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Weniger ist manchmal mehr…

Von Tania Konnerth13 Kommentare

"Je ruhiger wir werden, desto mehr können wir hören."

– Ram Dass

Ich bin ein hörsensibler Mensch und ich habe hier schon öfter über die Themen "Lärm" und "Stille" geschrieben. Vor einigen Tagen fand ich das obige Zitat und das bringt mich dazu, wieder einmal etwas dazu zu schreiben und zwar diesmal mit dem Blick auf die zwischenmenschliche Kommunikation.

Als ich die Worte von Ram Dass las, fielen mir spontan diverse Situationen ein, in denen ich mit mehreren Leuten an einem Tisch saß – ob nun in geselliger Familienrunde, mit Freunden oder mit Bekannten beim Essen. Wenn die Stimmung gut wird, wird bei solchen Treffen ja viel geredet. Es finden meist verschiedene Gespräche gleichzeitig statt und der Geräuschpegel steigt schnell und hoch.

Mir fällt immer wieder auf, dass ich in solchen Runden recht schnell das Problem bekomme, nicht mehr folgen zu können. Ich versuche erst, einem Gespräch zu folgen, werde dann durch ein anderes abgelenkt und will dann noch jemanden meine besondere Aufmerksamkeit schenken – und schwuppdiwupp höre ich gar nichts mehr! Das finde ich regelmäßig frustrierend und bevorzuge deshalb zunehmend kleine Gesprächsrunden, in denen ich eine Chance habe, den einzelnen Leuten wirklich zuzuhören.

Je lauter die Welt, je vielstimmgier die Gespräche, desto weniger bekomme ich mit. Und ich habe das Gefühl, damit nicht ganz allein zu sein.

Natürlich ist es nett, auch mit vielen Menschen zusammen zu sein und wir müssen uns gar nicht zurückziehen, um für mehr Ruhe zu sorgen. Es reicht schon, wenn wir in Gesprächsrunden öfter mal nur zuhören als z.B. auch selbst zu reden. Oder wenn wir öfter mal nur Einzelkontakte suchen als das Zusammensein in Gruppen. Einfach um mehr zu hören von den Menschen, die uns wichtig sind. So können wir viele Zwischentöne entdecken und das, was Ram Dass beschreibt.

  1. barbara schreibt am 1. August 2010 um 06:05

    mir geht es ganz oft so, hab mich in diesem Artikel sehr wiedergefunden!

  2. Jens schreibt am 1. August 2010 um 08:37

    Das geht mir in größeren Runden ganz genauso, darum mag ich auch lieber kleine Gruppen, wo nur eine Person zur Zeit redet - oder treffe mich mit nur einer Person, mit der ich mich dann ganz intensiv austauschen und dabei eben auch intensiv zuhören kann.

  3. Monika schreibt am 1. August 2010 um 09:26

    Ich habe Probleme mit den Ohren und habe immer gedacht ich kann einfach nicht richtig hören. Wie beruhigend, daß es andere Menschen gibt, bei denen das Problem auch so ist. Das beruhigt mich doch sehr, denn genau wie Barbara habe ich mich in diesem Artikel wiedergefunden.

  4. Petra schreibt am 1. August 2010 um 09:30

    Ich kenne dieses Phänomenen auch, für mich sind es dann zuviele Reize in der Umgebung, nicht nur die "Laute" sondern auch die Bewegungen, die mich ablenken. Ich halte mir oft auf einer Seite das Ohr zu und/oder nutze eine Hand als Scheuklappe, dann kann ich meine Aufmerksamkeit leichter bei meinem Gegenüber halten. Daher mag ich auch lieber kleine Gruppen oder Zweierkontakte, da kann ich "einfach" da sein.

  5. Barbara II schreibt am 1. August 2010 um 17:06

    Ja! Manchmal kommt man sich wie behindert oder schon ein wenig "ältlich" (weil "schwerhörig") vor. Es ist dann jedesmal sehr frustrierend, weil man den Anschluss oft nicht mehr findet. Und es dann langweilig wird. Ich habe noch keine Lösung dafür gefunden. Würde es gerne. Vielleicht gibt sie diese auch?? Weil sich nur zurückziehen ist ja auch nicht die ganze Lösung?!?

