Selbsterkenntnis ist der Weg zum Glück

Die Selbsterkenntnis gibt dem Menschen das meiste Gute, die Selbsttäuschung aber das meiste Übel.

- Sokrates

Wir alle haben unsere blinden Flecken. Es ist Ihnen bestimmt auch schon passiert, dass Sie bei einem Ihrer Freunde, Bekannten oder Kolleginnen gedacht haben: "Meine Güte, wie kann man sich selbst nur so in die Tasche lügen?"

Manchmal begreift man selbst zuletzt, dass man unglücklich ist, obwohl es für andere schon lange offensichtlich war. Oder jemand sieht in seinem Partner einen Menschen, den er gerne hätte, der dieser aber bei aller Liebe nicht ist. Oder jemand glaubt, dass er endlich glücklich sein wird, wenn er erst reich ist, erst den Job gewechselt hat, erst ein schönes Haus besitzt, erst dieses bestimmte Auto fährt… aber das Auto ist natürlich nicht das Problem.

Das sind diese Fälle, in denen die Realität für jeden offensichtlich ist. Nur nicht für die Person, die es betrifft. Diese Person schafft es virtuos an der Wirklichkeit vorbeizuschauen und dabei oft auch noch zu lächeln.

Unser Gehirn und unser Wahrnehmungs-Apparat sind schon erstaunlich. Manche Dinge sortieren wir in unserer Wahrnehmung einfach aus, das kann unser Gehirn prima. Was wir nicht sehen wollen, sehen wir auch nicht, denn es wäre zu schmerzlich, die Wahrheit vor uns selbst zuzugeben und es würde oft Konsequenzen haben, die uns Angst machen und so schauen wir einfach nicht hin. Was nicht wahr sein darf, kann auch nicht wahr sein. Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht.

Im Grunde könnte man denken: Bestens, so ersparen wir uns den Schmerz. Es ist doch eigentlich eine gute Sache, wenn wir uns weigern, unangenehmen Wahrheiten ins Auge zu schauen.

Leider (oder eher zum Glück) haben diese unangenehmen Wahrheiten die Angewohnheit, auf sich aufmerksam zu machen. Zuerst meist ganz zaghaft. Aber je mehr wir daran vorbeischauen, desto mehr winkt eine unangenehme Wahrheit mit dem Zaunpfahl, oft verkleidet als Pech, Unzufriedenheit, Müdigkeit, Gefühlsschwankung und manchmal auch als Depression oder körperliche Krankheit. Wir kommen also auf Dauer mit unseren Selbsttäuschungen nicht durch und es rächt sich irgendwann bitter, sich selbst etwas vorzumachen.

Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie in manchen Bereichen Ihres Lebens nicht ganz ehrlich zu sich selbst sind? Dann möchte ich Sie dazu ermuntern: Sagen Sie Ihren blinden Flecken den Kampf an! Trauen Sie sich. Ehrlich mit sich selbst zu sein tut manchmal weh, aber einmal zur Angewohnheit gemacht, werden Sie es nicht mehr anders wollen.

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Kommentare

sandro schreibt am 16. November 2006

Wie bekommt man liebe Mitmenschen dazu, sich seinen blinden Flecken zu stellen und mit der dann gewonnenen Selbsterkenntnis sein Leben bewußter und glücklicher zu erleben? Und vor allem die Konsequenzen daraus zu ziehen? Ich habe einen sehr lieben Menschen, der in einer fast schon unglücklichen Ehe lebt und dies aber nicht bemerken will. Freunde haben sich abgewandt und sogar mich hat er nach einem Gespräch über diese Themen “links” liegen gelassen, was wirklich weh tut. Dieser liebe Mensch ist mein eigener Bruder und ich komme nicht mehr richtig an ihn ran. Es wird nur noch über Belangloses gesprochen, zudem habe ich das Gefühl, dass er nicht mehr mit mir reden “darf”. Jeder seiner Schritte wird kontrolliert und ich weiß, dass er unglücklich ist, aber er lässt sich nicht helfen. Wie kann ich ihm helfen, dass er selbst seine Situation erkennt und zumindest die Probleme in seiner Beziehung lösen kann, um endlich wieder glücklich zu sein?

