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Über die Tücken der Nähe…

Von Tania Konnerth23 Kommentare

"Nicht der fernste Mensch ist uns das größte Geheimnis, sondern gerade der Nächste."

– Dietrich Bonhoeffer

Das Zitat, das ich heute ausgewählt habe, wirkt zunächst wie ein Widerspruch in sich. Aber lassen Sie es einmal einen Moment wirken…

Ist es nicht tatsächlich so, dass wir gerade die Menschen, die uns am nächsten stehen, durch und durch zu kennen glauben? Dass wir uns aber genau damit auch durch und durch täuschen können?

Wie oft hört man z.B. gerade in Partnerschaften, die am Zerbrechen sind, den Vorwurf: „Du kennst mich doch gar nicht wirklich.“ Und wie oft ist dieser Vorwurf leider auch wahr…

Aber wie kann es denn geschehen, dass wir gleichsam blind werden für die Menschen, die wir am meisten lieben?

Vielleicht weil wir, um den Alltag zu meistern, unsere Annahmen über den anderen nicht ständig überprüfen? Weil wir unbewusst dazu tendieren, immer etwas in andere hineinzuprojizieren und das eben aus Gewohnheit und Bequemlichkeit oder auch aus Unwissenheit heraus bei unseren Lieben gar nicht mehr hinterfragen?

Und möglicherweise spielt auch der leider so häufig eintretende langsame Respektverlust eine Rolle? Denn während wir zu Beginn einer Partnerschaft den anderen regelrecht auf Händen tragen, geschieht es doch nach einer gewissen Zeit häufig, dass wir zu anderen Menschen viel freundlicher und nachsichtiger mit ihnen sind, als mit unserem Lebenspartner. Und achten Sie auch einmal darauf, wie wir mit z.B. mit unseren Eltern oder Kindern umgehen – erwischen Sie sich vielleicht auch dabei, dass Sie die Eltern und/oder Kinder anderer Menschen viel achtsamer und respektvoller behandeln?

Ein dritter Punkt dürfte wohl sein, dass wir uns der Menschen, die uns nahe stehen, über die Zeit immer sicherer werden. Wir machen uns nicht klar, dass wir auch sie verlieren können. Und so geben wir uns weniger Mühe mit ihnen (was in der Regel unbewusst geschieht).

Ich denke, dass uns das Zitat von Dietrich Bonhoeffer auf eine sehr schöne Art klar macht, wie  wertvoll und kostbar die Menschen sind, die uns nahe stehen und dass es sich lohnt, sich genau das immer wieder klar zu machen.

Schauen Sie also ruhig hin und wieder mal genau hin und erkennen Sie das Geheimnisvolle, das Einzigartige und das Kostbare in Ihrem Partner, Ihren Eltern oder Kindern funkeln. Schauen Sie auf das, was Sie diese Menschen lieben lässt.

Und – lassen Sie genau diese Liebe immer wieder bewusst in Ihr Verhalten einfließen.

  1. Beate schreibt am 18. Juli 2007 um 09:03

    Wunderbarer Text!

    Ich sehe das ganz genau so..., leider wohl zu spät, mein Mann hat sich vor einem halben Jahr von mir getrennt, weil er glaubte, ich liebe ihn nicht mehr...
    Weil in dieser Zeit gerade mein Vater gestorben ist, konnte ich das leider nicht erkennen...

    Ich würde alles darum geben, ihm die Liebe beweisen zu können, leider hat sich eine andere Frau in sein Leben "geschlichen"...

  2. Marc schreibt am 18. Juli 2007 um 19:34

    Wenn ich das kommentieren darf, Beate:

    Dein Mann glaubte, Du liebst ihn nicht mehr und trennt sich? Ging es um Deine Liebe zu ihm oder um seine Liebe zu Dir? Und ist es nicht verständlich, daß Du aufgrund dessen, daß Dein Vater gestorben ist, nicht wirklich äußerlich präsent warst? Und ich denke nicht, daß Du Deine Liebe beweisen mußt.

