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Wer gackert denn da?

Von Tania Konnerth10 Kommentare

„Ein Kritiker ist eine Henne, die gackert, wenn andere legen.“

– Giovanni Guareschi

Wer mich schon ein bisschen länger kennt, weiß, dass „Kritik“ eines meiner Lieblingsthemen ist. Als ich obiges Zitat fand, musste ich herzlich lachen, denn es trifft meiner Ansicht nach den Nagel auf den Kopf!

Die Antwort lautet in den meisten Fällen „nein“ und weniger noch: die wenigsten Kritiker haben in dem Feld, in dem sie munter kritisieren überhaupt je selbst etwas aktiv gemacht!

Sollte uns das nicht zu denken geben?

Ganz ähnliches gilt übrigens auch im Alltag, denn achten Sie einmal ganz bewusst darauf: diejenigen, die am schnellsten mit kritischen Bemerkungen dabei sind, sind meist Personen, die selbst nicht gerade Paradeleistungen in dem Gebiet vorweisen können.

Ich finde das Bild mit der gackernden Henne jedenfalls einfach köstlich und ich hoffe, dass es Ihnen bei der nächsten Kritiker-Attacke helfen kann, die Kritik humorvoll zu nehmen und das Ganze mal aus der Sicht zu sehen: manchmal entsteht Kritik auch aus dem Frust heraus, selbst keine Eier legen zu können.

  1. kapomuk schreibt am 29. April 2008 um 06:12

    Der Grundgedanke ist - vor allem im privaten Bereich - gut. Im Profibereich ist er aber Unfug: Ein Regisseur ist selten ein guter Filmkritiker, und eine Filmkritik möchte ich lieber von jemandem lesen, der/die gut schreiben, als von jemandem, der/die gut Filme machen kann.

    -kapomuk

  2. Ursula schreibt am 30. April 2008 um 05:20

    Hallo

    ich betrachte das Thema "Kritiker" gerne aus unterschiedlichen Perspektiven.

    Zum einen gibt es Kritiker, die sich verhalten, wie Giovanni Guareschi es beschreibt und ebenso hat auch Ralf dazu eine interessante Sichtweise.
    Aktivität haben sie schon.... sie gackern!

    Sind es nicht auch die Kritiker, die uns wachsen lassen und uns veranlassen inne zu halten und nachzudenken?

    Gerade tun wir dies mit diesem Thema.

    Für mich stellen Kritiker ein interessantes Spektrum dar, schließlich gackern sie nicht auch über jeden und alles.

    Ich möchte hier gerne unter den Kritikern unterscheiden, die im täglichen Leben für mich als "Nörgelseffs" auftreten, die nörgeln, des Nörgelns willens, oder einfacher gesagt "nur" ihren Neid so zum Ausdruck bringen. Dann könnte ich es ja auch als Kompliment betrachten.

    Ein Kritiker kann ebenso einen Spiegel darstellen, in den ich gerade blicke und mich erkennen kann.

    Konstruktive Kritiker stellen für mich lösungsorientierte Menschen dar, die dafür sensibilisieren sich nicht im Kreise zu drehen und somit ein Vorankommen des bewirken.

    Ich wünsche Allen einen schönen 1. Mai

    Liebe Grüße
    Ursula

  3. Hubert schreibt am 30. April 2008 um 15:53

    Vielleicht ist das Verhältnis zur Kritik in Deutschland aus historischen Gründen ein eher angespanntes verglichen mit anderen europäischen Ländern.
    In einem Land, das lange Zeit als Untertanenstaat fungiert hat, wird Kritik möglicherweise eher als etwas überflüssiges empfunden, was bekämpft werden muss.
    Das selbständige Denken geriet ja im vorigen Jahrhundert schnell zum Ärgernis und war ein gefährlicher Störfaktor. Es hat sicherlich auch was mit der späten Entwicklung des Bürgertums in Deutschland und mit der verspäteten Einführung der Demokratie zu tun und Demokratie wird ja durch Kritik geradezu definiert. Ebenso bedingen sich Freiheit und Kritik. So wie es keine Freiheit ohne Kritik geben kann, kann auch die Kritik nicht ohne Freiheit existieren. Ein Grundpfeiler einer modernen Gesellschaft sozusagen.

