von Tania Konnerth
Der Begriff "Workaholic" stammt aus dem Englischen und beschreibt in Anlehnung an den Begriff der Alkoholiker Menschen, die so viel arbeiten, dass man von "Arbeitssucht" sprechen kann.
Arbeitssucht? Schon wieder ein neues Schlagwort und einmal mehr eine Suchtgefahr an die Wand gemalt? Nicht ganz, denn hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Phänomen, dass offenbar stark zunimmt und nicht nur für die Betroffenen selbst bedenklich ist. In diesem Artikel wollen wir
Nach Arbeit süchtig sein? Wer nicht betroffen ist, kann sich das kaum vorstellen. Viele machen ja drei Kreuze, wenn endlich der Feierabend da ist oder das Wochenende ansteht. Einigen aber geht es da ganz anders – und ihre Zahl wird offenbar immer größer.
Es sind Menschen, die neben der normalen Arbeitszeit auch noch einen Großteil – oder im Extremfall auch ihre ganze Freizeit mit Arbeit füllen. Betroffen sind vor allem Selbstständige, Manager/innen und Personen, die in helfenden Berufen arbeiten, die also mit Herz und Seele in ihrem Job aufgehen.
Am Beginn steht meist eine Berufstätigkeit, die richtig Spaß macht. Wir sehen Sinn in unserer Arbeit, haben Erfolg und genießen das Gefühl, wichtig zu sein und gebraucht zu werden.
Dass Arbeit Spaß macht, ist kein Problem – im Gegenteil, das ist mehr als wünschenswert. Aber wenn unsere Arbeit zum einzig und alleinigen Lebensinhalt wird, kann das unangenehme Folgen haben.
Die Definition aus dem Gesundheits-Brockhaus besagt, dass Arbeitssucht als ein "übersteigertes Verlangen nach Arbeit, Leistung und Erfolg" gesehen wird, "wobei der Bezug zu anderen Lebensbereichen wie Freunde, Familie, Freizeit verloren zu gehen droht".
Dabei kann man allerdings nicht genau sagen, ab wann genau das leistungsorientierte und ehrgeizige Engagement für die Arbeit zu einem Suchtphänomen wird, denn die Grenze hier ist fließend.
Arbeitssucht zeigt sich z.B. beim ständig hetzten Manager, der alles allein erledigen will und das Gefühl hat, die Firma würde ohne ihn zusammenbrechen. Sie zeigt sich auch bei der Geschäftsfrau, die es vermeidet, nach Hause zu gehen, weil ihr dort die Decke auf den Kopf fällt und die sich deshalb in die Arbeit stürzt. Arbeitssucht zeigt sich auch beim Rentner, der am Ende seines Arbeitslebens vollkommen den Lebenssinn zu verlieren scheint.
Der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens Arbeitssucht liegt in der Einstellung der jeweiligen Person zur Arbeit. Wenn wir beginnen, uns ausschließlich über die Arbeit zu definieren, ja, sogar unsere Daseinsberechtigung allein über unser Engagement im Job ableiten, bekommt die Arbeit in unserem Leben ein zu großes – und damit sehr häufig ungesundes – Übergewicht. Sehr oft führt das zu einem Gefühl von Wertlosigkeit, wenn wir nicht genug leisten und damit zu einem stetig steigenden Anspruch an uns selbst, der in eine Arbeitsspirale führt, an deren Ende der Zusammenbruch steht.
Nein, Arbeit ist natürlich nichts Schlechtes und wer viel arbeitet, ist gut angesehen. Deshalb ist es auch gar nicht so leicht, hier die Grenze zu ziehen, von der man aus erkennen kann, wann es zu viel des Guten wird.
Der Fall ist das z.B. dann, wenn jemand, der in seiner Freizeit mit dem Malen beginnt, um einen Ausgleich zur Arbeit zu finden, sehr schnell zu überlegen beginnt, wo er die Bilder verkaufen kann o.ä. Das macht den Suchtcharakter deutlich: Ein Hobby kann gar nicht mehr um seiner selbst genossen werden, sondern muss durch einen "Erwerbscharakter" mit einer Berechtigung versehen werden.
Typisch für Workaholics ist also, dass zunehmend nur noch das Sinn macht, was unter Arbeit fällt, anderes wird als "sinnlos" oder "wertlos" angesehen.
Es ist also weniger der Stellenwert der Arbeit in unserem Leben das bedenkliche, als vielmehr die Tatsache, dass unsere Arbeit zum alles bestimmenden Element unseres Lebens wird.
Und deshalb zählen z.B. auch Personen zu den Betroffenen, die vor lauter Angst vor der Arbeit kaum noch schlafen können und auch zu Hause an nichts anderes mehr denken können, als nur noch an die Arbeit...
Arbeitssucht wird erstaunlicherweise von den Betroffenen erst dann bemerkt, wenn die Folgen überdeutlich werden, so dass auch sie nicht mehr daran vorbeischauen können.
Und mögliche Folgen gibt es viele:
Sicher werden einige, die diesen Artikel lesen, sich fragen, was das Ganze soll. Sie fühlen sich rundum wohl mit der vielen Arbeit und sehen kein Problem darin.
Wenn das tatsächlich so ist: Glückwunsch.
Allerdings hat Sie das Thema angesprochen – und in der Überschrift steht "Arbeitsucht – erkennen und in den Griff bekommen". Vielleicht möchten Sie einfach im Folgenden einmal überprüfen, wie betroffen Sie eigentlich überhaupt sind. Auf der nächsten Seite finden Sie dazu einen Selbsttest.
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