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Veränderer oder Bewahrer?

Von Tania Konnerth13 Kommentare

"Eine Schlange, die sich nicht häutet, stirbt."

– Friedrich Nietzsche

So wahr dieses Zitat ist, so wahr ist aber auch die Tatsache, dass eine Schlange, die sich täglich häuten wollte (oder müsste) ebenfalls sterben würde. Oder anders gesagt: Veränderungen gehören zum Leben dazu, aber wie bei so vielem, tut auch hier ein Zuviel genauso wenig gut wie ein Zuwenig.

Nun gibt es zwei grundsätzliche Typen von Menschen: so genannte "Bewahrer" und so genannte "Veränderer".

Bewahrer sind die Leute, die das schätzen, was ist. Die darauf achten, dass erhalten bleibt was ist. Die sich gerne erinnern und die Gegenwart als eine Folge der Vergangenheit wahrnehmen. Für sie ist Bestand ein wichtiges Gut. Ihr Leben weist oft zu wenig Veränderungen aus bzw. tun sie sich mit Veränderungen, die von außen initiiert werden, meist sehr schwer.

Veränderer hingegen lieben Neues. Sie sind ständig dabei, Dinge umzugestalten. Für sie ist die Gegenwart nur das Sprungbrett in die Zukunft. Sie finden Bestehendes meist langweilig und es reizt sie, immer wieder Neues auszuprobieren. Das Leben von Veränderern ist oft deutlich zu unbeständig, denn immer wieder reizt das Neue, ohne dass das Alte überhaupt abgeschlossen werden konnte.

Fragen Sie sich selbst doch einmal:

Die Erkenntnis darüber, ob wir selbst mehr zum Veränderer oder zum Bewahrer neigen, hilft einmal dabei, die eigenen Reaktionen auf Veränderungen besser zu verstehen, aber auch an ihnen zu arbeiten.

  1. Jürgen Gräbel schreibt am 21. April 2009 um 08:59

    Die Schlange verändert sich nicht, weil sie sich oder ihr Aussehen verändern "will", sondern weil sie wächst. Wie alles in der Natur solange wächst, bis es zu leben aufhört.
    Nur viele unserer Zeitgenossen glauben, wenn man einmal vom Hüftumfang und der Ohrmuschel absieht, dass sie auf Wachstum verzichten können.
    Auch wir Menschen "müssen" ständig weiter wachsen, um nicht krank zu werden und längerfristig daran zu sterben.
    Ich denke, wenn wir wissen, was wir wollen und uns längerfristige Ziele setzen, dann kommt man gar nicht so schnell in Versuchung, sich immer wieder auf neue Idee zu stürzen. Dann bedeutet jede Veränderung Entwickung auf das selbstgewählte Ziel, und das ist (natürliches) Wachstum oder kontinuierliche Verbesserung.
    Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich niemals nach Neuem umsieht, sich neue Ziele setzt, allerdings nicht alle 2 Wochen.

  2. Heide schreibt am 25. April 2009 um 11:40

    Hm, was bin ich nun? Schwer zu sagen:

    Eine Bewahrerin?
    Ja, ich bin sehr fürs Bewahren. Ich kaufe mir meist Dinge, von denen ich annehme, dass ich sie lange gebrauchen kann und ich gebrauche sie lange, acuh wenn sie nicht mehr "modern" sind. Vieles habe ich schon jahrzehntelang.

    Ich gehe in der Regel in immer dieselben Geschäfte, fahre gern dorthin, wo ich schon einmal war, ...

    Ich bin auch an der Vergangenheit interessiert von Orten, von Dingen, vor allem auch von Menschen. Weil es einfach interessant ist und weil es zuweilen vieles erklärt.

    Bin ich eine Veränderin?
    Und doch bin ich "neu-gierig", ich möchte immer wieder Neues erfahren, manches Neue ausprobieren. Angst vor Neuem habe ich nicht.

    Ich kann auch Dinge hergeben, notfalls auch wegwerfen.
    Hergeben an jemand, der sich darüber freut, der es gebrauchen kann, ist aber schöner für mich.

