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Der entscheidende Punkt für ein gutes Miteinander

Von Tania Konnerth20 Kommentare

„Das Schwierigste an der Arbeit mit einem Pferd ist die Arbeit an sich selbst.“

– Timo Ameruoso aus: „Zweierlei Leben“

Auch wenn es vielleicht so aussieht, geht es in diesem Zitat meiner Ansicht nach nicht nur um Pferde… Ich fand dieses Zitat in dem Buch „Zweierlei Leben“, das ich für Wege zum Pferd las und habe es Ihnen mitgebracht, da für mich darin eine wichtige Botschaft steckt.

Ja, es stimmt, in der Arbeit mit den Pferden ist die Arbeit an sich selbst die allergrößte Herausforderung (Pferde sind exzellente Persönlichkeitstrainer für alle, die bereit sind, bei sich zu beginnen) – aber diese Aussage gilt doch eigentlich für Beziehungen ganz allgemein, finden Sie nicht?

Ist nicht in jeder Partnerschaft, in jeder Freundschaft, in jeder wirklichen Beziehung zu einem anderen Wesen das Schwierigste, dass man dabei an sich arbeiten muss?

Ein echtes Miteinander erfordert von allen Beteiligten, dass sie sich aufeinander einstellen. Dass sie bereit sind, den anderen so wahrzunehmen, wie er ist, sich selbst mit dem einzubringen, was einen ausmacht und dann zusammen eine gemeinsame Basis zu finden, auf der dann Kontakt, Kommunikation und Entwicklung möglich ist.

Ich kann nur für mich sagen, dass immer dann, wenn ich mir im Miteinander – ob nun mit meinen Pferden, meinem Mann, meinen Freunden oder wem auch immer – klarmache, dass jede Beziehung es nötig macht, mich selbst zu hinterfragen, öffnen sich Türen. Meine Selbstreflexion ermöglicht es mir, zu erkennen, dass mein Weg, meine Ansichten und meine Wünsche nicht die einzigen sind, die zählen, sondern dass der andere Teil der Beziehung ebensolche hat, die berücksichtigt werden wollen. Und nur dann, wenn alle Beteiligten gesehen, beachtet und gewürdigt werden, lassen sich Win-Win-Lösungen erarbeiten, also solche, die für alle gut sind.

Ich will nicht behaupten, dass mir das immer gelingt – oft scheitere ich bereits am ersten Schritt, nämlich dem Innehalten und Nachdenken. Aber immer öfter gelingt es mir eben doch, den Schritt in die Selbstreflexion zu schaffen.

Tim Ameruosos Zitat werde ich als Erinnerungsstütze mitnehmen – nicht nur zu meinen Pferden, sondern hoffentlich auch zu vielen anderen Beziehungsmomenten – Sie vielleicht auch?

  1. Hubert schreibt am 15. Juli 2008 um 09:46

    Ich habe zu wenig Erfahrung mit Pferden, um dazu wirklich etwas sagen zu können, aber ich kann es mir gut vorstellen.
    Umso erstaunter bin ich, wenn ich Menschen ansehe, die man in Reitställen antreffen kann.
    Von „Arbeit an sich selber“ haben da, so denke ich, wenige etwas gehört, geschweige denn in Angriff genommen.
    Nein, stimmt so nicht. Ich glaube es geht ein tiefer Riss durch die Gruppe von Reitern und Pferdebesitzern oder Menschen die allgemein mit Pferden zu tun haben.
    Die einen sprechen vom Pferd als Partner und die anderen vom „Material“ Pferd.
    Die letzte Gruppe scheint nach meinen Erfahrungen die weitaus größere zu sein.

    Der Mensch ist wie das Pferd ein Herdentier und somit spielt die Rangordnung ein sehr ausgeprägte Rolle. Pferde zeigen das anders als Menschen offen und ehrlich. (Neulinge werden aus Sicherheitsgründen erst einmal weggebissen)
    Diese Beobachtungen bewahren einen auch vor so manchen Illusionen, die man versucht ist, sich über Menschen zu machen.

    Ansonsten kann man Ihrem Artikel nur zustimmen. In Beziehungen muss man investieren oder dran arbeiten, aber auf Augenhöhe und nicht in Abhängigkeitsverhältnissen.
    Viele verstehen das falsch und geben und geben und merken nicht, dass sich überhaupt nichts oder nur wenig bekommen.

