Eine Alternative zur Suche nach dem Schuldigen
Von Tania Konnerth • 6 Kommentare
"Gibst du jemand anderem die Schuld, dann nimmt das Beschuldigen kein Ende."
– Tao Te King
Schon in der letzten Woche schrieb ich über das Thema "Schuld" und kurz danach fand ich das heutige Zitat, das, wie ich finde, noch einmal einen anderen Aspekt beleuchtet.
Mit dem Schuld-Zuschieben ist das wirklich oft wie mit einer Kettenreaktion:
- Einer wird als Schuldiger bezeichnet.
- Der ist ganz schnell dabei, einen weiteren zu finden, der mehr Schuld hatte.
- Der wiederum schiebt es auf noch jemand anderen und so wird die Schuld immer weiter und weiter geschoben.
Nur Verantwortung übernimmt keiner.
Und das ist vollkommen kontraproduktiv!
Machen wir uns doch einmal klar: Eine Schuldzuweisung – egal ob in Unternehmen, in der Politik, in Partnerschaften oder unter Freunden – erfolgt immer dann, wenn etwas schief gelaufen ist, wenn etwas ungut läuft, wenn also jemand (oder auch alle) in irgendeiner Weise unzufrieden ist/sind. Wirklich helfen würde es nur, wenn die Betroffenen aus der Sache lernen und etwas an der Situation ändern. Aber statt die Energie dafür zu nutzen, Ideen zu entwickeln oder praktisch etwas zu tun, werden Schuldige gesucht und von denen wird die Schuld zum nächsten gereicht.
Tatsache ist: Erst wenn jemand Verantwortung übernimmt, ist es möglich, dass sich etwas ändert. Solange Schuld und Verantwortung wie der schwarze Peter immer weiter geschoben wird, bleibt alles, wie es ist. Wer es also schafft, weg vom Schuld-Denken hin zu einem Verantwortungsgefühl zu kommen (ob nun für sich selbst, für ein Team, ein Unternehmen o.ä.), der öffnet überhaupt erst die Tür zu einem konstruktiven Ansatz.





Ich habe es schon vor längerer Zeit aufgegeben Schuld weiterzuschieben. Ich höre mir sie an, und versuche nicht gleich verletzt wieder zurück zu antworten sondern überlege, was in der Kritik jetzt wirklich für mich ist, und was nicht. Die meisten Leute wissen, das danach ein Gespräch meistens dran ist, wo ich einfach auch Sachen erfrage. (Es passiert ja schnell, das man unbewusst sich total daneben benommen hat) Das Ziel für mich ist, das man danach, trotz Kritikausspruch, wieder normal mit einander umgehen kann. (wo es natürlich auch auf die gegenüberliegende Person ankommt, aber ich weiß, das ich das Beste im Sinne hatte)
Ich finde es ist schwer, wenn man selbst des öfteren für schuldig erklärt wird und von anderen ab,- und verurteilt wird, sowie abettiketiert, dann ruhig zu bleiben und in sich zu gehen, darüber zu shlafen und dann anders zu reagieren.
Mir persönlich gelingt es ehrlich gesagt, noch nicht immer.
Da ich diesen Punkt in mir, diese Maske die ich da in mir noch trage, noch nicht ganz losgelassen habe. Doch ich übe fleißig daran. Man muss dies ja auch erst einmal für sich erkennen - lernen - welche Maske, welche Verletzungen da in einem sind und durch einen anderen oft unbedacht angegriffen wird. Und was dann mit einem selbst ist und geschieht. Für mich ist auch ein Ziel im zwischenmenschlichen Bereich, dass man trotz Kritik, hinterher wieder normal miteinander umgehen kann. Doch meine Erfahrungen besagen auch, die wenigsten Menschen können dies und sehr vielen liegt nichts daran. Da ja Schuldzuweisungen höchstwahrscheinlch für diese Leute einfacher sind, als bei sich anzufangen, Schaufel und Besen in die Hand zu nehmen und dann ihren Schmutz und Dreck vor der eigenen Türselbst wegzukehren.
Mein erster Gedanke, WOW!!!
Sehr einfach und klar zusammengefasst. Wenn das Groh der Menschehit mit diesen Gedanken arbeiten und leben würde, wäre dieser Planet um fast alle seine Probleme ärmer und um eine glücklichere Weltbevölkerung reicher.
Auf den Mikrocosmos bezogen...wenn man Verantwortung für sich und sein Lebensglück übernimmt und nicht die Schuld bei den Umständen oder dem Lebensumfeld sucht, dann kann man etwas verändern und hat Einfluss auf den Lauf der Dinge. Umgekehrt, wer keine Verantwortung für sich übernimmt, der muss z.Bsp. krank bleiben und hoffen, dass ihm geholfen wird...nur darauf warten die meisten vergebens.