Hubert schreibt am 17. November 2006

Kaufleute machen am Jahresende oder zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr eine Jahresinventur und eine Bilanz. Alle Aktiva (Vermögen) und alle Passiva (Schulden) werden einer objektiven Bewertung unterzogen. Von Bewertungskosmetik einmal abgesehen treten dann die wirklichen Verhältnisse ans Tageslicht. Auch bei den privaten Vermögensverhältnissen schafft diese Praxis Klarheit, wenn man sie kontinuierlich anwendet.
Dieses Verfahren kann man abgewandelt auch auf andere Lebensbereiche wie Beruf, Beziehung, Freunde, Freizeit etc. ausdehnen. (Nur in der Liebe geht es nicht)

Je nachdem, welche Bewertungsmaßstäbe man anlegt, je objektiver um so besser, kommt der ganze Glanz oder die ganze Jämmerlichkeit ans Licht. Eine ungeschönte Jahresbilanz oder auch Lebensbilanz fördert dann so manche Lebenslüge zu Tage.
Einige werden sicherlich feststellen, dass ihr momentanes Glück einen Grund hat, andere das sie mehr oder weniger in Opferrollen leben. Wenn sie könnten, würden sie ihr Arbeit und ihren Beruf nicht mehr ausüben… Wenn sie finanziell nicht abhängig währen, würden sie ihren Partner verlassen… etc.
Ich denke auch, Selbsterkenntnis ist der (ein?) Weg zum Glück.

Wie heißt es bei Xavier Naidoo? “Dieser Weg wird kein leichter sein….”

Aurelia schreibt am 17. November 2006

@ Sandro
Das Schwerste ist zuzusehen. Das glaube ich Dir. Jedoch – Sandro – sei einfach da für ihn. Genau so wie er im Moment ist. Mehr kannst Du nicht tun. Sei einfach da.
Herzlich.
Aurelia

Anne schreibt am 18. November 2006

@Sandro
Versuch nicht den Finger in eine Wunde zu legen, es scheint als wäre ihm dies schon bewusst, er will es nur nicht wahr haben. Er schafft es nur nicht sich von seiner Liebe zu trennen und das kannst du ihm nicht übel nehmen. Unterstütz ihn wo du kannst und versuche ihn Stück für Stück von Zuhause weg zu holen und ihm die Realität zeigen.
Vielleicht wacht er bald auf.
Du kannst auch Kontak zu seinen alten Freunden aufnehmen und mit ihm und allen seinen Freunden etwas unternehmen.
Zeig ihm die Freude am Leben.

Joysea schreibt am 19. November 2006

@ sandro

jemanden zu lieben könnte bedeuten, einfach die guten Seiten zu betrachten und den Wert der scheinbar nicht so guten zu entdecken.

Ein liebendes Herz ist die beste/einzigste Hilfe die keiner Taten bedarf. Einem Menschen im eigenen Herzen die Hand zu halten ohne über seine Entscheidungen zu urteilen, – weil wir eh nicht wissen was für den Anderen dran ist, das ist meiner Erfahrung nach das größte Geschenk.

Und manchmal findet dann schneller Veränderung statt als durch Urteilen und Bemühen!

In diesem Sinne

LG Joysea

Helmut schreibt am 19. November 2006

“Es ist doch eigentlich eine gute Sache, wenn wir uns weigern, unangenehmen Wahrheiten ins Auge zu schauen.”

Ich will hier auf keinen Fall eine religiöse Debatte vom Zaun brechen und bitte daher vorab nicht auf diesen Kommentar zu antworten, dennoch gilt diese Aussage natürlich auch für Glaubensdinge. ZB: Sühnetodgedanke – Jesus mußte am Kreuz sterben um uns mit seinem Vater zu versöhnen.
Was, wenn Jesus der damaligen Obrigkeit empfindlich in die Führung eingriff da er von Liebe, Friede, Umkehr und Buße etc. kündete und er deshalb einfach “unschädlich” gemacht wurde? Das wäre für millionen Menschen eine sehr sehr unbequeme Sichtweise! Ist es nicht Selbsttäuschung Logik aus dem Bereich des Glaubens zu verbannen?

Noch ein Beispiel – Wir reden davon die Natur zu beherrschen. Aber mußten nicht wir vorher herausfinden wie sich die verschiedenen Baustoffe aufgrund der gegebenen Naturgesetze zusammensetzen lassen um einen Staudamm zu bauen? In diesem Sinne haben doch wir uns unter bestehende Gesetze gebeugt um uns diese nutzbar zu machen. Jede Technik, jede Wissenschaft ist davon abhängig bestehende Eigenschaften zu finden und zu nutzen, egal ob es um Medikamente, Hochhäuser oder um den Flug zum Mond geht.

