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Was heißt es, sein Leben in die Hand zu nehmen?

Von Ralf Senftleben54 Kommentare

Das neue Motto von Zeit zu leben heißt: "Das Leben in die Hand nehmen". Und das Leben in die Hand zu nehmen bedeutet eigentlich nichts anderes, als für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen und selbstbestimmt zu leben.

Zum Thema Eigenverantwortlichkeit scheint es eine ganze Menge Missverständnisse zu geben. Ist ja auch klar, denn es geht hier um ein ganz existenzielles Thema.

Also… was ist Eigenverantwortlichkeit genau? Woran erkennt man, dass jemand eigenverantwortlich denkt und handelt? Hier finden Sie eine Beschreibung, so wie ich die Sache sehe.

Wer eigenverantwortlich denkt und handelt, der fragt sich, was er selbst im Rahmen seiner Möglichkeiten tun kann, um das zu bekommen, was er will. Ein eigenverantwortlicher Mensch stellt die eigenen Möglichkeiten in den Mittelpunkt all seiner Bemühungen und weniger die Gründe, warum etwas nicht geht.

Ein eigenverantwortlicher Mensch sieht sich als Teil seiner Umwelt und nicht als Opfer, Produkt oder Spielball. Er weiß, dass alles was er tut, Auswirkungen auf seine Umgebung hat und er seine Umgebung durch sein Denken und Handeln mitbestimmt. Ein eigenverantwortlicher Mensch weiß, dass er ein Teil des Systems ist und damit ein Stück Verantwortlichkeit für das Ganze trägt. Und wenn etwas schief läuft, dann weiß ein eigenverantwortlicher Mensch, dass er durch sein Denken und Tun zu einem gewissen Teil dazu beigetragen hat.

Ein eigenverantwortlicher Mensch fragt dann aber nicht, wer Schuld an seiner Situation ist, weil er weiß, dass ihn das nicht weiterbringt. Er sucht nicht dem oder den Schuldigen, sondern er fragt sich: "Was will ich und was kann ich tun, um das Problem zu lösen?". Und weil er nicht nach dem Schuldigen sucht, muss er auch keine Erklärungen oder Ausreden erfinden, die klarmachen, dass er selbst nicht der Schuldige ist.

Ein eigenverantwortlicher Mensch handelt mehr, als er sich beklagt. Eigenverantwortliche Menschen sind Frauen und Männer der Tat, die selten jammern, sondern eher etwas verändern. Und wenn sie nicht dazu bereit sind oder keine Möglichkeiten sehen, etwas zu verändern, dann akzeptieren sie das und leben damit.

Eigenverantwortliche Menschen glauben übrigens nicht, dass sie alles erreichen können, sondern sie kennen ihre Möglichkeiten und Grenzen. Und indem sie etwas dafür tun, was sie wollen, lernen und wachsen sie und verschieben ihre Grenzen immer weiter und vergrößern den Kreis dessen, was für sie möglich ist.

Wer eigenverantwortlich denkt und handelt, der weiß, dass er nicht alles alleine bewältigen kann und muss. Ein eigenverantwortlicher Mensch sucht sich gezielt Unterstützung und Hilfe, wenn er nicht mehr weiter weiß. Aber auch dann gibt er die Verantwortung nicht an andere ab, sondern schaut genau, ob ihn die Unterstützung wirklich weiterbringt.

Zusammengefasst: Eigenverantwortliche Menschen

  1. Andrea schreibt am 27. August 2006 um 16:54

    Und für alle, die sich - öfter als sie möchten - dabei erwischen, zu jammern anstatt aktiv zu werden, ein Spruch, den ich vor langer Zeit unter meinem Badezimmerspiegel geklebt habe:
    "Hier siehst Du den Menschen, der für Dein Leben verantwortlich ist."
    Denn man sieht sich selbst, wenn man in den Spiegel schaut....
    mit lieben Grüßen,
    Andrea

  2. Birgit schreibt am 27. August 2006 um 16:56

    Hallo Andrea,

    ja du hast wirklich Recht und das Bild finde ich gut.
    Birgit

  3. Angie schreibt am 27. August 2006 um 17:26

    ein interessanter Bericht, der mich mal wieder nachdenklich gemacht hat. Wissen tut man es oft...nur vergisst man danch zu leben.

    Andrea deine Idee ist einfach genial....

    Angie

  4. Norbert schreibt am 27. August 2006 um 17:29

    ...ich habe mir folgendes Wortspiel mit dem Begriff Verantwortung zum Leitgedanken gemacht: Wer vor einer Herausforderung steht, hat die Verantwortung sich selbst gegenüber, dafür eine (Ver-)ANTWORT(-ung) zu finden, also nach einer Lösung zu suchen, wie er diese Herausforderung bewältigen kann - und dann entsprechend zu handeln, also etwas zu (Verantwor-)TUN(-g). Die Lösung ist somit bereits im Wort Verantwortung enthalten.
    Norbert

  5. Thomas Bender schreibt am 27. August 2006 um 17:46

    Lieber Ralf
    Schön dieser Beginn, der gefällt mir gut.
    Ich habe vor 2 Minuten mit einem Zigeunermädchen in Helingør gesprochen, 9 Jahre alt. Sie hat die Verantwortung übernommen für ihren Schulantheimaufenthalt für die nächsten zwei Tage, alleine ihre Sachen dafür gepackt und die Lehrerin - meine Frau angerufen - und ihr das mitgeteilt. Das ist vielleicht etwas früh!

    Wenn es uns gelingt, diese Verantwortlichkeit, die dieses Mädchen zeigt, in alle jungen Menschen zu pflanzen dh. die Möglichkeit ihrer Selbstbestimmung unterstützen, anstatt sie ihnen zu nehmen, dann haben wir schon den halben Weg der nächsten Generation in die Wege geleitet.

    ich freue mich darauf weiterhin mit euch in Kontakt zu bleiben.

    Leibe Grüsse aus Dänemark

    Thomas

  6. Irmy schreibt am 27. August 2006 um 19:08

    Für mich bedeutet Eigenverantwortlichkeit “Freiheit“ und die möchte ich mir unter allen Umständen bewahren.