  3. Feri schreibt am 19. Juli 2007 um 09:09

    Sowohl Beate als auch Marc wecken mit ihren Aussagen schmerzvolle Erinnerungen in mir: habe mich, nachdem ich bemerkt habe, dass meine Partnerin an der Intensität meiner Zuneigung zu ihr leidet, noch mehr und innig um sie bemüht. Meine tiefe, ehrliche und einzigartige Liebe blieb trotzdem vergeblich - sie ist gegangen und ich weiß nicht wieso, sie sagte nur, dass sie nicht mehr könne und nicht mehr wolle. Jetzt atme, schaffe ich halt so weiter, in geistiger Nähe und körperlicher Ferne ... geheimnisvoll, nicht wahr?

  4. Hubert schreibt am 19. Juli 2007 um 22:38

    Ja Feri,
    aber Du wirst sie auch gedankliche loslassen müssen, sonst wirst Du weiter vor Dich hin leiden und nicht frei sein!

  5. Günther schreibt am 22. Juli 2007 um 10:40

    an Euren Kommentaren kann man sehr gut sehen wie es wirklich ist - jeder Mensch sieht es nun mal anders und vor allem ist anders (das ist ebenso im Tierreich).
    Ich glaube, das Entscheindende ist jeden Menschen ein Stück weit auch Ihn sein lassen. Das Ich sollte man respektieren und jeden mal von dessen Seite aus betrachten erst danach kann man versuchen eine Aussage über den Anderen zu machen.
    Auch ich habe die Erfahrungen einer Trennung schon erlebt und ich hatte mir immer gewünscht, daß ich auch mal ich sein darf und einfach so respektiert werde. Eigentlich ist es ja super, daß wir nicht gleich sind. Ich versuche immer über erlebte, gesagte oder gefühlte Dinge nachzudenken um sie für mich richtig einzuordnen oder daran zu arbeiten mich selbst zu ändern. Wichtig ist, immer zuerst bei sich selbst anfangen und stets eine Entwicklung zu machen. Eine Trennung oder Schiksale kann man nun mal nicht wirklich verhindern. Jede Änderung hat auch immer positive Seiten und sei es, daß sie erst spät zu sehen sind. Also nach vorne denken, zufrieden sein und sich entwickeln durch ändern wie selbst gewünscht anpassen.

  6. Joanna schreibt am 22. Juli 2007 um 10:56

    Hallo,
    ja, vermutlich braucht man manchmal einen Dämpfer, um sich das, was zwischenmenschlich zur "Gewohnheit" geworden ist, wieder vor Augen zu halten ...
    Mein Mann und ich führen eine gute Ehe, davon waren wir immer überzeugt. O.k., die üblichen Alltagsstressereien fanden auch bei uns statt, waren aber kurz darauf auch wieder vergessen. Wir können uns absolut aufeinander verlassen und wir können viel zusammen lachen.
    Dann kam mein Mann mit einem Herzanfall plötzlich ins Krankenhaus.
    Er wird dort auch psychotherapeutisch betreut. Früher hatte er das immer TOTAL abgelehnt, mittlerweile bin ich völlig erstaunt, was sich für Gedankenansätze dabei ergeben. (Gar nix Dramatisches, nur eben Gedanken, die zu seinen Überlegungen gehören.)
    Ich bin nachdenklich geworden + und (offen gesagt) ziemlich betroffen, dass es einige Dinge gibt, mit denen mein Mann sich innerlich beschäftigt – über die er aber mit mir nicht geredet hat. Obwohl ich immer glaubte, wir "reden über alles" ...
    Was wirklich nicht heißen soll, dass "jeder ALLES von jedem wissen muss", das ginge schon zu weit. Aber ich möchte einfach, dass mein Mann mit mir über seine Gedanken, soweit sie sein/unser Leben betreffen, reden kann und möchte.
    Mittlerweile versuche ich diesen Krankenhausaufenthalt als "Warnsignal" zu sehen, dass wir eine Chance bekommen haben, offener miteinander umzugehen. Oder was meint Ihr??
    LG
    Joanna
    @ Feri: BITTE nicht übel nehmen ... Liebe kann auch durch zu viel Liebe erstickt werden ... (Zitat: "Meine tiefe, ehrliche und einzigartige Liebe" ...)

