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Zeit zu sterben…

Von Tania Konnerth25 Kommentare

„Ein Abschiedsgeschenk an meinen Körper: wenn er es wünscht, werde ich meinen letzten Atemzug tun.“

– Ensei

Dieses Zitat kenne ich schon sehr lange und schon immer wollte ich es für die Kategorie “Zitat der Woche” nutzen. Doch jedes Mal, wenn ich es las, war ich erneut überwältigt von der Aussage, aber unfähig, meine Gedanken dazu aufs Papier zu bringen.

Warum? Weil für mich etwas sehr, sehr Großes in diesen zwei Zeilen steckt. Diese zwei Zeilen sind für mich persönlich eine Antwort – und zwar eine mögliche Antwort auf meine Angst vor dem Tod.

Ich habe Angst vor dem Tod? Ja, ich denke schon. Vielleicht hat sie jeder, vielleicht gibt es auch tatsächlich Leute, die keine Angst vor dem Sterben haben (ich weiß auch nicht genau warum, aber denjenigen, die das immer am lautesten behaupten, nehme ich es meist am wenigsten ab). Mir macht der Gedanke an den Tod jedenfalls schon Angst. Dieses Nichtwissen, was kommt, die Vorstellung, dass das Leben hier wirklich zu Ende sein soll, alles, was ich kenne, liebe und bin…

Religiöse Antworten wie das christliche Bild vom Himmel (oder der Hölle), die buddhistische Idee der Wiedergeburt oder andere solcher Vorstellungen helfen mir persönlich nicht viel weiter. Es handelt sich dabei um Glaubensfragen, wirklich wissen kann meiner Ansicht nach keiner von uns, was wirklich kommt.

Und genau deshalb denke ich, berühren mich die Zeilen von Ensei so stark. Sie setzen exakt an dem Punkt an, den ich von meiner Vorstellung her noch fassen kann: Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem es Zeit zum Sterben ist. Und ich wünsche mir, dass ich diesen Moment nicht nur zuzulassen kann, sondern dass ich mit allem, was mir möglich ist, ja zu meinem letzten Atemzug sagen kann. Als mein Geschenk an mich und an mein Leben und an meinen Tod.

Das vielleicht tatsächlich erreichen zu können, tröstet mich enorm.

  1. Hubert schreibt am 1. September 2009 um 07:50

    Manchmal geschehen merkwürdige Dinge. Ich werde zugegebenermaßen mit dem Tod nicht oft konfrontiert. Auch in meinen persönlichen Gedankengängen ist er kaum vertreten.
    Heute morgen aber gleich zwei mal. Hier gerade als ich den Eingangstext gelesen habe und einige Minuten vorher als ich in der Zeitung eine Todesanzeige gelesen habe von einer Frau, die ich kannte. Persönlich habe ich mit ihr vielleicht ein Dutzend mal über bestimmte Dinge gesprochen. Nichts Aufregendes, eher Alltägliches.
    Ich habe ihren bevorstehenden Tod geahnt, als ich sie im Frühjahr nach einer längeren Pause wieder gesehen haben - aber dann doch nicht für möglich gehalten. In so einem Alter stribt man einfach nicht, fängt höchstens ein zweites Leben an. Habe sie aber nicht darauf angesprochen, das wäre mir zu "intim" gewesen. Danach habe ich sie nur noch einmal gesehen.
    Warum ich das hier schreibe?
    Weil ich glaube, dass sie genau die Haltung hatte bzw. ausstrahlte, wie sie vorhin skiziiert wurde. Wie gesagt, ich glaube es, wissen kann man das nicht.
    Und wenn es nicht ganz so sein sollte, hätte ich es ihr jedenfalls gewünscht.

  2. Christiane schreibt am 3. September 2009 um 11:50

    Der Tod hat für mich etwas ungeheuer friedliches, erlösendes. Keine Hetze mehr, keine Verletzungen, kein Lärm - und die Ewigkeit voller Zeit!

