Öfter inneren Frieden erleben
Von Ralf Senftleben • 27 Kommentare
Konrad Adenauer hat mal einen wundervollen Satz gesagt:
Nimm die Menschen, wie sie sind. Andere gibt es nicht.
Wow! Ist das nicht eine tolle Lebensphilosophie? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber es gibt so viele Leute, die sich ständig darüber aufregen, was andere tun oder nicht tun. Wenn wir die anderen einfach so nehmen würden, wie sie sind, gäbe es deutlich weniger Unfrieden auf der Welt. Davon bin ich überzeugt.
Macht das für Sie Sinn? Oder eher nicht?
Ich habe hier einige Leitfragen für Sie, mit denen Sie noch tiefergehend darüber nachdenken können:
- Was wäre, wenn ich die Menschen in meiner Umgebung (im Beruf, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Supermarkt) einfach so (an)nehmen würde, wie sie sind?
- Was wäre, wenn ich von anderen nicht länger erwarte, dass sie sich so verhalten, wie ich es für richtig halte?
- Wie wäre es, wenn ich mich weniger mit den Fehlern anderer und mehr mit meinen eigenen Bedürfnissen, Herausforderungen, Zielen und Wünschen auseinandersetzen würde?
- Was wäre, wenn ich immer mehr daran glauben würde, dass es meine freie Entscheidung ist, mich über andere zu ärgern oder aufzuregen, weil mich ja niemand dazu zwingt? Und was wenn ich mich dazu entscheiden würde, einfach damit aufzuhören?
- Was würde das mit meinem Gefühlshaushalt machen, wenn ich anderen Menschen wirklich und aufrichtig verzeihen könnte, die mich verletzt haben?
Diese Fragen können einiges bewirken, wenn Sie wirklich darüber nachdenken. Und dazu möchte ich Sie mit diesem Tipp herzlich einladen. Versuchen Sie es ruhig.
Es kann gut sein, dass Sie damit einen weiteren Schritt in Richtung “innerer Frieden” machen.






Ja!
Das Leben wird schöner und einfacher, wenn ich in der Lage bin, anderen ihre schlechte Laune zu verzeihen. Wenn ich in der Lage bin, mitfühlend zu sein, weil ICH es möchte, und mich nicht jemand versucht, dazu zu zwingen.
Ich bin Verwalterin meiner eigenen Gefühle. Ich kann alles geben. Wem ich will, wann ich will.
Ich kann mir nicht alles schön reden, aber ich persönlich glaube, der Schlüssel zum Glück ist manchmal auch, manches einfach nur beobachtend zur Kenntnis zu nehmen - statt es persönlich zu nehmen.
Wenn wir zu uns selbst verzeihend und verständnisvoll sind, mit uns selber nicht so streng sind, können wir das glaube ich auch auf andere anwenden.
Und wenn ich es schaffe, anderen zu verzeihen, kann ich auch mir selber wohlwollend gegenüber sein.
Alles Liebe, FL
Immer wieder nehme ich mir das vor.
und immer wieder passiert es doch, dass ich Erwartungen an andere habe und ent-täuscht werde.
Aber es gibt auch das, dass ich es - oft nach mehreren Anläufen - schaffe und dann ändert sich vieles, manchmal sogar die, die ich vorher gern anders gehabt hätte.
Schade, dass es so mühsam ist, sich da zu ändern!
Umso mehr ein Grund, so eine mühsame Änderung nicht von anderen zu erwarten!
Ganz meiner Meinung !
Nur ist es nicht ganz so einfach, so etwas den Eltern beizubringen, die oft versuchen, ihre erwachsenen Kinder zu "verbiegen", so wie sie sie gern hätten.
Leider hat meine Mutter kein PC und Internet, weil dann hätt ich ihr das mal gesendet.
Ich kann die Menschen so akzeptieren wie sie sind und versuche noch nicht mal, sie zu verändern.