  7. Alice schreibt am 22. Juli 2007 um 12:04

    Liebe Tania Konnerth,

    Sie sprechen mir aus dem Herzen!

    Es ist eine große Aufgabe, immer wieder neu zueinander finden zu müssen.

    Herzlichst
    Alice

  8. Tom schreibt am 22. Juli 2007 um 12:27

    Liebe Tania,
    ja, Du sprichst mir und uns aus dem Herzen. Genau diese Annahmen und die vermeintliche oder „gefühlte“ Sicherheit ist wohl die Crux. Dann steigt die Gefahr, dass eine Beziehung „einschläft“.

    Wenn geschieht denn, wenn ich vom anderen scheinbar so sicher weiß, was er jetzt wohl sagen wird? Ich spreche nicht mehr mit meinem Lebenspartner, sondern führe diese Zwiegespräche im Stillen, im Inneren. Dadurch bleibt er förmlich außen vor.

    Vermutlich ist das die Ursache, dass kaum über die eigene Beziehung gesprochen wird.

    Aber auch anders herum sollte man die Sache betrachten. Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, bei der besten Freundin und dem besten Freund über Wünsche zu sprechen, die man eigentlich an den eignen Partner hat. Und so kommt es, dann eine außen stehende dritte Person einen Wunsch erfährt, den der Partner bitte erfüllen möge. Nur, der kennt diesen Wunsch gar nicht.

    Diese Situation verschärft sich im doppelten Sinne – und mit doppelter Moral, wenn man dann „Ausflüge“ zu anderen Partner einmal genauer betrachtet. Da gesteht man einer Affäre intime Wünsche oder lebt sie gar aus, die man gern vom eigenen Lebenspartner erfüllt bekommen hätte. Und warum weiß derjenige um diese Wünsche nicht? Weil man sich schämt oder Angst hat, zurück gewiesen zu werden.

    Um Vertrauen in einer Beziehung zu erarbeiten oder es zurück zu gewinnen, hilft nur Reden, Reden und noch mal Reden. Dann wird aus einer Beziehung eine „echte Verbindung“.

    Wir nennen das bei uns privat und auch im Geschäft „verbindende Kommunikation“. Die Fähigkeiten, damit sie einfacher funktioniert, kann man lernen. Die Buchtipps stehen hier auf der Site – zum Beispiel unter „gewaltfreie Kommunikation“.

    Wer seine Beziehung genauer unter die Lupe nehmen möchte, dem empfehle ich „Glücksregeln für die Liebe“ von Pierre Franckh. Ich habe hier keine Rezension gefunden. Vielleicht kann jemand den Link ergänzen.

    Liebe Grüße aus Düsseldorf
    Tom

  9. Tom schreibt am 22. Juli 2007 um 12:28

    Und, liebe Alice.

    Ich finde, es ist eine wirklich schöne und große Freiheit, immer wieder neu zueinander finden zu dürfen.

    Liebe Grüße
    tom

  10. adalno schreibt am 22. Juli 2007 um 19:05

    Hallo Tanja,
    wieder ein wertvolles Thema.
    Viele Dinge über Partnerschaft sind schon gesagt worden, jedoch eine Ergänzung möchte ich noch dazutun.
    Ein ganz großes Manko innerhalb der Partnerschaft ist, dass wir wir meinen den anderen wirklich gut zu kennen und so gehen wir davon aus, dass der andere über Begebenheiten, Situationen, etc. genau so denkt wie wir. Und genau hier fehlt das, was schon angesprochen wurde: Miteinander reden, reden, damit wir die tat-sächlichen Gedanken des Partners erfahren. Sonst sucht sich der Partner nämlich seine Begebenheiten, Situationen, etc.
    Liebe Grüße
    adalno

  11. anne schreibt am 22. Juli 2007 um 19:48

    Das ist der schönste, aber auch nicht immer der einfachste Satz im Zusammen leben. Jeden Tag dem anderen in der Handlung und in der Nähe die Achtsamkeit zukommen lassen - der er und wir benötigen. Achtsamkeit heißt auch die Grenzen anderer und die eigenen kennen lernen und respekiteren - und nicht an der Liebe zweifeln - nur weil es mal heute nicht so klappt. Ganz nahe Nähe zulassen....