Und die Frage ob es Gott gibt, beantwortet sich doch mit dem höcht einfachen Sprichtwort: Von nichts kommt nichts. Es ist bequem zu denken alles sei nur Zufall, denn dann kann ich ja leben wie ich will und brauche mich vor niemand zu verantworten. -> Ist das nicht ein ganz offensichtlicher blinder Fleck?

manfred schreibt am 19. November 2006

dazu fallen mir einige gedanken spontan ein

je früher du dich traust dorthin zu schauen, wo du dich bisher vobeigmogelt hat, umso früher wirst du dich innerlich freier und damit glücklicher fühlen (eigene erfahrung)

je früher du erkennst, dass es nur um dich selber geht, und nicht um eine verantwortung gegenüber anderen, umso eher beginnst du dich selber zu lieben

je früher du seelenhygiene dir selber angedeihen läßt, umso gestärkter und loslassender wirst du dir selber begegnen.

jedes deiner geistigen “aber” läßt dich länger älter und vertrockender wirken

einen innerlichen sonnentag wünschend

manfred

Friedrich schreibt am 19. November 2006

kurz zu “Sandro”: Ich habe meine berechtigten Zweifel, ob es sehr sinnvoll ist, in das Leben eines andern einzugreifen, auch wenn es der eigene Bruder ist. Ich kann Joysea nur zustimmen!!!

Aber zum Thema: Lange Zeit war ich in meiner Beziehung sehr glücklich, so schien es mir wenigstens, doch immer wieder meldete sich da im Innern etwas zu Wort, das meine Unzufriedenheit im sexuellen Bereich immer mal wieder in meinen Blickwinkel rücken wollte, aber ich habe es bewusst einfach nicht wahrhaben wollen und ging darüber hinweg.So änderte sich nichts an meiner unbewussten Unzufriedenheit. Als ich dann diese Unzufriedenheit bewusst zu akzeptieren begann, dachte ich natürlich über Veränderung nach, wusste mir aber keinen anderen Rat und das war gut so, als eine offene Aussprache herbeizuführen. Aber gerade bei diesem Themenbereich hatte ich natürlich schreckliche Hemmungen und traute mich nicht so recht. Doch in einem günstigen Moment regte ich dann die Aussprache an, die wir dann auch durchführten. Das Ergebnis war verblüffend! Von diesem Tage an – nach Jahren – lernten wir erst die gegenseitigen Wünsche wirklich kennen und unser Sexualleben erlebte eine unglaublich positive Wendung. Offenheit und Ehrlichkeit haben uns beide vor unangenehmen Folgen bewahrt. Auch auf meiner Website bin ich darauf näher eingegangen.

Jutta schreibt am 20. November 2006

Für Alle, besonders für Sandro, Joysea und Manfred!

Blinde Flecken auf der Seele, besser kann MAN eigene Unzulänglichkeiten nicht benennen. Wenn MAN liebt sieht MAN durch die berühmte rosarote Brille und will “Wahrheiten” weder sehen noch hören. Den Preis dafür, wenn MAN “erwacht”, muß MAN auch allein!
Ratschläge können an dieser Stelle nicht akzeptiert werden, weil MAN überhaupt noch nichts sieht, wozu dieser passen könnte. Im übrigen Sandro, sind Ratschläge auch Schläge! Und Liebe, ich meine die wahre Liebe, ist immer bedingungslos. Nur wenn man seinen Partner, Freund, Bruder etc. so akzeptiert, wie er ist, ist es echte Liebe oder Freundschaft. Das trifft auch für die Bruderliebe zu. Natürlich kann MAN trotzdem SEINE Sichtweise der DINGE ansprechen, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger und nicht mit dem Anspruch, dass der Gesprächspartner sie 1:1 übernimmt. Schließlich führen viele Wege nach Rom und manche gehen auch schon mal durch die Hölle. Toll wenn MAN da wieder raus kommt. Joyseas und Manfreds Sichtweisen sind hier sehr hilfreich!
Ich bin gerade dabei meinen “blinden Fleck” zu polieren und im Nachhinein schockiert, welche Warnsignale, die MEIN Verstand mir gab, übersah. Erfahrungen muß MAN aber immer selber machen, sonst erfährt MAN eben nichts. Dabei ist es ganz egal wie alt man ist, Torheiten werden in jedem Alter begangen und wenn MAN “reif” dafür ist, wird MAN zu der richtigen Erkenntnis gelangen. Deshalb sind Manfreds Gedanken zu diesem Thema für mich persönlich hilfreich.L.G. für alle mit und ohne “blinde Flecken”. ;-)

