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Zu früh gefreut?

Von Tania Konnerth45 Kommentare

“Und ich habe mich so gefreut!”, sagst du vorwurfsvoll, wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde. Du hast dich gefreut – ist das nichts?”

– Marie von Ebner-Eschenbach

In dem heutigen Zitat geht es um das Thema Enttäuschung. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass Enttäuschung immer etwas mit unseren Erwartungen zu tun hat? Wir erwarten mehr oder etwas anderes und wenn wir das nicht bekommen oder etwas anderes eintritt, sind wir enttäuscht.

Vielleicht kennen Sie auch das Wortspiel mit dem Begriff “Enttäuschung”? Nämlich das in der Ent-Täuschung ein Ende der Täuschung gesehen werden kann? Dass wir uns also schlicht und einfach über den Verlauf einer Sache geirrt haben und nun eben mit den geänderten Gegebenheiten klarkommen müssen.

Mir hilft dieses kleine Wortspiel sehr dabei, das Gefühl einer Enttäuschung nicht zu stark werden zu lassen. Es rückt alles ein bisschen mehr in angemessene Relationen: Nur weil ich etwas erwarte, ist damit ja keine Garantie verbunden, dass etwas so eintritt oder geschieht, wie ich es will. Und genau das machen wir uns oft nicht klar.

Wenn wir etwas erwarten, dann haben wir das Gefühl, ein Recht auf eine Sache zu haben. Aber ist das wirklich so? Manche unserer Erwartungen basieren auf Versprechen anderer – aus denen könnte man ein gewisses Recht auf Einhaltung ableiten (das uns aber letztlich auch nicht viel nützt, wenn das Versprechen eben doch nicht eingehalten wird).

Wenn wir aber mal ehrlich sind, leiten sich viele unserer Erwartungen nicht wirklich aus klaren Zusagen anderer ab, sondern wir entwickeln sie einfach so. Vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht aus dem, was “üblich ist” oder – und das ist besonders perfide – aus unserem eigenen Verhalten heraus. Ganz nach dem Motto: “Ich mach das so, also musst du das auch so machen.” Das ist natürlich nicht fair, denn die Personen, an die wir dann unsere von uns selbst abgeleiteten Erwartungen stellen, haben oft nicht einmal eine Ahnung von dem, was wir von ihnen wollen. Aber wir reagieren dann dennoch sauer, wenn sie die unsere (eben oft nicht einmal formulierten Erwartungen) nicht erfüllen.

Kommen wir zurück zu dem Zitat, denn da stecken für mich zwei Aspekte zum Thema Enttäuschung drin:

Vielleicht nehmen Sie das Zitat einfach einmal mit in Ihren Alltag und schauen, wie sich zukünftige Enttäuschungen anfühlen, wenn Sie ein bisschen mit den Zeilen von Marie von Ebner-Eschenbach spielen.

  1. M.D. schreibt am 26. September 2010 um 05:25

    Sie berühmten drei Worte:"Achte auf Zeichen!"
    dh.:Die Dinge am Wegesrand auch zu beachten, und nicht nur an sich selber Erwartungen stellen.
    Einen
    Schönen
    Sonntag
    M.D.

  2. Kathy schreibt am 26. September 2010 um 06:11

    Gestern bin ich enttäuscht ins Bett gegangen. Warum, frage ich mich im Nachhinein. Ja, es hängt mit den Erwartungen zusammen, die ich für mich gesetzt habe, wie ich mir das Verhalten von anderen Menschen vorstelle, weil ich mich selbst so verhalten würde. Aber das spielt sich meistens nur in meinem Kopf ab! Ich denke, ich erwarte und ich bin dann enttäuscht, schlimmer, ich fühle mich sogar ge-täuscht. In dem Moment, wenn jedoch darüber gesprochen wird, jeder erzählt, warum er/sie sich so und so verhalten hat, werden die eigenen Erwartungen plötzlich nichtig bzw. relativiert.
    Wir sprechen zu wenig über unseren Erwartungen, besonders mit Menschen, die uns sehr nahe stehen , aber auch zu wenig mit Kolleginnen oder gar den Nachbarn. Erwartungen sehr individuell.Wenn ich nicht darüber rede, werde ich um so mehr enttäuscht.

    darüber Rede, werde ich im so mehr enttäuscht.

  3. Frank Moser schreibt am 26. September 2010 um 06:25

    Liebe erblüht im Staunen einer Seele, die nichts erwartet, und sie stirbt an der Enttäuschung des Ichs, das alles fordert.