  2. Michael schreibt am 15. Juli 2008 um 15:01

    Ein toller und vor allem wichtiger und zeitgemäßer Beitrag wie ich finde weil mein Eindruck ist, das ein gutes Miteinander heute fast eher zur Seltenheit gehört und oft und viel Stress, Streit und liebloser Umgang unter den Menschen herrscht.

    »»Ja, es stimmt, in der Arbeit mit den Pferden ist die Arbeit an sich selbst die allergrößte Herausforderung (Pferde sind exzellente Persönlichkeitstrainer für alle, die bereit sind, bei sich zu beginnen) ««

    Ich habe selbst noch nie auf einem Pferd gesessen aber ich weiß, das es ja zum Beispiel auch die Reittherapie gibt. Und vor kurzem habe ich die TV Moderatorin, Therapeutin und
    erflogreiche Reiterin Bettina Eistel im Fernsehen gesehen und sie sagte auch, das man auf dem Pferd sehr viel über sich selbst erfährt. Vielleicht habe ich ja deswegen Angst auf ein Pferd zu steigen, weil ich nichts mehr über mich erfahren will. Ich weiß schon genug schlechtes.

  3. J. schreibt am 15. Juli 2008 um 17:24

    Ein sehr interessanter Artikel, den ich momentan sehr gut gebrauchen kann (da kommt mal wieder mein Egoismus zum Vorschein ;)). Ich glaube, es ist nur eine der schwierigsten Aufgaben ueberhaupt, an sich selbst zu arbeiten und es erfordert eine ganze Menge Zeit, Geduld und vor allem auch Ehrlichkeit. Ich selbst befinde mich gerade erst auf dem Weg und der Entdeckungsreise, erst einmal herauszufinden, was es ueberhaupt heisst, "an sich selbst zu arbeiten". Es ist sehr unangenehm (zumindst noch momentan am Anfang), aber wenn man erst mal Fortschritte macht, wird einem bewusst, welch eine Bereicherung es doch ist. Ich wuensche jedem Menschen, dass er frueher oder spaeter an einen Punkt gelangt, an dem er anfaengt, sich mit sich selbst zu beschaeftigen und an sich zu arbeiten. Ich habe naemlich auch schon genuegend Menschen kennengelernt, die der Meinung sind, sie braeuchten das nicht. Vor allem wuensche ich mir selbst, dass ich bald etwas klarere Vorstellungen davon bekomme, was es konkret heisst, "an sich selbst zu arbeiten" oder bzw. wie man es am besten tut. Noch befinde ich mich auf der Suche... ;).

  4. Michael schreibt am 15. Juli 2008 um 19:59

    »Ich selbst befinde mich gerade erst auf dem Weg und der Entdeckungsreise, erst einmal herauszufinden, was es ueberhaupt heisst, "an sich selbst zu arbeiten".«

    Das ist überhaupt eine Frage die ich mir auch schon mal gestellt habe. Dieses an sich arbeiten taucht ja doch ziemlich häufig in vielen Ratgebern auf. Habe mir auch schon die Frage gestellt was genau damit gemeint ist. Vielleicht Weiterentwicklung, offen sein für neues, alte Gedankenmuster überprüfen, VERHALTENSMUSTER ÄNDERN, Selbstreflektion sind so meine Wörter die mir zu an sich arbeiten einfallen

  5. kade schreibt am 18. Juli 2008 um 19:33

    Mit Pferden habe ich ebenfalls keine Erfahrung, aber ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass man im Miteinander an sich selbst arbeiten muss.
    Mir persönlich passiert es schon mal, dass ich im Gedankenaustausch "philosophisch wegfliege" ;-))
    Ich entferne mich von meinen Gesprächspartnern und schwelge im Nachdenken, dann fallen mir viele Denkmodelle ein.
    Hier zum Zitat
    "Jeder Mensch bekommt zu seiner Geburt die Welt geschenkt. Die ganze Welt. Und die meisten von uns haben aber noch nicht einmal das Geschenkband berührt, geschweige denn hineingeschaut."

