Tagebuch inkl. Videokurs Gelassenheit

Beim Arzt

Im Sprechzimmer des Arztes saßen dicht gedrängt Menschen und warteten.

Ein älterer Herr stand nach einer Weile auf und ging zur Sprechstundenhilfe.

„Entschuldigung.“ sagte er freundlich. „Ich hatte einen Termin um 10.00 Uhr. Jetzt ist es fast 11.00 Uhr. Ich möchte nicht länger warten. Bitte geben Sie mir einen neuen Termin.“

Im Sprechzimmer wurde getuschelt. Eine Frau sagte zu einer anderen: „Der ist doch bestimmt schon 80 – was kann der wohl so Dringendes vorhaben, dass er nicht warten kann?“

Der Mann hörte die Bemerkung und drehte sich um. Er verbeugte sich vor der Dame und sagte: „Ich bin siebenundachtzig Jahre alt. Und genau deswegen kann ich es mir nicht leisten, auch nur eine Minute der kostbaren Zeit zu vergeuden, die mir noch bleibt.“

aus: Gib Deiner Seele Zeit von Anthony de Mello;
leicht geändert

 

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Kommentare

  • Da ich selbst Arzthelferin bin, aber auch oft Patientin, erlebe ich beide Seiten. Ich weiß, die Wartezeiten bei Ärzten werden zum Teil immer länger, aber, dass liegt leider nicht „immer“ in unseren Händen. Ich bin seit dreißig Jahren in diesem Beruf und kann sagen, dass unser ganzes Wohl dem Patienten gilt. Meine Kolleginnen und ich versuchen uns in alle Richtungen zu drehen und zu wenden. Wir haben ein offenes Ohr, ein liebes Wort, Trost und ein Lächeln, auch wenn die Praxis überläuft. Es gibt zum Teil, zu wenige Praxen, für manche Fachrichtung, in einem Einzugsgebiet. Leerstehende Praxen in unserem Haus, wurden nun zu Wohnungen gemacht! Die Diagnostik ist viel umfangreicher geworden und ich spreche hier nicht nur von Selbstzahlerleistungen! Dadurch wird mehr Beratung und auch Behandlung nötig. Was der Gesundheit unserer Patienten zugute kommt. Und trotz Computer ist auch die Schreibarbeit ein großer Teil unseres täglichen Jobs. Da ich selbst sehr krank war und auch noch krank bin, verbringe ich viel Zeit als Patient in anderen Praxen, manchmal geht es schneller und manchmal muss auch ich Geduld haben. Ich weiß, aus eigenem Erlebten, wie schnell mein Leben zu Ende sein kann, aber ich weiß auch, dass ich die noch geschenkt bekommene Zeit, selbst beim Warten sinnvoll nutzen kann. Ich nehme immer etwas zu lesen mit und wenn ich müde bin, mache ich die Augen zu. Ich erlebe oft, dass Patienten zu mir in die Praxis kommen und sofort drängen, weil sie schon bald den nächsten Termin haben, dass setzt nicht nur sie, sondern auch uns unter Druck. Ich weiß, dass Berufstätige oder Mütter, deren Kinder abgeholt werden müssen, oder Menschen, die Angehörige pflegen, oder Menschen, die demente Partner haben, oder Krebspatienten, oder alte Menschen, die pünktlich im Seniorenheim, zum Essen sein müssen oder, oder, oder… es eilig haben und ich verstehe es auch. Aber aus dem Praxisalltag kann ich nur sagen, wir geben unser Möglichstes und es ist nicht immer alles planbar. Wir sind immer auch auf das Verständnis unserer Patienten angewiesen. Kirsten W.

  • Die Zeit – unser (oftmals: leider unterschätztes) Gut-Haben- ist nicht zu unterschätzen.

    Jede/r von uns hat ein Zeitgefühl – beim einem ist es sehr gut, beim anderen nicht so gut.

    Manche Leute haben (anscheinend) das einmalige Talent, zur ABSOLU-TEN Unzeit „aufzuschlagen“ – nämlich DANN, wenn man zu jener Zeit zu sehr mit seinen (eigenen) Dingen (Belangen) befasst ist und für an-dere (Anliegen) keinen Sinn hat.