  7. Josef schreibt am 27. August 2006 um 19:34

    Hallo Ralf,

    Deine Beschreibung von Eigenverantwortung finde ich wirklich sehr gut gelungen. Hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich werde mir den Text auf jeden Fall archivieren.
    Liebe Grüße
    Josef

  8. Lilly schreibt am 27. August 2006 um 19:50

    Hallo Ralf
    Toll ausgedrückt. Kann ich nur voll und ganz unterschreiben.
    Würden hierzulande mehr Menschen ihre Verantwortung selbst übernehmen, statt sie an irgendwelchen Amtstüren, dann müssten sich die "Oberen" ganz schön warm anziehen.
    Stattdessen wird die eigene Macht abgegeben und Angst macht sich breit...ein ängstliches Volk ist leichter zu manipulieren...äh...zu regieren...grins...
    Liebe Grüße
    Lilly

  9. Hubert schreibt am 27. August 2006 um 23:42

    Ich würde die Aufzählung, was eigenverantwortliches Handeln ausmacht gern um einige Punkte ergänzen bzw. modifizieren:

    Eigenverantwortliche Menschen

    kümmern sich um ihr eigenes Glück, weil es sonst keiner tut.

    vertreten und tragen den Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen und nicht die der anderen.

    erkennen und befreien sich von Konditionierungen und haben den Mut mit Traditionen zu brechen.

    wissen, das der Verstand ein guter Diener, aber ein schlechter Herr ist.

    achten auf einen gesunden Körper und ein fühlendes Herz.

    vermeiden durch Anpassung an Regeln und Normen zu einer Kopie zu werden.

    Leben kein epigonales Leben und lassen ihre Individualität nicht durch andere unterdrücken.

  10. Olesja schreibt am 28. August 2006 um 06:12

    ich bin ganz zufällig auf diese seite gestoßen und bin absolut
    begeistert, was ich hier lese.

    danke für die tollen anregungen für mein studium, das mir zur zeit viele selbstzweifel bereitet!

  11. Iris schreibt am 28. August 2006 um 06:44

    Klasse Beitrag!

  12. corina schreibt am 28. August 2006 um 07:29

    Tolles Thema, tolle Kommentare. In Eigenverantwortung leben ist zuweilen anstrengend weil man keinen Schuldigen hat für mißlungene Taten, Entscheidungen etc.
    Aber genau das ist ja das Wesentliche. Wer Eigenverantortung übernommen hat muß sich selber das Privileg eingestehen auch mal eigene Fehlentscheidungen zu akzeptieren.
    Und man darf ruhig auch mal kneifen, letztendlich sind eingenverantwortliche Menschen auch nur Menschen

  13. Trimo schreibt am 28. August 2006 um 07:36

    Frage: Wo liegt die Grenze zwischen eigenverantwortlichem Handeln auf der einen und Egoismus und Rücksichtslosigkeit auf der anderen Seite?

  14. Tina schreibt am 28. August 2006 um 07:48

    Lieber Ralf,
    danke, eine sehr gute Anregung. Es wird sehr deutlich, dass sich hier jemand sehr persönlich, sehr intensiv mit dem Thema auseinander setzt. Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Weg in die Eigenverantwortlichkeit.

  15. Isi schreibt am 28. August 2006 um 07:55

    mit seinem EIGEN (SICH) verantwortlich umgehen ...
    ...ach wenn das doch mehr Leute machen würden...

  16. Irene Galler schreibt am 28. August 2006 um 09:05

    Hallo lieber Herr Senftleben,

    eine wunderbare Erläuterung zum Thema Selbstverantwortung!!! Ich möchte einen Schritt weitergehen und dies in kurzen Worten so auf den Punkt bringen: Wir sind für unsere Gedanken, Gefühle, Worte und Taten selbst verantwortlich! Und wer die Ursachen für die Auswirkungen von Gedanken, Gefühle, Worte und Taten nicht kennt, nennt dies dann Zufall!

    Herzliche und sonnige Grüße aus Wien!

  17. Irene schreibt am 28. August 2006 um 09:14

    Für mich ist die Bewußtheit ein zentraler Begriff in der Eigenverantwortung. Ein eigenverantwortlicher Mensch geht bewußt mit seinen Gedanken, Worten und Taten um.

    Auch sehe ich das Machtvolle an der Eigenverantwortung - ich bewege mich weg von der Opferrolle hin zum Macher meines eigenen Lebens.

  18. Dagmar schreibt am 28. August 2006 um 09:45

    Ein wunderbarer Text. Ich bin seit längerer Zeit auf meinem Weg in Richtung Bewußtheit und Eigenverantwortlichkeit. Manche Freundschaft habe ich auf diesem Weg hinter mir gelassen. Was ich dabei erfahren habe: Auch wenn ich es noch so gerne möchte, ich kann niemandem den Weg in Richtung Heilungsprozess und raus aus einer Krise zeigen, der nicht aus freien Stücken selbst etwas für sich ändern will. Andererseits verstehe ich es nicht als meine Aufgabe, tatenlos mitanzusehen, wie sich ein anderer gesundheitlich und/oder seelisch schadet. Ich habe die Wahl: Hinnehmen, dass große Teile eines bewußten und eigenverantwortlichen Kontakts, den ich mir in der Freundschaft wünschen würde, un-gelebt und un-lebendig bleiben. Oder ich kann mich lösen und auch die Freundschaft loslassen. Das erlebe ich als einen schmerzvollen, aber notwendigen Prozess.

  19. Hubert Thomas schreibt am 28. August 2006 um 10:19

    Hallo Ralf,
    mit diesem Thema triffst du den Nagel auf den Kopf. Ich denke, es ist heute bei vielen Mitmenschen üblich, die Verantwortung für das eigene Leben auf andere abzuwälzen. Damit raube ich mir jede Chance, mein Leben zu ändern und zu verbessern.

    Nur derjenige, der bereit ist, die volle Veratwortung für sein Leben zu übernehmen,hat die Macht, sein Leben in die Hand zu nehmen. Auch, wenn es manchmal unbequem ist. Seit ich das für mich erkannt habe, hat sich mein Leben um 180 Grad zu positiven gewendet.

    Herzliche Grüße aus Augsburg

  20. Lancaster schreibt am 28. August 2006 um 10:33

    Hallo liebe Leute,

    ich möchte einen Versuch unternehmen, ohne Gefahr zu laufen als „Jammerer“ bezeichnet zu werden. Trotzdem ganz simpel formuliert.

    An welchem Punkt beginnt denn die „Eigenverantwortlichkeit“? Übrigens das Schlagwort des Jahres, wenn man die Politikgeschehnisse verfolgt.