Ilva schreibt am 20. November 2006

Das hört sich alles sehr gut und hilfreich an – aber wie mache ich das??? Denn “blinde Stellen” heißen ja wohl deshalb so, weil sie für mich “blind” sind und ich sie nicht sehe – also was kann ich tun damit sie für mich erkennbar werden? Das kann ich mir nicht so recht vorstellen, und leider sind alle Ausführungen dazu so allgemein gehalten, dass ich nicht weiß wie ich ganz konkret drangehen soll.

@Sandro
Es ist leider eine alte und nur zu wahre Binsenweisheit, dass man nur jemandem helfen kann, der sich auch helfen lassen will.

LG Ilva

Gabriele schreibt am 20. November 2006

Was tun, wenn man seine blinden Flecken kénnt, aber die Möglichkeit zur Veränderung nicht findet?

Andrea Gross schreibt am 20. November 2006

ZUR LIEBESGESCHICHTE: Oft spielen unbewußte Motive bei der Partnerwahl eine Rolle und außerdem ist es gar nicht so einfach, wen zu finden, der einen kennt oder den man/frau ein wenig kennt, man sein Leben gegegenseitig mitverfolgt.
Jede/r möchte schließlich WAHRGENOMMEN werden. Streit per se ist noch kein Trennungsgrund.

Ein Außenstehender darf niemals die Entscheidung in einer Beziehung treffen, Du kannst Deinen Bruder höchstens darauf ansprechen, W I E es I H M geht !

Anton schreibt am 20. November 2006

zu Manfred

Lieber Manfred, deine Gedanken gefallen mir außergewöhnlich gut. Um sie zu verwirklichen bedarf es eines enormen Mutes.
Hierzu kopiere ich ein paar Sätze ein, die mich nachdenkich stimmen.

“Den groessten Fehler, den man im Leben machen kann,
ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.”

Dietrich Bonhoeffer

Fehler machen gehoert zum Leben dazu (wobei man natuerlich
grundsaetzlich darueber diskutieren kann, ob es so etwas wie
“Fehler” ueberhaupt gibt). Und so unangenehm die Folgen vielleicht
auch manchmal sind, so werden wir nie ganz um Fehlgriffe oder
Fehlentscheidungen herumkommen. Dass man aus Fehlern lernt, ist
nicht nur ein Sprichwort. Das Leben ist voller Moeglichkeiten,
Dinge falsch oder richtig zu machen. Aber nur wer auch das Risiko
des *Tuns* eingeht, wird auch Erfahrungen, Erkenntnisse und Wissen
sammeln.

Wie es in dem Zitat heisst: Der einzig wirkliche Fehler, den wir
begehen koennen, ist der, nichts mehr zu machen aus Angst vor
Fehlern!

Warum?

Weil das Stillstand und Nichtstun bedeutet. Weil es gegen das
Leben ist. Und weil das dann sterben heisst.

“Wir kommen aus dem Nichts
– wir gehen ins Nichts.
Was haben wir zu verlieren?
Nichts!”

Nach Monty Python, Das Leben des Brian

Zu verlieren haben wir eigentlich nur, wenn wir es versaeumen,
*jetzt* zu leben. Das Leben *jetzt* auszukosten, mit allem, was es
zu bieten hat. Wir verlieren nur dann, wenn uns unsere Aengste
davon abhalten, unser Leben so zu leben, wie wir es uns wuenschen.

Denn *jetzt* haben wir alles.

Brigitta schreibt am 20. November 2006

Ilva/Gabriele: ich kann Euch nur zustimmen. Ich bin bei mir so was von blind und mutlos; nur bei den anderen erkenne ich die blinden Flecken eher, halte mich allerdings sehr zurück, was die Ratschläge anbelangt (ich habe ja auch nichts geglaubt, ich musste es selbst “erleben”).
Und dann:
Selbst wenn ich sie erkenne, diese blinden Flecken, so gibt es doch Sachen, die nicht, nicht mehr oder nicht sofort änderbar sind.
Wie z.B. der Job, den man zum überleben braucht. Was ist, wenn man das “vermittelbare” Alter schon überschritten hat? Was ist, wenn man aus finanziellen Gründen bei seinem Partner bleibt, weil man als Frau alleine kaum ne Chance hat (ich denke hier an eine Dame mit 75! Jahren)?
Das gibt’s auch.
Ich glaube auch, dass viele Menschen, die unglücklich sind,sich sowieso dauernd an die eigene Brust schlagen(selbst dann, wenn sie es nicht müssten)….
Wie lernt man Selbstvertrauen, wenn man “andauernd eine auf den Deckel bekommt”? :-)

Erfolgs-Rezepte schreibt am 20. November 2006

Hallo,

“Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung”…
so sagt ein Sprichwort aus dem Volksmund.

