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Sich verzeihen, nicht verzeihen zu können

Von Tania Konnerth21 Kommentare

"Der erste Schritt zur Vergebung ist der Wille, zu vergeben."

– Marianne Williamson

Hin und wieder bekommen wir eine Anfrage zum Thema "Verzeihen". Viele Menschen tun sich unendlich schwer damit, einem anderen wirklich zu verzeihen und schleppen auf diese Weise viel Ballast mit sich herum.

Die Fähigkeit zum Verzeihen ist eine sehr wichtige, denn wir müssen verzeihen können, um alte Verletzungen hinter uns lassen zu können. Wenn wir nicht verzeihen können, reißen wir selbst unsere Wunden immer wieder aufs Neue auf. Sie können nie heilen und verursachen immer wieder neuen Schmerz, selbst wenn die eigentliche Verletzung schon lange, lange Zeit zurückliegt.

Wer verletzt wurde, hat den Fokus vor allem bei dem, der uns verletzt hat. Wir starren gleichsam auf die Tat und nehmen nichts mehr wahr. Aber oft liegt die Lösung eines Problems nicht da, wohin wir automatisch schauen, sondern woanders.

Deshalb lade ich Sie einmal zu einem anderen Gedankengang ein: Ich glaube nämlich, dass es uns dann am schwersten fällt, einem anderen zu verzeihen, wenn wir uns selbst nicht verzeihen können, der Person nicht verzeihen zu können.

Ok, nochmal langsam zum Mitdenken: Jemand hat uns tief verletzt. Wir wollen verzeihen, weil wir instinktiv wissen, dass gut für uns wäre (vielleicht ist es sogar unser Interesse, mit dieser Person wirklich Frieden zu schließen, um eine neue Beziehung zu ihr aufzubauen), aber wir bekommen es nicht hin (die Gründe können vielfältig sein). Und genau diese Tatsache, also dass wir unfähig zum Verzeihen sind, werfen wir uns nun auch noch selbst vor. Das verstärkt den Schmerz um ein Vielfaches, weil wir zu unserer eigenen Verletzung uns nun auch noch selbst fertig machen.

Vielleicht geht es nicht jedem so, aber ich glaube, dass sehr viele Menschen, die verletzt wurden, genau damit kämpfen und dass der erste Schritt zum Verzeihen der sein müsste: Ja dazu sagen, dass wir in diesem Moment noch nicht verzeihen können. Denn genau dieses Ja öffnet Türen zu einem neuen Umgang mit unserem Schmerz und kann uns den Weg zum Verzeihen aufzeigen. Solange wir aber mit uns selbst kämpfen und uns übel nehmen, nicht verzeihen zu können, führen wir einen Kampf, den wir nicht gewinnen können und der das System in sich stabil hält.

Macht das Sinn für Sie?

  1. Hubert schreibt am 30. Juni 2009 um 06:57

    Ich denke, wenn jemand darunter leidet, macht das Sinn.
    Persönlich verfolgen mich diese Dinge nicht so sehr.
    Aber es gibt auch Menschen, mit denen ich aus den genannten Gründen keinen Kontakt mehr habe.
    Ich bin sehr froh, dass das so ist. Ich leide nicht darunter und ich möchte auch keine diesbezüglichen Kontakte wieder aufleben lassen.
    Aber mit sich selber sollte man schon Frieden schließen können. Und wenn man den Anderen nicht verzeihen kann oder will, ja, das sollte man sich dann ruhig selber verzeihen.
    Vor langen Jahren hat mal jemand zu mir gesagt. "Das ist ein Mensch, den sie schnell vergessen werden."
    Ja, genauso ist es auch gekommen.

  2. Abigail schreibt am 30. Juni 2009 um 18:23

    Ja, wenn eine Sache aufgeklärt und abgeschlossen ist, hört das Leiden auf, kann Heilung und Verzeihen geschehen.
    Solange eine kränkende, quälende Situation auch nur unterschwellig weiter bestehen bleibt ist das kaum möglich.
    Zum Beispiel diverse IM-Tätigkeiten in der ehemaligen DDR: Niemand wusste so recht, wem er trauen kann. Es gab im engsten Umfeld informelle Mitarbeiter wie sich im Nachhinein herausstellte.
    Am schlimmsten fand ich jedes fehlende Unrechtsbewußtsein mancher "informellen Mitarbeiter". Sie fühlten sich berechtigt, sogar verpflichtet solche Spitzeleien auszuüben - der eigene erzielte Vorteil wurde tunlichst nicht erwähnt. So war es einer Dokumentation im TV zu entnehmen. Sicher gab es auch andere, die sich genötigt sahen, unter Druck gesetzt fühlten.