    -- Leo Buscaglia

    Mir gefällt dieses Zitat so gut, weil es meine Phantasie beflügelt. Aber ich habe mich ein wenig vom Gedankenaustausch der anderen entfernt.
    Schön, dass es das Medium Internet und besonders ZZL gibt, damit wir uns im Miteinander üben können.
    Ich gelobe auf jeden Fall Besserung ;-))

  6. Heide schreibt am 19. Juli 2008 um 10:27

    Hallo kade,

    Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. ;-)

    Hallo Tania,

    danke für deinen Stups!
    Es tut immer wieder gut, wenn ich daran erinnert werde, dass ich noch nicht "fertig" bin; dass ich weiter an mir arbeiten muss.

    Was das ist, das an sich arbeiten, Michael?

    Für mich bedeutet das:
    Mich anzunehmen wie ich bin - und doch für eigene und fremde Kritik offen zu sein.

    Die Fehler und Schwächen der Mitmenschen ebenso zu sehen wie ihre Stärken und guten Seiten - und sie als Ganzes anzunehmen.

    Zu mir und meinen Bedürfnissen zu stehen, sie deutlich zu machen - und doch auch für andere "erträglich" zu sein.

    Den eigenen Weg zu gehen - aber auch den anderen den Weg zu mir nicht zu verbauen.

  7. kade schreibt am 19. Juli 2008 um 19:50

    Hallo Heide,

    danke ;-)

    Genauso wie beschrieben würde ich es auch sehen, was es bedeutet an sich zu arbeiten.

  8. Ulrike schreibt am 20. Juli 2008 um 09:13

    Ach ja, ich kann nur aus vollem Herzen zustimmen. Ich habe schon mit Pferden gearbeitet - auch im Picadero - und Pferde (ähnlich wie auch andere Tiere) reagieren einfach ganz unverstellt und unmittelbar auf unseren emotionalen Zustand und zeigen einem damit deutlicher, was vorgeht, als man selbst es merkt. Darum sind Pferde ideale Spiegel und "Coachs". Man lernt durch ihre Reaktionen, auch mal sensibler in sich hineinzufühlen - wenn man die Gefühle nicht ignorieren will - und ehrlich seinen eigenen Zustand wahr- und anzunehmen.
    Dann kann man bewusst entscheiden, auch anderen Menschen gegenüber entspannter zu sein. Wenn man nur dran denkt, überhaupt mal innezuhalten und zu fühlen... In der Hitze des Alltagsgefechts vergesse ich das auch oft und ich meine, man muss das einfach immer wieder üben. Gelegenheiten gibt's ja genug.

  9. Yvonne van Dyck schreibt am 20. Juli 2008 um 09:13

    danke für diesen tollen Artikel, der mich an DIESEN BLICK des Pferdes erinnerte, als ich zum ersten Mal auf ihm saß :)) Er sagte in etwa: na du weißt aber auch nicht was du da tust ggg Ich habe nich viel Erfahrung mit Pferden, doch nur dieser Blick sagte mir: sei klar mit dir, dann bist du es auch zu mir!
    you go first - leb das vor was du von Anderen möchtest

    alles Liebe

    yvonne

  10. Dominik schreibt am 20. Juli 2008 um 11:01

    Hallo, an alle.

    Ich bin noch nicht lange Mitglied dieser Gruppe " Zeit zu Leben", dennoch lese ich die Artikel und vorallem die Newslettre mir wachsender Begeisterung. Ich befasse mich seit ca.8-9 Monaten mit dem Thema persönlichkeits entwicklung und bin daraufhin auf diese Seite gestoßen und stelle fest, dass diese Seite mein Vorhaben gänzlich unterstützen und absolut und hilfreich sind. Dieser Post soll ein großes Lob und Dankeschön meiner Seite sein. Da ich mich schon seit längerem parallel mit dem Thema NLP beschäftige, erkannte ich einige Zusammenhänge und wollte auf diesem Weg mal fragen, ob diese Beabsichtig oder zufällig sind. Kurz: Arbeitet diese Seite und evtl. andere Nutzter ebenfalls mit NLP?

    Liebe Grüße Dom.

    P.S: Nochmals Danke, an alle, die zu meiner persönlichen Entwicklung beitragen und beitragen werden, und auch anderen Menschen hilfreich unter die Arme greifen.

