Finden Sie heraus, ob auch Sie betroffen sind
Der erste Schritt ist – wie so oft – Einsicht. Sich selbst einzugestehen, dass man zu viel arbeitet, ist für Betroffene unendlich schwer. Genau das macht nun einmal das Wesen eines suchtähnlichen Phänomens aus.
So viel arbeite ich doch gar nicht...
- "So viel ist es doch gar nicht."
- "Letzte Woche habe ich kaum Überstunden gemacht."
- "Ich arbeite nur das Nötigste, du übertreibst maßlos."
- "Es muss ja schließlich gemacht werden, die Arbeit erledigt sich ja nicht von selbst."
Das alles sind Sätze, die vor allem Angehörige hören, wenn sie den Betroffenen auf sein Arbeitspensum ansprechen. Auch vor sich selbst wird derjenige unzählige Entschuldigungen, Beschwichtigungen und Ausreden finden.
Je nach Leidensdruck und Persönlichkeit wird der eine früher, der andere später erkennen, dass er betroffen ist. Ohne sich selbst ehrlich einzugestehen, dass die man zum Workaholic geworden ist, wird man kaum etwas verändern.
Dieser erste, und dabei vielleicht schwierigste Schritt, eröffnet aber erst den Weg zu Veränderungen.
Der Blick in den Spiegel
Gehören Sie auch zu den Leuten, die deutlich mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten und fragen sich nun, ob Sie vielleicht ebenfalls eine Tendenz zur Arbeitssucht haben?
Dann gehen Sie einmal die folgenden Fragen durch und zählen Sie für sich zusammen, wie viele der Aussagen auf Sie zutreffen.
Selbsttest: Bin ich gefährdet?
- Ich denke sehr oft über meine Arbeit nach.
- Meine Arbeit ist mein Leben!
- Ich arbeite häufig auch zu Hause.
- Auch im Urlaub nehme ich mir meist einige Dinge mit, die ich dort erledigen kann.
- Für Treffen mit Freunden, Unternehmungen o.ä. habe ich fast nie Zeit, weil ich arbeiten muss.
- Überstunden sind für mich normal.
- Es gibt Phasen, in denen scheint mir außer der Arbeit nichts sonst wirklich interessant.
- Einfach nur rumzusitzen macht mich kribbelig, dann arbeite ich lieber was weg.
- Hobbys hab ich eigentlich keine oder nur wenige – meine Arbeit ist auch mein Hobby.
- Zu Hause fällt mir schnell die Decke auf den Kopf, bei der Arbeit nie.
- In letzter Zeit bin ich nicht mehr so leistungsfähig wie früher, obwohl ich mehr arbeite.
- Ja, wenn ich ehrlich bin, bin ich schon etwasüberarbeitet – aber die Arbeit muss ja gemacht werden.
- Wenn Not am Mann ist, sage ich auch meinen Urlaub ab oder fahr am Wochenende in die Firma.
- Meine Arbeit macht den Großteil meines Lebens aus.
- Meine Arbeit gibt meinem Leben Sinn.
- Ehrlich gesagt wüsste ich gar nicht so recht, was ich mit freier Zeit anfangen sollte...
- Ich arbeite oft bis zur völligen Erschöpfung – bei der Arbeit selbst merke ich aber gar nicht, wie viel Kraft mich das kostet.
- Ich glaube, dass keiner meine Arbeit so gut wie ich machen kann, deshalb fällt es mir auch schwer, etwas zu delegieren. Ich mach am liebsten alles selbst.
- Sollte es mal wirklich nichts zu tun geben, suche ich mir etwas.
Je mehr zutreffende Aussagen Sie hier ankreuzen konnten, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Arbeit in Ihrem Leben einen etwas zu hohen Stellenwert bekommen hat. Schon ab mehr als 5 Zustimmungen kann sich eine ernstzunehmende Tendenz zur Arbeitssucht abzeichnen.
Falls Sie bei vielen Aussagen halb zustimmen können, dann ist auch das ein Zeichen dafür, dass Sie vielleicht schon etwas zu viel arbeiten.
Nicht gleich abwehren, sondern einfach mal nachdenken
Wenn Sie bei dieser Liste nun einer Reihe von Aussagen zustimmen konnten, wird Sie die Auswertung vielleicht wütend machen. "Was sagt das schon aus?" fragen Sie sich vielleicht. "Mir geht es doch prima!"
Wenn Sie schon bis hier hin gelesen haben, scheint Sie das Thema aber offenbar doch weitaus mehr mit Ihnen zu tun zu haben, als Sie sich vielleicht eingestehen möchten. Nutzen Sie das doch einmal als Chance, einen Moment lang in sich zu gehen.
- Welchen Stellenwert hat Arbeit für Sie?
- Gibt es etwas Wichtigeres als Ihren Job? Wenn ja, was ist es?
- Können Sie sich vorstellen, etwas ganz anderes zu tun, als zu arbeiten?
- Was wäre, wenn Sie von heute auf morgen Ihre Arbeitstätigkeit nicht mehr ausüben können?
- Was würde das für Sie bedeuten?
- Leiden andere Lebensbereiche zu Gunsten Ihrer vielen Arbeit?
Mit solchen und ähnlichen Fragen können Sie sich aktiv mit dem Thema beschäftigen und für sich herausfinden, ob die Tatsache, dass Sie viel arbeiten bedenklich ist oder eher nicht.
Im Folgenden finden Sie einige Tipps für den Fall, dass Sie sich betroffen fühlen und in Zukunft weniger arbeiten wollen, aber nicht sicher sind, wie Sie das anstellen sollen.