    Eigenverantwortlich kann nur handeln, wer dazu in der Lage ist. Und an diesem Punkt bin ich der Überzeugung, dass dies erst funktionieren kann, wenn man ein gesichertes Einkommen hat (mal abgesehen von Gesundheit, körperlich wie geistig).

    Dies ist aber heute leider nicht mehr allgemein üblich.

    Also wie eigenverantwortlich kann jemand handeln, der den Restriktionen unzähliger Ämter unterliegt (ich verwende absichtlich nicht das Wort „System“)? Worin besteht seine Freiheit hierbei?
    Es ist leicht gesagt, dass Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Wenn 100 Bewerbungen nicht reichen, dann schreib eben 1000. Wenn Du es willst, schaffst Du es auch (wenn auch nicht alles – dann aber finde Dich damit ab and smile)!!!
    Spätestens an diesem Punkt mischt sich die Gesellschaft massiv in unsere Entscheidungen ein, und verlangt gleichzeitig Eigenverantwortlichkeit.
    Wünsche und Träume, Heimatgefühle und Sehnsucht nach Geborgenheit; Liebe, Gerechtigkeit etc. zählen dann nicht mehr, wenn man „gezwungen“ wird (von wem auch immer).

    Einwand?
    Ja (im Artikel zu lesen).
    Lautet:
    Gib Deine Illusionen auf und nimm Dein Leben endlich in die Hand !!!
    Und hör auf zu jammern. Das System ist gut so wie es ist, Du darfst es in seinem Lauf nur nicht stören. Und wenn Du es doch tust, dann wundere Dich nur nicht, dass Du zermalmst wirst, schließlich funktionierst Du nicht eigenverantwortlich.

    Jammer? In meinen Augen nicht!
    Ein andere Welt ist möglich, wir sollten nur mehr Zusammen-Verantwortlich handeln.

    Sorry dies alles soll nicht so negativ sein, wie es klingt. Aber mir stinkt es, dass wir uns alle in die eigene Tasche lügen. Wir akzeptieren eine Welt, in der Tag für Tag Menschen an Hunger, Leid und Krieg krepieren und geben Ihnen auch noch selbst die Schuld daran.

    Euer Lancaster

  21. Karin D. schreibt am 28. August 2006 um 11:02

    Ich habe in der Zusammenfassung einiges vermisst: manchmal ist nur gesagt, was eigenverantwortliche Menschen tun, mal nur, was sie nicht tun. Ich habe mal jeweils das nach meiner Meinung "Fehlende" ergänzt. In der Kürze soll ja die Würze liegen, aber manchmal geht dabei auch was verloren.

    Eigenverantwortliche Menschen
    o konzentrieren sich auf und nutzen die Möglichkeiten, die sie haben, UND VERGLEICHEN IHRE MÖGLICHKEITEN NICHT MIT DENEN ANDERER. DAS HEISST U.A. SIE BEWERTEN NICHT!

    o übernehmen Mitverantwortung für das System, in dem sie sich bewegen, STATT DAS SYSTEM (AUCH IHR EIGENES SELBST IST EIN SYSTEM) ZU BEKÄMPFEN. DAS HEISST U.A.: SIE SIND SELBST ANTEILE AN ÄNDERUNGEN DES SYSTEMS, SEIEN SIE NUN POSITIV ODER NEGATIV. BEISPIELSWEISE ERKRANKUNGEN DER EIGENEN SEELE, DES KÖRPERS, JA GANZER VÖLKER. KRIEGE SIND Z.B. DIE FOLGEN.

    o fragen nicht nach Schuld und erfinden keine Ausreden, damit sie nicht Schuld sein müssen, VIELMEHR RECHTFERTIGEN SIE IHR TUN SICH SELBST GEGENÜBER UND ENTWICKELN EIN MORALISCHES BEWUSSTSEIN MIT ENTSPREHCENDEN WERTEVORSTELLUNGEN

    o handeln mehr und jammern selten, SIND WEITAUS AUSGEGLICHENER UND WENIG ANFÄLLIG FÜR MANIPULATION

    o kennen und verschieben ihre Grenzen, WAS BEDEUTET, DASS SIE NICHT IN IHRER ENTWICKLUNG STAGNIEREN UND DEN MUT ZU NEUEM HABEN;

    o und suchen sich Hilfe und Unterstützung, wenn es notwendig ist. SIE SIND NICHT IN GEFAHR, GRÖSSENWAHNSINNIG ZU WERDEN ODER/UND AN IHRER EIGENEN SELBSTÜBERSCHÄTZUNG ZU SCHEITERN

    Karin

  22. Adolf Aldekamp schreibt am 28. August 2006 um 13:49

    Hallo,
    Themen über unsere eigene Weiterentwicklung sind IMMER wertvoll. Denn: Jeder von uns trägt die Verantwortung für das, was er tut, aber auch für das, was er nicht tut oder zulässt. Die Folgen tragen wir immer selbst.
    Liebe Grüße
    Adolf

  23. Peter schreibt am 28. August 2006 um 14:42

    Hallo!

    Ich habe den Artikel gelesen und finde ihn toll. Auch die vielen Ergänzungen sind sehr gut!

    Eigenverantwortung hat etwas mit der eigenen aktiven Tat zu tun. Ein eigenverantwortlicher Mensch ist also faktisch ein Täter.

    Ein "untätiger Mensch" oder ein "Jammerer" ist das Gegenteil oder faktisch in der "Opferrolle"

    Sich aus dieser Opferrolle zu befreien und zum Täter zu werden ist äußerst schwierig und oft gar nicht möglich.

    Im zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland massenweise Täter und Opfer. Die Vorfahren, von denen sehr viele Täter waren, werden nicht gewürdigt oder ignoriert.
    Stattdessen liegt der allgemeine Focus sehr auf den Opfern.

    Deutsche Väter, Großväter und Urgroßväter die in dieser Zeit aktiv waren, waren meist Täter. Heute wird mit großer Verachtung auf diese Menschen gesehen.

    Deshalb sind viele unbewusst identifiziert mit den Opfern, ohne die Täter wahrzunehmen, bzw. Täter (Politiker / Regierung / usw. / Firmenchefs zu verachten)
    Dadurch verhalten sie sich wie Opfer und haben sogar meist ein schlechtes Gewissen etwas zu TUN, da sie ja dann selbst auch zum Täter würden.

