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Über Wegfinder und Mitläufer

Von Ralf Senftleben17 Kommentare

Entweder du hast Ziele. Oder du arbeitest für jemanden, der Ziele hat.

— Autor unbekannt

Diesen Spruch habe ich vor 15 Jahren gehört und ich glaube, dieser Satz hat bei mir den Grundstein für die Entscheidung gelegt, unser eigenes Unternehmen zu gründen. Natürlich stimmt der Satz so nicht ganz. Ich kann ja auch Ziele haben und trotzdem angestellt arbeiten. Wie das eben mit Sprüchen so ist: Sie vereinfachen meistens ein bisschen.

Aber irgendwie ist trotzdem etwas dran.

Es gibt Menschen, die wollen eher selbst entscheiden, wo sie hinwollen. Und andere wollen oder brauchen keine Ziele und sind oft vollkommen zufrieden damit, wenn jemand anderes die Richtung vorgibt und gehen dann einfach mit.

Mitzugehen ist ja auch nicht schlimm, solange man die Richtung mag, in die es geht. Das Dumme ist nur, dass man auch dann mitgehen muss, wenn der mit den Zielen die Richtung ändert und dass man den Weg dann vielleicht nicht mehr mag.

Es kommt ja auch nicht selten vor, dass man einen unerfreulichen und steinigen Weg eines anderen weiter mitgeht, weil man Angst hat, dass man niemanden mehr findet, der einen auf seinem Weg zu einem schöneren Ziel mitnimmt. Und dann bleibt man bei einem ungeliebten Arbeitgeber oder in einer Beziehung, die einem nicht gut tut.

Da finde ich es praktischer, wenn man selbst der ist, der das Ziel hat und den Weg vorgibt, dann kann man selbst die Richtung ändern, wenn einem das Gelände nicht mehr passt.

Oder Sie werden ein so gefragter Mensch, den andere gerne zu ihren Zielen mitnehmen, weil Sie z.B. nützliche Dinge können oder weil Sie ein angenehmer Partner auf dem Weg sind. Dann können Sie mit den verschiedensten Menschen oder Unternehmen jeweils ein paar Schritte mitgehen und wenn Ihnen der Weg nicht mehr gefällt, suchen Sie sich jemand anderen, der Sie auf seinem Weg mitnimmt.

Im beruflichen Bereich würde das bedeuten, viel in die eigene Weiterbildung und in die Schulung der eigenen Problemlösungsfähigkeiten zu investieren. Dann wird man immer gerne mitgenommen und auch noch gut dafür bezahlt.

Im Privatleben könnte das bedeuten, an der eigene Stärke und Stabilität zu arbeiten, so dass ich grundsätzlich auch ohne einen Partner, Guru oder eine mich tragende Gemeinschaft glücklich sein kann. Und entscheide ich mich trotzdem dafür, dann weil ich es will und nicht aus einer Abhängigkeit heraus.

Das Fazit meiner heute eher philosophischen Gedanken ist für mich: Es ist gut, selbst Ziele zu haben. Oder ich sorge dafür, dass ich es mir frei aussuchen kann, an wessen Zielen ich mitarbeiten möchte. Das ist für mich Freiheit.

  1. dd schreibt am 27. Juni 2008 um 11:17

    Ich finde, mit dem Artikel wird ein tolles und wichtiges aber eher selten diskutiertes Thema angesprochen. Dabei begegnen mir diese Gedanken fast täglich in meiner Arbeit. Tatsächlich sind beide wichtig, die Leader, die das Ziel vorgeben und die die mitgehen, d.h. dies umsetzen. Selbst entscheiden wo man hin will und dies dann auch leben ist schwierig aber lernbar, man muss selbst entscheiden und nicht nur Meinungen einholen und man muss eine Meinung haben und nicht nur die Ziele der Firma oder der Gruppe vertreten wollen. Habt Ihr nicht ein paar Tipps, wie dies ein Stück weit "trainiert" werden kann ?

