Für die Arbeit im Team: Die Kärtchenmethode

Von Tania Konnerth

Vielleicht kennen Sie das ja: Wenn Sie in einer Teamsitzung Kritik äußern wollen oder einen Vorschlag für eine andere Arbeitsweise haben, dann kochen schnell die Emotionen hoch. Dann wird ein konstruktives Miteinander oft schwierig. Die Kärtchenmethode wirkt solchen Entwicklungen entgegen und ermöglicht den Mitgliedern eines Teams einen gewinnbringenden Austausch.

Das Grundprinzip

Die Grundidee dieser Methode besteht darin, dass jedes Teammitglied in einer Teamsitzung einen bestimmen Satz an Kärtchen verfügbar hat, die während der Teamsitzung fast genauso wie in einem Gesellschaftsspiel eingesetzt werden können.  Diese Kärtchen werden vorher im Team gemeinsam erarbeitet. Auf der Vorderseite eines Kärtchens steht ein Stichwort (z.B. "STOP"), das für alle eindeutig mit einer bestimmten Bedeutung verbunden ist. Auf der Rückseite der Karte steht dann in Stichpunkten, wie vorgegangen wird, wenn diese Karte von einer Person gezeigt wird. Es müssen für alle Teammitglieder die gleichen Regeln gelten. Für die Kärtchen eignet sich am besten Karteikarten im Din A5-Format.

Was sollen das für Karten sein?

Idealerweise haben Sie einen Satz an Karten, mit denen Sie als Team in Zukunft so viele schwierige Situationen wie möglich bewältigen können. Es sollte versucht werden, schon im Vorfeld alle möglichen schwierige Situationen oder Konflikte im eigenen Team zu erahnen und zu diesen möglichen Situationen Kärtchen zu erarbeiten. Solche Situationen könnten z.B. sein:

  • Jemand hat das Gefühl, nie zu Wort zu kommen oder nicht ausreden zu können.
  • Der Umgangston im Team macht es einem Teammitglied schwer, offen zu bleiben und sich einzubringen.
  • Jemand versteht etwas nicht, kann dem Gespräch oder den Arbeitsschritten nicht folgen.
  • Jemand fühlt sich von anderen übergangen, überrumpelt, übervorteilt o.ä.
  • Jemand hat eine Idee, die aber sofort abgeschmettert wurde.
  • Ihm oder ihr ist diese Idee aber so wichtig, dass er sie nochmals vorbringen will.
  • Es werden Entscheidungen im Team gefällt, mit denen jemand nicht klar kommt.
  • Irgendwelche Konfliktherde tauchen auf, bei denen jemand das Gefühl hat, dass man im Team darüber reden sollte.

Um das Prinzip der Entwicklung der Kärtchen noch besser zu verstehen, können Sie sich auch von unseren  Beispielen inspirieren lassen. Durch diese Beispiele wird die Methode noch klarer.

Erstellung der Karten

Es ist absolut unerlässlich, dass die Karten von allen Teammitgliedern gemeinsam erarbeitet werden. Nur dann werden die Karten auch von allen akzeptiert. Ziel ist, dass die für dieses Team wesentlichen und wichtigen Ängste und Bedürfnisse in die Kärtchen einfließen. Dieser demokratische Prozess kann für einige Teams bereits eine schwierige Aufgabe sein. Hier ist es unter Umständen notwendig, einen neutralen Moderator zu Hilfe zu nehmen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass alle Teammitglieder die Möglichkeit bekommen, ihre Vorschläge für mögliche Karten einzubringen. Gegebenenfalls kann hierzu im Vorfeld eine anonyme Abfrage für die Kärtchenvorschläge erfolgen. Dann diskutiert das Team über die Vorschlagssammlung, ohne das einer im Team sich explizit zu einem Vorschlag bekennen muss .

Anzeige

Vor- und Rückseiten der Karten

Auf der Vorderseite sollte für alle lesbar möglichst nur ein Stichwort stehen. Dieses Stichwort muss eindeutig sein. Das Wort "FOUL" wäre z.B. ein solches eindeutiges Wort, das genau klarmacht, wofür es steht. Auf der Rückseite der Karte werden in kurzen Stichpunkten die Maßnahmen notiert, die unternommen werden, wenn sich jemand mit dieser Karte bemerkbar gemacht hat. Beim "FOUL"-Beispiel, könnte das z.B. sein:

  1. Das augenblickliche Gespräch wird unterbrochen und der Kartenzeiger kann kurz darstellen, durch wenn und durch was er oder sie sich gefoult fühlt.
  2. Die angesprochene Person oder ggf. das Team als Ganzes hat einige Minuten Bedenkzeit und kann dann ca. eine Minute lang darauf antworten.
  3. Die Gruppe entscheidet dann, ob eine Entschuldigung fällig ist oder ob weitergemacht werden kann.

Praktischer Einsatz der Karten

Jedes Teammitglied erhält einen vollständigen Satz der Karten. Die Grundregel lautet: Jeder kann jede Karte jederzeit einsetzen. Dabei sollte sich aber jedes Teammitglied bewusst darüber sein, dass das Zeigen einer Karte die Arbeit im Team stark beeinflusst. Jeder, der eine Karte zeigt,  sollte wirklich einen guten Grund dafür haben. Jeder im Team muss mit dem Einsatz der Karten sehr bewusst und umsichtig umgehen. Nur wenn alle Beteiligten mit der gleichen Ernsthaftigkeit an die Kärtchenmethode herangehen, können alle im Team lernen, dieser Methode zu vertrauen. Für die Anfangsphase kann eine Vertrauensperson im Team (ggf. von den Teammitgliedern geheim zu wählen) den Auftrag bekommen, für die korrekte Anwendung der Karten zu sorgen. Ganz entscheidend ist es, dass die beschlossenen Folgemaßnahmen jeder Karte unbedingt ausgeführt werden, da sonst das Vertrauen in die Methode schnell zerstört wird.

 



Formulare / Downloads

Und: Kostenlos eine umfangreiche Leseprobe zu unserem Selbstcoaching-Programm anfordern.

 

 

 

Für alle Freiberufler, Selbstständigen und Kleinbetriebe:
Kostenlose Tipps rund um Akquise, Profil-Bildung und Erfolg im Business