  3. khela schreibt am 30. Juni 2009 um 23:06

    Ja. das ist so eine Sache mit dem Verzeihen. Ich selbst habe es erst gelernt durch die Arbeit mit Familiensystemen. Erst als ich erkannt habe, dass das Nichtverzeihenkönnen mit mir selbst zu tun hat - ich verletzbar bin aus einem eigenen Mangel heraus; und erst indem ich mich verändere, gelingt auch das Verzeihen - eigentlich eher das Achten des anderen mit all seinen Eigenheiten und Persönlichkeiten, dann braucht es kein Verzeihen mehr.

    Wenn man Verzeiht, gibt es auch eine Schuld bzw. einen Schuldigen. doch wer soll und darf richten. Sind wir selbst so unfehlbar? Ich glaube, dass ein Verstehen des Anderen oder des Andersein hilfreicher ist für beide Seiten.

    Solange wir nach Schuldigen suchen, nach Fehlverhalten, haben wir keinen Blick auf das Gute, auch wenn es noch so winzig ist. Doch in der Winzigkeit dessen, hat es auch verdient geachtet zu werden. Und das ist Heilung in der Tiefe der Seele für beide Seiten.

  4. Rolf schreibt am 5. Juli 2009 um 07:58

    Verzeihen können, heißt es, hilft! Wie ist das aber, wenn ich nichts in mir finde, das ich verzeihen könnte? Macht sich da nur nichts bemerkbar in mir? Sind bestimmte Dinge in mir blockiert oder kann es wirklich sein, dass ich nichts mehr zu verzeihen habe?
    Noch eine Frage habe ich, die mir vielleicht jemand beantworten kann. Ich wurde vor einiger Zeit selbst gefragt, ob man eigentlich auch pauschal einem Menschen oder sich selbst verzeihen kann, wenn man sich nicht sicher ist, ob man diesem Menschen früher etwas getan, ihn vielleicht verärgert hat? Danke für die Antworten.

  5. Alrune schreibt am 5. Juli 2009 um 09:38

    Tja, sauschwierig. Im normalen Leben habe ich kaum Schwierigleiten, jemanden zu verzeihen - wir sind alle nur Menschen und damit fehlbar.
    Aber ich tu mich schwer damit, meinem Vater zu verzeihen... was soll man machen, wenn eine Verletzung so früh stattgefunden hat, daß man sie gar nicht so bewußt erlebt hat, aber die Verletzung geht ja nicht weg... es macht mich traurig und hemmt mich in meinem ganzen Leben. Ich wünschte, es wäre anders, ich wünschte, ich könnte verzeihen, aber ich weiß nicht wie, und ich weiß nicht, wie ich mir selbst verzeihen soll oder wie ich es kann. Aus reiner Logik geht es schlichtweg nicht. Dann hätte ich es nämlich schon längst getan. Ich weiß von der Logik her, daß Verzeihen der einzige Weg ist. Aber wie kriegt man das wirklich innerlich hin?

  6. Sabine schreibt am 5. Juli 2009 um 11:07

    Auch ich konnte weder meinem Vater, dem Täter noch meiner Mutter der "Zulasserin" wirklich verzeihen. Stellte mein Vater doch stets mich als das Problem dar.
    Also passte ich mein Verhalten an, in seinem Sinne. So waren sie zufrieden mit "ihrem Werk" und und ich tat etwa 20 Jahre so, als seien sie die Menschen die ich mir als Eltern wünschte.
    Ein Trugbild, das "Problem" schwang unterschwellig immer mit. Als mein Vater damit begann meinen Kindern das gleiche anzutun, wie mir damals, musste ich die Grenze setzen. Dies ging nur ganz radikal, was dazu führte, dass er den Kontakt ganz zu mir "bösem Mädchen" abbrach. 10 Jahre dauerte die Funkstille. Die Distanz rettete mein Leben. Ich wurde stärker und dies versetzte mich nach und nach in die Lage auch seine Not zu verstehen, der Prozess des Verzeihens begann.

    Als ich von seiner Erkrankung erfuhr, fühlte ich mich stark genug für den Schritt auf ihn zu, bereit zur Versöhnung. Nie werde ich diesen Anblick vergessen: Er sah mich von weitem im langen Krankenhausflur auf sich zukommen und wir weinten beide vor Freude, er hielt mich fest, so als wolle er mich nie wieder verlieren.