    Ein weiteres Phänomän in Deutschland ist, dass viele Männer nicht in ihre männliche Kraft kommen, weil diese männliche Kraft gerade im zweiten Weltkrieg sehr missbraucht wurde.

    Die großen Ereignisse in der Vergangenheit haben bis heute eine massive Auswirkung auf die Gegenwart des gesamten Systems und auf jeden Einzelnen.

    Jeder Mensch sollte jedoch wirklich selbst die Verantwortung übernehmen.

    Wenn es jemanden jedoch stets schlecht geht und er sich als Opfer fühlt kann dafür die Verantwortung übernehmen und zum Beispiel eine Familien- oder Systemaufstellung nach Hellinger machen. Habe ich selbst gemacht und war begeistert.

    www.hellinger.de

    Peter

  24. Irmy schreibt am 28. August 2006 um 16:57

    Hallo Peter,

    Hellinger ist sehr umstritten. Dieser Artikel, geht m.E. am Thema Eigenverantwortung, sein Leben selbst in die Hand nehmen vorbei. Was sind denn deine eigenen Gedanken dazu?

  25. Andrea schreibt am 29. August 2006 um 05:14

    Lieber Hubert,
    danke für deine Ergänzung zu diesem Thema. Für mich trifft das genau den Punkt, es führt mir vor Augen, wo ich schon gut bin und was ich noch anstrebe. DANKE und Dir eine gute Zeit. Herzliche Grüße Andrea

  26. Andrea schreibt am 29. August 2006 um 05:19

    Hallo Irmy,
    zum Thema Familienaufstellung möchte ich dir sagen, daß dies ein durchaus zielführendes Instrument ist, um alte Leiden loszuwerden. Wichtig ist, daß der Therapeut was taugt. Hellinger selbst ist umstritten, gebe ich dir recht, aber wenn der Therapeut dessen Arbeit mit Fingerspitzengefühl anwendet, hilft es ungemein. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

    Grüße von Andrea

  27. Hao schreibt am 29. August 2006 um 07:51

    Ich habe - zum Glück nicht am eigenen Leib - festgestellt, dass alle Form der Esoterik den Menschen entmündigt und abhängig macht.

    *Ralf Senftleben von der Redaktion schreibt*: Differenzierung ist nicht jedermanns Sache :-)

  28. Roland schreibt am 29. August 2006 um 11:24

    Bei der Eigenverantwortung wird die Machsal angesprochen. Machsal ist Eigenverantwortung, Selbstbestimmung, Selbststeuerung. Es gibt neben der Machsal auch ein Schicksal. Schicksal wären die Erbanlagen und die Umwelteinflüsse. Erbanlagen und Umwelteinflüsse können durch Eigenverantwortung bzw. Selbststeuerung verändert bzw. entfaltet werden.

  29. anja schreibt am 29. August 2006 um 12:55

    toller text - toller start - und mir aus dem innersten gesprochen, anstatt immer mit dem finger dahin zu zeigen was alles anders sein müßte damit man selber endlich..... warum schon wieder ich... und dann noch die sache mit dem ganz persönlichen pech....

  30. Mario schreibt am 29. August 2006 um 14:33

    Hi,

    der Eigenverantwortliche klingt für mich nach dem perfekten Mensch. Aber das ist doch nicht das wahre Leben! Wer entspricht zu 100, ja sogar zu 80% dieser Definition. Es wird suggeriert, das man so sein muss...das man so sein kann! Wie sieht es aber in der Relität aus? Ein Mensch der in seiner Depressivität gefangen ist, kann nicht einfach so eigenverantwortlich sein. Ein Arbeitsloser, der unter der Brücke schläft, ist nach der Definition allein für diesen Umstand schuldig und auch für die fehlende Triebkraft einen Job zu suchen.

    Dies klingt mir zu sehr nach dem (US)Leitmotto: "Du bist verantwortlich für dich allein" bzw. "Du kannst alles erreichen, was du willst"...wie sieht es in Realität aus?

  31. Mario schreibt am 29. August 2006 um 14:35

    "Ein eigenverantwortlicher Mensch fragt dann aber nicht, wer Schuld an seiner Situation ist, weil er weiß, dass ihn das nicht weiterbringt."

    aber

    "Wer aus Fehlern nicht lernt, begeht sie nochmal" ...also muss man schon ab und zu die Schuldfrage stellen?

  32. Irmy schreibt am 29. August 2006 um 14:50

    Hallo Mario,

    wenn ich in eine nicht zufriedenstellende Situation geraten bin, analysiere ich sie und stelle mir schon Fragen. Es ist wichtig für mich heraus zu finden, welchen Anteil ich daran habe. Manchmal sind es unbewusste Muster, die es zu verändern gilt...

  33. Lancaster schreibt am 29. August 2006 um 15:02

    Hallo Mario,

    Du bringst es gut auf den Punkt!

    Aber ich denke, dass jenes Motto schon zu sehr in Köpfen ist.

    Meiner Meinung nach, stiehlt sich die Gesellschaft (wir alle) damit aus der (unserer eigenen) Verantwortung für ... wie soll ich es sagen ... "Große Ganze".

    Es ist viel leichter zu sagen. Ich habe schon genug damit zu tun, mich um mein Selbst zu kümmern.

    Ich weiß, es klingt nach Verschwörungstheorie. Aber was die Folge daraus ist ... wir lassen uns gegenseitig im Stich und fühlen uns (wenn wir es schaffen) auch noch toll dabei.

    Letztendlich läuft es auf puren Egoismus hinaus.

    Es geht nicht ums Jammern, es geht darum offen zu sagen, dass in dieser Welt die Chancen nicht gerecht verteilt sind und wir "Berufsoptimisten" und DSL Surfer verlernt haben, über den berühmten "Tellerrand" (Wohnungs- und Landesgrenzen) zu schauen, weil wir unsere eigene Suppe genießen möchten und zwar mit positiven Gedanken.

