Jemand sein oder jemand werden?
Von Tania Konnerth • 17 Kommentare
"Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden."
– Philip Rosenthal
"Der ist wer." – so drücken wir Hochachtung aus. Jemand zu sein, das scheint ein hehres Ziel. Da mutet das Zitat von Philipp Rosenthal, welches in dieser Woche für Sie ausgewählt habe, etwas befremdlich an. "Wer will schon etwas werden, wenn er etwas sein kann!" könnte man einwenden.
Aber, Moment – das Zitat verdient einen zweiten Gedanken. "Jemand zu sein" markiert einen Endzustand, ein Angekommensein. Und was damit zusammenhängt ist leider oft Stillstand.
Was bedeutet es denn, "jemand zu sein"? Dass wir nichts mehr haben, was wir anstreben? Kein Ziel mehr? Heißt es, dass wir nicht mehr an uns arbeiten müssen? Dass wir gleichsam "fertig" sind?
Ich persönlich glaube, dass etwas zu sein immer nur ein Zwischenschritt ist. Quasi wie eine Stufe, die wir erklommen haben und nach der dann eine weitere Stufe wartet, erklommen zu werden. Oder es ist wie beim Reisen: wir kommen an einem Ort an, was aber nicht heißt, dass es nicht noch viele weitere Orte gibt, zu denen es sich zu reisen lohnt.
In diesem Sinne finde ich es für mich selbst erstrebenswerter, zu werden als zu sein. Und Sie?





Spannend - mir kam zu "jemand sein oder jemand werden" spontan der Gedanke "Wenn ich jemand bin, muss ich nicht um jeden Preis jemand werden" - wahrscheinlich angestoßen durch all die Karrierediskussionen um mich herum im Moment...
tinka-etoile
Hallo Tania,
das hat mich spontan angesprochen!
Kann man nicht nur dann jemand werden, wenn man innerlich schon der Jemand ist, der man sein wird?
Meiner Erfahrung nach kommt Erfolg von Innen, und klar, wird man nie irgendwo wirklich am Ziel sein (für die unter uns, die an ein Leben nach dem Tod und/oder an Wiedergeburt glauben, noch viel mehr). Und um ein Ziel zu erreichen, muss ich erst einmal innerlich der Mensch werden, der das Ziel erreicht hat, muss mich anders verhalten, neue Dinge tun.
Die Person, die jetzt 60 Kilo wiegt, sich gesund ernährt und Sport treibt ist sicher nicht die gleiche Person, die vor 3 Jahren noch doppelt so viel gewogen hat und Schokolade bis zum Abwinken gefuttert hat, während im Fernsehen die Talkshows laufen - auch wenn im Ausweis immer noch der gleiche Name steht.
Liebe Grüße
Tobias
Man ist immer nur der, der man ist.
Sein ist das einzige was es gibt.
werden ist ein konzept.
Man kann sich ziele setzen, pläne haben .. alles wunderbar auch toll wenn man sie einhält und sich etwas scheinbar verändert.
aber die zufriedenheit, das glück. der frieden mit dem leben existiert immer nur im SEIN, nie im Werden.
das "Werden" ist immer nur ein konzept, eine idee.
solange man die idee nicht mit der wirklichkeit, dem SEIN verwechselt und daran verzweifelt ist alles in ordnung.
Ich BIN, denn das ist das einzige was real ist.
gruss
Tan
Ich bin mir nicht sicher, ob das "etwas Sein" das Werden wirklich ausschließt. Es sind für mich nicht ganz die richtigen Gegensätze.
Haben oder Sein, so wie Fromm sein Buch betitelt hat, scheint mir da plausibler zu sein.
@ Hubert
"sein" und "werden" sind auch keine Gegensätze. "Werden" ist ein Geisteszustand (da wollen wir hin - Ziel) und "sein" ist die Gegenwart (das sind wir). Sie schließen sich nicht aus, es sind nur zwei unterschiedliche Ebenen...
Ja sicherlich Kristina, ich hätte Gegensätze in Paranthese setzen sollen.
Es sind keine Gegensätze und deswegen kann auch nicht derjenige der glaubt etwas zu sein, aufhören etwas zu werden, wie Rosenthal meint.
Aber vielleicht meint er etwas viel Profaneres oder Trivialeres, nämlich das derjenige, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht, sich seine eigenen Entwicklungspotentiale nimmt. Stimmt natürlich auch nicht wirklich, weil Entwicklung immer stattfindet....
Klar BIN ich immer der Mensch, der ich eben gerade jetzt BIN. Zu diesem Menschen bin ich aber GEWORDEN - durch meine Gedanken, Entscheidungen, Handlungen in der Vergangenheit.
Ich betrachte das gesamte Leben als einen Prozess des Werdens (im Verlauf des Lebens)und gleichzeitig des Seins (im jetzigen Moment). Das schließt sich doch nicht gegenseitig aus. Im Jetzt kann ich immer betrachten, ob mir der Mensch, der ich jetzt bin, gefällt. Und wenn nicht, kann ich ja beschließen, die zu werden, die mir besser gefällt. Und dann das Entsprechende tun.