    Hochachtungsvoll Dominik.

    P.P.S.: So wie mir geholfen wird und wurde, möchte auch ich einen guten Rat loswerden und jedem herzlichst das NLP (neuro-linguistische Programmieren) empfehlen. Googlet das doch einfachmal und besorgt euch mal ein Buch.Danke.

  11. azuro schreibt am 20. Juli 2008 um 11:51

    Auch ich bin neu hier und bedanke mich noch einmal für diese tolle Homepage.
    ZZL ist einfach toll und ich bin ein sehr begeisterter Leser…. und den aktuellen Artikel finde ich hochinteressant.
    Ich denke, wir werden immer, unser ganzes Leben an uns arbeiten müssen. Es gibt immer wieder Dinge, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, große und kleine, egal in welchen Bereichen. Und das ist doch auch gut so.

    Neulich im Büro gab es kleine Sticheleien unter den Kollegen. Es ging darum, wer welche Arbeiten zu verrichten hat. Fast alle Kollegen regten sich darüber auf, dass eine bestimmte Person nicht die Leistung bringt, die man von ihr erwarten kann....

    Mein Kommentar dazu war, dass es vielleicht Gründe gibt, die die Kollegin dazu veranlasst, ihre Leistung nicht so einzubringen, wie es eben von uns allen erwartet wird.
    Es gibt doch meistens für alles einen Grund, man muss ihn, bevor man anfängt falsche Schlüsse zu ziehen, aber erst einmal hinterfragen.

    Und wenn man nichts hinterfragt, stellt man Vermutungen an. Kollegen werden verurteilt, fertig, aus. Das ist ja so einfach.
    Anstatt sie persönlich anzusprechen und zu fragen, was für Gründe für bestimmte Verhaltensweisen dahinter stecken.
    Aber dann müsste man sich nicht nur mit der Kollegin oder dem Kollegen auseinander setzen, sondern vielleicht sogar ja auch mit sich selber. Und da wird´s dann für viele wieder schwierig, glaube ich. Ich denke, es liegt daran, dass es immer noch so ist, dass sehr viele Menschen es scheuen, sich mit sich selber auseinander zu setzen.

    Auf jeden Fall war die Antwort der Kollegen für mich: Du regst dich doch sowieso nie über etwas auf, du nimmst immer alles und jeden in Schutz! Dir ist es doch sowieso egal, wie die anderen Arbeiten…..

    Das hat mir zu denken gegeben und ich bin mit meiner Selbstreflexion noch nicht zu Ende. Ich stelle mich sehr oft in Frage und mache mir Listen. Positive Spalte, negative Spalte.
    Da habe ich dann einen besseren Überblick ;-))

    Ach ja, und mit Pferden hatte ich auch schon Kontakt...und sehr großen Respekt!
    Sie schauen dich mit ihren großen braunen Augen an und du kannst dich darin widerspiegeln.
    Wenn ich mich dann in den Augen eines Pferdes sehe, frage ich mich manchmal, wer ist denn die Person, die sich da vor dem Pferd steht….

    Alles Liebe
    und toll, dass wir alle füreinander da sein können.

  12. Anne schreibt am 20. Juli 2008 um 13:59

    Ein sehr interessanter Aspekt in dem sehr viel Wahrheit steckt!
    Interessanterweise habe ich heute morgen (bevor ich die Nachricht gelesen habe)ein paar Pferde auf einer Weide kurz besucht, sie gefüttert und mit ihnen gesprochen.
    Die Weide lag auf meiner Joggingstrecke, die ich heute ausgesucht habe.
    Je ruhiger ich war, desto vertrauter wurden die drei.
    Ich hätte den ganzen Tag bleiben können, da ich diese Tiere sehr mag. Hab mich aber nach etwa einer halben Stunde mit einer schönen Erfahrung auf den Heimweg gemacht und mich über die Begegnung gefreut.

    Einen schönen Sonntag allen hier,
    Anne

  13. Mausezahn schreibt am 20. Juli 2008 um 15:03

    Vielen Dank für den wieder einmal sehr passenden Newsletter ...