    Lancaster (jemand den diese Ignoranz und seine eigene Handlungslähmung wütend macht und deswegen nicht Euch persönlich meint)

  34. Birgit schreibt am 29. August 2006 um 15:39

    Hallo zusammen,

    ich möchte auch mal was beisteuern, weil ich die Diskussion sehr interessant finde, allerdings verstehe ich einiges nicht so ganz, sich zu beklagen, das die Chancen in dieser Welt nicht gerecht verteilt sind, ist unsinnig, weil so ist nunmal das Leben, das können wir nicht ändert und Berufsoptimisten und DSL - Surfes sind wir noch lange nicht alle und über den Tellerrand schauen, das müssen wir doch jeden Tag, sobald wir aus dem Haus gehen, anderen Menschen auf der Straße begegnen und einen Beruf ausüben, die Landesgrenzen haben sich doch nach innen verschoben und die Welt findet direkt vor der Tür statt. Wer kann es sich da heute noch erlauben, nicht zu schauen? WDer das kann, lebt in einer heilen "Barbie"-Welt und nicht in der realen Welt und übrigens ist es doch auf eine Chance über den Tellerrand schauen zu können und das nicht nur im Internet, sondern auch und gerade vor der Wohnungstür.

    Birgit

  35. Ralf Senftleben schreibt am 29. August 2006 um 15:43

    Hallo meine Lieben,

    die Kritik von Mario und Lancester an der Idee der Eigenverantwortung bewegt sich eher auf der philosophischen / gesellschaftlichen Ebene.

    Ja, das Leben ist nicht gerecht, die Chancen sind nicht gleich verteilt und ja, nicht jeder hat die gleichen Möglichkeiten und ja, manche haben es schwerer als andere.

    Das ist so. Und ob das ungerecht oder einfach normal ist, weiß ich auch nicht so genau.

    Aber ist jemand der eigenverantwortlich denkt und handelt ein Egoist? Oder hat er kein Mitgefühl? Schaut nicht über den Tellerand? Finde ich ehrlich gesagt ein bisschen pauschal.

    Mir geht es aber eher um die persönliche Ebene: Menschen die eigenverantwortlich denken und handeln, sind meiner Erfahrung nach deutlich zufriedener und glücklicher.

    Und ich will niemanden zwingen :-)

    Viele Grüße,
    Ralf Senftleben

  36. Lancaster schreibt am 29. August 2006 um 16:20

    Hallo Zusammen,

    Sorry, sorry, aber so sollte es nun wirklich nicht ankommen (allerdings lässt es sich wirklich so verstehen :-(

    Ich werfe Euch nicht persönlich vor,egoistisch zu sein.

    Nur ist es für mich nicht leicht es auf kurze und pauschale Weise zu formulieren.

    Letztendlich hat Ralf Recht, wenn er es auf eine persönliche Ebene zieht. Dies würde aber auch die Diskussion in gewisser Art und Weise abwürgen, es sei denn, eine solche ist nicht gewollt.

    Weigern möchte ich mich, wenn es heißt, so ist die Welt nun mal. Ist sie nicht. Wie erbauen,und das sagt auch diese Seite, UNSERE Welt jeden Tag auf´s Neue.

    OK, wenn ich selbst stark genug bin, dann kann ich mich auch für andere einsetzen. Ist dies gemeint???

    Wenn ja, dann lasst uns aufbrechen und was tun und zwar die Verantwortung für unser ALLER Leben übernehmen (jeder nach seinen Möglichkeiten).

    Aber lasst uns auch nicht vergessen, dass manche Hilferufe in der Welt (vielleicht in Deiner unmittelbaren Nachbarschaft) nicht selbstgerechtes Jammern sind, sondern Flehen und Bitten, dass aus Herzen kommt, weil man es selbst nicht mehr schafft.

    Eigenverantwortung für mich und Dich???

  37. Christine schreibt am 30. August 2006 um 01:18

    Hierzu fällt mir der Weg zum Wesentlichen ein. Stephen R. Covey hat ein Zeitmanagement entwickelt, das ich sehr vielschichtig finde. Es bezieht die eigene Lebensphilosophie mit ein und prägt somit das Eigenverantwortliche Handeln.

    "Kontext schafft Sinn" lenkt den Fokus auf das wirklich Wesentliche:

    1) VERBINDUNG ZUR EIGENEN LEBENSPHIOSOPHIE HERSTELLEN (EIN INTERESSANTER WEG ZUR EIGENEN LEBENSPHILOSOPHIE KÖNNTE EINE EIGENS VERFASSTE GRABEREDE ;-) ODER EINE REDE ZUM EIGENEN 80STEN GEBURTSTAG SEIN)
    2) DIE EIGENEN ZIELE UND DIE VERSCHIEDENEN ROLLEN IDENTDIFIZIEREN (BIS ZU 7 ROLLEN)
    3) QUADRANT B-ZIELE FÜR ALLE ROLLEN AUSWÄHLEN (QUADRANT B-ZIELE SIND ALLE DINGE, DIE WICHTIG ABER NICHT DRINGEND SIND. WENN MAN SICH AUF DIESE WESENTLICHEN DINGE KONZENTRIERT, WERDEN DIE WICHTIGEN UND DRINGENDEN QUADRANT A-ZIELE IMMER WENIGER. ZEITFRESSER: QUADRANT C UND D WERDEN MÖGLICHST GANZ GESTRICHEN)
    4) EINEN ENTSCHEIDUNGSRAHMEN FÜR DIE WOCHE SCHAFFEN
    5) INTEGRITÄT IM AUGENBLICK DER WAHL AUSÜBEN (NACH DEM EIGENEN GEWISSEN/DER INNEREN STIMME/DER LEBENSPHILOSOPHIE HANDELN)
    6) BEWERTEN

    Am Ende der Woche stelle ich mir z.B. folgende Fragen:

    1) WELCHE ZIELE HABE ICH ERREICHT?
    2) WELCHE HERAUSFORDERUNGEN SIND MIR BEGEGNET?
    3) WELCHE ENTSCHEIDUNGEN HABE ICH GETROFFEN?
    4) HATTE BEI DIESEN ENTSCHEIDUNGEN DAS WESENTLICHE VORRANG?

    Viele Grüße,
    Christine

  38. Rainer schreibt am 30. August 2006 um 11:03

    Und wenn ich dann nicht mehr eigenverantwortlich sein kann, weil mir zum eigenen Antworten auf die Herausforderungen des Lebens schlichtweg die Kraft fehlt, der Akku leer ist und ich so vor mich hindümpele, dann, stelle ich fest, bin ich froh, wenn ich mich fallenlassen kann und auch mal Verantwortung abgegeben kann, mich getragen fühlen darf - von was/ von wem, das ist jetzt erstmal zweitranigig - und dann kann ich endlich loslassen und spüre, dass Antwort geben auch viel mit den Fragen zu tun hat, die das Leben mir stellt und ich spüre, dass ich nicht immer allen Fragen gewachsen bin und da auch keine Antworten habe - das sind so Grenzerfahrungen, die aber mit fortschreitendem Lebensalter zunehmen, die durchaus nicht philosophisch, sondern ganz real sind, und mich spüren lassen, dass hinter all meiner Selbstverantwortung auch noch was sein muss, was dem Ganzen bis zum Schluss und in allen Grenzen einen Sinn gibt. Mal in einem Satz gesprochen.