Zitat:
"Kein Mensch ist auf diese Welt gekommen, um so zu sein, wie andere ihn haben wollen"
Das ist ein lebenslanger Übungsstoff! :-) Wunderbar anzuwenden bei Anderen. Nicht immer leicht, wenn man es selbst beherzigen möchte. Doch allein um diese Zusammenhänge zu wissen, bringt Freude und Freiheit ins Leben.
Alter Spruch meiner Oma: Sich selbst bekriegen, ist der schwerste Krieg, sich selbst besiegen ist der schönste Sieg!"!
Wobei ich da schon mal meiner Oma widersprechen würde, würde sie noch leben. Man muss sich nicht bekriegen und man muss nicht siegen. Sich mit all seinen Schwächen selbst anzunehmen, ist die beste Voraussetzung, auch die anderen mit einer freundlichen Gelassenheit anzunehmen. Im Grunde genommen gibt es nichts zu verzeihen, wenn man bedenkt, dass es keine Schuld gibt...
hmm, was ihr da schreibt versuche ich schon lange. aber so einfach ist das nicht. oft bleibt nur der rückzug. wenn ich nämlich meine wünsche, bedürfnisse ernst nehme, ist das mit dem annehmen garnicht so einfach. ich kann jemanden lassen wie er ist, aber wenn sein "sein" im widerspruch zu mir steht, muss ich irgendwie reagieren.
ich würde den satz anders formulieren:
statt: "Nimm die Menschen, wie sie sind. Andere gibt es nicht." würde ich eher sagen
"Nimm die Menschen, wie sie sind. Und suche dir die heraus, die zu dir passen."
ich versuche, keine anderen erwartungen an andere menschen zu haben, als die, die sie selbst von sich äußern. allerdings erschreckt mich der widerspruch zwischen selbstdarstellung und realität immer wieder. auch hier sind ent-täuschungen unvermeidbar. aber mit der zeit findet man menschen, die wirklich "passen".
wenn ich merke, dass ich mich über andere aufrege, überlege ich mir, wie wichtig mir dieser mensch wirklich ist. kommt als antwort "ist mir eigentlich egal" raus, versuche ich einfach den weiteren kontakt zu vermeiden. weil, ändern kann ich sie nicht - und wenn ich mich nicht weiter ärgern will ... ist eben rückzug angesagt.
mit dieser strategie komme ich inzwischen recht gut durch. habe langjährige tiefe freundschaften - aber eben nicht die masse an guten bekannten.
Hallo,
es gibt Dinge, die einem sooo Angst machen,dass sie ein Leben lang davor Angst haben. und es auch nicht verhindern können, gefühlsmäßig jedesmal daran beteiligt zu sein, es auch nicht abstellen können.Denn der Körper reagiert trotzdem.
"Wie wäre es, wenn ich mich weniger mit den Fehlern anderer und mehr mit meinen eigenen Bedürfnissen, Herausforderungen, Zielen und Wünschen auseinandersetzen würde?"
Ich habe mich entschieden den Kampf gegen einen großen Multi-Utility(Versorgungs)Unternehmen mit mafia-artiger Vorgehensweise wegen massiver Naturgefährdung und Profitgier über die moralisch zulässige Gewinnerzielung hinaus zu führen.
Ich bin deswegen umringt von Menschen, die mir mehr als nicht wohlgesonnen sind (lebensgefährliche Übergriffe mit eingeschlossen), zumindest bei den Gegnern und ihre Sychophanten.
Da bleibt wenig Zeit für eigene Bedürfnisse und mit den Fehlern der anderen bin ich tagtäglich nicht nur konfrontiert - ich muss sie auch noch gerichtsfähig nachweisen. Und diesen Menschen verzeihen? Nun, denn - das ist so eine Sache: Ich brauche die Wut um überhaupt die Power für den Kampf zu haben.
So viel zu innerer Zufriedenheit, die ich allerdings trotzdem herstelle, in dem ich weiß, dass das was ich tue sinnvoll und wichtig für die Allgemeinheit ist. Irgendjemand muss es tun, wenn man nicht widerstandslos den Gegnern die Macht über sich überlassen will.
So lange noch eine Chance besteht, halte ich mich an ein anderes Zitat: Wer aufgibt hat schon verloren!
