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Ein Geschenk der Selbsterkenntnis

Von Tania Konnerth3 Kommentare

"Lerne, dich selbst zu verstehen, und indem du dies tust, wirst du anfangen, andere zu verstehen."

Eileen Caddy

Die Aussage des heutigen Zitats trifft meiner Erfahrung nach genau ins Schwarze. Mich selbst besser kennen und verstehen zu lernen, hat mein Verstehen anderer erheblich verbessert.

Das scheint zunächst fast paradox, denn man könnte ja annehmen, dass die Beschäftigung mit sich selbst zu einem eher engeren Verständnisradius führt als zu einem weiteren. Tatsächlich aber kann man, in dem man sich intensiver mit der eigenen Persönlichkeit befasst, auch lernen, sich selbst liebevoller und nachsichtiger anzuschauen und zu behandeln. Und meiner Ansicht nach ist es genau diese Nachsicht uns selbst gegenüber, die uns dann auch einen verständnisvolleren und weicheren Blick auf andere Menschen ermöglicht.

Ganz konkret ist mir das bei mir z.B. in diesem Bereich klar geworden: Ich habe mich immer ziemlich über Menschen geärgert, die anderen ins Wort fallen, um etwas eigenes zu erzählen – bis zu dem Tag, an dem ich mich einmal bewusst selbst dabei erwischte (und ich gehe davon aus, dass ich es zuvor viele, viele Male gemacht habe, ohne es zu merken). Ich war in diesem Moment sehr gut mit mir im Kontakt und konnte deshalb analysieren, warum ich meinen Gesprächspartner unterbrochen hatte: Ich wollte an diesem Tag dringend gesehen werden, ich sehnte mich nach Zuwendung und Aufmerksamkeit. Und die holte ich mir dann – unbewusst – durch etwas, was unhöflich und damit wenig dazu angetan war, mir Zuneigung zu sichern. Das so deutlich zu erkennen, ermöglichte mir dann in weiteren Gesprächen darauf zu achten, mein Bedürfnis lieber klar auszusprechen, als einfach den anderen zu unterbrechen, um selbst was sagen zu können.

Und um nun wieder zum Thema des Zitats zurückzukommen: Diese Erkenntnis über mich ließ mich von diesem Zeitpunkt an Menschen, die andere unterbrachen, anders sehen. Ohne dabei 1:1 von mir selbst auf andere zu schließen (also dem anderen meine eigenen Motive zu unterstellen), war mir auf einer übergeordneten Ebene klar geworden, dass diese Unart immer einen Grund hat und das zu sehen, ließ mich milder werden.

Ich habe die Erfahrung, dass ich, indem ich mich selbst besser verstehe, auch anderen Menschen gegenüber verständnisvoller werde, immer wieder machen können. Auch wenn das sicher nicht das primäre Ziel von Selbsterkenntnis ist, so ist es ein wundervolles Geschenk.

  1. Beate schreibt am 6. Oktober 2009 um 07:02

    ... ich bin gestern -nach dreijährigem Bemühen um meine Ehe, meine Familie- gegen meinen Willen geschieden worden..., das tut unglaublich weh...
    Ich möchte eines Tages meinem Mann vergeben können (Ehebruch! heute nennt man das leichter Fremdgehen - wieder neu verlieben - auseinandergelebt - Trennung...)... dazu versuche ich, mich selbst immer besser zu verstehen (das Thema Selbsterkenntnis hat mich deshalb sehr angesprochen!), um eines Tages auch die Beweggründe meines Mannes verstehen zu können... Ich hoffe, dass es mir auf diesem Wege gelingen wird, ihm vergeben zu können...

  2. Lutz Joachim Winterfeldt schreibt am 8. Oktober 2009 um 00:26

    Sie schreiben: ...um eines Tages auch die Beweggründe meines Mannes verstehen zu können...
    Nein!
    Dies sage ich aus der anderen Sicht, aus der Sicht des Mannes der sich "aus dem Staub gemacht hat".
    Warum Nein?
    Weil das keine Rolle spielt. Eine Trennung kommt meistens zur Ausführung (wenn ich dieses mal so kalt sagen kann), wenn "Nicht-kompatible Seelenrollenspiele" sich manifestieren. Aus irgendeinem Grunde stellt es sich heraus, mal früher, mal später, dass die Partner ganz andere Seelenerfahrungen machen müssen, und der Partner dazu nicht nur nicht hilft, sondern oft sogar hinderlich ist (und der, der nicht hilft oder hinderlich ist, kann der sein der loswill, oder der, der nicht loswill). Sehen Sie das nicht negativ. Ist so wenn Einer nach Paris fahren muss, und der Andere nach Rom, mehr nicht. Eine Trennung in diesem Fall, so schmerzlich wie auch immer, ist immer noch besser als ein künstlich zusammengehaltenes Verhältnis ohne Sinn.
    Und dann noch: Um aus dem bedrückten Seelenzustand der Trennung herauszukommen, sollte man unmittelbar, vollständig (und natürluch ohne nach Gründen zu fragen) VERZEIHEN.

  3. Monika Scherr schreibt am 24. Mai 2010 um 06:42

    Ist es nicht so, dass Partner und Freunde wie ein Spiegel unseres Selbst sind? Wenn ich mich über ein Verhalten meines (nahestehenden) Gegenübers ägere, so gibt mir das den Hinweis, dass ich selbst unter diesem oder ähnlichem Manko leide. Das Gegenüber (egal, was es sagt oder tut) steht IMMER im Zusammenhang mit mir selbst...wir sind in Resonanz zu einander. Wir ziehen uns gegenseitig an, weil wir Gemeinsamkeiten haben und uns damit einen Hinweis für uns selbst geben können - wir müssen es nur verstehen lernen. Dies gilt übrigens auch bei Begegnungen/Erfahrungen, die uns freuen - auch da stehen wir in Resonanz, ist unser Selbst auch mit im Spiel.
    Ich wünsche jedem ein konstruktives und erfüllendes Leben.
    Dank für die Aufmerksamkeit.