    Wenn alle - wenigstens ein bißchen - an sich selbst arbeiten würden, wäre die ganze Welt wohl glücklicher.
    Im Moment kommt es mir persönlich so vor, dass ich es leider
    täglich nicht mit Pferden zu tun habe, sondern mit .... Ich komme mir vor wie eine Außerirdische. Muß man immer alles hinterfragen? Gibt es nicht doch eine ganze Menge Menschen,
    deren Wesen und deren Sichtweise man einfach nicht betreten kann - weil man sie nicht versteht? Egel wieviel Mühe und
    Interesse man zeigt? Ich kann z.Zt. nur bei ganz wenigen
    Menschen erkennen, dass sie auch für mich Verständnis und Interesse haben. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass
    ich ausgepowert bin und eine AUszeit brauche. Jedenfalls werde ich mir den Leitsatz ins Büro hängen und weiter darüber nachdenken. Schaden tut´s ja nicht ;-) Herzliche Grüsse

  14. kade schreibt am 20. Juli 2008 um 20:57

    Hallo Mausezahn,
    ich glaube auch nicht, dass man alles und jeden verstehen kann , dann muss es eben genug damit sein, den Anderen zu akzeptieren und respektieren wie er ist.
    Wenn Du ausgepowert bist, ist es bestimmt gut, dass Du tust was gut für Dich ist, da kannst Du auf die Akzeptanz und das Verständnis Deiner Umgebung keine Rücksicht nehmen.
    Schön, dass es einige wenige Menschen gibt, die Dich verstehen. Ich kann mir ebenfalls vorstellen, wie man sich als Außerirdische fühlt. ;-)
    Es gab hier einen schönen Beitag dazu: sich selbst Freund sein.
    Guten Start in die
    Woche,
    herzliche Grüße
    kade

  15. Reiner Helm schreibt am 21. Juli 2008 um 05:18

    Hallo Tanja,

    ich gehöre schon lange zur "Fan"-Gemeinde von zeit-zu-leben und ich gehöre zu den älteren Semestern. Als Reiter weiß ich was es bedeutet, mit einem Pferd zu kommunizieren. Wer sagt, er kann reiten, soll sofort die Reiterei aufgeben. Reiten lernen ist eine Lebensaufgabe. Und "an sich selbst arbeiten" ist die erste Aufgabe eines Reiters.
    Ich könnte mir ein Leben ohne Pferd nicht vorstellen. Normalerweise schreibe ich Pferde, aber wir haben unseren Schimmel Fellow auf die ewige Weide schicken müssen; er hatte mehrere Schlaganfälle (29 Jahre alt ist unser bestes Stück geworden.)
    Ich arbeite weiter an mir!

    Herzlich aus Lauf an der Pegnitz

    Reiner

  16. Balancer schreibt am 21. Juli 2008 um 07:48

    Um zu Unterstützen einige Dinge des täglichen Lebens neu zu überdenken, kann die Arbeit mit Pferden sehr hilfreich sein.
    Als Herdentier nimmt ein Pferd natürlich sehr genau die momentane psychische Verfassung des Gegenübers auf.
    Ein Pferd zeigt einem direkt, dass es nicht wichtig ist, was gesagt und getan wird, sondern, wie es beim Gegenüber ankommt.
    Ein Pferd zeigt einem sehr schnell, daß es in der Regel müheloser ist, sich aufeinander einzuschwingen und auch einmal mitzugehen, anstatt zu versuchen, seinen Kopf durchzusetzen.
    Ein Pferd zeigt einem auch, dass manchmal ein Schritt zurück besser sein kann.
    Ein Pferd hat es aber auch ein wenig leichter.-
    Obwohl es einen größeren Kopf hat - denkt es nicht zuviel, sondern folgt mehr seinen Instinkten.

