Von Ralf Senftleben
Die Fragetechnik ist eine sehr effektive Strategie, zielgerichtet über die Lösung eines Problems oder über ein Thema nachzudenken.
"Wer nicht fragt, bleibt dumm." – ist eine goldene Regel für Kinder und auch für Erwachsene. Indem wir Fragen stellen, beschäftigen wir uns mit dem jeweiligen Thema, versuchen Zusammenhänge zu verstehen und uns Wissen anzueignen. Genau das wird bei der Fragetechnik genutzt. Das Grundprinzip der Fragetechnik beruht dabei auf der Erfahrung, dass wir mit den richtigen Fragen zu den Antworten kommen können, die wir brauchen, um ein Problem zu lösen.
Nehmen Sie ein Blatt Papier zu Hand und schreiben Sie Ihr Thema oder die Problemstellung in die Mitte des Papiers. Nun schreiben Sie zunächst so viele Fragen zu Ihrem Thema auf, wie Ihnen einfallen. Schreiben Sie Ihre Fragen über das ganze Blatt verteilt auf. Vielleicht können Sie schon gleich ähnliche oder themenverwandte Fragen zusammenschreiben.
Hermann Minde ist unzufrieden mit seinem augenblicklichen Leben und will darüber nachdenken, was er wirklich vom Leben erwartet. Dann könnte er sich vielleicht die folgenden Fragen stellen:
Und nehmen wir an, Birgit Neuberg will sich gerne selbständig machen, hat aber noch keine Geschäftsidee. Sie könnte sich z.B. fragen:
In beiden Beispielen sind natürlich noch zahlreiche weitere Fragen denkbar.
Es ist wichtig, dass Sie in dieser ersten Phase noch keine Fragen streichen, weil sie Ihnen zu dumm vorkommen oder unsinnig erscheinen. Es gibt grundsätzlich keine dummen Fragen! Auch sehr einfache Fragen können sinnvoll sein, wenn sie Ihnen z.B. zu einem anderen Gedankengang verhelfen. Also bitte in dieser Phase noch nicht zensieren.
Es klingt vielleicht paradox, aber Sie können oft nur dann sinnvolle Fragen stellen, wenn Sie schon etwas über Ihr Problem wissen. Wenn Ihnen also keine oder nur wenig Fragen einfallen, ist es zunächst wichtig, herauszufinden, welche Informationen Sie brauchen. Dann wäre Ihre erste Frage: Was muss ich über mein Problem alles wissen?
Erst wenn Ihnen keine weiteren Fragen mehr einfallen, beginnen Sie damit, die Fragen zu sortieren. Dazu schreiben Sie die Fragen, die ähnlich sind zusammen und streichen die doppelten. Sortieren Sie hier nun auch die Fragen aus, von denen Sie glauben, dass sie Ihnen in Ihrem weiteren Vorgehen nichts nutzen werden. Erstellen Sie so eine übersichtliche Liste aller wichtigen Fragen zu Ihrem Thema oder Problem.
Wenn Sie alle Ihre Fragen übersichtlich vor sich liegen haben, beginnen Sie damit, Antworten zu finden. Einige Fragen werden Sie sofort beantworten können, bei anderen werden Sie vielleicht ein bisschen länger überlegen müssen. Manchmal müssen Sie vielleicht eine Frage in weitere Unterfragen aufteilen, um weiterzukommen. Und bei wieder anderen Fragen werden Sie alleine keine Antwort finden, sondern Sie werden andere Leute fragen müssen. Schreiben Sie Ihre Antworten in jedem Fall auf – sie enthalten wesentliche Informationen und wertvolle Lösungshinweise.
Sie können diese Methode im täglichen Alltag einsetzen, um zu üben. Wenn Sie z.B. ein Gericht kochen wollen, können Sie einfach die Planung dafür einmal nach der Fragetechnik machen.
Die Fragetechnik ist eine recht einfache Methode, systematisch nachzudenken. Sie führt sehr schnell und effektiv zu einer Fülle von Lösungsansätzen. Je mehr wir uns in dieser Methode üben, desto effektiver können wir sie mit der Zeit einsetzen. Durch diese Technik schweifen Ihre Gedanken nicht mehr so schnell ab, so dass Sie konzentrierter bei Ihrem Thema und Ihrer jeweiligen Fragestellung bleiben.
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