Hallo,
Euren Newsletter lese ich schon lange und finde immerwieder tolle Anregungen. Zum Widerspruch reizte mich noch keiner Eurer Beiträge. Bis heute.
Denn so einfach ist es nicht und darf es meiner Meinung auch gar nicht sein: Menschen, die (Ihre Kinder) schlagen, morden oder sonstiges Unrecht tun, kann und will ich gar nicht so annehmen wie sie sind.
Und ja, ich erwarte, daß Sie sich so verhalten wie ich (und das gemeinsame Wertsystem unserer Gemeinschaft) es für richtig halten.
Auch schließt es sich nicht gegenseitig aus, sich einerseits mit sich selbst auseinanderzusetzen und andererseits mit den Fehlern anderer. Im Gegenteil. Ich habe an mir selbst festgestellt, daß ich für mich vieles daraus gelernt habe, was andere falsch gemacht haben.
Und es ist mitnichten (m)eine freie Entscheidung mich z.B. darüber aufzuregen, wenn ich z.B. auf dem Spielplatz eine Mutter ihr Kind windelweich schlagen sehe.
Im letzten Punkt stimme ich Euch vorbehaltlos -also unabhängig von den strittigen anderen Punkten- zu: wirklich und aufrichtig zu verzeihen gut sehr gut. Deshalb sehe ich auch gerne nach, daß Euer Tipp diesmal gedanklich etwas zu kurz gegriffen hat. ;-)
Mit den besten Wünschen
Martin.
Martin, ich weiß was du meinst. Und du hast auch auf jeden Fall deinen Punkt, mit dem was du schreibst.
Die große Frage ist, was mehr und besseres bewirkt:
1) Die Ablehnung und die daraus entstehende Wut und der Kampf (was ja oft zur Eskalation und zu verbrannter Erde führt) und letztlich zu nicht mehr als dem Gefühl, man hätte ja wenigstens etwas getan.
Oder 2) das Verständnis und das Akzeptieren der Realität, dass wir Menschen nun mal alle gute und schlechte Seiten in uns tragen, die je nach Situation und nach Umfeld und nach Erziehung an die Oberfläche kommen.
Und etwas, das in meinen Augen oft missverstanden wird: Nur weil ich etwas akzeptiere (was ja so viel bedeutet wie zugeben, dass etwas so ist, wie sie ist) bedeutet nicht, dass mir etwas gut heißen muss oder dass ich nicht trotzdem etwas dagegen unternehmen kann.
Ich würde sogar behaupten, dass man etwas erst akzeptieren muss, bevor man wirklich wirksam etwas dagegen unternehmen kann, weil man sonst viel zu sehr in seiner eigenen Wut und seinem eigenen "Schatten" verheddert ist.
Denn wie viele Menschen haben schon um etwas Schlechtes zu bekämpfen, weitaus Schlimmeres angerichtet?
Das ist aber natürlich nur meine Sichtweise auf dieses Thema. Über diese Frage diskutieren Philosophen und Politiker ja schon seit Jahrhunderten.
ich habe mir eine recht hilfreiche "Esels"-brücke geschaffen:
ich bin ich und wie soll ich wissen wie der andere ist/denkt?
M. a. W.: ich kann nicht erwarten, dass jemand immer genau das dupliziert, was ich möchte, dass er es tut. Ich finde orange ist eine schreckliche Farbe!!! - und wieviele finden gerade diese Farbe schön! - da fängt es doch schon an und lebe ich etwa schlechter damit, dass jemand anderes diese Farbe schön findet?
Ich glaube je gesünder (d.h. ohne Arroganz etc.) das eigene
Selbstbewusstsein desto weniger wichtig ist es, dass der andere ebenso denkt wie ich. Letztendlich ist jede Form von Rechthaberei (ebenso Intoleranz !) eine Form von mangelndem Selbstbewusstsein, d.h. wenn einen etwas am anderen ärgert, dann hat das IMMER nur etwas mit einem selbst zu tun - sonst würde es einen nicht ärgern!!!!!!