    Gustave Flaubert

  4. Volker Specht schreibt am 26. September 2010 um 07:01

    Manche unserer Erwartungen basieren auf Versprechen anderer – aus denen könnte man ein gewisses Recht auf Einhaltung ableiten (das uns aber letztlich auch nicht viel nützt, wenn das Versprechen eben doch nicht eingehalten wird).

    Auch zum Versprechen anderer ein Wortspiel:

    Der Andere, der etwas versprochen hat, hat sich

    VER- SPROCHEN!

    Viel LICHT und LIEBE an ALLE!

    Volker Specht

  5. Tanita Magnol schreibt am 26. September 2010 um 08:19

    Der Text het mir wirklich aus der Seele gesprochen. Immer wieder frustriere ich mich selbst mit einer viel zu großen Erwartungshaltung und fühle mich immer höchst betrogen um meine Freude.
    Jetzt habe ich mir sogar schon versucht jegliche freudige Erwartung abzustellen. Aber das ist irgendwie noch ein größerere Selbstbetrug.
    Ich arbeite daran ...

  6. Muriel schreibt am 26. September 2010 um 08:33

    Mein Mann hat mir eben den Aritkel über Enttäuschung gemailt: Er bringt mich nicht weiter, ich bin enttäuscht ;-)

    Meistens basiert eine Enttäuschugn auf einer Investition, die einen Verlust nach sich zieht. Ich zahle den Handwerker und der fuscht! Ich investiere Zeit für eine Verabredung, die nicht kommt und sich nicht mal entschuldigt. Jemand anders demoliert mein Inventar und ist nicht in der Lage, den Schaden zu ersetzen. Ich fahre in den Urlaub und habe 3 Wochen Baulärm und bin hinterher krank. Der Friseur zerschneidet mir die Haare (1 Jahr aussehen wie eine Vogelscheuche).

    Da habe ich Energie, Lebenszeit und Geld verloren und noch einen zustätzlichen Schaden! Es ging eine Zeit der Entbehrung und Selbstdisziplin voraus, um mir etwas zu leisten: den Handwerker, den Urlaub, die Zeit für einen Termin etc... von ewigem Bedürfnisaufschub wird man nicht satt!

    Was gibt es da noch schön zu reden mit Frau Maria von und zu Ebensbach?

    Mir geht es besser, wenn ich vom Schlechtesten ausgehe und dann im besten Fall einen erträglichen (Schulnote 3 nicht 1) Ausgang eines Planes/Ziels/Sache etc. erleben darf.
    viele Grüße
    Muriel

  7. Getäuschte schreibt am 26. September 2010 um 08:36

    Ich bin und das ist auch ganz interessant - je nach Tagesform und Feeling - hin und wieder ent_täuscht. Darf ich denn so gar keine Erwartungen an andere haben? Besser nicht. Nach meiner Erfahrung möchte mein Ego dann etwas HABEN, ich habe ein Bedürfnis. Das wird je nach Erwartung groß und machmal auch größer und wenn ich das nicht bekomme, schmerzt es - machmal eben recht stark. Wenn mir das aber bewusst ist bzw. wird in diesem Moment, kann ich mein Ego fragen, was es denn eigentlich braucht und ob ich mir das nicht selbst geben kann, was ich mir vom anderen wünsche. Es ist schön für mich, wenn jemand meine Erwartungen erfüllt, jedoch ist das eben kein "Freifahrtschein" dafür, dass das immer so ist und ich das erwarten kann. Grundsätzlich ist ein hinterfragen, warum ich diese Erwartungen gerade an jemanden habe ganz hilfreich, denn dann bleibe ich bei mir.

  8. Muriel schreibt am 26. September 2010 um 08:44

    Erwarte nichts, dann bist du nie enttäuscht!

  9. Daniela Putz schreibt am 26. September 2010 um 08:45

    Liebes "Zeit zu Leben"-Team,
    ich lese Eure Artikel sehr gerne. Zum Thema Erwartung und daraus resultierende Enttäuschungen ist mir vor kurzem folgender Spruch untergekommen: "Ergebnisoptimierung durch Erwartungsreduktion". Liebe Grüße Daniela

  10. Tanja Liedtke schreibt am 26. September 2010 um 08:54

    Ich denke, Erwartungen haben etwas mit Disziplin zu tun. Wenn ich nach enttäuschter Erwartung so ganz aus dem Häuschen bin vor Frust und Ärger, kann ich mich nicht gut selbst disziplinieren. Wenn ich das in den Griff bekomme, kann ich auch mit "Enttäuschungen" gut zurecht kommen.