    Was mir persönlich Angst macht, ist der Vorgang des Sterbens. Ich finde es sehr beunruhigend, auf wie viele Arten wir sterben könnten, und die meisten haben mit Schmerz zu tun oder mit Angst, mit panischer Todesangst. am ärgsten fürchte ich den Erstickungstod.

    Als Kind hat mein älterer Bruder mich im Schwimmbad oft untergetaucht, und so manches Mal kaum ich ernstlich in Atemnot. Das ist ein so furchtbarer Zustand, dass ich mir nichts schlimmeres vorstellen kann. Es waren nur Sekunden, aber die dehnten sich zu unerträglichen angsterfüllten Ewigkeiten...

    Oft schon habe ich mir gewünscht, tod zu sein, wenn bloss man das Sterben nicht wäre...

  3. Silvia Guedri schreibt am 6. September 2009 um 08:23

    Wie so viele Menschen hatte auch ich eine gewisse Angst vor dem Tod. Nach dem mein Vater nach schwerer Krankheit im Jahr 2006 gestorben war und ich ihn in seinen letzten Tagen begleitete, habe ich beschlossen etwas mehr über das Sterben und den Tod zu erfahren. Wenn wir Angst haben sollen wir uns den Ängsten stellen, so habe ich es gelernt und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Nachdem ich das Buch des Übergangs (was wirklich geschieht wenn wir sterben) von Ottmar Jenner gelesen habe sehe ich einiges klarer.
    Herzliche Grüße
    Silvia Guedri

  4. Florette schreibt am 6. September 2009 um 08:38

    Ich glaube an einen gerechten Gott.Ich bin der Meinung,dass es unabhängig von Religionen nur einen Gott gibt.Vor allem glaube ich das er gerecht ist und uns alle annimmt wenn wir gehen.

    2002 ist mein Bruder(35J) an einer überdosis Heroin gestorben.Es war eine harte Zeit,aber heute verstehe ich vieles besser.Ich habe mich damals entschlossen mich von ihm zu verabschieden,in der Gerichtsmedizin.Er war ein besonderst guter Mensch(hat mich zu lebzeiten vor Missbrauch beschützt).Er-Wir(4Kinder)hatten leider keine schöne Kindheit.
    Diese Abschied von ihm war sehr ergreifend für mich.
    Er hat gelächelt und sah aus als ob es schläft.
    Sein Gesichtsausdruck sagte mir:Es ist gut,Ich bin angekommen,Es ist nicht schlimm,Gott hat mir alles verziehen.

    Vor dem Tod selbst habe ich weniger Angst.Mehr Angst habe ich vor der Art wie wir gehen müssen.Ich persönlich wünsche mir dabei keine Schmerzen zu haben,dass ist meine größte Angst.

    Ich danke Gott dafür das ich ihn als Bruder haben durfte.

  5. Flokati schreibt am 6. September 2009 um 08:51

    Der Tod und das Sterben ist in der Regel sehr unspektakulär und die Wahrscheinlichkeit ist gross das man auf diesen Prozess kaum bis gar keinen Einfluss hat.Es ist nicht nötig sich darum zu kümmern weil wir werden sterben auch ohne etwas dazu zu tun.
    Viele Menschen sterben ohne Bewusstsein, deshalb wenn man noch etwas zu sagen hat dann sagt man es am besten gleich, wenn man noch etwas machen möchte dann auch gleich.
    Älteren Menschen empfehle ich eine exakte Beschreibung dessen was sie wollen und wünschen vor allem an medizinischer Versorgung. Hinterlässt ein Mensch keine exakte Verfügung kann es sein das er länger lebt als er sich das je gewünscht hat.
    Viel Spass beim Leben...