    Er ist an Demenz erkrankt und hat alle seine Schreckenstaten "vergessen". Er verurteilt in seinen Ansichten nun scharf die Art von Menschen, die heute gleiches tun, was er damals tat.

    Und ich bekomme wie durch ein Wunder genau das von ihm, was mir immer gefehlt hatte.

  7. Andreas schreibt am 5. Juli 2009 um 11:11

    Ich lese immer die Beiträge hier, hab aber noch nie geschrieben. Nun stelle ich immer öfter fest, dass ich mich in vielen Aussagen und Gedanken, die ich hier lesen kann, wiederfinde. Ich bin seit nun schon ziemlich langer Zeit quasi in einem endlos scheinenden Prozess "gefangen" - genau genommen seit über 4 endlos scheinenden Jahren. Es ist für mich gerade jetzt undenkbar, einem bestimmten Menschen zu verzeihen. das ist für mich einfach kein Thema. Dabei bin ich ein Mensch, der immer an das Gute im Menschen geglaubt hatte. Leider habe ich die Erfahrung machen müssen, dass es Menschen gibt,von denen man sich am besten fern hält. - Aber, wer kann schon gegen sich selbst? Also, ich weiß nicht (mehr), ob ich je in der Lage sein werde zu verzeihen - ich will es auch gar nicht. Ich nutze dieses Gefühl, um Abstand zu gewinnen - als Selbstschutz. Eigentlich will ich einfach nur vergessen - aber wie geht das, wenn einem das Problem jeden Tag "über den Weg läuft". Vor sehr langer Zeit hab ich schon mal soetwas erlebt und mir versprochen, dass ich so etwas nie wieder zulasse. Nun stelle ich fest, dass alles sich wiederholt.

  8. Vicky schreibt am 5. Juli 2009 um 12:52

    Wenn du jemand verzeijst, öffnest du Gott neu Wege die er zum rollen bringt.(positive Wege)

  9. Andrea schreibt am 5. Juli 2009 um 13:08

    Ich musste schmunzeln, als ich das Thema heute im Newsletter entdeckte:ich habe vor Kurzem meinen Weg gefunden,wie mir das mit dem Verzeihen leichter fällt: Ho'oponopono. Ich habe ein Kurz-Seminar besucht, bei dem das sehr anschaulich erklärt wurde. Die Wirkung: einfach schön, er-leichternd und be-freiend; Reaktionen von Menschen auf mich haben sich geändert..; Schlüsselsatz ist für mich dabei: Ich vergebe MIR, dass ich DICH veranlasse, so und so zu mir zu sein; Und dann die Abfolge der Vergebung aus Hoóponopono.
    Ich bin dankbar, diese Möglichkeit kennengelernt zu haben und mir nun vieles verzeihen zu können!

  10. Hans-Jürgen schreibt am 5. Juli 2009 um 14:37

    Es kann sinnvoll sein, zum Verzeihen zu ermutigen. Aber es ist nicht der einzige Weg zur Heilung.

    Ich denke, es geht zu weit, zu behaupten:
    "... wir müssen verzeihen können, um alte Verletzungen hinter uns lassen zu können. Wenn wir nicht verzeihen können, reißen wir selbst unsere Wunden immer wieder aufs Neue auf."

    Das kann so sein, muss aber nicht so sein. Und es übt einen ungeheuren Druck auf die aus, die bereits verletzt wurden. Nun sollen sie auch noch glauben, dass sie selber daran Schuld seien, wenn es ihnen weiterhin schlecht geht.

    Dass das so sein kann, stelle ich nicht in Abrede. Es gibt einen eigenen Umgang mit Verletzungen, der dazu beiträgt, dass die Wunden nicht heilen können und dass neue innere Verletzungen dazu kommen können.

    Nach meiner Erfahrung ist "Verzeihen" ein möglicher Weg. Aber es ist nicht der Königsweg aus Verletzungen.
    Verzeihen ist eine freie Möglichkeit, keine Forderung, keine Verpflichtung und kein therapeutischer Imperativ.

    Liebe Grüße

  11. Petra schreibt am 5. Juli 2009 um 15:25

    Danke für das heutige Zitat!
    Seit Tagen beschäftige ich mit dem Verzeihen einer schwerwiegenden Sache, die 11 Jahre zurück liegt. Vor zwei Tagen habe ich noch mit meiner Tochter darüber gesprochen.