Es lebe der Wille zum Frieden mit sich selbst!!!!!!
Der Satz von Konrad Adenauer begleitet mich gerade in letzter Zeit wieder verstärkt und ich versuche diesen an meiner Arbeitsstelle, an die ich nach 18 Monaten Aus-Zeit wieder zurückgekehrt bin, anzuwenden. Gar nicht so einfach!
Die größten Schwierigkeiten habe ich diesbezüglich mit meinem Chef und den KollegInnen, welche teilweise menschenverachtend miteinander umgehen. Ich habe beobachtet und wahrgenommen, dass es immer die Menschen mit wenig Selbstbewußtsein sind, welche zu Opfern werden. Mit mir gehen alle achtsam, einschließlich mein Chef, um. Ich denke, dass das Vorleben des Miteinander-Umgehens eine große Kraft und Möglichkeit zur Veränderung ist. Für mich die einzigste Chance meine Teilzeit-Arbeit einigermaßen zufrieden und in Frieden mit mir und den Mitmenschen zu leben. Ich gebe die Hoffnung nicht auf durch mein Vorleben zukünftig etwas zu verändern.
Das aktuelle Thema spricht mich auch sehr an. Vom Kopf her
ist mir klar, dass ich andere Menschen nicht ändern kann,
aber meinen Gefühlen bich ich halt oft machtlos. Mein Bruder
distanziert sich seit einigen Jahren von mir. Er meldet sich
bei mir nicht, sondern ich glaube, er erwartet von mir, dass
ioh immer den 1. Schritt machen soll. Ich hoffe, dass ich
meine Gefühle in Zukunft besser in Griff bekomme und dass
ich meinen Bruder so akzeptieren kann wie er ist.
Liebe Grüße
Berthold
Ich lebe schon lange nach dem Wirklcih wunderbaren Satz von Adenauer, nur leider lassen es manchmal andere Menschen nicht zu.
Wenn andere ständig an einem herumbasteln und sich die ideale Arbeitskraft, den idealen Partner "basteln" wollen. Da muss man einfach mal sagen, wo es lang geht und kann diese Menschen nciht einfach nehmen wie sie sind und gelassen daneben stehen.
Würden alle Menschen so tolerant und respektvoll miteinander umgehen, dann wäre das ein wunderbares Leben im Sinn von Adenauers Zitat!
Ich versuche andere mit meiner Einstellung sanft zu infiszieren, nicht zu verändern oder zu manipulieren. Wenn diese wollen, dann können Sie diesen Gedanekn aufnehmen in ihr Leben.
Es lebe die Toleranz und die respektvolle Umgangsweise!
Lieben Gruß
Sylvia
Ich lebe schon lange nach dem Wirklcih wunderbaren Satz von Adenauer, nur leider lassen es manchmal andere Menschen nicht zu.
Wenn andere ständig an einem herumbasteln und sich die ideale Arbeitskraft, den idealen Partner "basteln" wollen. Da muss man einfach mal sagen, wo es lang geht und kann diese Menschen nciht einfach nehmen wie sie sind und gelassen daneben stehen.
Würden alle Menschen so tolerant und respektvoll miteinander umgehen, dann wäre das ein wunderbares Leben im Sinn von Adenauers Zitat!
Ich versuche andere mit meiner Einstellung sanft zu infiszieren, nicht zu verändern oder zu manipulieren. Wenn diese wollen, dann können Sie diesen Gedanekn aufnehmen in ihr Leben.
Es lebe die Toleranz und die respektvolle Umgangsweise!
Lieben Gruß
Sylvia
Die Menschen so nehmen, wie sie sind - o.k.
Das was sie tun oder unterlassen, ohne Widerspruch annehmen, das ist schon nicht immer o.k.
Als Betriebsrätin einer Weltfirma konnte, wollte und durfte ich nicht einfach das Tun gewissenloser Manager hinnehmen. Da galt eben nicht: nimm die so (gleichgültig, menschenverachtend, arrogant ....) wie sie sind, es gibt keine anderen.