    "Nicht der fernste Mensch ist uns das größte Geheimnis, sondern gerade der Nächste."

    -- Dietrich Bonhoeffer

  12. Piet schreibt am 23. Juli 2007 um 13:21

    liebe hin liebe her,ich sag immer zu meinen kindern und meinen partner liebe ist was liebe tut. es zu sagen ist leicht (ich liebe dich ,ich hab dich lieb, aber du weiß doch das ich dich liebe,usw.).man sollte aus liebe handel.

    Piet

  13. Oliver schreibt am 24. Juli 2007 um 08:45

    Da findet sich man tatsächlich wieder und bekommt so unterschwellig ein richtig schlechtes Gewissen. Es ist, als ob man einen Spiegel vorgehalten bekommt - und des Anblicks, dessen man sich gegenüber gestellt sieht, kann man sich nicht erwehren oder vielmehr diesen ja auch nicht anzweiflen - zu erdrückend ist doch der bildhafte Beweis...

    Mir fällt dazu noch ein weiterer Grund ein, für die Tatsache, dass man anderen offenbar mit mehr Toleranz etc. begegnet:
    Der Umstand, dass man "unheimlich" viel Zeit mit dem Partner verbringt (normalerweise) und auch Einblick in Dinge des anderen hat, die eben nur derjenige selbst oder ein sehr nahestehender Mensch kennt, senkt die Hemmschwelle, den anderen auch öfters zu kritisieren (zu recht, falls konstruktiv und differenziert - oder auch pauschaliert und damit zu unrecht). Man bringt nicht mehr die Geduld füreinander auf, die man einem relativ unbekannten Menschen gegenüber aufbringt - der Unbekannte hat den Vorteil, nicht derart "gläsern" für einen Fremden zu erscheinen - er verbirgt Ungereimtheiten und Unzulänglichkeiten (mehr oder weniger) geschickt. Der "geliebte" nahestehende Mensch ist nach Jahren trauter Zweisamkeit vielmehr in allen Lebensbelangen derart bekannt für den Partner, dass er auch viel öfter kritisch hinterfragt wird. Schade - aber nur allzu menschlich, denke ich. Wünsche mir, dass meine Partnerschaft noch lange von unterschwelligen oder offenkundigen Anfeindungen und Misstrauens-bekundungen verschont bleibt. Das wünsche ich auch allen Lesern des Forums: Arbeiten Sie dran, dass die Wertschätzung nicht auf der Strecke bleibt! Dann nämlich wird auch der Partner sich auf die Einmaligkeit seines Gegenübers besinnen und seinerseits wertschätzend in Erscheinung treten.

    Liebe Grüße
    Oliver

  14. sabine schreibt am 24. Juli 2007 um 09:08

    Ich glaube auch das es so kommt. Mann wird nachlässig und merkt es nicht. Gewohnheiten schleichen sich ein. Eine Toleranz entsteht im inneren, die einem immer wieder sagt ach lasse es doch - sag einfach nichts dazu. Es gibt sonst wieder Streit. Irgendwann wird mann durch äußere Zwänge geweckt. Sei es durch Krankheit oder aber auch durch einen anderen Partner/Partnerin. Hat mann dann noch genug Liebe übrig, wird sich dessen bewusst und hat dann noch die Kraft alles durchzustehen - dann ist der Moment einer alten neuen Liebe gekommen.