    Schon bei den ersten Sätzen bin ich in Tränen ausgebrochen, sicher der erste Schritt auf einen anderen Weg.
    Ja es macht Sinn für mich!
    Die Kommentare habe ich nur überflogen, weil ich mit dem Gedanken noch so beschäftigt bin.

    Von diesem Sevice hatte ich nicht erwartet, dass er so nahe zu mir kommt und möchte mich dafür bedanken.

    Einen guten Start in die neue Woche wünsche ich allen!

  12. Karin D. schreibt am 5. Juli 2009 um 15:29

    Ich mag das Wort Verzeihung nicht, denn es sagt implizit aus, dass es eine Schuld gibt. Und die ist eine Erfindung der christlichen Glaubenslehre, vielleicht auch anderer, aber die kenne ich nicht.

    Es geht meines Ermessens nicht um Verzeihung, sondern den Versuch, zu verstehen. Verstehen, dass der andere etwas getan hat, was bei mir als Verletzung, Kränkung, Herabwürdigung etc. angekommen ist. Das muss der "Schuldige" niemals so beabsichtigt haben. Wenn doch, dann kann ich versuchen herauszufinden, warum mich dieser Mensch absichtlich verletzen wollte. Schließlich gibt es für jede Tat ein Tatmotiv.
    Ausserdem sollte sich jeder fragen, warum ihn die "Tat" verletzt, warum es ihn kränkt, warum er sich gedemütigt fühlt. Auch dafür gibt es immer Gründe.

    Schuld und Sühne, Schuld und Verzeihung - damit ist so viel Schindluder getrieben worden (z.B. Ablass) und wird noch Schindluder getrieben.

    Es geht um Verstehen und verstehen wollen, dass die Wirklichkeit des anderen nicht meine Wirklichkeit ist und umgekehrt.

    Nicht die Tat hat verletzt, bei mir ist die Tat als Verletzung wahrgenommen worden. Nicht die Schuld muss ich vergeben können oder wollen, sondern versuchen, Ursache und Wirkung zu erkennen.

    Dann kann ich auch die Verbindung zu einem Menschen abbrechen, weil ich dessen Art nicht vertrage, mit mir umzugehen. Oder ich kann einen neuen Weg zur Verständigung suchen. Ohne nach der Schuld zu fragen und nach Sühne zu schreien oder gnädig Absolution (Vergebung) zu erteilen.

  13. Jürgen Gräbel schreibt am 5. Juli 2009 um 19:10

    In jedem Schicksal liegt auch eine Chance.
    Das sollte man niemals vergessen, wenn einem Negatives widerfährt. Deshalb sollte man m. E. auch einmal über das Wort "Verzeihen" nachdenken.
    Kann man nicht stattdessen auch dankbar sein, eine Erfahrung gemacht zu haben, aus der man unendlich viel gelernt hat.
    Es ist sicherlich nicht so einfach, auch ich habe Jahre dafür gebraucht, diese Erkenntnis zu gewinnen.
    Jedes Ereignis aus der Vergangenheit ist ein Lernschritt in unserer Existenz.
    Es mag für Viele möglicherweise befremdlich klingen, aber wir haben uns unser Leben selbst ausgesucht. Ausgesucht mit allen Höhen und Tiefen. Höhen und Tiefen, die wir für unsere Weiterentwicklung benötigen.
    Deshalb bin ich dankbar für Ereignisse, die mich zunächst enttäuschen oder gar verletzen.
    Allerdings vergeht oft auch eine Zeitspanne, bis ich das wirklich kapiere.
    Aber abschließen kann ich eine Enttäuschung wirklich nur, wenn ich statt verzeihe, Dankbarkeit für die Erfahrung empfinde.
    Jürgen Gräbel

  14. Silvia Guedri schreibt am 6. Juli 2009 um 06:37

    Es gibt dazu ein wunderschönes Buch welches ich kürzlich gelesen habe, der Titel lautet: Einverstandensein/ Die Erlösung des Schattens/ Der direkte Weg zum Einklang mit deinem innereren Selbst. Wer das Leben lediglich erträgt und nicht bereit ist eins mit jeder Situation zu sein und dafür die volle Verantwortung zu übernehmen, wird unter dieser Last immer zerbrechlicher. Denn zerbrechlichkeit ist immer der Verlust von Ganzheit.
    Silvia Guedri