  39. Irmy schreibt am 30. August 2006 um 11:55

    Hallo Rainer, gerade war ich auf deiner Seite und bin beeindruckt, welch tolle Begabung du hast! :-) Das ist sicher nur ein Teil deines Lebens... Du sprichst den “Sinn“ an und für mich klingt es, als suchst du ihn. Von Elisabeth Lukas (sie ist eine Schülerin von Viktor Frankl) gibt es eine Reihe, wie ich finde, sehr wertvoller Bücher, die sinnzentriert geschrieben sind und vielleicht hilfreich für dich sein könnten ...

  40. Sanne schreibt am 30. August 2006 um 13:45

    Hallo,

    bin gerade hier durch Zufall gelandet und finde es beachtlich, wieviel Resonanz das Thema Eigenverantwortung findet. Mich beschäftigt das auch schon seit längerem. Zum einen wirkt es im Äußeren, z. B. dass ich im Beruf gerne meine eigene Chefin bin/sein will und es auch kann. Zum anderen ist es ein Thema im Inneren. Auf jeden Fall gibt es einige scheinbare Widersprüchlichkeiten, die in den o. g. Beiträgen auch schon erwähnt sind. Die spirituelle Seite der Eigenverantwortung möchte ich aus meiner Sicht beisteuern. Sie bedeutet für mich, Gottvertrauen zu entwickeln und zu erkennen, dass wir alle eins sind. Dann ist Egoismus kein Thema mehr.

    Das ist der scheinbare Widerspruch, meine Eigen-Verantworlichkeit und Freiheit wächst, je mehr ich Gott in mein Leben lasse und entsprechend versuche zu handeln. (anstatt Gott kann auch der Begriff "höheres Selbst" stehen etc.)

  41. Ursula schreibt am 31. August 2006 um 10:40

    Ich finde die Anmerkungen von Lancaster sehr gut und kann mich dem nur anschließen. Eigenverantwortung ist eine gute und wichtige Sache. Allerdings wird dieses Wort politisch zur Zeit sehr stark strapaziert und meiner Ansicht nach mißbraucht. Es wird dazu benutzt, Menschen, denen es gerade schlecht geht, ein schlechtes Gewissen zu machen, weil sie anscheinend nicht genügend "Eigenverantwortung" übernommen haben. Wenn das Existenzminimum eines Menschen bedroht ist, ist der Hinweis auf seine Eigenverantwortung nicht besonders hilfreich für ihn. Leider gibt es inzwischen auch hier in Deutschland immer mehr Menschen, bei denen das genau so ist. Ich wünsche mir auch, dass mehr und mehr Menschen Eigenverantwortung übernehmen und damit den anderen Menschen eine Hilfe sind, die gerade Unterstützung und neuen Lebensmut benötigen. Genaues Hinsehen und Achtsamkeit könnte dabei helfen.

  42. Birgit schreibt am 1. September 2006 um 16:41

    Hallo zusammen,

    ich finde, dass was Rainer gesagt, trifft es genau. Manchmal muss man die Eigenverantwortung auch einmal runterschrauben und loslassen, damit der grosse Plan eingreifen kann (oder Gott oder was auch immer), meistens geht es dann plötzlich doch ganz von selbst und auch in meinem Sinne.Das hat nichts mit Egoismus zutun, ganz im Gegenteil, dass Ego ist uns bei der eigenverantwortung manchmal ganz schön im Wege.

    Und gerade das was Ursula gesagt hat, trifft gut zu, solche Begriffe werden oft missbraucht und manchmal ist es einfach auch nur schick, Verantwortung abzuladen, damit man selbst keine Entscheidung trefen muss, um nicht später, wenn etwas schief gegangen ist, die Schuld dafür zu bekommen.

    Thema Kindererziehung, unsere Kinder werden von der Gesellschaft zu früh mit zuviel Rechten und Pflichten ohne Schutz ausgestattet und wenn Sie dann Mist bauen, dann schiebt man ihnen noch den schwarzen Peter zu, obwohl es ihnen an Erfahrung mangelt.

    Denn der Verstand kommt nicht vor den Jahren, sondern mit den Jahren.

  43. Renate Thumann schreibt am 5. September 2006 um 17:43

    Fuer mich hat Eigenverantwortung auch damit zu tun, dass ich meinem Schoepfer gegenueber verantwortlich bin, der mir Gaben und Faehigkeiten mitgegeben hat und mir die Wahl laesst, wie ich mich entscheide - und das auch akzeptiert!

  44. Erika Reußwig schreibt am 6. September 2006 um 10:06

    ...Eine helfende Hand ist am Ende Deines Armes zu finden...
    Wenn jedermann - statt herum zu jammern - aktiv wird, sind viele Probleme in unserem Umfeld schnell und einfach behoben. Und für die wirklich nicht selbst zu lösenden Themen findet man dann auch leichter einen Helfer...

  45. Herbstwind schreibt am 6. September 2006 um 12:48

    Wage zu behaupten, dass Eigen-verantwortung sehr viel mit Selbst-wert zu tun hat.
    Bin ich es mir wert, mein leben nach meinen möglichkeiten zu gestalten?
    Es ist sicher nicht in allen bereichen möglich,das ist so.
    Kleine bereiche MIR entsprechend zu erschaffen ist möglich und macht schritt für schritt stark auf dem weg in MEINE richtung.
    und noch etwas........
    kluge menschen vernetzen sich, danke für diese möglichkeit ;-)

  46. Monika schreibt am 10. September 2006 um 11:01

    Ich bin davon überzeugt, dass wir uns unsere Realität mit unserem Bewusstsein selber erschaffen. Wenn mir dies wirklich in allen Konsequenzen klar ist, dann brauche ich nur eins: mein Bewusstsein zu beobachten. Dabei werde ich eine Menge erkennen.

    Wenn ich nach dem Schuld- und Opferprinzip lebe, dann gebe ich meine Verantwortung an andere ab. "Der" oder "die" ist schuld, dass ich ...

