Es ist ja nicht immer nur unsere eigene Trauer, mit der wir konfrontiert werden. Wir erleben auch die Trauer nahestehender Menschen und wollen gerne etwas tun, um den Schmerz zu lindern.
Tod und Trauer gehören leider zu den großen Tabu-Themen unserer Zeit. Im allgemeinen Schönheits- und Jugendwahn unserer schnellen Gesellschaft, haben Verfall und Sterben wenig Raum, denn sie erinnern uns nur zu deutlich, dass viele von uns einer Illusion nachjagen. Weil dies so ist, treffen Trauernde oft auf wenig Verständnis für ihren Schmerz. Eine gewisse Trauerzeit – in der Regel ein paar Tage – wird den meisten zwar zugestanden. Dann aber bitte schön soll derjenige doch loslassen, das Leben geht schließlich weiter...
Sie können sehr viel tun, indem Sie dem Trauernden signalisieren, dass der Schmerz, die Gefühle und Tränen für Sie in Ordnung sind – und das unabhängig davon, wie weit der tatsächliche Verlust zurück liegt. Versuchen Sie nicht, mit Ablenkung oder Aufmunterung den anderen aus seiner Trauer holen zu wollen, sondern akzeptieren Sie den Schmerz des anderen. Verdrängt wird schon genug.
Sie müssen selbst für sich sehen, wie viel Auseinandersetzung Sie mit der Trauer eines anderen Menschen aushalten können. Wenn wir einen anderen Menschen trauern sehen, kommen wir auch in Berührung mit unseren eigenen Ängsten, unseren eigenen Verlusten und unserem Schmerz. Denken Sie hier zunächst an sich selbst. Vermeiden Sie es aber, den anderen deshalb von seiner Trauer wegbringen zu wollen und fühlen Sie sich nicht schuldig. Sie sind dem anderen keine Hilfe, wenn Sie selbst seelisch zusammenbrechen, weil bei Ihnen unverarbeitete Verluste aufbrechen. Machen Sie das im Notfall transparent, indem Sie sagen, dass Sie merken, dass Sie nicht stark genug sind für den Schmerz des anderen, weil bei Ihnen selbst so viel Schmerz oder Angst ist.
Trauernde fühlen sich oft verlassen und alleingelassen. Vielen Menschen tut es deshalb gut, zu spüren, dass jemand da ist. Das heißt nicht immer unbedingt, dass Sie aktiv etwas tun müssen oder ständig um denjenigen herumsein müssen. Signalisieren Sie einfach Ihre Anwesenheit und Ihre Verfügbarkeit. Eine liebe Karte mit einer Telefonnummer und dem Hinweis, dass Sie zu jeder Zeit erreichbar sind, tut schon sehr gut. Auch immer mal wieder von sich aus anzurufen und nachzufragen, wie es geht, manchmal das einfache nur "Dabeisitzen", wenn jemand weint, gemeinsame Spaziergänge zum Friedhof – all das sind Dinge, die Sie tun können.
Des Weiteren können Sie zuhören. Viele Trauernde möchten in bestimmten Phasen wieder und wieder über die Person, die sie verloren haben, sprechen. Es sind oft immer wieder dieselben Geschichten – vielleicht auch verbunden mit Fotos oder ähnlichem. Hören Sie zu und signalisieren Sie Interesse. In dieser Zeit ist der Schmerz so übermächtig, dass es einfach notwendig ist, dass derjenige über den Toten spricht. Und es tut gut, wenn man da auf Verständnis stößt.
Es kann auch passieren, dass Menschen mit dem Verlust, den sie erlitten haben, nicht klarkommen. Da Sie selbst wahrscheinlich keine therapeutische Ausbildung haben, sind hier Ihren persönlichen Möglichkeiten Grenzen gesetzt. Sie dürfen nicht selbst an der Trauer des anderen kaputtgehen. Informieren Sie sich über Trauerberatungen, Selbsthilfegruppen und andere Einrichtungen, die im Notfall weiterhelfen können. Zeigen Sie behutsam diese Möglichkeiten auf, wenn Sie merken, selbst nicht mehr mit der Situation klarzukommen.
Für Kinder:
Und ein Buchtipp einer Leserin: "Das Leben vollenden: wie wir Sterbenden helfen, wie wir uns auf den eigenen Tod vorbereiten können", erschienen im Zweitausendeins-Verlag Frankfurt a.M., Juni 99 (nur dort zu bestellen)
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