  15. Gabriel Troger schreibt am 6. Juli 2009 um 07:40

    ...ein weiteres ganz liebes Buch zum Thema: Yofi oder die Kunst des Verzeihens, da wird das Verzeihen noch einmal auf eine ganz andere Ebene gestellt, als das gemeinhin der Fall ist - ganz empfehlenswert....
    vielen Dank für eure Mühe - es ist immer wieder eine Freude, euren Newsletter zu lesen - danke

  16. H.P. Walcher schreibt am 6. Juli 2009 um 11:35

    Kann mir jemand einen Ratschlag geben, wie man seiner Ex-Frau das verzeihen soll?
    Man lebt 15 Jahre in einem gekauften Einfamilienhaus. Die Frau war in dieser Zeit Hausfrau. Dann entschliesst sie sich, die Ehe zu brechen und auszuziehen. Darauf findet vor Gericht das Eheschutzverfahren statt. Was herauskommt: Ich muss über die Hälfte meines Zahltages ihr abliefern... gemäss Gericht: Damit sie ihren Lebensstandard beibehalten kann. Arbeiten gehen wie ich will sie ja schliesslich nicht, obschon sie mindestens 4 Ausbildungen hat... die letzte (Arztsekretärin) abgeschlossen kurz vor dem Auszug. Sie hat über all die Jahre nur immer genommen... das Leben genossen... und jetzt soll das alles so weitergehen... bis in alle Ewigkeit!
    Der Grund, weshalb eine Trennung nicht von meiner Seite erfolgt ist, ist der katholische Glaube... da hat man ja irgendwann mal einander etwas versprochen...
    Heute leben die zwei Kinder noch bei mir... wie lange weiss ich nicht... denn ich denke, dass wir beim Scheidungsverfahren unser Haus verkaufen müssen... und dann habe ich alles verloren, was ich die letzten 20 Jahre aufgebaut habe. (Schliesslich geht es ja nur noch ums Geld... dass ich für sie möglichst viel abzuliefern habe
    Wie soll man da noch verzeihen können?

  17. Kristina schreibt am 6. Juli 2009 um 14:08

    Hallo H.P. Walcher,

    mit verzeihen ist nicht gemeint, dass man das gut heißt, was der andere getan hat. Verzeihen ist vor allem für dich selber wichtig, damit du Frieden findest und deinen Weg gehen kannst. Mit Hass vergiftest du nur dein Innerstes, und dann ziehst du gemäß dem Gesetz der Resonanz immer mehr Hass und Negatives an...

    Sicher wird es die jetzt sehr schwer fallen zu vergeben zu können. Zwing dich nicht, denn du musst es wollen. Wenn du dich dafür entscheidest deiner Ex- Frau vergeben zu wollen - irgendwann - dann ist das der erste Schritt. Das Universum steht dir bei und setzt alles in Bewegung, dass du auch verzeihen kanst. Du wirst es merken, denn du wirst ruhier und ausgeglichener...die Entscheidung dafür liegt nur bei dir.

    Alles Liebe!

  18. Doreen schreibt am 6. Juli 2009 um 17:06

    Hier mein erster kleiner Kommentar in diesem Forum, welches ich sehr schätze, da es mir doch immer wieder Anregungen gibt, über viele Dinge des Lebens auch andere und sinnvolle (!) Meinungen zu hören.
    Dieses Zitat aus dem Buch "21 Wege die Liebe zu finden" von Pierre Frank hat mir die Thematik mit dem VERZEIHEN etwas vereinfacht: "Beim VERGEBEN verzeihen wir dem anderen, ohne gutzuheissen, was er getan hat."

    Viele Grüße!

  19. Farah schreibt am 8. Juli 2009 um 15:38

    Nun - das mit dem Verzeihen ist wirklich "so eine Sache".

    Krampfhaft verzeihen zu wollen, weil "man" ja schließlich verzeihen soll macht das ganze wirklich nur schwieriger.

    Ich hatte viel zu verzeihen als ich hintergangen und betrogen wurde. Und - ich denke ich habe es bis heute noch nicht ganz geschafft. Meine Gedanken haben viel gekreist um dieses große Wort "Verzeihen".

    Meine Erkenntnis: Es kommt auf den Wert an, der verletzt wurde. Und diesen Wert kann ja nur jede/r selber für sich entscheiden. Für mich wurde die Werte Vertrauen und Ehrlichkeit und Offenheit verletzt. Werte, die für mich sehr viel darstellen.

    Hier heilt auch nicht die Zeit die Wunden, weil diese Werte ja Konstanten sind in meinem Leben. Die einzige Möglichkeit - für mich - stellt tatsächlich das (künftige) Verhalten meines Partners dar. Es ist an ihm die Werte Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit wieder herzustellen, indem er ihnen nun eine große Bedeutung zumisst. Die gleiche Bedeutung wie ich selber auch.