Sich selbst erkennen und zu sich stehen, einfach gesagt…
Nein, eine Lebensaufgabe! Will heißen, eine Arbeit ein leben lang. Ich treffe hier und da auch mal wieder so eine Stelle, wenn mir jemand den Spiegel vorhält, dann habe ich die Chance mich noch besser kennenzulernen und somit auch mein Gegenüber.

Den “blinden Flecken” den Kampf anzusagen würde bedeuten, gegen sich selber zu kämpfen.

Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen, wer keine macht, der lernt auch nicht.
Indem ich das Problem erkannt habe (Selbsterkenntnis) und es mir bewusst ist (Selbstbewusstsein), habe ich die freie Entscheidung (innerliche Freiheit), es zu ändern oder zu lassen wie es ist.

Wie man/frau es seinem Gegenber mitteilen soll, wenn man es feststellt? Nicht immer einfach.

Mit Verständnis und Einfühlungsvermögen, in kleinen Häppchen und wenn das Gegenüber blockiert, dann sollte man eben gelassen der Dinge verharren, die kommen…

Ich muss leider auch gerade zusehen, wie sich ein Freund innerlich durch Täuschung und Verleugnung zerstört….

Herzlichst Ulla

Renate Winkler-Werner schreibt am 21. November 2006

Liebe Interessent/Innen,

bei diesen Problemen kann manches Mal ein Coaching sehr hilfreich sein.

Durch die Anregung des Coaches werden die eigenen Handlungen und Leistungen durchdacht und es wird gemeinsam nach besseren Handlungsalternativen gesucht. Der Sinn eines Coachings ist dabei nicht Lösungen für Probleme oder Konflikte präsentiert zu bekommen. Der Coach ist ein neutraler Gesprächspartner, der mit seinen Klienten den Prozess der individuellen Entwicklung eröffnet und den Weg zum Ziel erleichtert und begleitet.

Coaching ist dabei ein an den jeweiligen konkreten Zielen und Fragestellungen orientierter Prozess. Dieser kann zu schnell sichtbar werdenden Veränderungen führen, die neue Entwicklungen vorantreiben. Coaching hilft Ihnen dabei, die einzelnen Schritte zu planen und umzusetzen.

Herzlichst Renate W.-W.

Sonja schreibt am 23. November 2006

an Jutta:
“Ratschläge sind Schläge” – dieser Spruch ist mir schon mehrfach begegnet und ich finde ihn schlimm.
Sicher kann ich ungebetene Ratschläge und vermeintlich gute Tipps, vor allem wenn mir jemand gar nicht richtig zugehört hat und eigentlich nur über sich reden will, nervig und unpassend finden. Das würde ich meinem Gegenüber dann aber auch deutlich sagen.
Nun passiert es aber häufig, dass ich um einen Rat *gebeten* werde oder selbst jemanden um Rat frage. Dann ist doch wirkliche Hilfe angebracht – nur mit Allgemeinplätzen zu antworten und sich nicht zu trauen, die ehrliche Meinung zu sagen, weil ich ja nicht verletzen (*schlagen*) will, bringt doch nicht weiter…

Und nun noch etwas provokativ an alle:
Tut es nicht manchmal auch unheimlich gut, wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand zu stecken und im Sinne von Selbstschutz etwas mal nicht ganz genau zu wissen, mit einem Fehler mal eine zeitlang zu leben, im Sinne von: ich weiß, dass ich auf dem Gebiet nicht perfekt bin, aber ich lasse jetzt alles so, denn es geht mir ganz gut damit?
Ich rede jetzt nicht von den *großen und wichtigen Dingen*, da bin ich jederzeit für Klarheit und Ehrlichkeit mir selbst und anderen gegenüber.

Jasmin schreibt am 24. November 2006

ein freundliches Guten Abend in die diskutierfreudige Runde,

habe alle Beiträge gelesen und jeder hat so sein ganz EIGENES und auch ANREGENDES für mich und ich bin allen dankbar.

