Das, was vorgeht, wenn wir eine Idee entwickeln oder ein Buch schreiben, nennen wir den kreativen Prozess. Es handelt sich hierbei um ein Modell mit aufeinanderfolgenden Phasen. Die einzelnen Phasen des kreativen Prozesses sind:
Zunächst einmal müssen Sie Ihre Aufgabenstellung oder das Problem, das Sie lösen wollen, genau definieren. Sie können dies im Kopf tun, aber es ist oft hilfreich, es schriftlich zu machen. Hier bietet sich z.B. das Mind Mapping an. Versuchen Sie immer, so genau wie möglich zu beschreiben, was die Aufgabe ist und nach welcher Lösung Sie suchen oder was Sie entwickeln oder kreieren wollen.
Da Kreativität nicht aus dem luftleeren Raum entsteht, gehört es außerdem zur Vorbereitung, dass Sie sich die nötigen Kenntnisse und Informationen aneignen. Wenn Sie z.B. ein Bild malen wollen, dann müssen Sie zumindest grundlegende Maltechniken beherrschen und am besten etwas über Komposition und Farbenlehre wissen. Wenn Sie ein technisches Gerät erfinden wollen, brauchen Sie das Know How dafür. Wenn Sie ein Problem lösen wollen, müssen Sie dafür so viele Informationen wir möglich sammeln.
Es ist eine Illusion, dass uns Kreativität ohne Vorbereitung einfach so aus heiterem Himmel trifft. Beim kreativen Arbeiten ist immer auch ein großer Teil gute Vorbereitung dabei. Beginnen Sie also damit, sich die nötigen Fertigkeiten anzueignen oder fehlende Informationen zu besorgen.
Diese Phase folgt der Vorbereitungsphase und ist ganz entscheidend. Hier tun Sie schlicht gar nichts! Am besten vergessen Sie Ihr Problem oder Ihre Aufgabe einfach. Tun Sie nichts mehr dafür und denken Sie auch nicht mehr daran. Es ist natürlich nicht so, dass Sie wirklich nichts tun, aber Sie tun es nicht mehr bewusst . In dieser Zeit hat nämlich Ihr Unterbewusstsein die Möglichkeit, die verschiedenen Informationen und Ihre Aufgabenstellung in Verbindung zu bringen und so neue Ideen zu finden. Im Normalfall dauert diese Phase eine ganze Weile und oft haben wir dann das Gefühl, dass wir nicht weiterkommen und dann geben wir auf. An dieser Stelle müssen Sie durchhalten und in die eigene Kreativität vertrauen.
In Kreativitätstechniken versucht man diese Phase künstlich durch spezielle Entspannungstechniken zu erzeugen.
Was in der Inkubationszeit wächst, kommt irgendwann zum Vorschein: Die neuen Ideen werden Sie vielleicht vollkommen unerwartet unter der Dusche oder auf einem Spaziergang finden. Meist bekommen wir Gedankenblitze dann, wenn wir entspannt sind und überhaupt nichts mit der eigentlichen Aufgabenstellung zu tun haben. Seien Sie bereit, diese Ideen sofort aufzuschreiben, auch wenn sie Ihnen vielleicht zunächst unrealistisch erscheinen. Es ist entscheidend, dass Sie vollkommen offen sind für alles, was Ihnen Ihr Unterbewusstsein mitteilt – schreiben Sie also alle noch so kleinen Ideen auf und notieren Sie sich auch Ihre Träume.
Wenn Sie dann zu neuen Ideen gekommen sind, müssen Sie diese auf ihren Nutzen hin überprüfen. Ist die Idee für Ihr Buch oder Bild wirklich umsetzbar? Wird Ihre Lösungsidee für das Problem zu realisieren sein und tatsächlich das Problem lösen? In dieser Phase können Sie kritisch sein, aber geben Sie der neuen Idee eine Chance. Vieles von dem, was Menschen entdeckt haben, schien zunächst vollkommen unsinnig. Vertrauen Sie darauf, dass Sie spüren werden, ob es sich um eine gute Idee handelt oder nicht. Falls nicht, müssen Sie den kreativen Prozess noch einmal durchgehen.
Die einzelnen Phasen können in der Praxis auch ineinander übergehen. Bei manch' einem dauern die Phasen des kreativen Prozesses länger, bei einem anderen gehen sie schneller. Es ist in jedem Fall hilfreich, sich die einzelnen Phasen einmal klarzumachen, da wir manchmal einfach zu früh aufgeben und z.B. nicht auf die nächste Phase warten.
Wie Sie aus dem kreativen Prozess gesehen haben, gibt es für Kreativität eine unabdingbare Voraussetzung: Sie müssen ein Ziel haben. Wenn Sie kein Ziel haben, dann weiß Ihr Unterbewusstsein auch nicht, wonach es suchen soll. Wenn Sie Ihre Kreativität steigern wollen, dann ist der erste Schritt immer, sich ein motivierendes Ziel zu setzen. Dann geben Sie sich einen wirklichen Grund dazu, kreativ zu sein.
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