    Wann entscheiden wir uns denn wirklich ganz klar für "unseren" Weg? Wann vertrauen wir uns soweit, dass wir unserem Herzen folgen? Das wäre Eigenverantwortung.

    Meisten lassen wir lieber jemand anderen für uns entscheiden und geben ihm dann hinterher die "Schuld", dass es nicht funktioniert hat.

    Wenn wir Frieden wollen, dann finde ich es wichtig, diesen Frieden erst einmal in sich selber zu schaffen. Im eigenen Umfeld. Bei solch praktizierter Eigenverantwortung - von jedem einzelnen - hätten wir sehr schnell Frieden in der Welt. Denn wir können im Außen nur etwas schaffen, wenn wir es zuerst in uns selbst besitzen.

    Jona Mo (Monika)

  47. Michael schreibt am 25. Oktober 2006 um 20:34

    Eine sehr interessante Debatte und da ist vieles das mich sehr angesprochen hat. Ich finde die Zweifel einiger Diskussionsteilnehmer verständlich. Natürlich ist es nicht hilfreich jemanden, der schon ziemlich am Boden ist, den Ratschlag zu geben, dass er mehr Eigenverantwortung übernehmen sollte.
    Ich erinnere mich an Zeiten, wo ich an einer Depression litt und mich zu nichts aufraffen konnte. Es gab viele Freunde, die es irgendwann nicht mehr mitansehen konnten und nur noch genervt reagierten. In dieser Phase verlor ich leider auch sehr viele Freundschaften. Und auch wenn ich damals Groll empfand und mich im Stich gelassen fühlte, kann ich es diesen ehemaligen Freunden heute nicht ganz verdenken.
    Ich hatte gelegentlich auch kurze Phasen, in denen es mir besser ging und ich voll Tatendrang versuchte Dinge in meinem Leben zu verändern. Das dann aber wiederum mit einer Erwartungshaltung a la "wenn ich schon mal meinen Arsch hochkriege, dann möchte ich auch, dass jetzt alles läuft wie geschmiert."
    Schliesslich wollte ich ja für die Leidenszeit auch entschädigt werden. «:-{
    Es ist natürlich etwas an dem ich nach wie vor zu arbeiten habe: langsam aber stetig an den eigenen Visionen zu arbeiten, Erwartungen runterschrauben, sich über kleine Erfolge freuen und versuchen Mißerfolge nicht so dramatisch zu nehmen.
    Ich weiss nicht mehr wie und warum ich aus dem Loch rauskam und entdeckte Eigenverantwortung zu zeigen. Ich vermute mal, dass es viele Komponenten waren.
    Ein entscheidender Punkt war/ist aber wohl auch die Situation in unserem Lande in den letzten Jahren. Wenn man sieht, dass der Großteil der Mitmenschen immer nur am herumjammern ist, fängt man vielleicht irgendwann an zu denken: Entweder ich schliesse mich diesem Chor an oder ich schalte auf Durchzug und versuche die Dinge zu ändern, die ich selbst in die Hand nehmen kann.

    Beim Thema Eigenverantwortung scheinen einige der Diskussionsteilnehmer Egoismus assoziert zu haben. Aber ist es nicht egoistisch sich immer so zu verhalten, als würde die Welt einem etwas schulden? Wie kann ich erwarten etwas zu bekommen, indem ich abwarte, dass jemand anders den ersten Schritt macht?!

  48. matheo111@web.de schreibt am 21. Februar 2007 um 15:22

    Hallo liebe Leute,

    der letzte Beitrag in diesem Forum liegt nun schon nahezu ein halbes Jahr zurück, aber vielleicht frischt der Wind ja mal wieder etwas auf.

    Ich möchte hier auf einen Aspekt des Themas "Selbstverantwortung" hinweisen, der bisher noch gar nicht aufgetaucht ist und den ich mit der Frage umreißen möchte: "Wie oder auf welchen Wegen komme ich von einem Opferempfinden oder aus inneren Blockaden zu echter Selbstverantwortung?"

    Hinter dem Ettikett "Selbstverantwortung" verbirgt sich meiner Meinung nach etwas sehr Großes und Anspruchsvolles, das bei aller intellektuellen Reflexion eher weg diskutiert als an die Oberfläche gebracht wird.

    Mehr Selbstverantwortung zu fordern oder deren Bedeutsamkeit für den Einzelnen und die Gesellschaft zu betonen ist eines, einen "echten", d.h. praktikablen Weg aus dem weit verbreiteten Ohnmachts- und Lähmungsgefühl heraus aufzuzeigen, ein ganz anderes.

    Mit den folgenden Schilderungen einer realen Situation möchte ich die Diskussion gerne in die Richtung bringen, über solche Lösungsansätze zu reflektieren, statt "über" das Thema zu diskutieren.

    Person A erlebt seit vielen Jahren immer wieder in bestimmten Zyklen ein Auf und Ab von Zeiten der Selbstverantwortung und solchen der Ohnmacht und Depression. Obwohl sie das Thema intellektuell längst durchdrungen und die Mechanismen der Projektion und Rückkoppelung verstanden hat, helfen ihr diese Einsichten in der Praxis rein gar nicht.

    Warum nicht? Weil das jeweilige Maß an Energie (=Selbst-bewusstsein? = Selbstbestimmung? = Selbstverantwortung im Handeln) von einer einzigen "äußeren" Prämisse abhängt, nämlich dem gefühlten Maß an Akzeptanz, Zuspruch, Anerkennung oder auch Zugehörigkeit, das sie von ihrem Partner und gelegentlich auch von seiten anderer engerer Kontakte erfährt.

    Im Bild gesprochen: A fährt gewissermaßen permanent auf Reserve und braucht eine oder ganz wenige in Frage kommende "Tankstellen", um "selbstverantwortlich" und "frei" durch Leben zu steuern. Je nach Intensität des Tankens (besondere Erfolge, eine neue Liebesbezihung etc.) ist der Tank dann auch schon mal voll genug, um sich über gewisse Strecken unabhängig zu fühlen.

    Nach gewissen Zeiten beginnt dann aber die Abhängigkeit immer transparenter zu werden und die jeweilge "Tankstelle" zieht sich weiter und weiter zurück. Nun beginne die Projektionen und Schuldzuweisungen und A sieht in der zunehmenden Distanzierung eine Ablehnung der eigenen Person. Damit beginnt die Abwärtskurve, die letztlich in Ohnmachtsgefühlen oder gar Depressionen endet und scheinbar keine Selbstverantwortung mehr zulässt.

