Von Natur aus hilfsbereit?
Von Tania Konnerth • 8 Kommentare
"Wir können Kinder nicht erziehen, die machen uns eh alles nach!"
– Karl Valentin
In der Wiederholung einer älteren Ausgabe der Wissenssendung „Galileo“ sah ich vor kurzem einen höchst interessanten Bericht über das Thema „Hilfsbereitschaft“. Es zeigte sich, das kleine Kinder und sogar Schimpansen offenbar von Natur aus einen Impuls zum Helfen haben. So wurden verschiedene Szenarien entworfen, in denen eine Person z.B. nicht an einen Stock herankam, den sie haben wollte oder ihr ein Gegenstand herunterfiel, den sie dann nicht mehr erreichen konnte. Der größte Teil der Kinder und auch der Affen halfen spontan und ohne eine Aussicht auf Belohnung.
Nun wird ja oft genug beklagt, dass die Menschen heutzutage nicht mehr so hilfsbereit sein, wie früher und dass das vor allem bei Kindern und Jugendlichen vermisst wird.
Wenn es stimmt, dass in uns allen das Konzept Hilfsbereitschaft natürlicherweise angelegt ist, stellt sich doch die Frage, warum wir damit aufhören, hilfsbereit zu sein.
Die Antworten auf diese Frage dürften vielfältig sein. Entscheidend scheint mir aber vor allem ein Aspekt: Die Vorbildfunktion.
- Wie hilfsbereit sind Sie selbst?
- Wann haben Sie das letzte Mal jemandem geholfen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten?
- Wann haben Sie einem anderen eine Tür aufgehalten oder eine Tasche getragen?
- Wann haben Sie mal nachgefragt, wenn es jemandem schlecht ging?
- Wann haben Sie sich zuletzt ehrenamtlich engagiert?
Ich glaube, dass Hilfsbereitschaft etwas ist, was jede/r einzelne von uns in die Welt geben kann und dass aus jedem solcher Impulse weitere entstehen.
Natürlich will nicht jede/r unsere Hilfe, so dass es durchaus angemessen ist, zu überlegen, ob man sich mit einem Hilfsangebot vielleicht aufdrängt. Aber im Zweifelsfall sollten wir das Risiko eingehen, ein „nein“ zu kassieren, denn selbst wenn jemand die Hilfe in diesem Moment nicht braucht, tut es ihm oder ihr auf einer Ebene gut, dass sich eine Person angeboten hat und dagewesen wäre.





Ein weiterer wichtiger Aspekt ist ob Hilfbereitschaft wertgeschätzt wird. Damit meine ich nicht vorrangig wie oft ich Wertschätzung erfahren habe sondern wie oft ich die Hilfbereitschaft anderer nich als selbstverständlich angesehen habe. Sondern die Hilfsbereitschaft bewusst und aktiv wahrgenommen und durch Worte oder Taten beantwortet habe.
Meiner Meinung nach müsste man die Liste also erweitern.
- Wann haben Sie die Hilfsbereitschaft anderer das letzte mal Wertgeschätzt
Gruss HM
Danke für den guten Artikel :)
Hilfsbereitschaft ist übrigens ansteckend!
Ich weiß nicht mehr wo ich über diese Studie gelesen habe:
Wenn jemandem etwas gutes widerfahren war (eine Münze finden, Hilfe bekommen...) dann war die Wahrscheinlichkeit, daß dieser Mensch anderen, die Hilfe brauchten, tatsächlich half, viel höher als sonst.
Also: nur zu.
Viele Grüße
Detlev Tesch
Wir leben leider in der Illusion, dass wir alle voneinander getrennte Wesen sind - sonst wäre Hilfsbereitsschaft überhaupt kein Thema.
Das Wort "Hilfsbereitsschaft" ist im Übrigen etwas, dass sehr holpert (im Gegensatz zu fließen) - es vermittelt nämlich das Bild der Bedürftigkeit des anderen und des Reichtums meiner selbst. Wenn wir uns aber nicht als getrennt vom anderen betrachten, stehen wir auf der gleichen "Höhe" und es kann ein einfaches "miteinander Fließen" entstehen.
Klingt vielleicht esoterisch oder so, aber ich weiß grad nicht, wie ich es anders ausdrücken soll.
Da ich Kampfkunst praktiziere, noch eine kleine Anregung aus dem Shaolin Kung Fu:
Wenn Dir etwas Gutes widerfahren ist, so gebe Gutes an mindestens zehn weitere Menschen weiter (egal ob materiell, spirituell...) und nimm diesen Menschen das Versprechen ab,
es ebenso zu versuchen.
Auf diese Weise vervielfältigt sich der Geist des "Guten" rasant auf dieser Welt.
Ich wünsche Euch alles, was Ihr braucht. Liebe Grüße.Manuela
Eine meiner Freundinnen - zuvor bereits genannt ;-)) - gab mir den Rat, mich beim Helfen nicht zu verausgaben.
