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Selbstannahme ermöglicht Veränderung

Von Tania Konnerth21 Kommentare

"Früchte reifen durch die Sonne, Menschen reifen durch die Liebe."

– Martin Buber

Ich habe eine Theorie: Und zwar glaube ich fest daran, dass je härter ich zu mir selbst bin, desto weniger kann ich mich verändern.

Ich neige z.B. dazu, mich immer dann, wenn ich Fehler mache, selbst zu beschimpfen und hart mit mir ins Gericht zu gehen. Gebracht hat das in der Vergangenheit so gut wie nichts – diese Fehler habe ich immer wieder gemacht. In Situationen allerdings, wo ich liebevoll zu mir war und zu verstehen versuchte, was in mir vorgeht und warum ich etwas tue, habe ich sehr oft recht schnell Möglichkeiten gefunden, mein Verhalten zu beeinflussen. Und wenn ich es dann noch geschafft habe, auch bei einem Rückschlag verständnisvoll mir selbst gegenüber zu bleiben, war ich auf dem besten Wege, mein Verhalten positiv zu verändern.

Im Austausch mit anderen erlebe ich ganz ähnliches: Gerade die Menschen, die sich selbst am härtesten kritisieren, die sich selbst gegenüber am wenigsten Nachsicht und Verständnis zeigen, sind diejenigen, die oft am tiefsten in ihren eigenen Mustern verstrickt sind und auch die, die sich am schwersten damit tun, sich aus ihnen zu befreien.

Aus einem Abstand betrachtet ist auch ziemlich klar, warum das so ist: Wenn wir uns wegen gemachter Fehler selbst fertig machen, legen wir unseren Fokus genau auf diese Fehler. Wenn wir uns selbst zerfleischen, richten wir unseren Blick nur auf das, was wir nicht tun wollen und damit geben wir ganz viel Energie in genau dieses Verhalten.

Wer es hingegen schafft, sein eigenes Fehlverhalten zwar als solches wahrzunehmen, dann aber die Gedanken auf das richtet, was er oder sie das nächste Mal anders tun möchte, investiert seine Energie in Veränderung. Genau dafür brauchen wir aber einen liebevollen Blick eben auch uns selbst gegenüber.

Ich selbst versuche mich nun wirklich immer wieder an diese Gedanken zu erinnern, wenn ich mich gerade mal wieder selbst maßregele – und genau da habe ich meistens schon gleich die erste Chance, es besser zu machen: indem ich mir nicht vorwerfe, dass ich es wieder nicht geschafft habe, ein bisschen nachsichtiger mit mir selbst zu sein, sondern in dem ich es einfach bin :-)

  1. Matthias schreibt am 21. Oktober 2008 um 17:28

    Interessant dazu: A. R. Beisser (Prof. für Psychiatie)schrieb dazu "Paradox der Veränderung": Veränderung entsteht, wenn der Mensch - zumindest für einen Moment - aufgibt, anders werden zu wollen, und stattdessen versucht zu sein, was er ist. Dies beruht auf der Prämisse, daß man festen Boden unter den Füßen braucht, um einen Schritt vorwärts zu machen, und daß es schwierig oder gar unmöglich ist, sich ohne diesen Boden fortzubewegen.

  2. Hubert schreibt am 21. Oktober 2008 um 22:05

    Also ich bin lieb, nett und verständnisvoll mit mir.
    Wenn das jetzt die anderen auch noch zu mir sind, ja dann ist doch alles in Butter!

  3. Karin schreibt am 22. Oktober 2008 um 08:14

    Danke für diesen schönen Impuls.

  4. FrauLehmann schreibt am 22. Oktober 2008 um 22:51

    Alles basiert auf LIEBE. Die Entstehung eines Menschen, der Werdegang eines Menschen und letztendlich auch der Tod eines Menschen. Wenn man in sich selbst so viel LIEBE erzeugen kann, dass sie im Herzen übersprudelt, dann ist man. Und dann sind Fehler zwar immernoch Fehler, aber dafür LIEBEvolle Fehler.

    Herzlichst

    FrauLehmann

  5. Riegelmann schreibt am 23. Oktober 2008 um 08:49

    Ein Zitat aus der Sammlung von Anton Korduan möchte ich hier ergänzen:

    Zwei Wölfe

    Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer.
    Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte,
    während die Flammen in den Himmel züngelten.

    Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens:
    "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle?
    Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander
    kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig,
    aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist
    liebevoll, sanft und mitfühlend."

    "Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz
    gewinnen?" fragte der Junge
    "Der Wolf, den ich füttere."
    antwortete der Alte

  6. Selma7 schreibt am 24. Oktober 2008 um 19:24

    "Früchte reifen durch die Sonne,
    Menschen reifen durch die Liebe."

    -- Martin Buber

    Auf diese Weise gefüttert, wird der liebevolle, sanfte, mitfühlende Wolf den Kampf um's Herz gewinnen.

    :-) sonnige Grüße am späten Herbstabend

  7. Giraffe schreibt am 26. Oktober 2008 um 09:29

    Marshall Rosenberg sagt dazu:
    Du machst niemals Fehler und hast auch noch nie Fehler gemacht. Du wirst dich höchstens aufgrund dessen, was du in diesem Augenblick lernst, das nächste Mal anders entscheiden.

  8. Movie schreibt am 26. Oktober 2008 um 09:30

    An Riegelmann
    Hallo!

    Deine Geschichte von dem alten Indianer und seinem Enkelkind ist so sehr weise - danke, dass du sie hierhin geschrieben hast. Sie hat mich ganz tief berührt und ich will sie mir in der für mich momentan schwierigen Zeit, wo das Ringen um Lösungen und Fortschritte und demzufolge mitunter eine große Erschöpfung geradezu prädestiniert sind, in seine Fallen zu tappen und alle negativen Eigenschaften hochkochen zu lassen.
    Noch einmal herzlichen Dank und allen im Forum einen Sonn-Tag im Herzen

  9. Andrea schreibt am 26. Oktober 2008 um 09:43

    Danke für den tollen Text. Ich habe diese Erfahrungen auch schon machen dürfen.
    Der Satz
    "Sei dir die beste Freundin / Freund"
    hat mir schon viel weitergeholfen. Ich hatte nächtelange Diskussionen was ich wieder alles nicht richtig gemacht habe, bis ich mir selbst die beste Freundin zu Seite gestellt habe und sie auch anhöre. Jetzt schlafe ich friedlich und bin voller Energie.

  10. Belinda schreibt am 26. Oktober 2008 um 10:27

    Auch von mir vielen Dank für das Ztat mit den beiden Wölfen.
    Ich hatte gestern auf der Arbeit ein sehr unangenehmes Gespräch mit meinem Arbeitgeber. - Ich gehe dieses Gespräch jetzt schon seit gestern immer wieder durch u. denke, das ich einiges hätte anders sagen sollen. Meinen Standpunkt besser vertreten sollen usw.- OK, es ist so gelaufen und ich muß und möchte lernen, liebevoller mit mir selbst zu sein. - Einen Versuch ist es immerhin wert.
    Danke Ihr alle da draußen
    Belinda

  11. Andrea Gabriele schreibt am 26. Oktober 2008 um 10:29

    Die TOLERANZ, die ich Anderen entgegenbringe, sollte ich auch mir selbst GÖNNEN, habe ich noch nicht getan - werde es aber tun - gehe heute zu `FREE HUG´ in Wien und werde mich auch dort selbst UMARMEN (habe ich in meinem Gymnastik-Kurs *Danke der Lehrerin* gelernt. Bussi :)

  12. roadrunner schreibt am 26. Oktober 2008 um 11:44

    Fehler machen ist menschlich und nur an Fehlern kann man lernen bzw. wachsen. Eine Frage die mich sehr beschäftigt ist: Was ist mit den Fehlern die wir am liebsten nie begangen hätten und die einem geliebte Menschen nicht verzeihen können? Kann man sich diese denn überhaupt selbst verzeihen? Man kann sie natürlich annehmen und "das nächste Mal" anders handeln, aber was ist mit dem verzeihen?
    Hat von euch jemand eine Antwort darauf?

  13. Michael schreibt am 26. Oktober 2008 um 11:55

    Eine Freundin von mir hat einmal etwas Gutes dazu gesagt. Sie meinte, dass sie noch nie wenn sie sich selbst fertig gemacht hat hinterher sagen konnte: "Wow, jetzt hast Du es Dir aber mal so richtig gut gegeben. Das war gut!"
    Vielleicht sollte ich das nächste mal daran denken, wenn ich wieder anfange mit mir hart ins Gericht zu gehen.