  11. Madagaskar schreibt am 26. September 2010 um 08:57

    Na ja, das menschliche Zusammenleben beruht wohl zum größten Teil auf Erwartungen, die man zurecht hat. Ich muß mich ja auf das mitmenschliche Verhalten eines Andern verlassen können. Wenn mir jemand signalisiert, so oder so zu sein, und er enttäuscht, was seine Signale mich glauben ließen, dann frustriert er. Nicht ich habe mich in der Lesung der Zeichen getäuscht, sondern ein Anderer hat gespielt. Ziel? Haben, Nutzen und benutzen. Das gibt es eben. Hilfreich: Ebenfalls nur noch spielen. Erzeugt eine doppelbödige Gesellschaft in der keiner mehr Vertrauen hat. Geil.

  12. Maluka schreibt am 26. September 2010 um 09:13

    Durch die heutige Rundmail kann man 2 Schluesse ziehen um einen Weg zu gehen

    1. Wenig Erwarten, dadurch wenig Vorfreude sich aber auch eine grosse Enttaeuschung ersparen

    2. Erwartung hegen, Vorfreude erleben aber mit einer Enttaeschung rechnen

    Welchen Weg wir waehlen ist uns ueberlassen. Es ist sicher auch Situationsbedingt was in einem automatisch ablaeuft oder ob man seine Erwartung vernunftsbedingt steuern kann.

    Dennoch freue ich mich (wie immer) ueber diese Gedankenanregung, wieder eine Moeglichkeit an sich selbst zu arbeiten.
    Allen einen schoenen Tag!

  13. Muriel schreibt am 26. September 2010 um 09:32

    @Madagaskar
    Zitat: Wenn mir jemand signalisiert, so oder so zu sein, und er enttäuscht, was seine Signale mich glauben ließen, dann frustriert er.

    Man sollte die Dinge beim Namen nennen: Das ist Betrug!
    Dieses Bagatellisieren (Ent-Täuschung als Selbsttäuschung zu deklarieren) hilft niemandem weiter!

    Neben der Enttäuschung entsteht eine Folgeschaden, der Vertrauensverlust!

  14. Elke schreibt am 26. September 2010 um 09:43

    heute finde ich es kompliziert, enttäuscht = ich bin von etwas ausgegangen, wenn ich hoffte, dass etwas passiert, aber dies dann nicht passierte. Vergleiche ich dies mit Entwarnung, dann wurde zuerst gewarnt, die Warnung durch die Entwarnung zurück genommen. Danach wäre ich bei einer Enttäuschung zuerst getäuscht worden, die Täuschung durch die Enttäuschung wieder zurück genommen worden.

    Also,die Freude auf einen sonnigen Tag ist eine Täuschung und wenn es regnet bin ich enttäuscht und damit wird die Täuschung wieder zurück genommen.

    Danach kann ich nur dann enttäuscht sein, wenn ich auf etwas gehofft habe, bei dem ich keinen Einfluss darauf haben kann, wie es denn wirklich sein wird, ich kann enttäuscht werden oder nicht. Oder es ist etwas, auf das ich Einfluss habe, ein schönes Essen kochen und werde enttäuscht, weil ich mich überschätzt habe oder mich nicht ausreichend angestrengt habt.

    Und was schließe ich nun daraus? Sage, fühle denke immer ganz klar, was du willst, prüfe, ob es auch realistisch und erreichbar ist, ob du selber darauf Einfluss haben kannst. Und wenn du Einfluss darauf hast, dann gibt auch 100 %. Wenn du dir nichts unrealistisches wünschst, kannst du nicht enttäuscht werden, sondern freust dich, wenn es trotzdem eintritt - also de Sonne scheint - und wenn du 100 % bei den Dingen gibst, die du selber beeinflussen kannst, wirst du auch hier nicht enttäuscht.
    Vielleicht kann man sich so zumindest die großen Enttäuschungen des Lebens ersparen.

  15. Ellen schreibt am 26. September 2010 um 10:06

    ...neben der Enttäuschung entsteht der Vertrauensverlust!
    Das ist so wahr.
    Vor 10 Jahren lernte ich einen verheirateten Mann kennen.
    Nach 2 Jahren fragte er mich, wenn er sich von seiner Frau trennt, ob ich dann zu ihm stehe. Ich habe ihm das bestätigt, für mich war es selbstverständlich.
    Leider habe ich damals versäumt zu fragen, ob ER auch zu mir steht, sprich, das er sich scheiden läßt (war für mich eine selbstverständliche Konsequenz).
    Er ist bis heute nicht geschieden - für mich eine große menschliche Enttäuschung und Vertrauensverlust...

  16. Geißlein schreibt am 26. September 2010 um 10:26

    Liebe Leute,

    huch, hier wird aber heute polarisiert in der Diskussion.

    IN einer Enttäuschung bin ich NICHT in der Lage es sachlich und mit Abstand zu sehen.