Auch Nachbarn können z.B. einfach Hecken an der Grundstücksgrenze pflanzen und 4 und mehr Meter hoch wachsen lassen, obwohl dies gesetzlich nicht erlaubt und auch von mir niemals erlaubt worden war. Meine Rosen, Iris, Nelken und andere Sonnenkinder bekamen keine Sonne mehr.
Soll man das einfach so hin nehmen oder eben doch sich widersetzen? Ich bekomme meinen Seelenfrieden nicht, wenn ich die Rosen rausreisse und durch Schattenpflanzen ersetze. Ich wollte Rosen, und zwar genau die, die da stehen. Mein Nachbar darf sich einigeln, wie er will, oder doch nicht, nämlich auf meine Kosten?
So einfach ist das also nicht mit den Menschen. So lange ihre Lebensweise meine nicht tangiert, ist das o.k. Aber was, wenn sie gegen MEIN Schienbein treten? Lächeln und sich selbst ändern, also schmerzfrei werden??????? Und die anderen immer weiter treten lassen?????
Verscuhe das schon seit ein iger Zeit, ist aber garnicht so einfach. Unsere Gesellschaft ist halt so "gestrickt" dass wir zuerst immer die Schuld bei jemand anderen suchen als bei uns selbst. Je öfter ich aber versuche da auszusteigen und die Mensche so annehme wie sie sind desto besser geht es mir.
Ich wünsche allen eine schöne Woche.
Ich sehe meine Mutter in dem beschriebenen Konflikt mit sich selbst. Sie regt sich über andere Personen und Handlungen in Ihrem nahen Umfeld auf und vergisst völlig Ihr eigenes Leben und was Sie eigentlich will. Sie will sich immer aufregen und braucht dann die Bestätigung von anderen, das es so schlimm ist. Sie könnte die Dinge ändern, wenn man mit dem Menschen spricht, der in Ihren Augen etwas "falsch" gemacht hat oder man akzeptiert es einfach so wie es ist. Aber Sie kann beides nicht und so beschäftigt Sie sich immer weiter nur mit negativen Seiten des Lebens. Sie will die Probleme haben, das braucht Sie einfach. Sie kann andere Menschen nicht so akzeptieren, wie Sie nun mal sind und sich ggf. von Ihnen distanzieren und so sich zu den schönen Seiten des Lebens hinwenden. Ich habe mit meiner Mutter (62 Jahre alt) mehrfach darüber geredet, aber sie sie will sich nicht ändern und findet es schön, so wie es ist.
Was soll man da noch machen ?
Schöne Grüße von Franky
"Nimm die Menschen, wie sie sind. Andere gibt es nicht."
Das klingt nach Ge-lassen-heit. Darin enthalten ist das Wort LASSEN. Jemanden also sein lassen zu können wie er ist. Damit einher geht das Los-lassen des direkten oder indirekten Anspruches, jemanden nach seinem Bilde werden zu lassen, ihn oder sie also nach den eigenen Vorstellungen formen zu wollen.
Wir sollten also andere Menschen los-lassen, um uns ihnen besser nähern zu können. Aber genau das fällt uns doch zumeist schwer. Los-lassen hat für viele von uns etwas mit gehen lassen, nicht mehr darüber verfügen können, frei geben zu tun. Und gerade das führt man einigen (oder vielen?) zu Ver-lassens-ängsten. Sich binden oder den anderen los-lassen, um sich näher zu kommen? Ein Widerspruch? Freiheit geben, um Liebe und Nähe zu bekommen? Geht das?
Wenn ich es richtig erinnere, hat Rosa Luxemburg einmal gesagt, daß die Freiheit auch immer die Freiheit des Andersdenkenden ist. Für mich interpretiere ich dies so, daß meine Freiheit dort aufhört, wo ich die Freiheit des Anderen einschränke. Dies gilt dann natürlich auch umgekehrt.
Oder meint der Adenauer-Spruch etwas anderes? Ist hier vielleicht die mehr britische Sicht der Dinge gemeint, wonach tolerieren gleich ignorieren ist? Leben und leben lassen?