Sei ehrenamtlich tätig solange Du kannst. Wenn Du nicht mehr kannst, darfst Du (musst Du - als selbstbestimmter Mensch) Dich ausruhen. Es hilft niemanden sich bis zum burnout zu fordern. Du hast auch für Dich selbst Verantwortung.
Liebe Grüße
und gutes Gelingen
für die kommende Woche
Verzeihung, ein Schreibfehler: "...niemandem..."
Hallo zusammen,
dass Kinder automatisch hilfsbereit sind, habe ich auch oft gesehen. Sie besitzen noch die Fähigkeit, nach der Hilfeleistung wieder zu sich zurückzukehren und sich vergnügt dem Augenblick, dem Spiel hinzugeben. Ich war immer sehr hilfsbereit und ich habe damit eigentlich schlechte Erfahrungen gemacht. Seit meiner Kindheit fand ich es ganz normal, hilfsbereit zu sein, aber meine Hilfsbereitschaft wurde auch ausgenutzt oder besser ausgedrückt, ich habe oft nicht auf meine eigene Bedürftigkeit geachtet. Ich sehe das mit der Hilfsbereitschaft heute anders. Wenn ich Energie habe, gebe ich gerne, wenn ich keine habe, versuche ich meine Energie aufzubauen und während dieser Zeit wirke ich auf viele bestimmt ziemlich egoistisch. Damit kann ich nach einem Burn Out gut leben. In einer Kur habe ich auch viele Impulse erhalten, bei mir zu bleiben. Mir erschien es durchaus logisch, dass sich viele Menschen mit der Hilfsbereitschaft und dem Helfen von ihren eigenen Problemen, von der Verantwortung für das eigene Leben ablenken. Das ist die andere Seite der Hilfsbereitschaft, die ich gar nicht gutfinde. Das "jemandem die Türe aufhalten" gehört für mich mehr in die Kategorie Aufmerk-
samkeit, als zur Kategorie Hilfsbereitschaft.
Die Idee des "10 anderen Menschen etwas Gutes tun, wenn einem etwas Gutes widerfahren ist" gefällt mir sehr. Viel besser, als das immer wieder innerhalb einer Beziehung wechselseitige sich etwas Gutes antun, sich nichts schuldig bleiben wollen und können.
Einen schönen Abend wünsche ich Euch
und grüße Euch von Herzen
Monika
@homerX
Wenn ich Deine Worte mal so deute, daß Du Hilfsbereitschaft gegen Dankbarkeit eintauschen möchtest, dann ist das meiner Meinung nach der falsche Weg. Je mehr und je selbstverständlicher Du bereit bist Hilfe zu leisten, desto mehr wird auch Hilfe annehmen zur Selbstverständlichkeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß gerade Leute, die nicht von sich aus wirklich hilfsbereit sind, große Probleme damit haben, Hilfe auch anzunehmen. Alles hängt zusammen, streue Hilfsbereitschaft aus, und Du kannst sie bei Bedarf ohne Gewissensbisse auch entgegennehmen. Das sollte genug Anreiz sein...
Noch was am Rande:
Erwarte nichts, dann kannst Du auch nicht enttäuscht werden.
@Monika:
Wirkliche Hilfe kannst Du nur leisten, wenn Deine Energie es auch zulässt. Mehr sollte es auch nicht sein. Letztlich solltest Du tun, was Du kannst, aber mehr auch nicht. Du bist nicht dafür auf der Welt, Dich aufzuopfern. Mach es so, daß Du Dich mit Dir wohlfühlst und aus! Du musst keinem etwas beweisen.
Euch allen eine gute Zeit und alles was Ihr Euch wünscht.
Liebe Grüße Uwe
Es ist tatsächlich erfreulich, dass Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftsgefühl noch vorhanden sind (und wer wundert sich schon darüber, vorwiegend bei noch "unverdorbenen" Kindern). Trotzdem habe ich mir schon oft darüber Gedanken gemacht, wie "naiv" man in der heutigen Zeit noch sein darf? Dass man ausgenützt werden kann, ist ja noch zu verschmerzen! Was mir aber sehr zu denken gibt sind Situationen wie: Autostopper mitnehmen, die einen dann ausrauben; Menschen die angeblich etwas benötigen die Türe öffnen, um dann übervorteilt zu werden und wieder andere, die eine Autopanne vorspielen, um dich dann auszunehmen wie eine Weihnachtsgans. Solches macht mich schon sehr nachdenklich und verunsichert mich. In meinem Bekanntenkreis aber, gebe ich gerne und von ganzem Herzen: vielleich musste ich deswegen an einem Loch im Herzen operiert werden?:) Liebe Grüsse und wunderbare Erfahrungen an alle Leser dieser Zeilen, Carmen