    Wenn ich dann aber Abstand habe, dann ist für mich die Enttäuschung das Ende der Täuschung. Wie schlimm sich das anfühlt, hängt immer davon ab, in welchem Bereich ich getäuscht wurde, mich habe (gerne?)täuschen lassen und wie wichtig dieser Bereich für mich ist.

    Aber das Ende einer Täuschung ist, wenn es auch erstmal weh tut, in jedem Fall GUT. Je länger die Täuschung geht, um so tiefer ist diese in mir drin.

    Erwartungen und Wunschdenken sind dem Menschen wohl eigen. Hoffnungen können einen ja auch tragen.

    Es ist aber wichtig, dass man den Kontakt zu dem Teil, von dem ich Erwartungen habe, nicht verliert. Kommuniziere ich zu wenig, brauche ich mich nicht wundern, wenn ich nicht annähernd weiß, wie es im anderen aussieht. Gibt es keine ordentliche Stellenvorgabe in meinem Job, dann falle ich irgendwann mal auf die Nase, weil ich mich reinhänge und dann feststelle, dass es kein Weiterkommen gibt.

    So kann man das beliebig fortführen. Und ich bin nicht so abgeklärt, wie sich das liest, sondern dass sind meine Lehren, die ich aus Enttäuschungen gezogen habe.

    Und mal ehrlich: wir LASSEN uns enttäuschen. Dagegen kann man etwas tun, nämlich diszipliniert Abstand nehmen und eben nicht einfach blindlings ins trübe Wasser springen.

    Es ist POSITIV etwas tun zu können!

    Weiter oben wird "Betrug" angesprochen. Betrug ist Betrug, und enttäuscht bestimmt. Aber ich will mich hier nur zum Thema Enttäuschung äußern. Das ist etwas anderes. Und der schmal Grat zwischen Betrug, Selbstbetrug und Enttäuchung könnte bestimmt Regale füllen.

    Viele Grüße

  17. Anton schreibt am 26. September 2010 um 11:27

    Danke für das tolle Zitat, kannte ich noch nicht. Ich freue mich darüber, es erinnert mich, bei mir zu bleiben.
    Grazie!
    Grüße Anton

  18. Ernie schreibt am 26. September 2010 um 12:17

    In meiner aktuellen Phase des (noch) "unglücklich Verliebtseins" sehr schön ergänzend!
    Gruß Ernie

  19. Gabriele schreibt am 26. September 2010 um 12:41

    Danke für diesen heutigen Artikel!
    Er kam heute gerade richtig.
    Es ist gerade eine Stunde her, dass ich über eine Handlung meiner Tochter sehr enttäuscht war.
    Ich hätte wissen müssen, dass sehr viele Fortschritte auch mit einem gewissen Maß an Rückschritten einhergehen.
    Was mir hilft:
    Die Aussage eines guten Freundes, der mir sagte:
    "Nicht die Einzelheiten bewerten, sondern das Ganze.
    Und die gesamte Tendenz ist vorwärts!!!"

  20. Jans Bonte schreibt am 26. September 2010 um 12:54

    "Erwartungen sind die Quelle von Groll!"

    Ja, ich genieße meine Vorfreude, aber ohne zu erwarten, weder hoffend noch fürchtend. Und ich bin mir dankbar für Ent-Täuschung, denn sie erinnert mich, dass ich mich, für mich unachtsam, einer Täuschung überlassen hatte.

    Was den Wunsch nach Haben, nach "du solltest dich wegen deines Versprechens mir verpflichtet fühlen" angeht, so scheinen mir solche Ansprüche an ein Außen mir auch nur als meine Erinnerungen an Achtsamkeit für mich zu sein. "ICH", das gibt es nur im Sein, nicht im Haben; und dieses ICH lebt nur in dieser Sekunde, hier&jetzt, nicht demnächst oder sonstwo oder durch irgendwen oder irgendwas.

    Und dennoch, zugleich, dieses ICH findet sich zu seiner ganzen Menschlichkeit erst im Gegeüber, im DU, im WIR.

    Liebe Grüße

  21. PR schreibt am 26. September 2010 um 12:55

    Die Ent-Täuschung als Ende einer Täuschung zu betrachten, habe ich mir schon vor einigen Jahren durch einen Vortrag von Vera Birkenbihl angeeignet.

    Es ist natürlich nicht einfach, wenn man in einer emotionalen Enttäuschung steckt, dies auch anzuwenden, da man in dem Moment verletzt und getroffen ist!
    Aber mit etwas gefühlsmäßigem Abstand hilft das Ende einer Täuschung oft, sich selbst näher auf die Spur zu kommen und in Zukunft bewusster mit Erwartungen, Ansprüchen und Zielen umzugehen.