Das Zitat selbst löst bei mir allerdings eher die "profaneren" Assoziationen aus, die Hubert in seinem letzten Kommentar nannte, dass man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen sollte. (Außer ner kleinen erfrischenden Pause zwischendurch mal natürlich!)
Einen schönen Tag noch für alle!
Wer meint Weisheit gefunden zu haben hat sie schon verloren - sagt ein chinesisches Sprichwort - oder war es Sokrates?
Ich würd's ebenso interpretieren, dass man Entwicklung Raum geben sollte - ohne verkrampft danach zu streben oder sich selbstzufrieden auf vermeintlichen Lorbeeren auszuruhen.
Sein oder nicht sein, das ist hier NICHT die Frage. :-))
Ich schließe mich Tan an: Aufwachen im ICH BIN, darum geht's. um den Zusatnd der Einheit. Dennoch lässt sich für mich WERDEN und SEIN verbinden: WERDE DER DU BIST! trifft es mich am ehesten. Happy being ! ;-)
Mich hat es früher immer erschreckt, wenn ich jemanden habe sagen hören: Aus dem Kind wird mal was! – Ja, ist es denn heute noch nichts??? Und dann habe ich gemerkt, dass SEIN und WERDEN zusammengehören: Die Pfirsichblüte ist - als Blüte genommen – perfekt. Und doch steckt darin die Frucht – oder sogar der Baum – die sie werden kann. Der Fruchtknoten wiederum ist als Fruchtknoten perfekt – und auch er trägt das Potenzial des Baumes in sich. So kann ich beides schätzen: Das, was ich jetzt gerade bin – und das wissen, dass darin das Potenzial für mehr ist!
Man wird jemand und dann ist man jemand. Aber um jemand zu bleiben muss man was tun. Denn wenn man stehen bleibt, ist man ganz schnell wieder niemand mehr. (Mal abgesehen davon, dass ich denke, dass grundsätzlich jeder jemand ist. Aber es ging ja darum, jemand bestimmtes zu sein, der man noch werden will) ... ich hör auf, bevor es noch komplizierter wird. :)
Einen schönen Sonntag allen.
LG Heike
alles auf dem Weg ...
...und der Mensch bleibt Mensch :-)
allen einen guten Start in die kommende Woche.
Hm.... Mich sprach dieser Spruch eben sehr an.... und ich war überrscht, so viele Kommentare zu lesen, die dem "Werden" gegenüber so... naja, nicht negativ, aber auch nicht positiv sind...
Für mich persönlich hat das "Sein" etwas unangenehmes.
Schon immer habe ich diesen Ehrgeiz in mir, den Wunsch, mehr aus mir zu machen, besser zu werden, mich zu verbessern.
Als ich meine Ausbildung machte (die mir weder Spaß gemacht hat, noch Erfüllung gebracht hat), habe ich innerlich die ganze Zeit gewußt: da muß noch mehr sein, etwas das dich fordert, erfüllt...Nach der Ausbildung übernommen zu werden war ein Alptraum... der sich zum Glück nicht erfüllte, denn die Gefahr bestand, daß ich zu ängstlich sein würde, diesen faden, aber sicheren Job aufzugeben um mich in meine wirkliche "Richtung" zu orientieren. Wahrscheinlich hätte ich mir am Anfang gesagt: nur ein paar Jahre um Geld zu verdienen.... und dann mit 30 hätte ich mir wahrscheinlich gesagt: der Job ist sicher, warum sollte ich ihn aufgeben, wenn ich jetzt Kinder will..... und wäre auf ewig da versackt....
Das wäre "Sein" für mich gewesen, so war ich aber die ganze Zeit mit dem Werden beschäftigt....
Ja gut.... die Erfolgsstory kann ich jetzt zwar leider nach einem heftigen persönlichen Rückschlag nicht erzählen, aber ich "werde" mich davon erholen und meinen Weg wieder aufnehmen...
Ich bin noch nicht dreißig, will noch keine Kinder, habe einen Job, der von meinem Traumziel noch etwas entfernt ist, aber ich stagniere nicht.... und das ist das wichtigste für mich (bestimmt nicht für jeden, aber mir persönlich ist ein gewisser "Wechselrythmus" wichtig... sonst fühle ich mich unwohl - gefangen... Aber das ist nur meine Meinung, die muß man nicht teilen :-) Euch allen eine schöne Woche!
goody
"Immer werdend - selten seiend..."
Leben heißt werden und wachsen und werden und weiterwachsen und ohne Ende bis zum letzten Tag. Gut, es gibt Zeiten, da reicht es weiter zu wachsen. Dann kommt das Schicksal und schuppst und dann gibt es wieder die Entscheidung weiter oder nicht , zu werden oder zu müssen, oder zu wachsen oder nicht zu wachsen. In jedem Schritt, so denke ich, ist das SEIN dabei. Wenn wir rückschauend das ICH im seinem Werden betrachten, gibt es so vielseitige Facetten. Deshalb ist das SEIN nicht ohne das WERDEN möglich und umgekehrt.
DANKE für die Anregung . Ein wunderbares Thema für Persönlichkeitesentwicklung. Anne :-)
Wer sich nicht als Mensch fühlt,der will bestimmt einer werden !!