  6. tine schreibt am 2. August 2010 um 06:43

    lieber ralf,
    danke für diese worte. mir geht es genauso und ich dachte oft, dass nur ich das "problem" habe.
    ich habe es bei mir auch auf meine situation nach 2 tinnitus geschoben, dass ich einfach hörsenisibler bin. außerdem habe ich den eindruck, dass bei mir die lärm- und reizsituation in der großstadt wie münchen eine sehr große rolle spielen.
    es tur gut zu hören, dass ich nicht allein bin...
    liebe grüße

  7. Jörn schreibt am 2. August 2010 um 07:33

    Das Ohrenproblem kenne ich auch und es beeinträchtigt mich manchmal doch sehr. Da funktionieren die Filter im Kopf nicht richtig. Nach Aussagen einer Fachfrau dürfte es sich dabei um eine leichtere Form von ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitäts-Syndrom) handeln. Es tut gut, damit nicht alleine zu sein...

  8. clara schreibt am 2. August 2010 um 11:08

    Danke für diesen Artikel
    dachte ich doch, ich stehe mit diesem Problem allein auf der Welt.
    Und, man ist mittendrin, und fühlt sich doch alleine -
    erweckt den Eindruck, man hätte kein Interesse am Gespräch oder am Menschen.
    Ich meide solche Aufläufe schon, denn sie geben mir fast nichts - ausser: ich war dabei. Und das hinterlässt mir ein hohles Gefühl.
    Das reine Zuhören ist es auch nicht - es gibt durchaus durchsetzungsfähige Sprecher, aber mit denen trifft man sich besser auch alleine und nicht in einer Gruppe.

  9. gerti schreibt am 2. August 2010 um 13:27

    Solche "Kanal(isierungs)arbeiten" in Gruppen fallen mir auch schwer, weil mich vieles interessier. Und oft halte ich mich gerade noch zurück, das Wort zu erteilen oder um's Wort zu bitten (Lehrer-Macke?!). Außerdem sitze ich bei Paar-Treffen gern in der Nähe der Männer. Sie reden weniger und die Themen interessieren mich meistens mehr.

  10. Elisabeth schreibt am 2. August 2010 um 14:22

    Danke - auch von mir. Ich habe es aufgegeben, mich für meine "Gruppenunfähigkeit - oder besser "Gruppen-Unterhaltungs-Unwille" zu schämen oder mich dafür innerlich zu verurteilen. Statt dessen versuche ich meine mir wichtigen Kontakte in der Zweierkommunikation zu pflegen.
    Wenn ich offen begründe, weshalb ich eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier, zu einem Treffen im grossen Rahmen oder was auch immer nicht annehme, werde ich meistens verstanden.

  11. Jub schreibt am 6. August 2010 um 13:50

    ... und was ist mit der zeitweiligen Ruhe vor Menschen generell???

    Ich habe den ganzen Tag Meetings, Workshops und Telkos. Die Plätze, wo man mal seine Ruhe hat werden leider immer weniger. Ich dachte, mit den Ruhewagen der ICE's hätte ich sowas gefunden (Fahre viel & lange mit denen)aber nix da, da wird fleißig telefoniert, laut geredet und (nix gegen die lieben Kleinen)Mütter/Väter/Familien mit Klein-/kleinen Kindern setzen sich genau in diesen EINEN Wagen...

    wenn ich noch Raucher wäre, was würden die Leute sagen, wenn ich in einem Nichtraucherwagen rauchen würde???

    Die Ruhe ist in unserer Zeit immer wertvoller aber auch seltener - für mich zählt "Ruhestörung" langsam zur "Körperverletzung". Wir müssen uns nicht wundern, wenn immer mehr Fälle von Burnout etc. hochkommen unsfehlt die Ruhe zum Abschalten.

    viele Grüße
    ...jub

  12. Andrea schreibt am 8. August 2010 um 14:44

    Danke! Ja, geht mir genauso. Langsam empfinde ich meine hohe Sensibilität nicht mehr als Schwäche. Auch wenn es mir noch nicht leicht fällt, mich immer wieder dafür zu rechtfertigen.

  13. Julia schreibt am 15. August 2010 um 07:17

    Danke fuer diesen Artikel. Mir geht es auch oft so. Nur habe ich es immer so intepretiert, dass mein Hoervermoegen unzulaenglich ist. Es ist gut zu wissen dass es wahrscheinlich Vielen so geht. Ich schaetze Einzelgespraeche (manchmal kleine Gruppen) oft viel mehr, weil es auch die Moeglichkeit eines persoenlichen Gespraeches leichter ermoeglicht.