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Das Geheimnis guten Lehrens

Von Tania Konnerth10 Kommentare

"Zu wissen, wie man anregt, ist die Kunst des Lehrens."

– Henri Frédéric Amiel

Ich habe einmal darüber nachgedacht, wann und von wem ich in meinem Leben am besten und meisten gelernt habe. Es waren nicht die Menschen, die selbst am meisten wussten oder die am längsten redeten, die mir am meisten beibrachten. Und es waren nicht einmal die, die die neuesten Lerntechniken benutzten oder ein ausgefeiltes didaktisches System nutzten.

Am besten und am meisten habe ich von Menschen gelernt, die es geschafft haben, mich zu interessieren. Im Idealfall sogar, mich zu begeistern. Es waren Menschen, die selbst begeistert waren!

Und ich glaube, genau das ist mit dem obigen Zitat gemeint: zu wissen, wie man anregt.

Beim Lehren geht es weniger um Inhalte und noch nicht mal zwingend um die Vermittlung. Es geht viel mehr darum, das Feuer der Begeisterung für ein Thema zu entfachen – und das vor allem erst einmal bei sich selbst!

Die erste Frage, die sich jeder stellen sollte, der anderen etwas vermitteln will, ist für mich deshalb die:

Wer selbst begeistert und interessiert ist, der kann sehr oft auch andere mitreißen – und genau das ist gut für das Lernen! Meine Erfahrung ist: wer sich wirklich für etwas interessiert, der nimmt Informationen unendlich viel einfacher auf als alle, denen die Sache, um die es geht eigentlich egal ist.

Wer also anderen etwas beibringen will – ob nun beruflich oder auch im privaten Bereich z.B. bei Kindern, könnte sich im zweiten Schritt dann Folgendes fragen:

Wenn Sie sich diesen Fragen stellen und nicht nur auf die reine Informations- oder Methodenvermittlung zielen, werden Sie merken, dass Ihr Unterricht oder Ihre Erklärungen anders werden. Und damit wird sich das Lernverhalten der anderen ändern, wetten?

  1. Siggi schreibt am 23. März 2010 um 07:16

    Ein netter Artikel,

    nun stehet es ja fest, das angefangen in der Schule die besten Lehrer in den höheren Schulformen lehren, das ist leider zu spät, da die Lehrmethoden den Grundschülern nicht vermittelt werden konnten, und darum viele Schüler nicht auf die weiterführenden Schulen kommen.
    Es gehet auch nicht um das wie kann ich vermitteln, sondern darum ob mir bewusst ist wie ich den Zugang zu einer grossen Gruppe bekomme, wie ich Wissen vermitteln kann, so das es gespeichert bleibt. Dieses wird leider im Studium zu wenig gelehrt, kann darin nicht vermittelt werden, warum auch die Kinder zu viel lernen müssen.
    Es ist eine seltene Gabe, Wissen zu vermitteln, so das es gespeichert wird und abgerufen werden kann und erfordert, dass man eine Vorstellung davon hat, wie ein Gehirn die Daten abspeichert. Das wichtigste ist aber erst einmal eine bildhafte Sprache.
    Nur die " Schritte " mit den W-Fragen werden dort auch nicht weiterhelfen. Leider :-(

    P.S. ich habe jahrelang sehr erfolgreich gelehrt bei Menschen mit vollkommen differenten Eingangsvoraussetzungen.
    Die Methode dafür ist nur das Wissen wie Menschen etwas speichern können und die dazu nötige Individualität des Vermittelns

    Lieben Gruss

    Siggi

  2. Thomas L. schreibt am 25. März 2010 um 09:04

    Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.
    - Antoine de Saint-Exupéry zugeschrieben (Quelle unklar)

  3. Siggi schreibt am 26. März 2010 um 14:46

    Ja, Thomas L,
    genau das ist es :-)

  4. Heide schreibt am 28. März 2010 um 07:25

    @ Siggi

    Wie kannst du rundweg behaupten: "nun stehet es ja fest, das angefangen in der Schule die besten Lehrer in den höheren Schulformen lehren"?
    In den Grundschulen UND in den weiterführenden Schulen gibt es solche und solche Lehrer. Und Tania hat Recht damit, dass (auch) die Lehrer in den Fächern am erfolgreichsten sind, für die sie begeistert sind und daher begeistern können.