  6. Kathleen Schütz schreibt am 6. September 2009 um 09:03

    Ich hatte einmal einen Traum, in dem mir der Kopf abgeschlagen wurde. Das hört sich jetzt wahrscheinlich wilder an, als es ist. Ich lag auf dem Boden unter einer Decke, die Stirn gegen eine Art Balken gestützt. Mit dem Schlag war es nur ein Gefühl, dass der Kopf etwas nach hinten wegknickt, aber es hat nicht weh getan oder sonst irgendetwas. Danach pumpte ganz langsam das Leben aus mir heraus, eine unglaubliche Ruhe überkam mich. Es war ein bisschen wie einzuschlafen mit dem Wissen, nicht wieder aufzuwachen. Aber es war sehr friedlich und ich war ganz ruhig dabei. Zufrieden. Fast schon mit einem kleinen Läcehln auf den Lippen.

    Dieser Traum ist sicher gute viereinhalb Jahre her, doch das Gefühl daraus ist für mich auch heute noch sehr lebendig, wenn ich daran denke. Es beruhigt mich auf eine Art und Weise und das gefällt mir.

    Wobei ich mir grundsätzlich wünsche, sehr schnell und relativ unvermittelt zu sterben, ohne langen Leidensweg, große Schmerzen, Panik oder Beklemmungsgefühle (teuteuteu).

    Doch erstmal will ich noch eine ganze Weile leben, Dinge tun, etwas bewegen, mich weiterentwickeln, Menschen treffen, mich mit ihnen austauschen und Gemeinsames genießen :o)

  7. Pinto schreibt am 6. September 2009 um 09:06

    This body is not me - I am not caught in this body - I am life without boundaries.

    I've never been born - An I have never died...

    Birth and death are only doors through which we pass.

    Sacred thresholds on our journey - Birth and death are a Hide-and-seek play.

    So laugh with me; hold my hand; - Let us say good bye.

    Say good bye to meet soon again. - We meet today; we meet tomorrow.

    We shall meet at the source every moment.

    We meet each other in all forms of life.

    (Thich Nhat HanH - Zen Meister)

  8. Gisela schreibt am 6. September 2009 um 09:16

    Liebes Team, ich bin in einer Situation die ich ändern möchte. Die Überlegungen was zu ändern, bringen mich immer wieder in Zweifel "ist es richtig --- ist es falsch" soll ich jenes ändern. Nun schreiben Sie von diesem engl. Sprichwort "Love it,leave it or change it" . Danke für diese Hilfe,jetzt ist die Entscheidung möglich! Mit lieben Grüßen G.Schwarz

  9. Michaela Mielke schreibt am 6. September 2009 um 09:21

    An dem Tag, wenn der Tod an deine Tür klopfen wird,
    was wirst du ihm anbieten?

    Ich werde meinem Gast
    das volle Gefäß meines Lebens vorsetzen.
    Ich werde ich nicht mit leeren Händen gehen lassen.

    (Tagore)

    Diese Zeilen empfinde ich ebenfalls als sehr kraftvoll, denn - obwohl das Wort "Tod" darin vorkommt - ist die Aussage eine Liebeserklärung an das Leben.

  10. gilla schreibt am 6. September 2009 um 09:43

    Der Tod an sich macht mir weniger Angst, wie die möglichen Arten zu sterben.Der Gedanke meine Kinder für immer loszulassen ist herausfordernd.Für das Leben nach dem Tod habe ich so schöne Gedanken das ich keine Angst verspüre.Meinen Vater wieder zu sehen, der starb als ich 12 Jahre alt war,und meine Brüder, die ich nie kennen lernen konnte,lässt mich schon jetzt Sehnsucht und Freude verspüren

  11. Heike schreibt am 6. September 2009 um 10:05

    Seit dem Unfall- Tod meiner jüngten Tochter (22) im vergangenen Jahr hat sich unsere Einstellung dem Tod gegenüber grundsätzlich verändert.
    Wir haben viel gelesen über "Nahtoderfahrungen, den Übergang in die nächste Dimension und das Leben danach"
    Wir wollen verstehen, was passierte, wo sie ist, wie es ihr geht. Und nun können wir es fast nicht erwarten, sie wiederzusehen.
    Wie lange das bei jedem einzelnen von uns dauert hängt davon ab, wann er seine Aufgaben hier auf der Erde erfüllt und genügend geistige Reife erlangt hat.
    Aber wir wissen, wir werden uns alle wiedersehen, der Tod ist nur der Übergang dorthin, das Abstreifen unseres irdischen Körpers und wir sind uns sicher, sie wird da sein, uns abholen und in die Heimat begleiten.