  22. Felicitas Dinter schreibt am 26. September 2010 um 14:41

    Eine Enttäuschung schmerzt immer, ganz gleich, wer mich wodurch enttäuscht; es bleibt eine Ent-Täuschung, nämlich die Täuschung wird mir vor Augen geführt. Ich habe gelernt, keine Erwartungen mehr an das Leben an sich bzw. an Menschen zu stellen; so erspare ich mir erstens Enttäuschungen, zweitens aber ist die Freude umso grösser, wenn eine nicht gehegte Erwartung in Erfüllung geht; ich meine damit die im Unterbewusstsein schlummernden Hoffnungen, die wir ja alle haben, uns aber nicht zuzugesthen wagen, eben aus Angst vor der Enttäuschung. Wenn ich in Geduld der Dinge harre, die da kommen, wird mein Leben weniger aufregend und ist auch schön friedlich und harmonisch mit meinen Mitmenschen. Felicitas

  23. H.H schreibt am 26. September 2010 um 15:08

    Ich habe nur noch gestaunt als ich das heutige Thema gelesen habe! Enttäuschung, genau das ist mir in dieser Woche wieder passiert. Von einem nahestehenden Menschen, der mir sehr viel bedeutet. Meine Reaktion auf die Enttäuschung konnte ich in dem Moment einfach nicht unterdrücken und im nach hinein ärgere ich mich über mich selbst, weil jetzt wurde aus Freude Stress. Dieser Stress rückt alles an Vorfreude in den Hintergrund und tut so weh.Freude und Enttäuschungen liegen so nah beieinander, kann man wirklich lernen damit realistisch um zu gehen, wenn man die Erwartungen nicht so hoch ansetzt?
    Die Emotionen sind dann doch so stark, in dem Moment handelt man nicht mehr real.
    Ich denke, Frauen lassen Enttäuschungen näher an sich ran als Männer und da liegt doch oft das Problem, das Männer das nicht wahr nehmen und sind dann über die Reaktionen der Frauen ganz erstaunt und ziehen sich dann zurück!
    Ich nehme auf jeden Fall etwas für mich mit aus den Kommentaren zum heutigen Thema.
    Danke!

  24. GROSS Andrea schreibt am 26. September 2010 um 15:39

    Am Meisten täusche ich mich über mich selbst, d.h. ich verspreche z.B. etwas, weil ich es ja eigentlich allen immer Recht machen will, aber ich kann es nicht ... und ich setze VIEL ZU HOHE ERWARTUNGEN AN MICH + damit auch an ANDERE Menschen, das kommt aus meiner schulischen Erziehung, wo immer das eigentlich UNMÖGLICHE aus mir heraus geholt werden sollte. Das ist GEWINNSUCHT auf emotionaler Ebene.

  25. Iris schreibt am 26. September 2010 um 16:41

    Warum halten wir so lange fest an dem Wort und an diesem Gefühl der "Enttäuschung", eigentlich ist es doch Frustration nach der Erfahrung "die Welt ist doch anders als ich sie mir vorstellte".
    Seit einiger Zeit bin ich froher mit folgendem Gedanken:
    ... und selbst wenn nicht eintrifft, was ich mir erträumte, so war es doch schön, davon zu träumen ...
    Seit dieser Zeit kann ich mich an Erhofftem, was dann doch wirklich eintritt, erst so richtig erfreuen, als Geschenk, und die ausgemalten Träume sind auch schon sie selbst wert.
    Ich fühle mich damit sehr reich und das kann mir niemand mehr nehmen.
    Und eine dennoch eintretende Enttäuschung erinnert mich daran, dass meine Hoffnungen und Erwartungen aus meiner inneren Realität stammen, welche in dem Fall wieder offensichtlich nicht deckungsgleich mit der äußeren, erlebten ist. Da hatte ich wohl ein paar Faktoren übersehen. Das nächste Mal versuche ich besser aufzupassen und lasse mir die Träume dennoch nicht nehmen.
    Eine schöne Woche - Iris

  26. Muriel schreibt am 26. September 2010 um 17:09

    Für mich steht fest, dass man während des ganzen Lebens durch Versprechungen gefügig gemacht werden soll:
    in der Familie (Gehorsam und Loyalität bis zur Selbstaufgabe)
    im Berufsleben (Stichwort: Zeitarbeit - Sklavenhandel)
    in Beziehungen/Freundschaften (Flirten!)
    als Kunde durch Werbung... eigentlich überall.

    Wenn man über Jahre "ausgebeutet" und zum Narren gehalten wird, man große Opfer gebracht hat, um ein "Gruppen-Ziel" zu erreichen, dann ist man wohl berechtigt enttäuscht, wenn am Ende nur der andere profitiert. Das hat gar nichts aber auch gar nichts mit Selbsttäuschung oder überhöhten Ansprüchen/Erwartungen zu tun.