  14. heidesonne schreibt am 26. Oktober 2008 um 14:59

    hallo,

    danke für die wolfgeschichte.
    bei mir wütet gerade der böse wolf und ich hab erkannt das ich schnell den liebevollen wolf in mir wecken muss.

    danke
    heidesonne

  15. Heide schreibt am 26. Oktober 2008 um 18:36

    Hallo roadrunner,

    ich denke, es ist zweierlei: Verzeihung erhalten und sich selber verzeihen.

    Freilich ist es schön, wenn sogar ein Riesenfehler uns verziehen wird. Das erleichtert es uns dann auch, dass wir uns selbst verzeihen.

    Aber muss ich das Mir-selbst-verzeihen sozusagen dem anderen in die Hand geben? Bin ich so abhängig vom anderen?

    Dass er mir nicht verzeihen kann, ist doch das Problem des anderen, das hängt von seiner Mentalität ab, von seinen Vorerfahrungen, vielleicht sogar von seiner Tagesform, etc.

    Das Sich-selbst-verzeihen aber liegt bei mir. Es fällt mir manchmal leicht, manchmal ist es schwer, aber es ist mein Problem, das ich auch - unabhängig vom anderen - lösen muss und kann.
    Manchmal braucht es auch Zeit. Die muss ich mir dann auch lassen, aber ran ans Problem muss ich irgendwann.

    Umso schöner, wenn ich es dann geschafft habe zu sagen: Das ist passiert. Ich kann es nicht mehr ändern. Ich kann nur lernen aus diesem Fehler. Vielleicht bewahrt er mich ja vor einem noch viel größeren.

  16. roadrunner schreibt am 26. Oktober 2008 um 20:50

    Hallo Heide,

    vielen lieben Dank für deine Worte. Sie verschaffen mir wieder ein bisschen Klarheit.

  17. Frei susanne schreibt am 28. Oktober 2008 um 08:49

    die zwei wölfe geschichte fand ich ganz süss,
    die Liebe existiert immer und überall.
    ich sage mir immer wenn ich in not bin,
    ich gehe jetzt nach hause zu mir, (in mein herz hinein um zu fühlen wie schön und warm es da drinnen ist.............)

    vielen dank euch allen, schön dass es euch gibt
    susanne

  18. Doris schreibt am 28. Oktober 2008 um 15:45

    Sehr schön!!! Ich kenne diese Art der "Selbstzerfleischung" auch und bin Gott sei Dank auf dem Weg in die Richtung, dass ich mich besser und LIEBEvoller behandle. Dabei hat mir das kleine Büchlein von Werner Ablass "Leide nicht - Liebe!" schon sehr oft geholfen. Wenn ich jetzt einen Fehler mache, sage ich mir: Ich liebe mich, auch wenn ich dies oder das falsch gemacht habe. Das nimmt enorm viel Druck raus, verkürzt diese unproduktiven inneren Dialoge und ich kann in Ruhe und gelassen überlegen, ob und wie ich mich künftig anders verhalten kann.

    Danke für diesen Impuls und auch die Geschichte mit den beiden Wölfen!!! Eine große Inspiration für mich!

  19. susu5136 schreibt am 28. Oktober 2008 um 22:19

    Gerade mein Thema. Solange ich aber nicht merke, dass ich etwas tue, wofür ich mich selbst verurteile und meine eigenen Spielchen mit mir spiele, werde ich die Wölfe nicht unterscheiden können.

  20. Dagmar Collinet schreibt am 29. Oktober 2008 um 20:06

    Genau das ist es, mich nicht über Fehler aus meiner Vergangenheit ärgern, sondern mir selbst sagen: dieser Weg war damals der richtige und du hast mit bestem Wissen und Gewissen deine Arbeit und dein Leben gemeistert.
    Mir hat vor allem das Buch von Lousie Hay: Wahre Kraft kommmt von innen, wieder ganz neue positive Energie gegeben. Heute weiß ich ich sehe nach vorne.
    Dagmar

  21. Daniela schreibt am 1. November 2008 um 13:55

    "Früchte reifen durch die Sonne,
    Menschen reifen durch die Liebe."

    ich hab es so oft schon versucht durch die liebe zu reifen, aber es schlägt einfach immer fehl. Da ich ziemlich offen und ehrlich bin, nenne ich die Dinge oft beim Namen und dafür hasse ich mich und bin nicht gut zu mir.
    an all die lieben da draussen
    ein netter mitmensch