Wer MUSS schon streiten?
Von Tania Konnerth • 9 Kommentare
"Wenn der eine nicht will, können zwei sich nicht streiten."
– Sprichwort aus Spanien
Stellen Sie sich einmal vor, jemand beginnt einen Streit mit Ihnen – und Sie machen einfach nicht mit!
Unmöglich? Schließlich werden Sie provoziert? Schließlich müssen Sie sich doch wehren? Und schließlich sind Sie doch im Recht? Und deshalb müssen Sie doch streiten, wo kämen wir sonst hin?
Was aber wäre, wenn Sie sich dazu entscheiden, dass Ihnen ein Streit nicht gut tut und dass Sie lieber einen anderen Weg wählen? Einen konstruktiven Weg? Einen klärenden?
Was, wenn Sie sich entscheiden, dass es weniger wichtig ist, ob Sie Recht haben oder nicht, als vielmehr an dem Miteinander mit dieser Person zu arbeiten und schauen, wie man die Kluft, die sich da aufgetan hat, überbrücken könnte?
Ich halte das oben zitierte Sprichwort für einen wertvollen Ratgeber in allen Auseinandersetzungen mit anderen Menschen. Es führt uns direkt aus der Opfer- in die Gestalter-Rolle, denn es stimmt doch: wenn zwei streiten, sind auch zwei beteiligt, also zwei aktiv. Zwei Personen, von denen beide entscheiden können, ob sie weiterstreiten wollen oder nicht. Zwei, bei denen es liegt, wie die Auseinandersetzung verläuft. Zwei, von denen beiden in letzter Konsequenz auch gehen können.
Vielleicht nehmen Sie das Sprichwort einfach ein mit in Ihren Alltag?






Guten Morgen, Tania,
hihi: das ist ja lustig - vorhin bin ich mit dem Gedanken an ein altes Sprichwort aufgewacht (weiß der Teufel, warum das plötzlich aus den Untiefen meines Gehirns aufgetaucht ist):
Zum Streiten gehören immer zwei.
Hält einer's Maul, ist's gleich vorbei.
:-)
Hallo Tania,
ich habe schon so einige Menschen noch mehr provoziert, weil ich nicht mitstreiten wollte. Einige werden dadurch noch aggressiver! ;)
Ich streite sowieso nicht gerne, da lasse ich es meistens.
Ich glaube, mit Streit wird oft Negatives assoziiert. Das liegt meines Erachtens daran, dass viele Menschen kein "Streitkultur" haben. Streit kann in meinen Augen sehr wohl konstuktiv und auch klärend sein.
Aber er muß auch "Augenhöhe" geschehen, bei gegenseitigem Respekt und Achtung.
Das bedeutet nicht, dass ich mit jedem reden muss. Gesprächspartner, die für mich keine sind, habe ich auch nicht als Streitpartner.
Mit dieser Aussage muss mann vorsichtig sein. Ich musste erst einmal in einer langjährigen Therapie streiten lernen, weil mir beigebracht wurde der Klügere gibt nach. Wenn mein Gefühl sagt das ich verletzt bin,muss ich mich auch manchmal streiten. Obwohl sich solche Sätze immer sehr nett anhören. Mit Vorsicht genießen.
Der Klügere gibt nach!
Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit. (Marie von Ebner - Eschenbach)
Dieser Satz ist eine wundervolle Grundlage für´s Selbstcoaching.
Jedoch sollten wir zuvor gelernt haben zu streiten. Denn erst wenn wir in der Lage sind zu streiten - keine Angst mehr haben vor einer Auseinandersetzung, können wir uns bewusst für oder gegen einen Streit entscheiden. Dann führt unser Weg aus der Vermeidungshaltung in ein selbstbestimmtes Miteinander. Und nicht der Andere, der vielleicht gerade streiten will bestimmt unser Verhalten, sondern wir selbst.
Ich denke, hier sollte man klar zwischen Streit und Auseinandersetzug unterscheiden. Leider wird das gern vermischt (was sich auch aus den Kommentaren erlesen lässt) und alles, was verbal laut und heftig geführt wird, läuft unter dem Begriff "Streit".
Auch das Wort "Streitkultur" belegt dieses "alles in einen Topf werfen".
Ein Streit in Augenhöhe ist nämlich keiner. Einer mit Achtung der Meinung und Erfahrung - oder auch dem Weltbild -des anderen, ist kein Streit. Es kann sich um eine sachliche Diskussion handeln, die halt hitzig wird, weil mit Herzblut geführt, oder auch eine "aus einander Setzung". Da wird gklärt, was durcheinander und verworren ist. Auch das kann heftig werden, ist aber eben auch kein Streit. Der verletzt, möglichst noch unterhalb der Gürtellinie. Und das ist der Sinn des Streits: Siegen, implizit heisst das: verletzen. Das ist so üblich im Krieg, dass die anderen aufgeben, wenn sie geschlagen aufgeben, und das ist eben auch Streit.
Bei einer Auseinandersetzung gewinnen alle Beteiligten: Einsicht, Klärung, Wissen und die Lust am sich reiben - aber eben fair.
Ich reibe mich richtig gern z.B. mit leichtgläubigen Menschen, solchen die sich willig und ohne zu hinterfragen Dogmen hingeben, auch Glauben genannt. Aber ich respektiere immer, dass jeder das Recht auf sein eigenes Weltbild hat. Ich glaube auch so einiges, jeder von uns tut das. Aber so ein bischen Entwirrung spielen bei Leuten, die von klein auf gläubig konditioniert wurden, das hat schon etwas. Aber streiten? Warum solle ich jemand mit einem anderen Glauben als ich besiegen wollen, wo doch keiner Recht haben kann, wenn doch nur geglaubt wird und nicht gewusst?
Genau zu diesem Thema hat Watzlawik einiges richtig interessnate geschrieben, z. B. Die Anleitung zum Unglücklichsein oder Wenn Du mich liebtest würdest Du Knoblauch essen.
Man kann den Spruch auch so interpretieren:
"Wenn der eine nicht will, entsteht automatisch der Streit."
Damit kein Streit entstehen kann, angefangen bei Meinungsverschiedenheit, muss IMMER einer nachgeben. Die Frage ist doch, wie oft muss ich selber nachgeben?
mfG Pia.