    Andere haben so sensible „Antennen“ für ihre Mitmenschen, dass man – gerade in der völligen Verzweiflung/ Panik – von diesen angeru-fen/ (persönlich) aufgesucht und der (persönliche) Super-GAU „ent-schärft“ wird.

    Unsere (Lebens-)Zeit ist kostbar. Um so wichtiger sind die menta-len „Atem-/ Ruhe-„-Pausen. Manche haben (aus ihrem Elternhaus) mitbekommen, IMMER wie ein Uhrwerk arbeiten (funktionieren) zu müssen.

    Die gesundheitlichen Konsequenzen folgen auf dem Fuße – in Form von (negativen) Stress (Zeit-Miss-Management), Herzerkrankungen wie Schlaganfällen oder Infarkten oder chronische Unrast (Unfähigkeit, sich zu entspannen/ auszuspannen, weil man einen Kontrollverlust über sein Leben/ Umfeld befürchtet).

    Doch manchmal kann es sehr erholsam sein, sich aus seiner (morali-schen) „Tretmühle“ „auszuklinken“, zur Ruhe zu kommen und die an-deren (im Vertrauen darauf, dass sie es im Sinne von einem) machen (weiterführen). Nur damit die Zügel aus der Hand in die eines anderen abzugeben, tun sich – zumeist – die Perfektionisten sehr schwer.

    Irgendwer sagte mal: Das Leben besteht nicht aus Problemen, son-dern aus Herausforderungen, die es anzunehmen und zu lösen gilt.

    Ex-Beatle John Lennon brachte es noch pragmatischer auf den Punkt:

    Leben ist das, was stattfindet, während du dabei bist, andere Pläne zu machen.

    Es ist nur zu menschlich, sich mit straffen Plänen eine (empfunde-ne) „Sicherheit“ zu schaffen. Schließlich begibt man sich ja selten planlos auf den Weg.

    Der Plan gibt (uns) Sicherheit: Er zeigt, wo es (für uns) lang geht. Wir müssen nicht groß nachzudenken – geht es (dieser Weg) oder nicht.

    Doch was, wenn dieser (z. B. bedingt durch Bauarbeiten) „abgeschnit-ten“ – man also auf Schienenersatz angewiesen- ist? Fehlende Alterna-tiven lassen diese regelrecht am Rad drehen!

    Als ich mich in 2003 beim Bezirksamt Harburg vorgestellt habe, geriet ich ebenfalls in einen Schienenersatzverkehr. Nur während sich alle anderen in den ohnehin schon völlig überfüllten Schienenersatzver-kehr gedrängt haben, war ich vorbereitet: Denn im HVV-Plan gibt es ei-ne Übersicht von den U- und S-Bahnhaltestellen und den Bussen, die diese bedienen.

    Ich hatte geschaut, ob es von Wilhelmsburg per Bus eine Querverbin-dung nach Harburg Rathaus gibt – und die gab es! Diese hatte ich mir gemerkt.

    Das war mein Vorteil: So bin ich in meinen regulären Bus gestiegen, bin dicke pünktlich gekommen – und hatte sogar noch einen Sitzplatz!

    Im Schienenersatzverkehr standen die Leute wie die Sardinen in der Büchse – Komfort sieht anders aus!

    Manchem müssen diese Atempausen (von „aussen“) „auferlegt“ wer-den („Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Morgen ist auch noch ein Tag!“). Oftmals kann es helfen, wenn man mit anderen (Problemati-ken) konfrontiert wird.

    Wie schon mal erwähnt, hat(te) der Bastei-Lübbe-Verlag eine sehr inte-ressante Lesereihe, welche schlicht „Erfahrungen“ hiess und die unter-schiedlichsten Themen behandelt(e).

    Am bekanntesten ist Bette Mahmoody mit „Nicht ohne meine Tochter“ und dem Nachfolgewerk „Aus Liebe zu meiner Tochter“.

    Doch ich will hierin ein anderes Buch ansprechen: Geliehene Zeit.