  2. Karl schreibt am 27. Juni 2008 um 19:13

    Sehr gut, diese Gedanken. Ich bin leider sechs Jahre einem sog. Leader gefolgt und so viel Kraft dabei verloren.
    Jetzt bin ich wieder fas ganz auf mich alleine gestellt, es geht mir wieder besser. Jetzt könnte ich jederzeit auch dort wieder loslassen. So frei fühle ich mich.

  3. mika schreibt am 28. Juni 2008 um 00:29

    "Wie das eben mit Sprüchen so ist: Sie vereinfachen meistens ein bisschen."

    Hallo Herr SEnftleben,

    Ich finde es ganz toll, dass Sie das so formulieren und ansprechen, es kommt meinem Bedürfnis nach Differenzierung, welches ich hier neulich zu mehreren anderen Themen kritisch geäußert habe, so ganz (liebevoll) entgegen.

    Mir gefällt der Artikel allgemein sehr gut. Ich finde es ganz toll, dass Sie sich anscheinend so sehr mit den Kommentaren auseinandersetzen und die Anregungen aufgreifen.

    Danke

    lieben GRuß
    Mika

  4. Borrible schreibt am 29. Juni 2008 um 08:48

    Ein glückliches Leben ist, das seine Möglichkeiten immer erweitert.

  5. Edeltraud schreibt am 29. Juni 2008 um 08:54

    Hallo Ralf,

    danke für den interessanten Artikel. Ich war 29 Jahre selbständig (jetzt aktive Pension)und für mich hat das gepasst. Eine Mitarbeiterin von mir führte vollkommen selbständig unsere Dessous Abteilung mit größten Erfolg. Leider für sie, nur solange sie unser Geld im Hintergrund hatte. Für die Selbständigkeit hatte viel zu viele Ängste es nicht zu schaffen.
    So geht es vielen Menschen, die eben einen Leithammel brauchen.
    Und passt dieser Leithammel nicht, bin ich ja immer noch frei mich wieder jemanden anderen anzuvertrauen.
    Jeder ist halt nicht geschaffen für die Selbständigkeit.
    Für den, der´s kann ist es sicher super und die machen es auch.

    Liebe Grüße
    Edeltraud

  6. Petra schreibt am 29. Juni 2008 um 08:59

    "Es kommt ja auch nicht selten vor, dass man einen unerfreulichen und steinigen Weg eines anderen weiter mitgeht, weil man Angst hat, dass man niemanden mehr findet, der einen auf seinem Weg zu einem schöneren Ziel mitnimmt. Und dann bleibt man bei einem ungeliebten Arbeitgeber oder in einer Beziehung, die einem nicht gut tut."

    Ich habe immer wieder das Problem, dass ich nicht rechtzeitig erkenne, wann es für mich besser ist, von diesem Weg abzubiegen. Nach meiner Trennung vor 10 Jahren habe ich verschiedene Partner kennengelernt, die zu Beginn einen gemeinsamen Weg gesucht hatten und plötzlich gemerkt hatten, dass sie eine Partnerschaft mit anderen Verpflichtungen angeblich nicht "unter einen Hut bekommen". Dabei bin ich niemand, der jemand anderen vereinnahmt. Liebe muss einem entgegen gebracht werden, sie kann man nicht erzwingen.

    Meistens hatte ich nicht nach dem Glück gesucht, sondern es hat sich ein Kontakt ergeben. Jedes Mal schmerzt es mich sehr und ich habe das Gefühl, nicht genug wert zu sein. Wie kann ich mich besser schützen? Langsam verliere ich den Glauben an mich selbst.

  7. Margot Kropp schreibt am 29. Juni 2008 um 11:15

    ja, es ist gut eigene Ziele zu haben. Da meine Selbständigkeit gerade konkret wird, ist der Spruch sehr passend für mich. Auch wenn er vereinfacht, mir macht er Mut. Danke

  8. Hans Martin Wilde schreibt am 29. Juni 2008 um 12:57

    Was ist jedoch, wenn im Falle einer Lebensgemeinschaft die Liebe hinzukommt? Wird es bei einem event. entzauberten Guru mit dem Mitläufertum nicht unter Umständen etwas problematisch? Also kann doch Mitläufertum nur in einem engen Rahmen ok. sein.