Jemanden leben lassen nach seiner Fasson, jemanden los-lassen, jemanden gehen lassen, jemanden seine Freiheit lassen. Können wir dies innerlich zu-lassen und emotional aushalten? Wollen wir nicht lieber haben und besitzen, weil es uns Sicherheit suggeriert? Und wenn wir etwas haben und besitzen, wollen wir es dann nicht nach unseren Vorstellungen benutzen, beherrschen und darüber verfügen, damit wir es unter Kontrolle haben?
Können wir wirklich mit der Freiheit der anderen Menschen wirklich umgehen? Können wir sie aushalten?
Chefs versuchen Angestellte nach ihrem Gusto zu erziehen (oder sollte ich sagen: zu motivieren?), Eltern versuche ihre Kinder nach ihren Vorstellungen (und nicht nach denen der Kinder) zu beeinflussen, in Gruppen werden so genannte gruppendynamische Prozesse wirksam, wenn sich ein Gruppenmitglied quer stellt.
Freiheit wirkt doch eher bedrohlich, verunsichernd. Wer die Freiheit des Anderen akzeptiert, oder wenigstens respektiert, hat ja keinen Einfluß mehr auf andere. Sind wir wirklich ehrlich zu uns selbst, wenn wir sagen: "Ja, ich stimme dem Adenauerspruch zu."?
Prinzipiell stimme ich dem genannten Ausspruch von Konrad Adenauer zu. Klingt gut. Fühlt sich gut an. Weitestgehend bin ich bestrebt, danach zu leben und mit meinen Mitmenschen umzugehen. Aber... Im Alltag ertappe ich mich immer mal wieder dabei, daß ich meinem Gegenüber nun aber mal kräftig die Meinung sagen möchte, weil...
...sein Verhalten oder sein Anspruch an mich nicht nach meinen Vorstellungen ist.
In bestimmten Momenten möchte ich einfach in Ruhe gelassen werden und meiner vermeintlich grenzenlosen Freiheit im Geiste nachspüren können. Ganz im Sinne Max von Schenkendorfs:
"Freiheit, die ich meine,
Die mein Herz erfüllt,
Komm mit deinem Scheine,
Süßes Engelsbild!
Magst du nie dich zeigen
Der bedrängten Welt?
Führest deinen Reigen
Nur am Sternenzelt?
..."
Kurzum: Mir gefällt die Vorstellung, die dem Spruch Adenauers inne wohnt, aber sie scheint mir nur begrenzt im Alltag lebbar, weil wir nun einmal (deutsche) Menschen sind. Und Menschen miteinander zu tun haben, da "menschelts" nun einmal. Toleranz hin - Freiheit her.
Mir scheint es so, daß nur derjenige andere Menschen so leben und sein lassen kann, wie sie sind, der auch sich selbst so akzeptieren kann, wie er ist; Mit allen Fehlern, Schwächen und Stärken, mit allen Merkwürdigkeiten und individuellen Ausprägungen.
auch mir gefällt der ansatz im grunde sehr gut. nur erlebe ich es auch immer als einfacher, das prinzip bei anderen anzuwenden als bei mir selbst. durch das nicht-direkt-betroffen sein kann ich distanz halten und die dinge geschehen lassen. bin ich aber selber darin verwickelt, dann sieht das oft ganz anders aus.
was tun, wenn einen die wut packt? wenn ich zum beipiel mitansehen muss, wie menschen die mir sehr nahe stehen in ein totalitäres system abdriften. und wenn ich dann das gefühl empfinde, dass nur ich und aussenstehende erkennen können was mit ihnen passiert. für sie ist die welt in ihrem religiös-totalitären system vielleicht in ordnung; sie fühlen sich geborgen, geliebt und akzeptiert. kann es sein, dass es besser ist, ein leben auf einer (für einen nicht erkennbaren) lüge aufzubauen und dabei glücklich zu sein? wie weit darf ich gehen, um die-se lüge offenbar zu machen und an und für sich zufriedenen menschen somit unbequemlich-keit zuzufügen? lohnt es sich dann noch dafür zu kämpfen?