  15. Andre schreibt am 24. Juli 2007 um 16:20

    Sehr weise Kommentare von gezeichneten Lebenden,
    ich wollte nur anmerken, dass der Streit, oder nennen wir es doch lieber Diskurs, immer dazu gehört, denn wer nicht argumentiert, wird auf lange Sicht die Partnerschaft verlieren, weil 2 Menschen fast nie gleich sein können (selbst Zwillinge). Redet auch über alle Bedürfnisse die sich zwar noch nicht manifestiert haben, aber die potentiell "Gefährdungscharakter" aufweisen, z.B. mit einem Extremsport Hobby liebäugeln. Habt keine Angst vor Reibungen, denn im schlimmsten Fall wird der Partner in diesem Fall nicht involviert, aber trotzdem findet eine Weiterentwicklung statt.
    Wer sich zuliebe des Partners selbst aufgibt, verschenkt ein großes Beziehungspotential.
    Andy

  16. kiki02 schreibt am 26. Juli 2007 um 11:21

    Hallo Zusammen! !!

    Ich hab da ein Problem: Ich (30) habe den wunsch eine Familie zu Gründen, mein Partner (31) ist damit aber total überfordert. Er kann nicht mal mit mir darüber reden und ich könnte jeden Tag heulen. Was tu ich da ??

    Ich würde so gerne mit ihm darüber reden, aber er will nicht und ich möchte ihn damit auch nicht in die enge treiben. Ich würde mir so wünschen das er sich das vorstellen könnte bzw mit mir wenigstens darüber redet.

    Seit wir das Thema mal angeschnitten haben ist immer so eine komisch stimmung bei uns und ich weiss nicht wie ich damit umgehn soll.

    Was tu ich da am besen wie geh ich das Prolem am besten an?? Bitte Helft mir......

  17. Tom schreibt am 26. Juli 2007 um 15:30

    Liebe Kiki02,
    ja, das kann ich gut nachvollziehen, dass Du nicht weißt, wie Du mit dieser Situation umgehen sollst.

    Ich glaub nur, dass sich dieses Thema hier und im Dialog mit nur einer der beiden beteiligten Personen nicht so einfach regeln lässt.

    Du schreibst „mein Partner ist damit aber total überfordert. Er kann nicht mal mit mir darüber reden und ich könnte jeden Tag heulen“. Und „Seit wir das Thema mal angeschnitten haben ist immer so eine komisch Stimmung bei uns und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll“.

    All das deutet auf etwas tiefer Liegendes hin, das es zu bearbeiten gilt – und meiner Meinung nach mit professioneller Hilfe.

    Ich kann Dir nur empfehlen, Dir diese Hilfe erst einmal zu suchen. Dann hast Du jemand, der für Dich da ist und Dir auch einen guten – vor allen Dingen aber professionellen - Rat geben kann.

    Siehe auch:
    http://www.netzwerk-paartherapie.de/

    Dir drücke ich die Daumen und wünsche Dir alles Gute.

    Liebe Grüße aus Düsseldorf.
    Tom

  18. kiki02 schreibt am 27. Juli 2007 um 06:25

    Hallo Tom !!

    Vielen Danke für deinen Tipp. Werd ich mal rein schaun.

    Schönen Tag noch

  19. Marianne schreibt am 30. Juli 2007 um 08:40

    Ja, man sollte nicht glauben, zu wissen, was der andere denkt, sondern nachfragen.
    Gestritten im herkömmlichen Sinn habe ich mich mit meinem Mann bisher nie; wenn wir verschiedener Meinung sind, wird drüber geredet, sachlich, und so lange, bis ein Konsens gefunden ist, mit dem wir beide leben können.
    Wobei keine Entscheidung in Beton gegossen ist, sondern durchaus auch wieder hinterfragt werden kann.
    Reden hilft; nur bedeutet das nicht, dem anderen mit immer dem gleichen Thema auf die Nerven zu gehen, sondern durchaus auf passende Situationen und Momente zu warten.

