Reality-Check!
Von Ralf Senftleben • 8 Kommentare
Viele von uns würden sich ihr Leben anders wünschen. Und das bessere Leben ist auch gar nicht soweit weg. Nur irgendwas hält uns davon ab, etwas für unser Glück zu tun.
Ein italienisches Sprichwort sagt:
“Zwischen dem Reden und dem Handeln liegt das Meer”
Und das Meer kommt oft in Form einer Ausrede daher.
"Ich würde ja gerne, ich schaffe es aber nicht, etwas für meine wirklichen Wünsche zu tun…" – "Ich bringe nicht die Energie auf…"– "Ich habe kaum die Kraft, meine bestehende Arbeit zu machen…" – "Ich bin zu dumm (zu alt, zu jung, zu krank usw.)…" – "Ich habe nicht genug Mut, nicht genug Zeit, nicht genug Selbstvertrauen."
Es gibt viele Erklärungen für unsere Untätigkeit. Manche davon sind real (wenn auch oft nicht so schwer zu überwinden, wie wir denken). Andere Erklärungen dagegen sind eher Geschichten, die wir erfinden, um unsere eigene Untätigkeit zu rechtfertigen. Also einfach nur Ausreden.
Ja, ich weiß, es ist hart, was ich hier schreibe. Natürlich kenne ich sie und Ihre Situation nicht. Und wenn Sie das hier nicht betrifft, dann zucken Sie einfach mit der Schultern und lesen Sie nicht weiter. Wenn Sie sich aber ein klein wenig in meinen Zeilen wiederfinden oder sogar sauer werden, dann könnte das vielleicht daran liegen, dass ich nicht ganz unrecht habe, mit dem was ich schreibe. Und manchmal brauchen wir vielleicht einen kleinen Schock, um aufzuwachen, damit wir der Realität ins Auge schauen können und endlich etwas unternehmen.
Wie sieht das nun also bei Ihnen aus? Kommen wir zum Realitäts-Check:
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Verbringen Sie Ihre Zeit eher damit, sich darüber zu beschweren, was alles nicht stimmt bei Ihnen? Oder übernehmen Sie eher die Verantwortung für Ihr Leben, ergreifen die Initiative, um etwas zu ändern an Ihrer Situation?
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Erfinden Sie gerne Ausreden, warum Sie nicht das bekommen können, was Sie sich wünschen? Oder versuchen Sie es wenigstens, sich in kleinen Schritten auf Ihre Wünsche zuzubewegen, auch wenn es manchmal nicht einfach ist.
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Wissen Sie so ungefähr, was Sie wollen? Kennen Sie Ihre Bedürfnisse ganz gut? Wissen Sie in etwa, was Sie brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein? Oder sitzen Sie eher mitten im Nebel und sind abgeschnitten von Ihren Wünschen?
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Verbringe Sie Ihre Tage eher in der "Tretmühle", mit Dingen, die Ihnen nicht viel bedeuten, während Ihnen langsam die Zeit wegläuft? Oder tun regelmäßig etwas für Ihre Ziele und Träume?
Ich weiß nicht, ob Ihnen Ihre Antworten auf diese Fragen gefallen. Als ich mir solche Fragen zum ersten Mal selbst gestellt habe, fand ich die Antworten nicht sehr schön. Aber ich habe gedacht: "Ralf, wenn DU jetzt nichts tust … andere werden es nicht für dich erledigen. Es ist dein Leben und deine Entscheidung …"






Der Reality Check fällt furchtbar aus bei mir. Ich wollte ich hätte nie angefangen mich kennenzulernen. Vor vielen Jahren bin ich mit "Hilfe" von Therapeuten angefangen etwas genauer über mich nachzudenken. Heute Jahre später wünschte ich mir, ich hätte es nie getan. Es ist nicht viel schönes dabei herausgekommen und öfters "beneide" ich Menschen die etwas weniger über sich nachdenken. Manchmal ist es auch besser etwas weniger zu wissen. Jedenfalls geht es allen aus meinem Umfeld die weniger nachdenken und mehr handeln besser. Ich für mich weiß ganz genau, ich WILL mich auf KEINEN Fall besser kennenlernen. Was ich in den letzten Jahren über mich gelernt habe reicht mir.
Hallo Michael,
wie überall ist wohl das rechte Maß wichtig. Ständige Selbstanalyse kann einen verrückt machen.
"Seit ich nicht mehr mich selbst suche,
führe ich das glücklichste Leben,
das es geben kann."
(Turgenjew)
Das wünsche ich Ihnen, ohne dass Sie sich deshalb aber aus den Augen verlieren.
Das Problem ist nicht neu. Shakespeare (1564 – 1616), der großzügig gerechnet vor einem halben Jahrtausend lebte, schien ähnliche Probleme zu haben, bzw. zu kennen.