    Laut Klappentext geht es um einen Menschen, der einen sterbenskran-ken Freund/ Bekannten bis zu seinem letzten Lebenstag begleitet und gepflegt hat; kurz: Für ihn und seine Sorgen da war und ihm allein mit seiner Gegenwart die Gewissheit „untermauerte“: Ich bin zwar krank, aber nicht (völlig) allein, kein „Aussetziger“.

    Aber genau hier besteht das Problem: Viele sind (viel) zu sehr mit sich (und den eigenen Belangen/ Vorankommen) beschäftigt, dass sie ge-wisse (Zwangs-)Pausen (für sich) als unnütze Zeitverschwendung an-sehen. Oft reden sich diese Leute heraus („Ich kann eh‘ nichts bei ma-chen!“). Eigentlich meinen diese dann „Ich WILL eh‘ nichts bei ma-chen!“ – weil sie es für sich schlicht als zu „müßig“ auffassen.

    Siegmund Freud – Begründer der Psychoanalyse – wurde eines Nachts zu tiefschlafender Zeit aus dem Bett geschellt. Der Anrufer drohte mit seinem Suizid und forderte von Freud Argument FÜR das Leben; also: warum er sein Leben nicht „wegwerfen“ sollte.

    Wo manch anderer vielleicht gesagt hätte „Mach‘ doch! Hauptsache, du lässt mich schlafen!“, versuchte Freud x Argumente zu bringen.

    Am nächsten Tag kam der nächtliche Anrufer in seine Praxis und ließ ihn wissen: Seine Argumente hätten ihn nicht überzeugt. Womit er ihn aber dennoch überzeugt hätte, wäre, dass er einem stockfremden Menschen wie ihm seine Zeit geliehen hätte.

    Manchmal wäre etwas mehr Sensibilität (bei manchem von uns) wirk-lich wünschenswert.

    Da kommt auch der von mir so oft erwähnte „Blick über den eigenen Tellerrand“ zum Zuge: Es ist wichtig, nicht nur sich (sein eigenes Voran-kommen) im Blick zu haben, sondern auch sich Gedanken zu machen: Wo gibt es welchen Optimierungsbedarf?

    Z. B. Heute können wir noch laufen („gehen“). Aber was, wenn man von jetzt auf gleich NICHT mehr laufen kann? Dabei ist der Grund (wie Erkrankungen/ Unfälle/ Vererbungen o. ä.) eher sekundär.

    Während manche verzweifeln und in ein tiefes schwarzes „Loch“ fal-len (dass – deren Einstellung nach – das Leben – für sie – keinen Sinn mehr hat), gibt es andere, die sich nicht vom Leben „ausbremsen“ las-sen und aus den verbliebenen Möglichkeiten das Optimum schöpfen und deren positive (Lebens-)Einstellung wirklich ansteckend und inspi-rierend ist.

    Als solches Beispiel möchte ich ganz besonders Florian Sitzmann (Auto-biografie: „Der halbierte Mann“; Web-Site: http://www.dersitzmann.de) nen-nen. Ihm mussten infolge eines schweren Motorradunfalls beide Beine amputiert werden – weshalb er heute im Rollstuhl sitzt.

    Doch anstatt daran zu verzweifeln schöpft er aus seinem (aktuellen) Leben das machbare Optimum!

    Ich kann mich erinnern, dass wir in den Mitt80ern noch Busse hatten, die hinten einen mittigen Handlauf und drei Stufen hatten. Da meine Schule für einen Fußweg zu lang war, bin ich immer mit dem Bus ge-fahren. Mir fiel auf, dass – vor allem: Mütter mit Kinderwagen – manche mit dem Ein- und Ausstieg ihre Probleme hatten.

    Also habe ich den HVV angeschrieben, habe ihnen meine Beobach-tung geschildert und gefragt, ob sich da nicht etwas machen ließe. Ich gab ihn zu verstehen, dass ich damit keine Probleme hätte, sondern mir einfach um meine mobilitätseingeschränkten Mitmenschen (z. B. im E-Rolli) Gedanken machte.

    Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und folgte telefonisch: Der Mitarbeiter teilte mir mit, dass sich deren Ingenieure bereits mit der Problematik befassten und mit der Konstruktion des Kneeling-System beschäftigten.

    „To kneel“ kommt aus dem Englischen und heisst „knieen“. Fahrzeuge mit dem Kneeling-System verfügen über eine herabsenkbare Hydrau-lik, welche diesen Leuten den Ein- und Ausstieg erleichtert.

    Ich glaube, dass man mit einer (vernünftigen/ vertretbaren) Zeiteintei-lung viel schaffen kann. Zumindestens versuche ich möglichst viel an einem Tag zu erledigen. Wenn es aber mal (aus welchen Gründen) nicht möglich ist, gräme ich mich nicht, sondern mache einfach weiter!

    Wenn mehrere Dinge anfallen, verschaffe ich mir zunächst mithilfe ei-nes „Schlachtplans“ eine Übersicht von allem. Für Telefonate mache ich mir Notizen (Stichworte), was ich ansprechen will.

    Ist mein Gesprächspartner nicht anwesend, versuche ich es zunächst mit der Vertretung zu klären. Wenn diese überfordert ist und mir nichts Falsches erzählen will, notiere ich mir Tag/ Datum ggf. Uhrzeit, während welcher ich ihn erreiche.

    Damit habe ich es – vorerst – vom Zettel, denn: Aktuell kann ich eh‘ nichts machen!

    Dann schaue ich, dass ich möglichst viele Wege in einem „erledige“.

    Wenn es sich um Dinge handelt, wo ich die Hilfe bestimmter Leute brauche (z. B. in Amtsdingen, in welchen mein Vater sehr versiert ist), packe ich es in einen Beutel mit der Aufschrift „Eltern“. Damit weiss ich, dass ich mich nicht weiter darum kümmern muss.

    Ich habe meist den Ehrgeiz, möglichst viel Schriftliches selbst erledigen zu wollen. Wenn mir aber dann mehrmals etwas in die Hände fällt, was ich definitiv nicht allein machen (lösen) kann, frustriert mich das sehr leicht. Damit erspare ich mir den Frust!

    Grundsätzlich glaube ich, liegt es an jedem von uns, mit seiner Zeit sorgfältig zu „haushalten“.

    Wir sind alle nur zu Gast auf Erden. Umso wichtiger ist es, sich um ein vernünftiges (sozial vertretbares/ verträgliches) Miteinander zu bemühen.

    Man muss nicht alle seine Mitmenschen lieben. Wichtig ist in diesem Miteinander eine gewisse Grund-Akzeptanz und Respekt, dass man (oftmals) sehr unterschiedlich ist. Mindestens ein „Hallo“ sollte – auch gegenüber einem nicht so sympathischen Menschen – „drin“ sein.

    Für gewöhnlich meide ich den Kontakt mit Leuten, mit denen ich so gar nicht klarkomme. Aber manchen Umgang kann man sich halt nicht aussuchen (Stichwort: Kollegen, Nachbarn….).

    In solchen Fällen bin ich immer sehr gut mit der Philosophie gefahren: Denk‘ d’ran: Du brauchst ihn/ sie weder liebzuhaben, noch zu heira-ten. Sieh‘ einfach zu, dass Du die Zeit, die Du mit ihm/ ihr GEZWUNGE-NERMAßEN verbringen musst, möglichst „unfallfrei“ hinter dich bringst. Deine Freizeit gehört Leuten, die dir besser tun!

    Manchmal kann aber auch eine gewisse Grund-Offenheit gegenüber Ander(artig)en einem ganz neue Horizonte öffnen. Man muss sich da-zu nur eine neutrale (unvoreingenommene) Einstellung bewahren.

    Wenn sich eine Nachbarin dem „horizontalen“ Gewerbe verschrieben hat, ist sie nicht automatisch ein schlechterer Mensch als man selbst.

    Ich habe so jemand über mir wohnen.

    Als ich nach Harburg gezogen bin, hatte ich damals mit meiner Nach-barin nicht all zu viel Kontakt. Aber wenn wir uns vor der Tür oder im Treppenhaus getroffen haben, haben wir uns zumindest gegrüßt oder über ihre Balkonbrüstung einen kleinen Schwatz gehalten.

