Dem Phänomen auf die Spur kommen
Bevor Sie sich mit Tricks und Kniffen selbst zum Arbeiten bringen, sollten Sie einmal einige Gedanken auf das Phänomen selbst richten. Aufschieberitis ist etwas, das in Ihnen – und wohl in uns allen – ist. Da eigentlich nichts in uns vollkommen nutzlos ist, sollten Sie es ernst nehmen und nicht einfach nur "weg haben" wollen. Manchmal haben wir nämlich gute Gründe für das Aufschieben.
Warum schieben Sie Dinge eigentlich auf?
Es lohnt sich einmal zu analysieren, warum wir bestimmte Aufgaben vor uns herschieben – denn nur so können wir auch den richtigen Weg im Umgang mit der Aufschieberei finden. Sehr wahrscheinlich werden Sie feststellen, dass die Gründe bei verschiedenen Aufgaben ganz unterschiedlich sein können. Sie erfahren so sehr viel über Ihre Eigenmotivation und Prioritätensetzung.
Aufschieberitis kann ganz verschiedene Ursachen haben, wie z.B.:
- schlichte Unlust, weil die Sache einfach keinen Spaß macht
- mangelnde Motivation, weil der Sinn der Tätigkeit entweder nicht klar oder zu gering ist
- ein Trotzgefühl, das aus früheren Ereignissen immer noch aktiv ist und dafür sorgt "dass man doch nicht das macht, was andere von einem erwarten",
- schlechte Organisation,
- mangelnde Erfolgserlebnisse
- und anderes mehr.
Darüber hinaus kann die Ursache für das Verschiebens auch in persönlichen Widerständen liegen. Hierauf sollten Sie vor allem bei persönlichen Projekten oder Zielen einmal genau achten: Welche Gründe kann es haben, dass Sie z.B. Ihre Selbständigkeit oder das Buchprojekt nicht endlich angehen? Angst? Zweifel? Vielleicht ist es auch nicht das richtige Ziel?
Übung
Beantworten Sie sich in der nächsten Zeit einmal zu jeder Aufgabe, die Sie aufschieben, die folgenden Fragen:
- Warum mache ich diese Aufgabe jetzt nicht?
- Was habe ich davon, die Aufgabe jetzt nicht zu erledigen?
- Welche Gefühle sind in mir, wenn ich an diese Aufgabe denke?
- Wie fühle ich mich damit, dass ich diese Aufgabe vor mir herschiebe?
- Was will ich jetzt ändern?
Durch diese Analyse gewöhnen Sie sich daran, sich über Ihre Aufschieberei, über Ihre Gründe dafür und Ihre Gefühle dabei bewusster zu werden. So kommen Sie mit sich selbst in Kontakt und werden möglicherweise Muster oder Motive erkennen, mit denen Sie weiterarbeiten können. Sie erkennen so auch, ob und warum ein persönliches Ziel vielleicht nicht das Richtige ist und was Sie sich statt dessen vornehmen können.
Und warum erledigen Sie bestimmte Aufgaben?
Schauen Sie aber nicht nur dahin, wo Sie Aufgaben vor sich herschieben, sondern beachten Sie bei Ihrer Analyse unbedingt auch, warum Sie manche Aufgaben sofort erledigen und was dafür die Gründe sind. So finden Sie heraus, wann und wodurch Sie motiviert sind.
Und dann kommen auch noch die Schuldgefühle...
Häufig mit der Aufschieberitis verbunden sind die Schuldgefühle, die wir uns machen, wenn wir etwas nicht erledigen. Damit sind wir fast so wie Kind und Eltern zugleich. Wir sind "böse", weil wir etwas aufschieben und bestrafen uns auch gleich selbst dafür, indem wir uns deswegen schlecht fühlen. Schuldgefühle sind aber leider meist vollkommen nutzlos – im Gegenteil, sie kosten uns auch noch viel Energie.
Lieber eine klare Entscheidung treffen
Viel besser ist es, zu der eigenen Aufschieberei zu stehen. Sie sind ein erwachsener Mensch und wenn Sie gute Gründe gefunden haben, eine Aufgabe nicht machen zu wollen, dann stehen Sie dazu. Sie können ja vielleicht auch auf andere Art dafür sorgen, dass die Aufgabe erledigt wird, indem Sie diese delegieren, jemand anderen dafür bezahlen oder auch jemanden finden, der kein Problem damit hat, dem Sie dann aber dafür etwas anderes abnehmen können.
Vielleicht ist auch einfach morgen ein besserer Tag
Und manchmal macht das Verschieben einfach auch Sinn!
Es gibt z.B. diese Zeiten, in denen wir die sprichwörtliche Aktion in Menschengestalt sind. Wir schaffen dann in wenigen Stunden Dinge zu erledigen, für die wir sonst Tage gebraucht hätten. Alles geht uns leicht von der Hand und wir arbeiten unsere Aufgaben einfach so weg. An anderen Tagen, quälen wir uns mit den einfachsten Arbeiten und nichts klappt, wie es soll. An solchen Tagen ist es dann tatsächlich besser, eine Aufgabe zu verschieben. Und das ohne Reue und ohne Schuldgefühl, sondern einfach, weil wir es besser wissen.
Wenn es aber doch heute sein muss...
Es gibt eine Reihe von Aufgaben, die wir aber leider nicht länger verschieben können. Und dafür haben wir im Folgenden für Sie noch lohnende Denkanstöße und praktische Tipps.