    Und genau dies habe ich ihm auch kommuniziert. Das Verzeihen NUR so möglich ist für mich. Dass ich sonst gar nicht verzeihen will und werde.

    Bislang sind wir auf einem guten Weg. Einen nochmaligen Bruch dieser Werte werde ich nicht mehr hinnehmen. Da braucht es dann kein Verzeihen. Dann wäre es Zeit für den Abschied!!

    @H.P. Walcher

    Verzeihen? Wie sollst Du "sowas" verzeihen? Da gibt es nichts zu verzeihen. Wenn das Ganze so ist wie Du es beschreibst und/oder empfindest, dann ist und war das einfach gemein von Deiner Ex. Und dafür darfst Du sie doch auch "doof" finden. Und damit --- Schlussstrich drunter. Das Leben hat noch mehr zu bieten als ein Haus..... ;-)

    Du schreibst: "Der Grund, weshalb eine Trennung nicht von meiner Seite erfolgt ist, ist der katholische Glaube... da hat man ja irgendwann mal einander etwas versprochen..."

    Vllt willst Du mal drüber nachdenken, ob Du Dir nicht selber was zu verzeihen hast? ICH wollte keinen Mann an meiner Seite der "nur" wegen des Glaubens bei mir bleibt.

    Vllt war die Trennung für Euch BEIDE letztlich ja eine Befreiung?

    Ich wünsch Dir viel GLÜCK!!!

  20. Isabel schreibt am 18. Juli 2009 um 10:40

    Verzeihen ist eine tolle Sache. Ich hatte in meiner Kindheit einen Unfall der mein Leben total verändert hat. Der Unfallverursacher war selbst noch ein Kind, nur ein paar Monate älter als ich. Nun bin ich zwischenzeitlich bald 40 und kämpfe immer noch mt dem Verzeihen. Ich glaube, der erste wichtige Schritt ist zu erkennen, dass man die Tatsachen durch ein Nichtverzeihen nicht ändern kann. Im Gegenteil, durch schlechte Gefühle (Haß und Zorn) macht man sich selbst das Leben nur noch schwerer. Ich habe, auch bedingt durch räumlichen Abstand, inzwischen wieder gelernt das Leben zu genießen, auch mit Handicap und Schmerzen. Und ich arbeite am Verzeihen. Vielleicht besitze ich irgendwann den Mut und die Größe wirklich zu verzeihen.

  21. Cara schreibt am 27. Juni 2010 um 18:58

    Auf der Suche danach wie man verzeihen kann ob nun sich selbst oder jemand Anderem bin auf eure Ecke hier gestoßen.

    Was ich hier sehr vermisse rund um das Thema "verzeihen", ist wie man überhaupt verzeiht, wie es praktisch überhaupt funktionieren kann, umzusetzen ist, was für mich persönlich sehr hilfreich gewesen wäre und meine Frage war.

    Mut und Größe, Vertrauen, Mißbrauch und und und. Alles zu lesen, nur das nicht.

    Inzwischen weiß ich aber, daß man um verzeihen zu können nicht nur kluge Sprüche und/ oder Ratschläge braucht und auch die "Wertigkeit der Verletzung" denn sie ist so relativ wie jedes Individuum einzigartig und entspringt der Subjektivität dessen.
    So spielt es keine besondere Rolle wie lange, wie tief, wie schwer, das Wesentliche ist m. E., daß man verletzt wurde zu erkennen ob nun vorsätzlich oder unbewußt. Was in meinem speziellen Fall vor 50 Jahren in meinem Elternhaus begann und mich bis vor 2 Jahren "verfolgte", mein Leben lang. Ich Disharmonien fühlte deren Ursprung ich nicht erkannte und so Tagein, Tagaus an vielen Stellen vor mich hin litt ohne zu wissen wie mir geschieht. Meine Gefühle rationalisierte, aus Angst sie zu zulassen.

    Um sich selbst verzeihen zu können muß realistisch die Verantwortung für die jeweiligen Verletzungen verteilt - zugeordnet werden.

    Wobei man durchaus davon ausgehen kann, daß bei Erwachsenen sprich (Ehe)- partnern z. B. doch sehr oft nicht einer allein die Verantwortung dafür trägt, was bei der Verletzung von Kindern durch Erwachsene wieder etwas völlig anderes ist.

    Einen schönen Abend wünscht

    Cara