Ich verabschiede mich mit dem Wunsch, dass mehr Verantwortung übernommen wird.
Steffi
Halli, Hallo,
vor einigen Tagen stand ich im Einkaufsmarkt an der Kasse. Plötzlich fragte eine nette Verkäuferin, wem gehört das Fahrzeug XY. Aus meinen Gedanken gerissen, rufte ich: das ist meines! Sie vorderte mich auf, nach draußen zu kommen, ich folgte ihr mit dem Gedanken"Oje" was habe ich falsch gemacht, die Gedanken ratterten.
Draußen stand ein junges Mädel, sie ist beim rückwärts heraus fahren gegen mein Auto gerummst. Ich blieb ganz rhuig, schaute mir den Schaden an, der nicht so schlimm war.
Sie gab mir ihre Adresse.
Das hat mich so gefreut, dass sie nicht einfach weg gefahren ist und für sich die Verantwortung übernommen.
Alles lief ganz entspannt. Ich dachte, ändern kann ich es nicht und mit Absicht ist es auch nicht geschehen.
Plötzlich kamen mir Gedanken, verdammt, jetzt hast Du ein Unfallwagen, verlierst an Wert. Immer wieder kam der Gedanke hoch. Dann sagte ich mir immer wieder Stopp, es ist wie es ist. Habe gemerkt wie die negativen Gedanken mir
meine Gefühle erschweren und so mit meine kostbare Zeit ebenso. Dies ist eine gestohlene Zeit, Zeit kann man sich schöner gestalten. Hoffe, dass ich immer öfter so handeln kann und werde!
Vielen Dank für den kostbaren Beitrag
Liebe Grüsse Doro
Hallo,
also ich kann mich mit dem Begriff "Schuld" nicht wirklich anfreunden.
Warum?
Irgendwie schaut die Schuld doch immer zurück in die Vergangenheit auf das ohnehin schon Geschehene. Viel wichtiger finde ich Fragen, die darauf hin abzielen, wir wir solche Geschehnisse in Zukunft vermeiden oder in ihrem Schadensausmaß vermindern können, so dass es uns zukünftig besser geht. Wichtiger als die Schuldfrage ist mir die Entwicklung, die aus dem Geschehenen resultiert.
Außerdem lassen sich bestehende Konflikte selten mit der Schuldfrage klären, weil oftmals beide Parteien ihren Anteil an einem Konflikt haben...
Grundsätzlich halte ich von Schuldfragen nicht viel. Was macht es besser? Macht es das Geschehene ungeschehen?
Schuldfragen machen für mich Sinn, wenn ich nicht auf andere schaue, sondern auf mich. Wenn ich mein Tun und Handeln mit mir, meinen Gefühlen und meinen eigenen Werten reflektiere. Und wichtig finde ich auch, sich zu fragen, was man aus der Situation lernen kann und was das Geschehene vielleicht mit einem selbst zu tun haben könnte
(was spiegelt mir das Geschehene?).
Schuldfragen machen für mich Sinn im Bereich der juristischen Rechtsprechung. Wenn man in einer Gesellschaft zusammenlebt, halte ich es für wichtig, dass es ein Entscheidungsorgan gibt, das in einem Rechtstreit entscheidet, wer Recht oder wer Unrecht hat. Außerdem kann ein Schuldspruch enorm wichtig für die Opfer sein. Ich denke zum Beispiel an Vergewaltigungsopfer oder Eltern, die aufgrund eines Gewaltverbrechens ihr Kind verloren haben. Da ist ein offizieller Schuldspruch richterlicher seits häufig für das Opfer enorm wichtig...
Viele Grüße
Dirk
In meinem täglichen werde ich ständig mit Schuldfragen konfrontiert.
Da ich ein sehr gutmütiger Mensch bin, der nahezu alles für andere tut, nehme ich natürlich jeden Fehler sehr persönlich und frage mich, was ich falsch gemacht habe.
Gerade die Menschen, welche sehr liebevoll, aufopfernd und hilfsbereit sind werden sehr oft mit der "Schuldfrage" konfrontiert. Sie übernehmen ja auch für alles Verantwortung, weil sie nie nein sagen können und somit ernten sie auch negative Erfolge, obwohl sie meistens gar nichts dafür können.
Manchmal glaube ich, dass Egoisten eindeutig besser leben. Denn sie quälen sich nicht mit Schuldfragen und wimmeln alle Schuldzuweisungen gekonnt ab. Sehr beseelte und gutgesinnte Menschen sind geeignete Opfer für Schuldzuweisungen. Denn sie sind schwach und nehmen oft die Schuld ohne lange Worte auf sich.