  17. Heidi Malzacher schreibt am 21. Juli 2008 um 08:00

    Das ist wirklich interessantes und bereicherndes Tun und Geschehen - sprich Arbeit. Mit Pferden habe ich keine Erfahrung, aber ich weiss, dass man von Tieren viel lernen kann, so habe ich z.B. viel von meiner Katze gelernt. Ich selbst mache viele Erfahrungen in meinen Beziehungen, und ich habe in den letzten 20 Jahren viel gelernt - mit meinem Mann, mit den Kindern, mit Enkelkindern, mit Kollegen und Kolleginnen, mit Mitmenschen auf der Straße. Es ist eine solche Vielfalt, und es ist immer wieder spannend, wenn ich an die Grenze komme, wo ich in erster Linie einmal meine Rolle anschauen muss, mich dann entscheide, mich respektvoll und liebevoll darauf einzulassen und dann erlebe, was geschieht - meistens sind es überraschend gute und befriedigende Erfahrungen.
    Wir nehmen uns heute viel zu wenig die Zeit, bewußter mit unseren Beziehungen umzugehen, uns auf unsere Mitmenschen einzulassen. Es gibt viel zu viel Ablenkungen vom Wesentlichen und Wichtigen in unserem Leben miteinander.
    Und um so wichtiger ist es, uns immer wieder darauf einzulassen, und somit andere Menschen anzustecken.

  18. Robert Schilling schreibt am 21. Juli 2008 um 11:28

    Selbstreflektion in Beziehungen sind meiner Erfahrung nach besonders wichtig und hilfreich vor allem wenn es darum geht eine Beziehung zu gestallten. Sehr deutlich zeigt sich dieses in meiner derzeitigen Ausbildung, dem Autonomietraining. Im Autonomietraining wird sehr viel Wert auf die Supervision der Teilnehmer gelegt. In dieser Supervision ist der Focus nicht nur auf die Art und Weise wie ein Teilnehmer mit seinem Klienten arbeitet, sonder noch viel stärker ist der Focus auf die Reflektion der Person des Ausbildungsteilnehmers gerichtet. Da diese Reflektion von dem Ausbildungsleiter, Dr. Theo Petzhold, oder anderen Mitglieder der Gruppe stattfindet ist diese Reflektion frei von eigenen Wahrnehmungsfiltern. Das Feedback wird dann durch Theo Petzhold noch einmal deutlich hinterfragt, was manchmal bis zu einer 1 Stunde dauern kann. So macht jeder Teilnehmer eine intensive Erfahrung während der Supervision. Das Ergebnis ist eine deutliche andere Wahrnehmung der Beziehung. Wahrscheinlich kann eine Selbstreflektion nicht so tiefgreifend sein, aber wenn man nur ein halb so gutes Ergebnis hat dann hat es sich schon gelohnt.

    Liebe Grüße
    Robert

  19. Melli schreibt am 21. Juli 2008 um 16:39

    Ein so wahres Zitat!!
    So oft wird die Schuld, warum etwas nicht klappt oder schief läuft, bei einem anderen gesucht. Ob beim Pferd oder beim Menschen. Ich reite seit ca. 25 Jahren und habe es auch erst lernen müssen, dass das Pferd nur so gut sein kann, wie sein Reiter es zuläst, d.h. wenn das Pferd nicht so reagiert, wie ich es wünsche, liegt es fast immer an mir. Die Fehler sind daher bei mir selbst zu suchen. Die Selbstreflektion kommt dabei leider häufig zu kurz...Ich wünsche allen Reitern/Nichtreitern viel Erfolg bei der Arbeit an sich selbst!

  20. Iris Jacobs schreibt am 26. Juli 2008 um 06:07

    Guten Morgen,
    Um zu sich selbst und der eigenen inneren Harmonie zu finden, ist die Arbeit mit Pferden einer der besten Wege - aber nur, wenn man eine solide Ausbildung am Pferd bereits hat. Als ich mir ein eigenes Perd noch leisten konnte, war es nach Krisenbsituationen oder Streß immer sehr heilsam, an einem heißen Vormittag im Sand 2 Stunden Schule zu machen. Die dazu nötige Konzentration auf das Spüren der Bewegungen des Pferdes, dann das korrekte Eingehen darauf und schließlich die Erlösung durch eine perfekte Übung haben viele Knoten gelöst und mich viele Dinge anders sehen lassen.
    Je älter ich werde, spüre ich jedoch ein immer grösseres Bedürfnis, lieber mit wenigen wirklich gut auszukommen, als mich allzuvielen anzupassen - hier muß freundliche Höflichkeit (oder nur Höflichkeit) auch ausreichen.
    Mit freundlichen Grüßen, imjc