    Mein Lebensgefährte hatte (was sie anbelangte) Vorbehalte.

    Doch inzwischen bemüht er sich (zumindest in meinem Beisein) um ein vernünftiges Miteinander.

  • Letzte Woche hatte ich auch ein Erlebnis in einer Warteschlange an der Supermarktkasse. Ich kam gehetzt und genervt aus dem Büro und wollte auf die Schnelle noch meine Einkäufe erledigen. Es war nur eine Kasse geöffnet und die Frau vor mir hatte bereits das ganze Band mit Waren belegt und der Wagen war immer noch voll. Ich wartete bis ihr Wagen endlich ausgeräumt und alles auf dem Band war. Ich trat von einem Bein aufs andere. Es dauerte für mich unendlich lange, bis alles vom Band zurück in ihrem Wagen eingeräumt war, denn die Frau räumte mit einer Seelenruhe ein. Es brodelte in mir. Die Zeit verrannte und es ging nicht vorwärts. Die Schlange hinter mir wurde auch schon immer länger. Und als der Kassierer den Bon drucken und kassieren wollte, sagte die Frau, sie habe die Milch vergessen, der möge bitte warten. Sie lief im Schneckentempo durch den ganzen Laden bis ins hintere Ende zurück und lächelte. In diesem Moment wusste ich: diese Situation wurde mir geschickt, um mich in Geduld und Gelassenheit zu üben. Ich sagte nichts und lächelte. Und schon entspannte sich mein Magen. Danke, Universum!!! Geht doch…

  • Ich habe aus dieser Geschichte für mich etwas gewonnen. Mir mehr Aufmerksamkeit zu schenken und meine Grenzen erkennen. Der ältere Herr hat dies getan und klar und deutlich zum Audruck gebracht. Wenn ich eine Situation scheinbar nicht beeinflussen kann, innehalten und zu sehen, was brauche ich jetzt und wie kann ich ohne jemanden oder mich zu schaden das ändern und in andere Bahnen lenken. Nebenbei: interessant fand ich die unterschiedlichen Interpretationen der Geschichte. Erinnert mich an Schulz von Thun.
    In diesem Sinne allen eine schöne Woche

  • Ansich macht mir Zeitverschwendung nicht so viel aus, solange sie weitgehend selbstbestimmt ist. Wenn ich also zum Arzt gehe, kann ich mich schon auf die Wartezeit einstellen und sie sinnvoll überbrücken oder gar für mich nutzen. Wenn aber, z. B. ein Freund bittet, dass ich ihm bei was auch immer helfe, er dann aber noch gar nicht soweit ist und ich mir die Beine in den Bauch stehe, dann sage ich lieber, er soll sich melden, wenn er soweit ist.
    Wenn man aber nicht in der Lage ist, die Zeitverschwendung zu unterbrechen, sich aber auch nicht darauf vorbereiten konnte, ist es sicher der beste Weg, Augen und Ohren offen zu halten, ob es nicht einen Grund gibt, in dieser Situation zu sein. Als ich vor ein paar Monaten unplanmäßig im Krankenhaus war, hätte ich auch nicht damit gerechnet, dass sich da etwas positives finden ließe. Aber dann bekam ich eine Zimmernachbarin, eine ältere Dame. Es stellte sich heraus, das wir so viele Gemeinsamkeiten hatten, wie man das bei einem solchen Generationsunterschied nicht erwartet hätte. Wir haben die Tage mit unglaublich anregenden Gesprächen und viel Lachen verbracht. Heute ist sie für mich einer dieser wenigen wertvollen Menschen, die man meist durch Zufall entdeckt und die einem mehr für’s Leben mitgeben, als alle Bekannten zusammen. Ob wir uns wiedersehen? Ich weiß es nicht. Wir telefonieren oft. Sie muss leider von einem Krankenhaus zum anderen und weiß nicht, wieviel Zeit ihr noch bleibt. Aber sie sagte mir neulich am Telefon, es sei seit unserer Begegnung leichter, weil sie einen der wenigen wertvollen Menschen im Leben getroffen hat, die man nur durch Zufall entdeckt. Wie schön, dass wir auch darin einer Meinung sind…

  • „Im Sprechzimmer des Arztes saßen dicht gedrängt Menschen und warteten.“

    Ach?