  12. Chamuni schreibt am 6. September 2009 um 10:06

    Dieses Zitat hat wirklich was sehr tröstliches an sich. Vorige Woche ist mein Onkel gestorben. Er war sehr schwer krank. Morgen nehmen wir Abschied von ihm. Der Satz wird mir weiter helfen. Ja, ich glaube schon, dass er seinem Körper den besten Dienst erwiesen hat, seinen letzten Atemzug zu tun. Im August habe ich auch eine liebe Freundin verloren. Ihren Sterbeprozess zu begleiten war ein großes Geschenk und sie ist mir Lehrmeisterin geworden. Seid dem habe ich weniger Angst vor dem Tod.

  13. Eva-Maria schreibt am 6. September 2009 um 13:05

    Der Tod....er ist für mich so Mächtig,und macht mir auch Angst,aber bestimmt auch deshalb,weil ich nicht weiß wann er kommt und wie,möchte natürlich auch am liebsten mich ins Bett legen und Einschlafen...ich habe als Kind meinen Opa bis zur letzten Sekunde begleitet,früher starben die Menschen ja noch in der Familie,was ich auch heute noch besser fänd,als abschieben ins Hospitz,ich habe meine Tochter gebeten,mich nicht in der letzten Minute allein gehen zu lassen,sie möge doch bitte bei mir sein.Meinen Vater als Jugendliche verloren,war auch schlimm.Dann vor 5Jahren meine beiden Katzen nach 16Jahren,das war das schlimmste überhaupt,das war als wenn ich einen Partner verloren hätte,sie liegen auch beide im Garten...der Tod hat schon eine Macht...
    Für alle Gesundheit auf allen Ebenen,glg,Eva

  14. Manja schreibt am 6. September 2009 um 13:41

    ja, das von fast allen am liebsten vergrabene thema tod. (mich eingeschlossen :o)
    ich glaubte lange zeit, der tod sei das gegenstück zum leben. aber er ist das gegenstück zur geburt.
    diesen gedankengang hatte ich vor jahren einmal und eben beim lesen aller zeilen hier kam er mir wieder. was ich damals aus dem gedanken erkannt habe bzw für mich mitgenommen habe: "mensch, statt den tod zu fürchten, der ja etwas unkontrollierbares ist, warum freust du dich nicht lieber darüber, dass du geboren wurdest und hier sein kannst". jetzt gerade freue ich mich, dass mir dieser gedanke wieder aufkam :o)
    auch habe ich kürzlich einen film gesehen in dem ein mann mitte 40 gestorben ist. diese szene war so echt gedreht! er wehrte sich obwohl er wusste das es nichts bringt. er war kurz vorm durchdrehen. das war schlimm mit anzusehen! friedlich, den tod begrüßend oder bejahend zu begegnen muss himmlisch sein.

    eckhart tolle zitierte sinngemäß: glaubst du, dass alle deine sorgen dir auch nur einen tag zusätzlich ins leben bringen können? .... sorgen wir uns nicht! LIEBEN wir!

    einen wunderschönen sonntag wünsche ich allen hier :o)

  15. Anne schreibt am 6. September 2009 um 17:25

    als meine Mutter verstarb, hatte ich das große Glück, miterleben zu dürfen, wie sie gegangen ist. In dem Sterbeprozess war so viel Liebe, so viel Zärtlichkeit, obwohl meine Mutter vorher dement war, hatte ich den Eindruck, sie war mit mir verbunden und wir konnten unsere inneren Stimmenhören und damit kommunizieren. Ich habe gesungen: "Macht hoch die Tür die Tor macht weit...“ Die innere Erlaubnis, sich von mir zu lösen, konnte ich ihr laut sagen. Danach atmete sie ein oder zwei Mal und ...ging.
    Mir hat dieses Erlebnis sehr viel Vertrauen in den Tod gegeben. Loslassen und gehen, mir ging es damit so gut.
    Das heißt nicht, dass ich keine Angst vor dem Tod habe. Ich glaube daran, dass, so wie Vieles, was ein Wunsch für das Leben sein kann, ebenfalls ein Wunsch für das Sterben sein könnte.
    Danke für das Thema und die Möglichkeit mich dazu äußern zu können.
    Eine wunderschöne Woche A.