einige kommentare von euch finde ich wirklich tiefgründig und wertvoll. zum beispiel der, dass das wissen und das erkennen um das ganze bereits grosse befriedigung beinhalten kann. oder dass man trotz allem versucht, solchen ereignissen mit gelassenheit zu begeg-nen und sich nicht verrückt machen lässt. eine schlüssige antwort wird es darauf nicht ge-ben. die menschen sind – zum glück – zu verschieden.
rino
In diesem Sinne das Zitat aus dem Prophet von Kalil Gibran:
"...Eure Kinder sind nichrt eure Kinder.Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch,aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit Euch sind,gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,aber nicht eure Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken!..."
Kurzum:Lasst jedem das seine.
Herrzliche Grüsse aus Bosnien
Begzada
Hallo alle zusammen,
dieser Austausch gibt mir viele Anregungen.
Zuerst dachte ich, dass ich die Ausführungen von Ralf Sanftleben verkürzt finde. Ich denke, dass es sicherlicha auch eine Funktion hat andere verändern zu wollen. Da muss ja mehr dahinter stecken, denn sonst könnten wir in Null Komma nix das Annehmen praktizieren. Es gibt uns irgendetwas, wenn wir andere verändern.
Dann hab ich die Beiträge gelesen und mich gefragt, wie es bei mir mit dem Annehmen aussieht. Als Ziel oder Wert habe ich es schon - ich merke einfach auch, dass es mir gut tut.
Bei meinen Eltern fällt es mir allerdings sehr schwer sie anzunehmen. Da sind so viele Verletzungen - da gilt es vielleicht zu verzeihen. Aber dieses kann ich nicht durch den Kopf - ich meine, dass die Zeit dafür reif sein muss, um zu verzeihen, sonst kommt nichts an im Gefühl.
Ich frage mich häufiger, ob die Ideen von TK und RS nicht etwas sehr kognitiv sind - und für mich damit etwas begrenzt.
Gleichzeitig finde ich es super so viele Anregungen zu bekommen! Vielen Dank. Auch das Forum ist super.
Mir fällt noch etwas ein. Und zwar ist es für mich prinzipiell auch wichtiger, dass ich die Freiheit habe, zu sagen, dass mich etwas stört, was noch nicht gleich bedeutet, dass die andere Person sich verändern muss. Aber ich muss es sagen dürfen.
Vielleicht kennt das jemand.
also dann einen schönen Tag
Difi
Hey Difi,
wichtiger Punkt! Oft ist mir schon sehr geholfen, wenn ich frei (und natürlich so "lebensdienlich" wie möglich) sagen kann, was in mir vorgeht.
Grüße,
Marc
Hallo Difi
ich glaube, die eigenen Eltern anzunehmen, sie zu verstehen, ihnen verzeihen ist, wenn Verletzungen passiert sind, einer dieser Aufgaben, die manchmal sehr schwer sind.
Mir persönlich hat geholfen, sich mit den Lebensumständen meiner Eltern auseinanderzusetzen, meine Eltern waren während des Krieges kleine Kinder.
Warum nur glauben wir so oft, daß uns unsere Eltern Verletzungen zugefügt haben, die wir ihnen nicht verzeihen können.
Ich habe mir mal überlegt:
Was haben MEINE ELTERN eigentlich für Verletzungen erfahren müssen, um so zu werden?
Ich habe verziehen und so gesehen, was sie mir GEGEBEN haben. MINDESTENS mein Leben.
FL
Danke euch beiden für eure Reaktion auf meinen Beitrag!
Ja, das ist gut, einfach zu kucken, was unsere Eltern so werden lassen hat, wie sie sind. Auf die Ebene des anderen zu gehen. Das ist eh sehr wichtig für mich, um jemanden anzunehmen. Manchmal kann ich die andere Person nicht verstehen. Es gibt da auch den Satz "Nichtversehen ist die Regel, statt verstehen." Dann greife ich auf meine Erfahrungen zurück, die ich schon mit anderen Menschen gemacht habe, wenn sie mir ihre Gründe erzählt haben für dieses oder jenes. Ich sage mir in dem Moment (automatisch), dass dieser oder jener Mensch seine Gründe hat für sein handeln.