    Aber: A durchschaut auch diese Zusammenhänge und erkennt, dass die Ursache der negativen Entwicklung ursächlich bei ihr liegt. Es folgen entschiedene Schritte der Dekonstruktion des subjektiven Bildes und am Ende steht A schließlich vor der Erkenntnis und "objektiven" Wahl(!!!), unabhängig von jedem konkreten Zuspruch bestimmter einzelner Menschen zu agieren und somit echte Selbstverantwortung zu leben, die sie auch für andere wieder attraktiver erscheinen lässt und sie von ihrem Klettendasein erlöst.

    Soweit die brillanten intelletuellen Leistungen. Und nun? Wie sieht die Realität, die "Wirk-lichkeit" aus?
    der Tank ist leer, keine Tankstelle in Sicht- oder Reichweite, die Visualisierung von Energie (positives Denken o.ä.) hilft möglicherweise auch noch eine Weile weiter, wenn A sich auch hier schon lieber spritsparend fährt. Und am Ende steht einfach wieder nur der leere Tank, sprich Ohnmachts-, Abhängigkeits- Opfergefühle.

    Meist kommt nach einiger Zeit des verzweifelten Wartens (inklusive der kurzfristig aufflammenden Versuche zur spontanen Selbstrettung) schließlich ein freundlicher und hilfsbereiter Retter mit einem vollen Kanister im Kofferraum vorbei (und wer ist nicht gerne auch mal Retter). Und nun kann der Zyklus wieder von vorne beginnen.

    Selbstverantwortung - wie geht das?

    Bin sehr gespannt auf eure Beiträge.

    VG Matheo

  49. Tati schreibt am 23. Juni 2007 um 14:23

    Hallo

    Leider gibt es auch Menschen die es nie gelernt haben Eigenverantwortung für sich und ihre Umwelt zu übernehmen.Die dies nie mit auf ihren Weg mitbekommen haben.Es ist leicht zu sagen übernimm Eigenverantwortung für Dein Leben,aber für diese Menschen ist es nun mal nicht möglich.Sie kämpfen jeden Tag mit sich,sie kämpfen ums Überleben.

  50. Tati schreibt am 23. Juni 2007 um 14:24

    Hallo

    Leider gibt es auch Menschen die es nie gelernt haben Eigenverantwortung für sich und ihre Umwelt zu übernehmen.Die dies nie mit auf ihren Weg mitbekommen haben.Es ist leicht zu sagen übernimm Eigenverantwortung für Dein Leben,aber für diese Menschen ist es nun mal nicht möglich.Sie kämpfen jeden Tag mit sich,sie kämpfen ums Überleben.

  51. Erhard Kellner schreibt am 9. Juli 2007 um 15:48

    Bei einem Vortrag hörte ich einmal das folgende Wortspiel:

    "Wenn ein Mensch sich von etwas ANGESPROCHEN fühlt, dann fühlt er sich aufgefordert zu ANTWORTEN, und das führt zu VER-ANTWORT-UNG.

    Er versucht zu ANTWORTEN, und diese VERANTWORTUNG - und das zeigt die Sprache sehr schön - stammt aus dem Versuch ANTWORT zu geben.

    Und ANTWORT kann nur der geben, der sich ANGESPROCHEN fühlt und der ENT-SPRECHEN will."

    Liebe Grüße
    Erhard

  52. Domino schreibt am 29. Oktober 2008 um 21:10

    Hallo,

    ich bin neu hier im Forum und lese mich so langsam durch alle Themen. Als ich diesen Beitrag über die Eigenverantwortung las, war ich sofort wieder dran an dem Thema, das mich selber so viel beschäftigt.
    Mein Vater brachte mir bei: Wenn ich ein Ziel habe, muß ich mich in erster Linie selbst darum bemühen (eigenverantwortlich) dies zu erreichen. Die Anderen sind dafür nicht verantwortlich.
    Ich beobachte sehr oft, wie manche Menschen andere manipulieren und benutzen, um an ihre Ziele zu kommen.
    Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß die Manipulierer sehr empfindlich reagieren, wenn man ihnen draufzusagt, daß man nicht für ihre Angelegenheiten verantwortlich ist. Für viele scheint das wirklich ein Thema zu sein, mit dem sie sich noch nie auseinandergesetzt haben. Umso schöner, daß hier im Forum der Austausch darüber stattfindet.

    Viele Grüße Domino

  53. Sandra schreibt am 8. November 2008 um 14:55

    Hi,

    habe mich gerade durch den Artikel und die Kommentare gelesen und finde es ziemlich spannend. Ich glaube, dass es eine Menge Menschen gibt, die glauben die Verantwortung für sich selbst auf andere Menschen schieben zu können.
    In der Familie, in Beziehnungen, im Freundeskreis, im Job. Frei nach dem Motto: Ihr mögt mich doch also helft mir gefälligst bzw. ich kann die Verantwortung für mich selbst nicht händeln, also mach du mal und rette mich.
    Wahrscheinlich ist es einfach verlockend sich retten zu lassen als endlich den Hintern hochzubekommen und sich selbst zu retten.
    Wer wirklich ehrlich zu sich ist, der sollte irgendwann erkennen das er oder sie die einzige Person ist die in der eigenen Haut steckt.....
    und spätestens dann sollte man anfangen auf sich selbst zu achten und Verantwortung zu übernehmen. Damit entlastet man dann auch direkt seine Umwelt, denn die Verantwortung für jemand anderen aufgebürdet zu bekommen führt in der Regel zum Chaos....

  54. Marcy schreibt am 29. Juni 2009 um 07:35

    Was mir beim Lesen der Kommentare auffiel: wie oft die Eigenverantwortlichkeit von finanziellen Aspekt betrachtet wird. Das finde ich doch ein wenig bedenklich. Denn selbst wenn ich vom sogenannten Existenzminimum leben muss, kann ich immer noch selbst entscheiden, ob ich z.B. meine Zeit vor dem Fernseher verbringen möchte oder lieber im Ehrenamt. Ein Besuch in der Bibliothek ist auch kostenlos. Und so kann es mit den Beispielen weitergehen... Ich selbst kann also immer in irgendeiner Form (und sei sie auch noch so "abgespeckt") entscheiden, ob ich aktiv oder passiv sein möchte!!!
    (Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es geht, das ist keine trockene Theorie für mich.)
    Einen schönen Start in die Woche für alle :-)