  16. Matthias schreibt am 6. September 2009 um 18:40

    Flokati schrieb es oben, der Tod hat etwas sehr "unspektakuläres". Ja!

    Und Pinto zitiert einen, wenn man es vermag sich auf ihn einzulassen, sehr tröstlichen Gedanken des ZEN: "I've never been born – An I have never died... Birth and death are only doors through which we pass." Ja!

    Beruflich habe ich auch mit dem Tod zu tun, meine Einstellung dazu festigte sich. Und für diese Erfahrung bin ich dankbar, bringt auch sie mich doch ins Hier und Jetzt.

    Viele Menschen versuchen den Tod begrifflich-rational zu verstehen. Das halte ich nicht für den rechten Weg. Eine dualistisch Betrachtungsweise, hier Leben - da Tod, führt unseren Geist in die Irre, macht Angst.
    Es macht wenig Sinn den Tod verstehen zu wollen - da gibt es nichts, denn da gibt es Nichts (Nothingness). Der Tod macht keinen wie auch immer gearteten Sinn. Er passiert einfach. Wir passieren ihn.

    Ähnlich das Leben.
    Lassen wir uns darauf ein.

  17. Manni schreibt am 6. September 2009 um 19:00

    Wie schöne und tiefe Gedanken habt ihr doch, die ihr euch mit dem Tod beschäftigt und damit doch mit dem Leben, da der Tod ja ein Teil des Lebens ist. Und ich frage mich, warum Menschen so gedankenlos in ihrem Leben sind. Und damit soviel Leid und Tod verursachen. So wie jetzt, wo ein deutscher Befehlshaber 2 Tanklaster bombardieren lies, durch den so viele Menschen starben. Waren es 57? Waren es 120? Egal, wenn es nur Talibans waren. Das ist ja nicht so schlimm. Dieser Tod zählt nicht. Und der Pilot des Flugzeugbombers hat ja auch nur einen Befehl befolgt...

  18. Norbert Glaab schreibt am 7. September 2009 um 13:39

    Das ist schon seit vielen Jahren einer meiner wichtigsten Gedanken:

    "Wer sich mit dem Tod beschäftigt, hat mehr vom Leben"

    Diese Gedanken und Zitate bestätigen es mal wieder auf sehr eindrucksvolle Weise.

    Grüsse an das team
    Norbert :-)

  19. Anne schreibt am 7. September 2009 um 22:06

    ... was für wunderbare Gedanken von euch allen zu dem Thema „Tod“. Ich habe sie alle gelesen und schließe mich euren Gedanken an. Leben und Tod stehen eng zusammen, sie sind nur einen Atemzug voneinander entfernt. Und doch - wir gehen im Leben oft achtlos mit uns selbst und anderen um. Wir schimpfen und schreien, wir schießen und töten jeden Tag und vergessen das Leben - vergessen, dass wir gerade den Menschen, den wir doch lieben mit bösen Worten "erschossen" haben. Blind in unserer Wut übersehen wir, dass wir ihn gerade sehr verletzt haben. Vergessen ist ein trauriges Wort und macht mich immer schwer.

    In meiner Liebe die ICH BIN - bitte ich, hört auf damit andere Menschen zu beschuldigen, ihnen böses zu wünschen, sie zu verurteilen, zu quälen und beginnt sie zu lieben - auch den Bettler auf der Strasse oder die "hässliche" Nachbarin - den Krieger auf dem Feld - und ganz wichtig: Beginne dich selbst zu lieben, so wie du bist, bist du richtig und liebenswert - wunderschön.

