leben ist nun mal nicht einfach. Es birgt in sich viele Facetten von Glück und Leid und das auch noch in unterschiedlicher Form.

    Natürlich sollen wir nicht alles so hinnehmen wie es ist, aber man kann doch das Leben der anderen akzeptieren. Jeder hat halt seine eigene Vorstellung vom Leben, ob sie nun "richtig ist oder falsch".
    Für mich gibt es kein Richtig und Falsch. Man muss nur akzeptieren, dass jeder ein Recht darauf hat, so zu leben, wie er es für richtig hält.

    Damit meine ich jetzt natürlich nicht die Extremsituationen wie Krieg, Gewalt, Kriminalität usw.....die stehen jetzt mal außen vor. Gemeint ist jetzt das ganz normale, alltägliche.

    Ich persönlich musste auch Schicksalsschläge hinnehmen. Als Kind in der Familie misshandelt, den Ehemann verloren, zwei Brüder verloren und einen sehr lieben Freund. Es ist ein Leben, dass nicht gerade vom großen Glück umgeben ist.

    Aber trotzdem, oder vielleicht auch gerade darum...habe ich mir meinen Optimismus bewahrt, meine guten Gedanken haben Vorrang, ich liebe das Leben mit all seinen "negativen" Seiten und ich habe immer noch einen TRAUM....

  39. U. schreibt am 1. Juli 2008 um 10:58

    Liebe Nachdenkliche,

    Sie haben einen sehr schweren Schicksalsschlag erlitten und da halte ich es für völlig normal und gesund, zu trauern und mit dem Schicksal zu hadern - und dafür braucht jeder seine Zeit. Leider ist das in unserer Gesellschaft gerade nicht "in" und so lässt man uns meist keine Zeit, weil wir "funktionieren" sollen. Ihre Gefühle sind wichtig - weder richtig noch falsch und die sollen Sie auch ausleben dürfen. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es nicht hilft, wenn man ständig gesagt bekommt, dass man das doch mal anders sehen soll oder den Kopf nicht hängen lassen soll oder dass alles wieder gut wird und sicher alles einen höheren Sinn hatte. Am meisten hilft es, wenn man so angenommen wird, wie man sich fühlt und wenn einem jemand wirklich zuhört - ohne einen Lösungsvorschlag zu unterbreiten. Solche Menschen wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. (ich glaube, wir könnten alle mehr solche Menschen brauchen...)

  40. lilifee schreibt am 4. Juli 2008 um 05:55

    hallo Balancer,
    was du geschrieben hast gefällt mir sehr gut und in vielen dingen stimme ich dir zu.ganz besonders darin,dass 10 menschen auch 10 meinungen haben. das erlebe ich gerade.ich muß eine wichtige entscheidung für mich treffen,da ich aber sehr verunsichert bin und mir nicht sicher bin was richtig ist ,habe ich um rat gefragt und genau diese verschiedenen meinungen gehört.
    ergebnis:ich habe gelernt,dass mir niemand eine entscheidung abnimmt.nur ich selber kann entscheiden was für mich selber gut ist.oder anders----welches geschenk ist für mich besser...das was rechts liegt oder das was links liegt.
    nur ich selber kann das entscheiden.wenn ich mich dann aber entschieden habe,dann muß ich mit den konsequenzen leben.denn habe ich mich "für "etwas entschieden,dann habe ich mich ganz bewußt" gegen "etwas anders entschieden.
    geschenke im leben sind manchmal schwierig und auch das ist ein lernprozess.

    gruß lilifee