Wir haben alle unsere Gründe. Menschen sind keine sinnentleerten Dummköpfe. Es wird etwas dahinter stecken, warum sie dieses oder jenes tun.
Manchmal kann es allerdings auch krank machen, alles runterzuschlucken. Ich finde, die Möglichkeit zu sagen, was mich stört halt wirklich wichtig.
schönen Morgen noch
Johanna
Ja - Verzeihen ist schön. Und es ist gut sich klar zu machen, dass andere nunmal sind, wie sie sind.
Aber mir fehlt eine Dimension bei ihren Überlegungen. Sie erscheinen mir ein bisschen weichgespült.
"Nimm die Menschen wie sie sind. Andere gibt es nicht." beinhaltet sicherlich einerseits die Ebene des "Verzeihens" und "Annehmens" ... ABER eben AUCH die Ebene des "Hinnehmens" und "Abgrenzens": Dieser Satz macht auf die Freiheit aufmerksam die Menschen meiner Umgebung nicht verändern zu wollen - aber das heisst nicht, dass ich ihnen alles verzeihen muss. Es kann genauso gut bedeuten, dass ich hinnehme, dass diese Menschen eben möglicherweise verletzend, übergriffig oder auf andere Weise ungesund für mich sind. Und dass dies eben nicht meine Schuld ist - sondern, dass die Menschen sind wie sie sind. Und es ist auch nicht unbedingt meine Aufgabe "Frieden" mit ihnen zu machen.
Manchmal reicht es einfach zu akzeptieren, dass wir die Menschen nicht verändern können - und dass es gar nicht unsere Aufgabe ist: Sie müssen es selber tun.
Und wir haben die Freiheit auf ihr So-Sein eben zu reagieren, wie es für uns am Besten ist. In Frieden leben, bedeutet manchmal eben auch in Frieden OHNE manche Menschen zu leben. Das kann rein räumlich der Fall sein - es kann aber auch eine innere Abgrenzung sein.
"Nimm die Menschen wie sie sind." entlastet von der Vorstellung, wir müssten Menschen von dem was wir als Fehler, Problem oder Defizit an ihnen sehen heilen. Und das ist wohl das größte Geschenk, das wir bekommen, wenn wir Gelassenheit im Umgang mit anderen erlernen: Wir haben wieder mehr Kraft frei, die wir früher in die Veränderungsversuche bei anderen gesteckt haben. Und diese Energie können wir nutzen, um uns selbst zu heilen und zu verändern.
Liebe KommentatorInnen,
viele schrieben, dass es schwer sei, die Menschen so zu nehmen wie sie sind. Man könne doch nicht immer HINnehmen, was manche Menschen tun (Beispiel: Kinder schlagen, unmoralisch handeln ...)
Ich glaube hier sollten wir uns klar machen, dass Adenauer NICHT sagte: "Nimm hin, was die Menschen tun."SONDERN: "Nimm die Menschen wie sie sind.".
Es gibt ja auch die Redewendung über einen schwierigen Menschen: "Man muss ihn nur zu nehmen wissen.".
Einen Menschen "zu nehmen, wie er ist", muss also nicht bedeuten alles hinzunehmen oder sein Verhalten womöglich zu akzeptieren. Es bedeutet vielmehr, dass wir auf den Menschen in seinem So-Sein angemessen reagieren dürfen - ohne den Anspruch zu haben ihn verändern zu wollen.
Das kann uns auch die Trauer nehmen: Natürlich würden wir die übergriffige Schwiegermutter viel lieber so verändern, dass sie nett und aufgeschlossen ist. Aber manchmal muss man die Schwiegermutter eben so nehmen wie sie ist: Und das kann dann bedeuten, dass wir akzeptieren, dass sie übergriffig ist - und dass es an uns liegt ihr eine Grenze zu setzen.
Ist es nachvollziehbar, was ich damit sagen will?
Ja!