    Der etwas befremdliche Ausspruch Emanuel Geibels „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ wurde sicherlich von vielen Deutschen geglaubt und Kritiker kamen schnell in den Ruf von Querulanten und Spielverderbern wenn sich nicht sogar in die Nähe von Verrätern gerückt wurden. Selbst als die Nationalsozialisten die Kritik weitestgehend abgeschafft hatten, hätte man sich doch einen stärkeren Widerstand der deutschen Intelligenz gewünscht.

    Aber zurück zur Kritik in der heutigen Gesellschaft:
    Ich finde immer noch wird werten mit abwerten verwechselt und urteilen mit verurteilen. Und immer noch wird bei einer Kritik der Schriftsteller, Künstler oder in den Focus gerückt, wobei die Kritik doch um des Publikums willen erfolgt und nicht des Autors willen.

    Ich finde wir sollten ein etwas entspannteres Verhältnis zur Kritik bekommen, schließlich trägt das Hauptwerk eines der bedeuternsten deutschen Philosophen dieses Wort im Haupttitel

  4. maxi schreibt am 2. Mai 2008 um 15:25

    Toller Artikel! ...was ich mir immer wieder dabei denke ist, dass Kritik oft einfach nur ein verkapptes Kompliment sein kann.

    Man bedenke dabei immer "einen toten Hund tritt man nie!"

    Frei nach Dale Carnegie: Gebt euer bestes und spannt danach den Schirm auf, dass euch der Regen der Kritik nicht in den Nacken läuft...

    schönen 2. mai ;-))

    maxi

  5. Sabine schreibt am 4. Mai 2008 um 09:26

    Wirklich köstlich, das Bild von der Henne!!! Da fallen mir gleich eine Reihe Mitmenschen ein - angefangen beim Ex über diverse Mitarbeiter.... - die mir schon so oft einen dicken Hals verursacht haben, nur beim Gedanken an sie. Nun erscheint mir doch sofort die Gackerhenne... und schwupps! es geht mir gut und ich kann schmunzeln :-)

    Danke für diese erheiternden Ausweg und noch einen sonnigen Sonnntag,

    Sabine

  6. Detlev Tesch schreibt am 4. Mai 2008 um 09:31

    Hallo Tania,

    danke für den inspirierenden Artikel!! :-)

    Ich glaube auch, daß es viele Kritiker gibt, auf die das prima paßt. Es wird viel gegackert. Das Fernsehprogramm ist voll davon.

    Freilich gibt es auch Kritiker, die etwas zu sagen haben, und deren Urteil etwas "wert" ist, weil sie nicht kritisieren um zu kritteln, die nicht Kritikaster sind sondern wirklich Kritiker (kritisieren heißt gut und schlecht unterscheiden).

    Ich unterscheide gerne darüberhinaus zwei Arten von Kritikern:

    - diejenigen, die "Kritiker" heißen und meist Berufskritiker sind - der Artikel nennt da ja einige Beispiele. Diese haben es sich zum Job gemacht und üben ihn mehr oder weniger kompetent aus.

    - diejenigen, die privat oder im Rahmen ihrer Tätigkeit Kritik anbringen. (z. B. Trainer oder Coaches im Sport und im Geschäftsleben, Freunde, Gäste usw. usf.).

    Für beide gilt, sie müssen es nicht unbedingt besser können. Sonst dürfte übrigens keiner der Fußball- oder Tennistrainer, die Top-Leute betreuen, diesen Job machen. Die besten Spieler spielen ja - und holen sich dennoch Betreuung - um eben so gut zu bleiben oder noch besser zu werden.

    Ich muß auch nicht besser kochen können als der Sterne-Koch, um ihm sagen zu dürfen, daß die Suppe heute versalzen ist, oder mir die Gewürzkombination nicht schmeckt.

    Also: Es ist wohl wichtig zu unterscheiden, wer, wann, wo ... wen kritisiert. Und WIE!!