    Wenn wir Menschen bereit sind, Liebe zu leben, wird Frieden in uns einkehren und Leben und Tod reichen sich freudig die Hände. Der Tod ist der Beginn des Lebens und du wirst ihn so erleben, wie du es willst. Die Angst hat dann ihre Macht verloren.

    Ich wünsche euch das Sternenlicht in eurer Seele, das Glück im Herzen, die Liebe im Leben und Wunder in dieser wundersamen Zeit.

  20. Angelika schreibt am 10. September 2009 um 07:08

    Liebe LeserInnen,

    vielen Dank für einige wunderschöne Beiträge. Besonders diese letzten Zeilen meiner Vorgängerin haben mich berührt. "Es gibt nichts, das so sicher ist, wie der Tod." Also: Es ist nie zu früh sich darüber Gedanken zu machen. Dass es nach dem Tod weitergeht, die Seele weiterlebt und lediglich Ihren Körper "ablegt", der alt geworden, runzlig geworden ist, ist ein beruhigender Gedanke. Jeder Mensch hat viele Leben zur Verfügung, um sich weiterzuentwickeln. Jedem Leben begegnet er mit bestimmten Verhaltensweisen, die ihn darin unterstützen, seine "Aufgabe" zu erfüllen. Ich selbst habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe ein mulmiges Gefühl, wenn ich daran denke, wie viele am Leben festhalten, als wäre es das Einzige. Ich möchte dazu anregen, sich Gedanken zu machen, warum man lebt. Was hält uns hier? Was ist unsere ganz individuelle irdische Aufgabe? Ist es zu helfen? ist es zu lehren? ist es zu forschen? ist es zu kämpfen (mit friedlichen Mitteln natürlich)? Ist es zu akzeptiern, abzulehen, Leidenschaft zu üben, ect... Dies als kleine Anregung.

    Ich liebe Euch

  21. Jörgen Bruhn schreibt am 10. September 2009 um 12:44

    Diese Thematik interssiert mich schon sehr lange. Hilfen, um zu gedanklicher Klarheit zu kommen(Beweise gibt es ohnehin nirgendwo, sondern nur geistige Vergewisserungen!), habe ich besonders in den Büchern über die Nahtoderfahrungen erhalten und auch an meine Schülerinnen und Schüler mit viel Zustimmung mehrere Jahrzehnte weitergegeben. Unter manchen Stichwörtern findet wohl jeder etwas über diese "Blicke hinter den Horizont" unseres Erdenlebens. Die Beschäftigung mit diesen Fragen macht viel Mut zum Denken und auch zum Leben. Trübsinnig wurde ich dabei nicht. Hilfen konnte ich sehr viele geben.

  22. Manni schreibt am 13. September 2009 um 09:02

    Ich habe noch etwas zum drüber Nachdenken:
    Wen oder was meinen wir eigentlich, wenn wir von "ich" sprechen? Ich bin nicht mein Körper. Soweit sind wir uns wohl einig, wenn wir über den Tod nachdenken. Und die Gefühle? Das Denken? Nun, zumindest ich glaube auch diese sind "von dieser Welt", also sterben mit meinem Körper (und manchmal auch schon früher).
    Was also ist es, was als ich "überlebt"?
    Es könnte sein, dass dies etwas ist, was wir mit unserem Denken (= Ego) niemals als "ich" ansehen würden ...