    Ich verstehe Leute nicht, die sagen: "Haben wir immer schon so gemacht!" - Ja und? Deshalb kann man doch einmal etwas Neues ausprobieren? Oder etwas auf eine andere Weise machen?
    Aber nur etwas Neues zu tun, etwas Neues zu kaufen,... weil es etwas Neues ist, das ist nicht mein Ding!

    Also doch eine Bewahrerin?

    Naja, ich seh's schon: Schwarz-Weiß-Denken liegt mir nicht.

  3. Heide schreibt am 25. April 2009 um 14:14

    Zur Ergänzung: Auch wenn mir Schwarz-Weiß-Denken nicht liegt, so finde ich solche Gegensätze gut geeignet, den Denkprozess in Gang zu bringen.

  4. Rosemarie Solten schreibt am 26. April 2009 um 10:00

    Der Beitrag von Heide beschreibt Wort für Wort auch meine Lebenseinstellung. Alles im Universum ist in seinem eigenen Zeitrahmen in permanenter Veränderung begriffen, lassen wir uns in diesem Strom mit tragen, leben wir befreit und mittig. Festhalten und Stehen bleiben erzeugt und festigt die Angst, die viele Namen hat. Diese Angst verhindert, sich lebendig und im Einklang zu fühlen. Die Dualität gibt uns die Freiheit, zu entscheiden.

  5. Vera schreibt am 26. April 2009 um 13:07

    ich würde mich eher dem Veränderer zuordnen, obwohl ich trotz allem an bewährtem festhalte. Doch ohne stete Veränderung ist es mir wirklich in gewissen Dingen viel zulangweilig.
    so bin ich auch beruflich der einzige Dauerspringer, der flexibel auf vielen Plätzen eingesetzt werden kann und wird.
    Im Privatleben sind es die Möbel, die immer wieder mal gerückt werden müsssen um ein anderes Bild zu schaffen. Die ist mir ein Bedürfnis, nicht für alle Mitmenschen leicht zu ertragen. Für das Thema Beziehung bin ich eher der Bewahrertyp, wenn ich das so ausdrücken darf.
    Etwas neues ausprobieren, sich von neuen Ideen anstecken zu lassen, aus alten Mustern ausbrechen und bewusst leben .

  6. Martina W. schreibt am 26. April 2009 um 17:02

    Veränderer oder Bewahrer?

    Tolles Thema! In mir steckt ein Veränderer, als auch ein Bewahrer. Der Veränderer überwiegt nach wie vor, aber man spürt schon dass es dem Alter zunnehemend sich annähert. Ich finde es einfach immer weider interesant Dinge zu verändern oder auch mal aus einem ganz andere Blickwinkel zu sehen oder zu testen. Es sollte immer brweglich bleiben, so dass man nie das Gefühl hat..Und jetzt? Und vorallem sollte es beweglich bleiben, damit es fliessen kann. (stillstand ist Rückgang ) Der Bewahrer in mir, ist der, der alten Werte: Loyalität, Ehrlichkeit, Treue. Diese Dinge bewahre ich mir, da ich der Meinung bin, ohne Bewahrung, auch keine Persönlichkeit. Man sollte an Dingen schon festhalten, aber nie zu fest! YingYang! Von allem ein wenig und allem nicht zu viel!

  7. Andrea Gabriele schreibt am 27. April 2009 um 09:03

    Ich glaube ich sollte mich eher zurükhalten in dieser eh schon so Über-Angebots-Welt. Ich frag mich aber ob ich z.B. gewisse Dinge nicht mache aus "schlechtem Gewissen", das überflüssig ist nach Ulrich Schaffer (gestern in Wien gehört und gesehen).