  9. Dr. Jürgen Gräbel schreibt am 29. Juni 2008 um 15:09

    Alles hat seinen Preis im Leben.
    Wenn ich mich unter die Leitung einer Führungspersönlichkeit begebe, muss ich damit leben, dass er die Musik bestimmt, für die er mich bezahlt.
    Dennoch, und da stimme ich den vorherigen Autoren zu, kann man auch im Angestelltenverhältnis gemeinsame Nenner haben, so dass jeder Beteiligte seine Ziele verfolgen kann.
    Wenn das längere Zeit gut geht, herzlichen Glückwunsch. Wenn nicht muss derjenige eine Entscheidung treffen.
    Love it or change it.
    Wenn jemand in solchen Situationen Kompromisse macht und seine eigenen Ziele hinten an stellt, weil es einfach bequemer ist, dann ist das halt der Preis, den er zu zahlen hat.
    Natürlich kann auch nicht jeder selbständig sein. Oftmals liegt es aber daran, dass solche Menschen nicht bereit sind, die Verantwortung für ihr eigens Leben zu übernehmen, oder sie trauen es sich nicht zu, ihre Leistung so gewinnbringend zu verkaufen, dass sie davon leben können. Wenn dann ein Arbeitgeber diese Verantwortung übernimmt, sollte man ihm auch zugestehen, dass er seine Risikobereitschaft honoriert bekommt.

  10. Elena schreibt am 29. Juni 2008 um 20:26

    Danke für den Artikel. Erkenne meinen Weg in vielen Sätzen wieder. Nach über 30 Jahren Angestellten-Daseins, wo die Ziele der Anderen im Vordergrund standen, habe ich mich entschieden, meine eigenen Ziele zu verfolgen und den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Es ist nicht leicht, für alles selbst verantwortlich zu sein, aber es bringt Bewegung ins Leben, bringt Veränderungen, die ich nicht mehr missen möchte. Ich bleibe dabei. Danke für Ihre Unterstützung.

  11. Karin D schreibt am 29. Juni 2008 um 21:52

    Ralf, ist es nicht auch eine Art von Freiheit, keine Ziele haben zu müssen? Betonung auf "müssen".

    Nur mal so provokant gefragt, mich würde schon mal interessieren, ob wir in unserer Gesellschaft als Versager gelten oder wie auch immer abgestempelt/stigmatisiert werden, wenn wir nicht ständig eigenen oder vorgegebenen Zielen nachrennen.

    Ich habe als Angestellt und BR in einem Weltunternehmen jahrelang nur immer Worte um die Ohren geschlagen bekommen wie "zielorientiert" etc.

    Ziele erreichen wollen zwängt uns u.U. auch in ein - selbstgezimmertes - Korsett. Leistungsbereitschaft wird da erwartet, weil ohne Fleiß bekanntlich kein Preis.

    Manchmal wäre ein bischen Freiheit von Zielen ganz gesund. Aber das ist dann ganz undeutsch. Manchmal ist es durchaus angebracht, dabei zuzuschauen, wie sich die Dinge entwickeln. Und akzeptieren, was dabei heraus kommt.

  12. Ralf Senftleben schreibt am 30. Juni 2008 um 05:53

    Karin, natürlich. Niemand ist gezwungen, sich Ziele zu setzen und wenn man das Leben mag, das man hat, spricht ja auch nichts dagegen, einfach alles so zu nehmen, wie es kommt.

    Und ich glaube, "Versager" zu sein hat in unserer Gesellschaft nicht unbedingt mit Zielen zu tun, sondern eher mit fehlendem Status, Geld, Karriere.

  13. Anna Theresa schreibt am 30. Juni 2008 um 07:19

    Da kann ich nur bepflichten.
    Ich für meine Prson, kann nicht auf dauer mit jemanden mitgehen.
    trotzdem ist es notwendig einige zeit einen menschen zu haben der einem weiterhilft.
    Es wird nur immer dann schwierig wenn man dann seine eigene Individualität findet und eigen Wege gehen will. WEenn man diese nicht tut , kommt der Punkt, in dem die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird .

    Nicht nur im Berufsleben sondern auch in der Spiritualität. Gerade an diesen Punkten zeit sich wer einem die freiheit gibt, und wer nicht.
    Doch bin ich der Meinung das man nur seine Ziele verfolgen kann wenn man frei ist von verpflichtungen anderen gegeüber.
    Das gleiche gilt doch auch für Freundschaften,nicht jede freundschaft hält es aus , wenn man auf einmal eigenständig wird trotzdem muß es sein
    Wie sind Eure Erfahrungen?
    Mit lieben gruß und einem wunderschönen Tag in Freiheit
    A.Th:

  14. Gabriele Fleer schreibt am 30. Juni 2008 um 09:14

    ....wird gerade komplett überarbeitet und ist ab 15. Juli im Netz.

    Mein Kommentar:

    Mein Gedanke dazu ist:

    Die Kenntnis von eigenen Lebens-Motive ist in meinen Augen die Grundlage von Vision und Zielfindung und Zielsetzung. Welche Motive trage ich in mir, sind mir diese bewußt oder eher verschüttet. Es lohnt sich, darauf zu schauen. Auch beim Erfolgstragebuch.
    Viele Grüße!
    Gabriele Fleer
    Klarheit mit Konzept GmbH
    Lebenskonzepte für Unternehmer und Führungskräfte

  15. Anna schreibt am 30. Juni 2008 um 16:53

    Hallo,
    ich bin einige Monate lang in eine Situation gewesen, wo ich von nicht vorhandenen guten Willen einige Leute angewiesen war.
    Es war schrecklich und am Ende hat meine Geduld auch gar nichts, ausser Ärger und Entäuschung, gebracht.

    Mir ist dabei klar geworden, wie wichtig es ist, über sein eigenes Leben bestimmen zu können.
    Jetzt unternehme ich Schritte, die mich unabhängig machen.
    Es kann noch eine harte Kampf gegen meine Quälgeister geben, wenn sie es zu verhindern versuchen. Und es wird sicher so sein.

    Aber mich von solche negativen Abhägikeit zu befreien ist momentan meine wichtigste Ziel, die ich unbedingt durch setzen will. Notfalls mit langen Eckzähnen.

    Ich denke, jeder Art von Abhägigkeit verhindert ein Mensch zu sich selbst zu finden. Auch solche, die zuerst als positiv empfunden werden.
    Jeder Befreiungsschlag,auch eine mit Krach und Tränen,wird am Ende als positiv empfunden.

  16. Anna Amedick schreibt am 1. Juli 2008 um 08:31

    Lieber Ralf,

    vielen Dank für Ihre Gedanken, sie beschreiben auf eine sehr unterstützende Weise meine momentane Situation. Den Weg der Freiheit, den Sie beschreiben, möchte ich gehen und alles lernen, was ich dazu brauche. Es tut einfach gut, von Ihnen zu lesen. Ihre Gedanken ermutigen mich, weiterzugehen und das ist ja die Hauptsache.
    Auch wenn ich hin und wieder den Eindruck habe, in "alte Muster" und "Abhängigkeiten" abzurutschen, so behalte ich doch das Fernziel im Auge. Glücklichweise begegnen mir dann immer wieder Weggefährten wie Sie, die mich auf den für mich stimmigen Pfad führen.

    Herzlichen Gruß und weiterhin einen Weg in Freiheit für Sie
    Anna

  17. juliane schreibt am 1. Juli 2008 um 19:59

    ich habe gerade eine 2 jährige beziehung hinter mir..bzw. ich befinde mich gerade in der trennungsphase...jetzt wird mir immer mehr bewusster, dass ich eigentlich einem mann hinter her gelaufen bin, der das verkörpert hat, wie ich immer sein wollte...ich war/bin nicht immer ich und jetzt bin ich total durcheinander wer ICH überhaupt bin...ich muss mein leben wieder alleine leben, aber wie manage ich das? in unserer beziehung war er der leader...

    das ist mein beitrag zu dem artikel...