  23. Heidi Malzacher schreibt am 14. September 2009 um 13:38

    Je mehr ich lerne, mein Leben in meine Hände zu nehmen, mich immer weniger manipulieren lasse, mich wehre gegen Ungerechtigkeiten, den Mund -auch lauthals- aufmache, wenn es etwas zu sagen gibt, je mehr Tabus in meinem Leben ich breche, je mehr ich meinen Gefühlen traue, je mehr ich meine Mitmenschen verstehen und lieben kann - desto weniger Angst habe ich vor dem Tod.
    Ich habe einmal gelesen, dass wir Menschen die Macht und die Kraft haben, Einfluss auf unseren Tod zu nehmen, und zwar ohne Gewalt gegen mich auszuüben. Und abgesehen einmal von unseren christlichen Bestimmungen, gibt es die Möglichkeit, zu gehen, wenn wir es an der Zeit erachten. Wer wenn nicht ich kann erkennen und beurteilen, dass mein Körper wünscht, dass ich meinen letzten Atemzug tun soll?!
    Eigenmächtig zu sterben nach einem eigenmächtig gelebten Leben - das erscheint mir erstrebenswert und sinnvoll. Wobei die Voraussetzung "eigenmächtig gelebt zu haben" dabei sehr wichtig ist. Für mich bedeutet dies auch, vor dem Gehen mich zu versöhnen mit meinen Mitmenschen, dass ich all meine Lieben getröstet/getrost zurücklassen kann. Das ist sicherlich oftmals viel Arbeit, und leider bleiben meistens viele unbeantwortete Fragen und somit Belastungen zurück.
    Ich stelle mir vor und wünsche mir: wenn ich erkenne, dass mein Abschied naht, dann ein großes Abschiedsfest mit all meinen Lieben zu feiern!

  24. Jörgen Bruhn schreibt am 14. September 2009 um 14:42

    Zum "selbstbestimmten Todesmoment". Alle, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben, lehnen den Suizid als das selbstbestimmte Lebensende ab. Suizidanten sind die einzige Gruppe von Wiederbelebten, so schrieb es schon vor ca. 35 Jahren in seinem Buch "Leben nach dem Tod?" der schwedische Arzt N.O. Jacobson, die mir nach ihrem Aufwachen dankbar die Hand schütteln. Alle anderen müssen sich erst wieder an unser enges Leben gewöhnen. Der Suizid ist wohl ein großer Irrtum. Man meldet sich dabei -nach E. Kübler-Ross - wenige Tage vor dem Schulabschluss von der Schule ab. Es lohnt sich wirklich, bevor man selbstbewusst meint, alles, auch den Todesmoment, in seiner eigenen Hand zu haben, einmal diejenigen Menschen zu Wort kommen zu lassen, die aus Erfahrung gerade diese Form des Sterbens durchlebt haben und deswegen ablehnen. Ich selbst habe in meiner Dienstzeit als Lehrer mehrere Kinder und Jugendliche nachweislich vor dem Suizid bewahrt. Genaueres dazu wird in "Blicke hinter den Horizont" geschildert. Ganz wichtig: Niemals darf man einen Menschen wegen seines Entschlusses zum Suizid verurteilen. Er ist auch kein "Freitod", sondern Ausdruck höchster Not und Bedrängnis. Jörgen Bruhn

  25. Heidi Malzacher schreibt am 16. September 2009 um 14:57

    Ich glaube, mein Kommentar ist wohl zum Teil nicht richtig angekommen. So möchte ich dazu nochmals Stellung nehmen. Ich habe nicht von "selbstbestimmtem Tod" oder von "Suizid" gesprochen. Ich habe von "Eigenmacht" gesprochen, für mich besteht ein großer Unterschied zwischen Eigenmacht und Selbstbestimmung. eigenmächtig zu sterben, hat für mich nichts mit Selbstmord, Freitod oder Suizid zu tun, Eigenmacht bedeutet für mich: Ich erkenne mich (an) - ich liebe mich mit all meinen Fähigkeiten und "Fehlern" - ich brauche keine Angst mehr haben - und ich kann den Tod annehmen, wenn er anklopft. Ich denke, das Thema ist sehr umfangreich, und wäre sicherlich weitgehend zu diskutieren, aber da ist diese Anonymität für mein Verständnis nicht geeignet.
    Ich selbst arbeite seit vielen Jahren ehrenamtlich mit suizidalen Menschen und Menschen in Lebenskrisen,in höchster Not - also ich weiß, was es bedeutet, aus dem Leben gehen zu wollen, weil es nicht mehr lebenswert ist, und wir können diese Menschen hilfreich begleiten, einen anderen Weg in ein lebenswerteres Leben zu finden - aber das ist wirklich eine andere Geschichte.