    Leider kommt man mit dem Wissen nicht auf die Welt, sondern muß sich diese Erfahrungen in jedem Lebensbereich einzeln unter qualvollen Schmerzen und Leiden erwerben!

  27. Hein schreibt am 26. September 2010 um 17:43

    Meine Erfolge habe ich großenteils anderen zu verdanken.
    Die Ursachen meiner Mißerfolge habe ich bei mir selbst zu suchen. (Erfahrungen nach über 80 Jahren) Hein

  28. Balancer schreibt am 27. September 2010 um 05:51

    ... man kann sich den Tag aber auch durch zu viel Denken versauen.

  29. Jutta schreibt am 27. September 2010 um 05:52

    @ Muriel
    100 Punkte.
    Sonst gibt es da von meiner Seite aus nix zu sagen.
    Außer: Ich bau auf mich, ich vertraue auf mich, ich traue mir was zu. Und achte darauf, daß ich nix und so wenig als möglich andere Leute dazu brauche.

    Und glauben - das tue ich nur meiner Intuition, aber den Menschen nicht (mehr).

    Schönen Tach auch!

  30. TickTack schreibt am 27. September 2010 um 06:31

    Erwartung - kein Erfolgsgefühl der Herzen!

  31. Susanne schreibt am 27. September 2010 um 07:36

    Für mich kam der Denkanstoß gerade zur rechten Zeit - ich hatte am W.-Ende eine große Enttäuschung zu verkraften und war nat. im ersten Moment erst mal sauer. Im nachhinein kann ich es so sehen, dass meine Enttäuschung auf meinen Erwartungen beruht.
    Mir ist aufgefallen, dass ich oft Dinge von Menschen erwarte, die dann so nicht eintreffen. Sind dann wirklich die anderen Schuld? Oder liegt es daran, dass ich meine Erwartungen nicht klargemacht habe, oder einfach ignoriert habe, was der andere so sagt, tut, ausstrahlt? Ich denke, das ist oft so bei "Beziehungs-Enttäuschungen". Auch ich hatte schon das Stadium -"ich erwarte nichts mehr, dann kann ich auch nicht enttäuscht sein" - das kann auf die Dauer aber sehr einsam machen! Die LÖsung ist für mich, zu versuchen, besser wahrzunehmen, was mein Gegenüber wirklich sagt oder ausstrahlt. Nicht einfach - aber einen Versuch wert. Eine schöne Woche!

  32. Leonie schreibt am 27. September 2010 um 08:08

    Enttäuscht bin ich immer, wenn sich Menschen oder Dinge nicht so entwickeln wie die fiktive Welt in meinem Kopf.
    Ich schaffe es nicht immer in so einem Fall sozusagen auf deie Meta-Ebene zu gehen und mir die - für mich wichtigste - Annahme aus dem NLP zu sagen "die Landkarte ist nicht die Landschaft", was einfach beduetet, dass keiner etwas genauso sieht, fühlt, hört, denkt, empfindet wie ich und meine Erwartung beruht einzig und allein auf meinem Empfinden und Denken.
    Wenn man sich das klar macht, sehen wir die Enttäuschung wirklich als (Sinnes-) Täuschung unseres eigenen Selbst und nicht als böswilliges Verhalten Anderer. Aber es sit bei mir auch stimmungsabhängig, dies so abgeklärt zu sehen.
    Und liebe Muriel, was hat Dich so entmutigt?

  33. Gerard Schrijver schreibt am 27. September 2010 um 10:50

    Auch wenn man entäuscht wird, ist das nicht so schlimm. Man soll es halt beim nächsten mal berücksichtigen- Schlussendlich soll man ja schlauer daraus werden. Enttäu
    chungen gehören zum leben. Und das leben kann man nur leben, nicht denken. Einfach keine erwartungen zu haben blockiert dir dein leben. Hab vertrauen!! Was aber gefährlich ist , ist das man kein vertrauen mehr hat oder haben kann in andere menschen. Habe zu allen menschen die man kennen lernt ein 100%iges vertrauen. Wenn du dass nicht mehr bringen kannst, denn da gestehst du anderen menschen die dich in der verganagenheit mal entäuscht haben, jetzt noch kontrolle über dein leben. Das kann nicht das Zeil sein..