  8. Irene Galler schreibt am 27. April 2009 um 12:36

    Liebe Frau Konnerth, wieder einmal eine herzliche Gratulation zu dieser sehr interessanten Frage und Ihrem Denkanstoss für alle von uns! Auch die Persönlichkeitsanalyse MBTI kann hierauf eine Antwort liefern! Viele liebe Grüße und ich wünsche mir weiterhin viele tolle und kreative Denkanstösse! Irene Galler

  9. Andreas schreibt am 28. April 2009 um 06:40

    Hallo zusammen,
    so ganz verstehe ich die Anregung nicht.
    Ich bin ganz klar Bewahrer.
    Warum soll ich neues probieren, wenn das alte sich doch bewährt hat? Warum soll ich eine neue Zahnpasta, ein neues Brot oder neues Auto kaufen wenn ich mit dem vorhandenen zufrieden bin?
    Meine Frau hingegen will immer wieder was verändern.
    Ich habe mich an mein altes Auto gewöhnt, mag die Aldi Zahnpasta oder das krustige Brot vom Bäcker im Ort.
    Ich will nicht wieder ein neues Brot vom Discounter probieren oder mein altes Auto der Abwrackprämie opfern.
    Auch will ich meinen Kindern eine gewisse Konstanz vermitteln und nicht dieses ach so moderne hinterherhechten nach irgendwelchen vermeindlichen Trends.
    Ok, in deren Augen bin ich uncool.
    Macht nichts, ich lebe lieber so - als Bewahrer des Bewährten.
    Meine Frau hingegen ist ein Veränderer, oft nur um des Veränderns wegen.

  10. Eva-Maria schreibt am 28. April 2009 um 09:21

    Schönes Thema...
    ich bin immer schon ein Veränderer gewesen,immer wieder neu-gierig auf was NEUES,allerdings im Wohnen habe ich so seit 13Jahren mein zu Hause gefunden,sonst hatte ich schon nach 1Jahr das Bedürfnis,bin aber auch jetzt schon dabei,wegen des Älter werdens in ein Frauenwohnprokekt,die Beginen,einzuziehen....ansonsten auch immer gerne Möbel rücken,immer gerne andere Urlaube und Orte wähle,immer gerne auf andere Menschen zu gehe....mir währe es zu Langweilig an ALTEM festzuhalten...wünsche allen einen schönen Tag,Eva

  11. Andrea schreibt am 29. April 2009 um 18:11

    ich glaube, dass jeder Tag Veränderung bedeutet. Die Frage ist für mich, wie bewusst nehme ich die Veränderungen um mich herum und an mir selbst wahr. Es ist immer ein kleiner Abschied und ein kleiner Neuanfang. Das heißt ja nicht, dass ich mir nicht auch ein wenig Beständigkeit wünsche, in dem ich mir vornehme: solange ich bestimmte Dinge brauche, möchte ich sie mir auch gern bewahren. Nach Feng Shui soll man ja öfters mal "ausmisten", damit Neues kommen kann....
    Wahrscheinlich kommt es auf den richtigen Mix von Veränderung und Bewahren an. Die Schlange streift ihre Haut ab, aber sie bleibt dennoch auch sie selbst. Sie häutet sich immer für den für sie richtigen Zeitpunkt. Das ist, finde ich, ein sehr interessanter Aspekt!
    In diesem Sinne wünsche ich uns allen die richtige Balance und ein gutes Gefühl fürs richtige Timing!

  12. Susanne schreibt am 30. April 2009 um 00:34

    Erkenntnis ja... doch wie dran arbeiten?

    Ich weiß schon seit Jahren: Ich bin ein Bewahrer, und zwar von der extremen Sorte. Wenn ich mich in einer Situation eingerichtet habe, dann möchte ich sie so lange halten, wie ich kann. Und jede Veränderung daran (z.B. Umzug, neue Jobsuche) macht mir extrem zu schaffen, belastet mich seelisch, und lähmt meine Kräfte.

    Auch wenn mir die Erfahrung der Vergangenheit zeigt: Nach anfänglicher Umgewöhnung geht's auch nach Veränderungen gut weiter - ich mag die Veränderungen trotzdem nicht.

    Meine Frage an Tannia Konnerth: Gibt's dazu Tipps, wie ein Bewahrer sich mit Veränderungen leichter tut?

  13. M.Dikti schreibt am 3. Mai 2009 um 18:33

    Am einfachsten ist der Wochenplan von Zeit zu leben, immer wenn ich etwas geschafft habe dh.mindestens 7 Ziele an Tag,streiche ich sie durch und bin einen Moment lang glücklich. Irgendwann wird das zur Gewohnheit und man vermißt seinen alten Bewahrer auch nicht mehr.