    @Kiki02: Weinen hilft da nicht; wenn er keine Familie will, aber du, dann bleibt nichts als die Trennung.
    Er kann seine Meinung vielleicht in 20 Jahren noch ändern, aber du hast nur noch wenig Zeit.
    Es bringt nichts, sich Jahr um Jahr vertrösten zu lassen, und auf eine Meinungsänderung des Partners zu hoffen, denn irgendwann ist es zu spät.
    Aber die meisten Leute bleiben lieber in einer schlechten Beziehung, als gar keine zu haben.
    Aus meiner heutigen Sicht heraus (ich bin 47 und durch genau so eine Situation auch kinderlos geblieben), würde ich ihm ein Ultimatum stellen, maximal 6 Monate, und dann konsequent gehen.
    In diesen 6 Monaten solltest du das Thema von dir aus nicht wieder ansprechen und auch nicht als stiller Vorwurf in der Ecke sitzen.
    Hier geht es um DEIN Leben, mache dich nicht in solchen fundamentalen Fragen abhängig von der Entscheidung eines anderen.
    Und bitte KEINESFALLS "zufällig" schwanger werden, das geht in die Hose.
    Auch du hast einen Menschen verdient, der aus voller Überzeugung JA zu dir und einer gemeinsamen Familie sagt, und nicht jemand, der nicht zu Potte kommt.
    Und alle Worte von Liebe nützen nichts, wenn das Verhalten anderes sagt.

    Liebe Grüße, Marianne

  20. Morgenfrau schreibt am 5. August 2007 um 06:32

    Liebe Leute,

    hier schreibt Morgenfrau zum Thema.

    Inzwischen im reifen Alter habe ich festgestellt, dass mir zuviel Nähe nicht gut tut. (Geschieden und eine jetzige enge Partnerschaft von 14 Jahren in Auflösung begriffen).

    Meine Wunsch-Vorstellung von einer Partnerschaft wäre:

    Jeder hätte eine eigene Wohnung und wir treffen uns regelmäßig, am Wochenende auch mal bei mir zuhause oder beim Partner.

    Jeder Partner hätte Zeit für seine eigenen Bedürfnisse und kann trotzdem Treue einhalten.

    Ich glaube, ich brauche einen gewissen Freiraum, weil ich gut mit mir allein zurechtkomme. Ich liebe Zeiten, in denen ich ohne schlechtes Gewissen oder Pflicht das tun und lassen kann, was mir gefällt.

    Wie gesagt, nur eine Vorstellung, ob sie erfüllbar wäre, lasse ich einfach auf mich zukommen.