  34. Zymolka, Marion schreibt am 27. September 2010 um 12:04

    Danke für das Zitat und die Erklärungen zur Ent-Täuschung. Für ein paar Momente haben beide dazu beigetragen, mich ein wenig über eine seit bereits einem Jahr andauernde Enttäuschung hinweg zu trösten und gar die Ursache bei mir zu suchen; aber: ein Vertrag z.B. = Basis und Hoffnung auf die Erfüllung der Wünsche, die ich mit diesem besiegelt habe - also eine Partnerschaft eingegangen bin - der Partner läßt sich diesen Vertrag teuer bezahlen, erfüllt aber die darin genannten Vertragspunkte nicht. Ich spreche von einem Mietvertrag und dessen Nichterfüllung in fast allen Punkten. Nun, ich denke, ich hatte ein Recht auf meine Erwartungshaltung und kann keine Schuld / zu hohe Erwartungshaltung sehen oder ein Ende der Täuschung erkennen. Hm, und nun?
    Ähnliches ist mir passiert mit einer langjährigen Freundin, die in mich eine zu hohe Erwartung gesetzt hatte, aber statt mit mir darüber zu sprechen, ist für sie der Rückzug aus dieser Freundschaft selbstverständlich geblieben. Darüber wiederum bin ich sehr ent-täuscht - inzwischen wirklich end-täuscht.
    Ich wünsche allen, dass sie trotzdem ihre Erwartungshaltung und Hoffnungen nicht aufgeben.
    Mir hat vor vielen Jahren mal jemand geantwortet auf meine Aussage: "Ich erhoffe mir gar nichts mehr, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden!" ... "Wer nichts mehr erwartet, ist innerlich tot ..." ... das hat mir sehr zu denken gegeben.
    Ich denke weiter und hoffe weiter.

  35. Eva-Maria schreibt am 27. September 2010 um 12:05

    Guten Tag,
    wieder mal sehr Lehrreich der Artikel von Tanja,danke dafür.
    Habe nun endlich beschlossen,durch die Worte der anderen,das ich ja nicht allein dieses Problem habe.
    Ich werde jetzt endlich mal nichts mehr Erwarten,wenn ich was tue oder mich freue,denn ich habe festgestellt,das ich mich damit auch unter einem Druck aussetzte.
    Nichts mehr Erwarten,keine Enttäuschung mehr,bin ganz gespannt wie es sein wird die Veränderung.
    Eine schöne Woche wünsche ich.
    Herzliche Grüße Eva,

  36. Marie schreibt am 27. September 2010 um 15:50

    Hallo,
    auch für mich kam dieser beitrag gerade recht: ich bin dabei eine berufliche Enttäuschung, wie ich sie bisher noch nicht erlebt habe, zu verkraften und auch Eine private. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Private und das berufliche miteinander einher gehen und ja...das Leben steckt voller Lektionen.

    Ich spüre über diese beiden Enttäuschungen gerade nach und befrage auch meinen Verstand...und komme nach diesem Artikel und den Kommentaren zu dem Schluss erstmal loszulassen. Ein bißchen mehr Zeit kommt Rat und meine Gefühle beruhigen sich. Dankeschön!

  37. Stefan schreibt am 27. September 2010 um 19:05

    Ich beantworte diese Frage mal mit einer weiteren Frage. Was würde aus uns Menschen werden, wenn wir keine Enttäuschungen hätten? Was würde mit uns passieren, wenn uns alles gelingen würde und wir kein Pech hätten und wir uns immer auf uns und unsere Mitmenschen verlassen könnten und würden???
    Keine zwei Wochen und wir wären dem Wahnsinn so nahe wie sonst was.
    So schön wie das einerseits ist, so gefährlich ist es, die Dinge einseitig zu betrachten. Durch Enttäuschungen lernen wir auch, die Dinge von einer Seite zu sehen, völlig neue Sichtweisen zu erkennen und die Reaktionen die wir dazu zeigen, sind auch ein Spiegel unserer Seele.

    Das enttäuscht sein zeigt andererseits auch, dass es Dinge gibt, zu denen wir eine Vorstellung, einen Wunsch haben, das wir Menschen von der Freude und vom Erfolg leben. Es gibt uns das Gefühl, dass wir mit dem was wir uns gerade beschäftigen, richtig liegen, eben auch mit uns zufrieden sind.

    Weiterbringen kann uns also nicht nur der Erfolg, sondern auch die Enttäuschung und Abwechslung bringt sie allemal ins Spiel.

    Die Enttäuschung ist quasi die bittere Pille die uns unsere Erfolge auf Dauer erträglicher machen. Zwinker und grins.

    LG Stefan Kilian

  38. Anton schreibt am 28. September 2010 um 06:26

    zu Ellens Beitrag vom 26.9.