    Für die angesprochenen "Kritiker-Attacken", die vermutlich nicht wohlmeinend und kompetent und angemessen sind, stimme ich zu: das Bild der gackernden Henne kann helfen, die innere Anspannung zu mildern oder zu beseitigen und den Regen der Kritik nicht in den Nacken laufen zu lassen.

    Viele Grüße
    Detlev

  7. claudia schreibt am 4. Mai 2008 um 16:21

    Das Bild von der Henne ist wirklich köstlich. Kritik ist sogar echt interessant, sobald wir es geschafft haben, nicht gleich hoch zu gehen. Abgesehen davon, dass ich Kritik und Kritikern gegenüber auch immer entspannter werde, möchte ich Euch noch eine nette Geschichte zum Schmunzeln erzählen.
    So oft ich dran denke - muss ich laut lachen.!
    Also: Die Mutter ist beim Bügeln - im Zimmer nebenan sitzt ihre kleine Tochter über den Hausaufgaben. Wie immer hatte die Mutter sie zuvor ermahnt, sie solle jetzt ernst sein, sie solle sich konzentrieren - und ja alles richtig machen.
    »» Auf einmal l a c h t das Kind ««
    Mit einer Stimme, wie man sich eine knorrige alte Hexe vorstellt, ruft die Mutter: "Ich denke, du machst Hausaufgaben!!"
    Obwohl ich lachen muß, weiß ich, dass diese Art von Kritik dem Kind sein Leben lang einflössen wird, dass Arbeit eine ernste Angelegenheit zu sein hat.
    Schade für das Kind.

  8. claudius schreibt am 4. Mai 2008 um 17:48

    Hmm.

    Heißt das nun im Umkehrschluss daß nur der kritisieren darf/soll, der das was er kritisiert selbst mindestens genau so gut (wenn nicht besser) als der Kritisierte kann?

    Um in der Metapher zu bleiben:
    Man muss keine Henne sein um zu wissen, ob ein Ei faul ist.

    (Wieso ist Kritik immer gleich so negativ besetzt?)

  9. Monika schreibt am 5. Mai 2008 um 12:17

    Hallo Tanja,

    das Bild gefällt mir sehr und ist sicher passend für die, die um des Kritisierens willen kritisieren. Kritik kann aber auch nützlich sein, wenn der Kritisierte daraus eine Möglichkeit ziehen kann, sich zu verbessern. Kritik wird m.E. oft deshalb als unangenehm empfunden, weil es mit
    Abwertung gleich gesetzt wird, ungefragt erteilt wird oder überheblich wirkt (oder ist?). Gäbe es keine Kritik, würden die Abläufe langsamer verbessert werden, gäbe es wohl wenig Weiterentwicklung, da einer Verbesserung meist eine Kritik des Bisherigen vorausgeht. Wäre alles gut, bräuchte nichts verändert werden. Dann säßen wir allerdings jeztz auch nicht am PC, sondern am Lagerfeuer.

    Alles Gute und viel konstrunktive Kritik
    wünscht
    Monika

  10. claudia schreibt am 8. Mai 2008 um 17:43

    Hallo zusammen,
    zu dem Thema "Kritik" schreibe ich auch noch etwas, was mir sehr wichtig erscheint. Ich habe es gelesen - und es hat mir schon sehr viel geholfen.

    Unser stärkster Kritiker spricht nur das laut aus, was
    w i r im Stillen über uns selbst denken. ES geht also darum, unsere Gedanken und das was wir im Stillen v o n
    u n s denken und g l a u b e n, zu überprüfen.
    Es muss also nicht sein, dass eine Kritik auch im Aussen, in der Wirklichkeit stimmt.
    Wenn z.B. jemand zu mir sagen würde: "Du bist ein Versager !" - dann kann das z.B. bedeuten, dass ich selbst ganz tief drinnen - mich für einen Versager halte.
    Kritik ist somit - wenn wir diese Stärke schon erreicht haben, bzw. wenn wir es schaffen ruhig zu bleiben, absolut positiv für uns.
    Es kommt ja tatsächlich überhaupt nicht darauf an, was ein anderer von uns denkt, - sondern immer nur, was wir selbst von uns denken und glauben und von uns halten. Damit erschaffen wir uns ja unser Leben.
    Ein schönes Pfingsfest
    Claudia