Und “zufällig” ist es für mich auch nicht, daß grad dieses Thema dran ist, weil ich grad selbst meinen blinden Fleck erleuchte und mich nach 10 Jahren von einem Partner trenne, wo seit 5 Jahren bereits meine Umgebung mir das signalisierte, was Sandro gern seinem Bruder weitergeben möchte……

Rückblickend möchte ich dazu bemerken: erst jetzt bin ich reif für diesen Schritt, erst jetzt hat mich jede Angst davor verlassen, erst jetzt schaue ich selbstsicher in die Zukunft, erst jetzt bin ich mir selbst gegenübergestanden, erst vor kurzem habe ich beginnende Schmerzen mit meiner Partnerschaftsbeziehung in Verbindungen bringen können…..

Und so hat alles im Leben jedes Menschen seine Zeit, bis er eben selbst heranreifte und den nächsten Lernschritt wagen kann.

Außenstehende können´s noch so gut meinen – sie standen nicht in meinen Schuhen :-))

Herzlichst

J.

Anne schreibt am 26. November 2006

Hallo liebe Leserinnen und Leser!

Mir kommt das alles sehr bekannt vor: ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo alle schmerzlichen Gefühle “unter den Teppich gekehrt” wurden und immer noch werden. Oft habe ich schon versucht, die Dinge beim Namen zu nennen bzw. ein wirklich offenes Gespräch herbeizuführen, ernte aber dafür leider immer Mißgunst und Kritik.

Aus meinen persönlichen Erfahrungen kann ich sagen, dass ich mich zum größten Teil für die Ehrlichkeit entschieden habe – ecke damit aber auch sehr oft an, da die wenigsten Menschen immer die Wahrheit hören möchten…

Alles Liebe
Anne

atiram schreibt am 26. November 2006

Ein Hallo – sehr interessante Beiträge.
Die bei mir einige weitere Fragen auslösen bzw. so manche Zitate in Erinnerung rufen.

Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Kann man wirklich alles, was einen einengt, wegwerfen?

Woher weiß ein anderer, was mir gut tut?

Wer kennt die Geschichte vom Vater, dem Sohn und dem Esel – eine Geschichte von guten Ratschlägen? Am Ende wird der Esel heimgetragen.

Selbsterkenntnis – kann sie nicht auch in die Verzweiflung führen?

Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit.

Wenn du glaubst, etwas als Wahrheit erkannt zu haben, so halte es dem anderen hin wie ein Mantel, in den er hineinschlüpfen kann, schlage es ihm aber nicht wie ein nasses Handtuch um die Ohren.

Ich habe bei den Zitaten bewußt die Autoren weggelassen.

Kommt es nicht wie immer auf das richtige Maß an?

Natürlich, so manche dieser Flecken machen uns krank, lähmen uns – aber kann man sie tatsächlich alle beseitigen? Ich glaube nein.
Was ist REALITÄT? Es ist doch das, was jeder für sich dafür hält.
Der Hausfrau wird gesagt: Sie läßt sich ausbeuten, sie lebt unfrei und was weiß ich. Die andere Seite sagt der berufstätigen Frau: Sie ist überlastet, eine Rabenmutter. Dem Singel fehlt das Glück zum Leben, der Verheiratete hat keine Freiheit. Das kann ich doch beliebig fortsetzen.

Ich frage mich öfter: Tut es mir gut? Paßt es zu mir und meinen Lebensvorstellungen? Und dann muss ich abwägen: Was kann ich wie akzeptieren, was ändern, womit muss ich mich abfinden. Und die Antworten ändern sich im Laufe meines Lebens. Bei manchem bin ich toleranter geworden, bei anderem unerbittlicher. Als die Kinder klein waren, hatte ich andere schwarze Flecken als jetzt. Ich bin dabei, aus verschiedenen Gründen, mein Leben zu überdenken und weiß, ich muß einiges ändern. OH ich denke mit Schrecken an so manche Ratschläge, die über mich gekübelt werden – aus Liebe, Freundschaft… Ich suche nach einem Weg. Und es ist völlig richtig: Die Zeit für Entscheidungen muß reif sein.

Rehse schreibt am 3. Januar 2007

Das Leben wird heute gelebt und kein anderer Mensch kann für einen anderen Menschen entscheiden. Das müssen wir schon immer selbst tun!