So ließ er „Portia“ im "Kaufmann von Venedig" sagen :
"Wäre tun so leicht, als wissen, was gut zu tun ist, so wären Kapellen Kirchen geworden und armer Leute Hütten Fürstenpaläste.
Der ist ein guter Prediger, der seine eignen Ermahnungen befolgt: ich kann leichter zwanzig lehren, was gut zu tun ist, als einer von den zwanzig sein und meine eignen Lehren befolgen."
So weit Shakespeare.
Das Problem ist wie erwähnt, uralt. Ich denke es hat schon Generationen vor im existiert und wir noch Generationen nach uns existieren. Es ist vielleicht etwas, was dem Menschen sehr eigen ist.
Aber dennoch: „Problem erkannt, Problem gebannt“ könnte man vermuten.
Ist aber nicht so. Eher der Anfang eines mühsamen steinigen Weges.
Aber nur Mut. Rückschläge kommen von alleine und sind bekanntliche Teil des Weges.
Stimmt, ist offenbar ein uraltes Problem. Allein das Wissen, wie man ein Problem lösen könnte, löst es noch lange nicht. Weisheit, oft schriftlich fixiert in "Weisheiten"/Aphorismen, wäre genug vorhanden auf der Welt, gab es zu allen Zeiten und doch kämpfen wir seit Jahrtausenden mit den gleichen Schwierigkeiten.
Von EPIKTET gibt es den schönen Spruch:
"Nicht Sprüche sind es, woran es fehlt;
die Bücher sind voll davon.
Woran es fehlt,
sind die Menschen, die sie anwenden."
und zwischendurch, wenns mal zuviel wird mit der "harten" Selbsterkenntniss, hilft:
"Wenn ihr glauben würdet, glücklich zu sein, dann wärt ihr es auch." (Voltair.)
Eure Probleme sind mir bekannt, ich zähle mich also zur Gruppe der Un- oder begrenzt Erfolgreichen.
Wir wissen alles, was zu tun wäre, um Abhilfe zu schaffen, können es aber nicht umsetzen.
Häufig hat es mit einer Hemmung des psychomotorischen Antriebs zu tun, den man auch in Begriffen wie Ehrgeiz entdecken kann (War mir schon immer fremd).
Ehrgeiz beinhaltet ja auch immer "Siegen" oder "besser sein", folglich müssen auch Versager da sein und das Entstehen von Versagensängsten ist Teil des inneren Programms bei vielen unerfolgreichen Menschen.
Erfolg, vor allem beruflicher, beruht ja auf diesem kranken Ich-gegen-die-anderen-System.
Schon immer spürte ich die Weigerung in mir, mich daran zu beteiligen und prinzipiell mithelfen zu müssen, dass andere verlieren, um selbst etwas zu erreichen.
Mein genereller Eindruck ist: je oberflächlicher und rücksichtsloser, desto erfolgreicher.
Ich bin kein totales Weichei, aber irgendwie schaffe ich es nicht, so zu sein, und will es nach wie vor auch nicht.
Da muss man sich eben mit arrangieren, dass in unserer Gesellschaft und und auf dieser beknackten Welt nicht alle alles haben können.
Jedenfalls nicht, solange Tyrannen die Systeme und was in ihnen abzulaufen hat, diktieren.
Der Einzelne hat dann vielleicht mit affektiven Störungen oder Ängsten zu tun.
Je nach eigener Stabiliät oder Labilität.
Wahrscheinlich haben wir noch andere Qualitäten und müssen nur lernen, dass sie nicht erkannt und gewürdigt werden.
Schön tiefsinnig, gell?
Oder beknackt..
Ich halt mich jetzt zurück.
"The deepest secret is that life is not a process of discovery, but a process of creation.
You are not discovering yourself, but creating yourself anew. Seek, therefore, not to find out Who You Are, seek to determine Who You Want to Be..."
From Conversation with God
Die Antworten über mich müssen nicht *schön* sein, sie müssen wahr (!) sein. Das mir davon einiges nicht gefällt, ist schon klar und der Blick in den Spiegel ist nicht immer der schönste. Für mich zählt immer nur die Frage : wer bin ich und wer will ich sein, bzw. werden. Wie sonst könnte ich mich entwickeln ? Klar kann ich bleiben, der ich bin, also ohne Entwicklung, die in meinen Augen dann nur begrenzt stattfindet. Aber ist es das, was ich wirklich will ? Andere halten einem ständig den Spiegel vor, jeden Tag und jede Stunde. Und wenn der dann "Gnade" vor uns findet, dann ist dieser Mensch schon auf bestem Wege unser Freund zu werden. Sicher, jeder nimmt den anderen anders wahr, was ja okay ist. Aber an dieser Stelle frage ich mich dann wieder : wie nehme ICH mich wahr ?