    Liebe Ellen, ich kenne eine ähnliche Situation, wie die von dir geschilderte. Mir fällt dazu ein: "Ich bin der Kapitän in meinem Leben."
    Also gilt für mich: wenn ich mich in einer Schräglage befinde, dann hat das wohl seinen Grund. Dir Vorteile für mich sehe ich wohl im Moment nicht so klar.
    Mich daraus zu befreien, wenn ich das möchte, ist meine Sache. Das Ruder in meinem Leben möchte ich gerne in meiner Hand halten.
    Alles Gute !

    Anton

  39. Mertes Ute M. schreibt am 28. September 2010 um 07:55

    Sicher hat jeder von uns diese Art Enttäuschung schon einmal erlebt. Bei mir ist es so: seit ich täglich meditiere bringe ich es immer besser fertig, alles so anzunehmen wie es ist. Ganz hierhin zu kommen ist noch ein langer Weg, aber die Einsicht macht immer mutiger.
    Ute M.

  40. Soheila schreibt am 28. September 2010 um 08:04

    Hallo,
    sehr gutes und wichtiges Thema.

    Wenn wir selbst uns für unsere Bedürfnisse und die Erfüllung unserer Wünsche kümmern, werden wir lernen müssen, sie auch auszudrucken. Diesen Satz aus Köpfen verbannen: "Wenn er mich lieben würde, dann müss er wissen, dass....). Nein, ich bin dafür verantwortlich, meinen lieben Mitmenschen Informationen zu geben, was ich brauche, was ich gerne will und was ich mir wünsche:-))) oder???

    Ein uns allen gutes Gelingen + schönen Tag

    Soheila

  41. Meike schreibt am 28. September 2010 um 12:43

    Und so wie wir enttäuscht werden, enttäuschen wir auch andere, weil sie ebenso Erwartungen - mögen sie auch noch so unrealistisch sein - an uns haben.

    Da fällt mir spontan ein Spruch ein:

    "Die Erwartungen anderer sind die Erwartungen anderer"

    Sie gehören dem anderen bis man sie sich zu eigen macht.

  42. H.H schreibt am 29. September 2010 um 18:05

    zu Meike:

    Du bringst es damit auf den Punkt! Wir sind enttäuscht von anderen,reagieren emotional vielleicht auch zu heftig, weil man das nicht erwartet hat. Auf unsere Reaktion wird ebenfalls mit einer Enttäuschung reagiert, weil man das so nicht erwartet hat. Gerade in Beziehungen spielen Gefühle, Enttäuschungen und Erwartungen eine gewichtige Rolle! So spürt man auch wie wichtig einem der Partner/in ist.

    Ich bin gespannt auf weitere Kommentare, denn der ein oder andere öffnet einem schon die Augen!

    Danke für dieses wichtige Thema!
    H.H

  43. dieter schreibt am 30. September 2010 um 15:42

    hallo ihr lieben leute,

    die positive erwartungshaltung.

    an obigem fall kann man das problem leicht erklären.
    pos. menschen haben grundsätzlich auch eine pos. erwartungshaltung.
    sie erwarten, dass eine angelegenheit grundsätzlich positiv ausgeht. sie wissen aber nicht die genauen einzelheiten.
    der glaube an den positiven ausgang einer sache, lässt positive menschen unbewusst beiträge leisten für den positiven ausgang, also z.b. bei einer verabredung nochmal motivierend an den termin erinnern. oft kann man an der reaktion des anderen erkennen, ob der termin ernst gemeint ist, weil man sich da als pos. mensch auch durch erfahrung verstärkt auf sein bauchgefühl verlassen kann.
    pos.menschen können auch ihre erwartungen für sich persönlich relativ genau einschätzen, dazu gehört eben auch, dass die erwartungen für einen selbst realistisch sind.

    wenn das alles berücksichtigt wird, wird man selten enttäuscht.
    voraussetzung ist allerdings, dass man pos. denkt, und selbstbewusst durch die welt geht.

    LG,
    Dieter.

  44. Sonja schreibt am 1. Oktober 2010 um 20:11

    Reue, Groll, Gegenbeschuldigung und Rache sind die Drachen die im Untergrund der Manipulation lauern. (Buchzitat)
    In mir ist sehr viel Trauer und der Wunsch nach Vergebung, die ständige Frage, wie meine Zukunft weitergehen wird.

  45. der Bär schreibt am 6. Oktober 2010 um 07:38

    Enttäscht,

    was bedeutet das?? Das ich Ent - täuscht wurde, mich also vorher getäuscht habe? oder getäuscht worden bin.
    Ja, dass kann sein, oder das meine Erwartungen und mein Wille zu weit von dem des Gegenübers entfernt war.

    Was es bringt, enttäuscht zu sein, eigentlich nur Traurigkeit un Schmerz, aber nichts fürs Leben.

    Es wünscht Euch einen schönen Tag
    Der Bär