  5. Anja schreibt am 28. März 2010 um 08:03

    @siggi
    ich finde es auch sehr pauschalisierend so eine Behauptung aufzustellen. Du spielst vielleicht auf diese Preisverleihung an, aber da die Vorschläge von Schülern kommen sollten, ist es wohl logisch, dass eher ältere Schüler im Internet Vorschläge einsenden. Daraus zu schließen, es gibt keine guten Grundschullehrer finde ich sehr vermessen und du tust vielen Unrecht, die ihren Job richtig gut machen. Also, immer mal überprüfen, was man mit solchen Sätzen anrichtet!
    Begeisterung und Überzeugung zu haben für seine Sache, ist in jedem Beruf wohl das Entscheidende und das dann auf andere übertragen zu können - das können gerade Grundschullehrerinnen. Es interessiert nur weniger als in der Sek1

  6. Ulrike schreibt am 28. März 2010 um 10:23

    Das Feuer der Begeisterung entfachen, das gefällt mir! Bin Lehrerin in Sek I, und habe das immer dann erlebt, wenn ich den Schülern Möglichkeiten zum eigenen Handeln und Tun verschaffen konnte. Das waren Zeiten in denen sie eigene Potentiale entfalten konnten. Zeiten, in denen zuerst mal die Beurteilung und Benotung hintenan stand, aber die Begleitung meinerseits (Individuum und Sache im Blick) als Angebot da war.
    Mir gefällt auch, dass der reflektierende Blick zuerst auf mich selbst gerichtet ist. Bewusstheit über mich selbst zu gewinnen, ist ein wichtiger Ausgangspunkt für uns LehrerInnen.

  7. Kristina schreibt am 28. März 2010 um 14:19

    Der Artikel enthält sehr viel Weisheit. Der Kern der Wissensvermittlung, das Erzeugen von Interesse und Begeisterung, wird als Kernkompetenz eines guten Lehrers dargestellt. Hier kann ich nur zustimmen.

    Leider wird die Frage nach dem WIE nicht beantwortet.
    Und dabei gibt es doch eine Menge einfacher und wirkungsvoller Methoden, wie man Interesse und Begeisterung (=intrinsische Motivation) erzeugen kann.

    Im nächsten Schritt dann geht es um die richtige Vermittlung und da hat Siggi mit der bildhaften Darstellung vollkommen Recht.

  8. Hedi schreibt am 28. März 2010 um 15:41

    "Zu wissen, wie man anregt, ist die Kunst des Lehrens".

    Der Aussage stimme ich voll und ganz zu.

    Mein "Erfolgsgeheimnis" ist nichts Neues: Ich bin schlicht und ergreifend der größte Fan von meiner Beratungsarbeit.

    Menschen dazu zu bringen sich für sich selber zu begeistern ist einfach das Größte. Und dann in die blitzenden und leuchtenden Augen zu blicken.

    Das ist eine Wahnsinnskettenreaktion und macht Riesenspaß.

    Ich müßte eigentlich Vergnügungssteuer bezahlen.

    Schönen Sonntag wünscht

    Hedi

  9. Albrecht schreibt am 31. März 2010 um 05:50

    "Wenn kein Feuer in dir brennt, kann kein Funke überspringen" (Quelle: unbekannt)
    Wie unser Gehrin "optimal lernt", wird seit Jahren z.B. von Dr. Manfred Spitzer an der Uni Ulm erforscht. Wichtig für langfristig verfügbares Wissen (also optimiertes Lernen): die Wissensvermittlung muss mit positiven Emotionen verknüpft sein.
    Wie soll das aber umfassend in einem völlig veralteten Schulsystem funktionieren, in dem die trockenen Sachinhalte fast Jahr für Jahr potenzartig ansteigen, die Schüler aber immer noch ab dem 6. Lebensjahr stundenlang still sitzen müssen und jemandem zuhören sollen, der vorne sein geballtes KnowHow aus einem Studium und 20 Jahren Berufserfahrung herunter betet?
    Das Posting geht hier nicht gegen die Lehrer, schon gar nicht gegen diejenigen, die sich redlich Mühe geben, aus dem verkrusteten System wenigstens das Optimum für unsere Kids rauszuholen! Nein, aber das Schulsystem muss endlich an die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 30 Jahre angepasst und reformiert werden.

  10. M.Dikti schreibt am 2. April 2010 um 07:44

    Da könnte ich noch mehr Info brauchen, bin eher so veranlagt, dass ich zwei Schritte vorwärts komm, dann wieder einen zurück.
    Hatte auch noch nicht die Chance bekommen herauszufinden woran das wohl liegt, bin ein lernfreudiger Mensch, wenn es etwas dazuzulernen gibt, saug ich es wie ein trockener Schwamm auf, lerne es soar auswendig!!
    Doch leider nicht vollendet!!
    Grusse M.D