    Liebe Grüße
    Morgenfrau

  21. relik28 schreibt am 8. August 2007 um 11:05

    Hallo zusammen,

    habe einiege Briefe gelesen und finde sie interessant.
    Bin 52 Jahre,und selbstständig. Habe mich vor 1 1/2 Jahren von meinem Freund,mit dem ich 14 Jahre nur wie Bruder und Schwester, zusammen gelebt habe getrennt,arbeite aber noch in einer Firma mit Ihm zusammen. Am anfang war es sehr schwierig,da wir aber zu gleichen teilen, an der Firma beteiligt sind, habe ich schwierigkeiten auszusteigen,obwohl es für uns beide besser wäre,aber ich weis auch nicht so recht,was ich machen kann. So bin etwa 40 km weiter gezogen, habe nach etwa 3 Monaten, einen Herrn kennen gelernt,der in das gleiche Haus gezogen ist. Wir haben uns,über längere Zeit nur unterhalten,über alles mögliche,es war mir immer sehr angenehm mit Ihm zu reden. Bis sich ganz plözlich ein sehr schönes Gefühl in mir regte,aber bei Ihm auch. Wir sind jetzt schon ein 3/4 Jahr zusammen,und er wohnt auch bei mir in der Wohnung,wobei er seine Wohnung unten drunter auch hat,die wir alls Hobby raum nutzen. Wir hatten eine Zeit wo wir immer aneinander geraten sind,mit Diskussionen, Ich meinte er müsse mich immer fragen,wenn er noch auf dem Heimweg,Einkaufen oder mal ins Bauhaus oder aber auch,er hatt 2 Erwachsene Kinder, mal vorbei fährt. Hatte auch immer das Gefühl, das wenn er diese Sachen macht,oder aber auch eine andere Frau anschaut, das er mich nicht mehr so viel Liebt, und habe mich abgeschoben Gefühlt. Habe mitlerweile aber schon versucht, in manchen Sachen,dies alls nicht mehr so schlimm anzusehen. Er ist sehr lieb,und sagt und zeigt mir das auch.Allerding, gibt es dann bei mir meisten so eine mißstimmung,das ich schlecht auf ihn zugehen kann, da er Gefühlsmähßig auch sensiebel reagiert,ist es bei Ihm genauso,es dauert dann immer 1-2 Tage,wo wir auch miteinander reden,bis sich das wieder legt.Bei meinem vorheriegen Partner,wir haben alles gemeinsam gemacht,nähe und liebe war nur Platonisch,er war auch sehr launisch,hat sich über Probleme, nieh mit mir unterhalten. Habe mich nieh richtig mit mir selber beschäftigt. Habe mich gestern bei Zeit zu Leben Coach angemeldet,um verstehen zu lernen,warum ich so reagiere,und mich vieleicht etwas besser, kennen zu lernen. Es wäre sehr nett,wenn sich jemand zu meinem Text melden würde. Viele Grüße relik28

  22. Monika schreibt am 10. August 2007 um 21:56

    Hallo Tanja,

    der Text macht mich ziemlich nachdenklich, besonders in Bezug auf Eltern und Kinder. Beide sucht man sich ja nicht aus und es ist ja nicht immer nur so, dass man wie Klone voneinander wäre, sondern massiv unterschiedlich sein kann im Bezug auf Werte, Umgang mit Problemen, Zielsetzung, Streitkultur und Lieblingsbeschäftigungen.

    Man hat mit Ihnen eine lange Tradition und doch kann es so gravierende Unterschiedlichkeiten geben, dass man sich manchmal fragt, wozu man immer noch in Kontakt ist? Wäre es nicht sinnvoller, sich eine Wahlfamilie zu suchen, wenn einfach keine Harmonie herstellbar ist, wenn man einfach nicht respektiert wird in seinem So- bzw. Anderssein?

    Haben nicht gewählte, aber in der Überzahl vorhandene - Familienmitglieder das Recht einen Abweichler von der Familiennorm als Versager oder Sonderling abzustempeln?

    Ich tendiere momentan sehr dazu, mir eine Wahlfamilie zu suchen, Menschen, mit denen man Lachen kann, die sich zusammen freuen können über Erfolge, die gerne nachdenken über alles Mögliche, die sich gerne verändern ... Familie soll doch eine sich gegenseitig respektierende und unterstützende Einheit sein und keine, die mit Fingern auf
    angeblich nicht dazupassende Familienmitgleider zeigt.

    Einen schönen Abend noch
    Monika

  23. achillea schreibt am 9. Dezember 2008 um 10:16

    Hallo,
    auch wenn das Zitat schon vor längerer Zeit aktuell war, für mich war es schön zu lesen, dass es einige Menschen gibt, die sich über Nähe und Distanz Gedanken machen, manchmal kommt es mir vor, als wäre ich eine der Wenigen, zumindest in meinem Umfeld.
    An Joanna:Ich habe die gleichen Erfahrungen gemacht und vor allem die Gedankengänge wie du...
    Meine Beziehung ist ähnlich, wir verstehen uns gut und wir reden auch viel miteinander, aber manchmal ist es mir nicht genug,und ich komme an die Seelenwelt meines Mannes nicht heran.Das finde ich sehr schade, da ich finde, dass es wichtig ist, sich auf dieser tieferen Ebene auszutauschen..
    Gerne hätte ich gewusst, wie sich die Beziehung bei Joanna mittlerweile entwickelt hat, vielleicht gibt es hier eine Möglichkeit des Austausches..
    achillea