    Gehört zwar nicht direkt zu diesem „Zeit“-Thema, aber hier geht es doch auch u.a. und gelegentlich um Achtsamkeit, wenn ich nicht irre?!
    Von daher bin ich mit meiner nicht unzufrieden. ;-)

    • Katharina schreibt am 21. Juli 2014

      Hallo Romino1,

      verstehe ich nicht was Du da meinst, aber jeder hat so seine Interprätation und Wahrnehmung, auch wenn sie m.E. nach falsch ist.

      Schönen Gruß
      Katharina

    • romino1 schreibt am 21. Juli 2014

      Hallo Katharina,
      nicht zu verstehen, was ich meine und es trotzdem für falsch zu halten, erscheint mir nicht angemessen.

      Nach meiner Wahrnehmung und Interpretation sitzen die Patienten dicht gedrängt im WARTEzimmer und nicht im SPRECHzimmer.

      Gruß
      Romino

  • Ich habe die Geschichte mit ganz anderem Fokus gelesen. Mir ging es um die Stereotypen des Alters. Alte Menschen haben Zeit und sprechen gern lange mit Ärzten etc, raten Kreuzworträtsel und haben keine Termine (nur beim Arzt). Junge Menschen sind dynamisch, in Zeitnot, wichtig. Das bricht die Geschichte auf und deshalb finde ich sie schön :).

  • Einfach nur toll. Und sooo wahr. Es braucht nicht mehr Worte!

  • Ich nutze solche Situationen immer gerne zum Entschleunigen und Meditieren (auf Atem konzentrieren, Body Scan…) und habe schon so manchen Arzt verblüfft, der sich für die lange Wartezeit entschuldigen wollte und dem ich strahlend erzählte, wie schön es sei, endlich mal wieder richtig entspannt und bei mir zu sein.

    Was ich an dem Mann in der Geschichte aber cool finde – mehr noch als das Ende – ist dass er seine eigenen Bedürfnisse/Grenzen kennt und sie freundlich, aber klar ausdrückt und auch um das bittet, was er stattdessen will.

    r

    • Jana schreibt am 20. Juli 2014

      Hallo Ariane,

      Genau das ist mir auch aufgefallen: der alte Herr hat bei sich selbst wahrgenommen, dass ihm die Zeit zu lang wird und eine Entscheidung getroffen. Und hat die tuschelnden Damen nicht „angepampt“, sondern ruhig und höflich sein Verhalten begründet.

      Ich denke, bei der Geschichte geht es nicht so sehr um die Wartezeiten in Arztpraxen o. ä…

    • Katharina schreibt am 21. Juli 2014

      Hallo Ariane,

      ich denke, der alte Mann hatte dann keine akuten Beschwerden, denn die kann man nicht auf einen späteren Termin verschieben, außerdem kann es sein, dass er beim nächsten Termin wieder eine Stunde warten muss, wie oft will er dann noch gehen??? Manchmal geht es nicht um die eigenen Bedürfnisse, man muss auch mal was annehmen können, egal in welchem Alter .

      Viele Grüße
      Katharina

  • egal welches alter egal welche situation , wenn man nicht lebt ist alles zeitverschwendung…das ist der sinn des lebens, zu „leben“.

  • Eine interessante Geschichte und besonders die Kommentare dazu.
    Leider werden in vielen Arztpraxen die Wartezeiten immer länger und zum großen Teil ist sicherlich mangelnde Organisation daran beteiligt. Ein Notfall muß immer sofort behandelt werden. In dem kleinen Ort in dem ich jetzt wohne gibt es obwohl man Termine bekommt anscheinend nur „Notfälle“ denn Wartezeiten von mindestens 1 Stunde bis zu 2,5 Stunden werden von den Sprechstundenhilfen als ganz normal abgetan. Naja da bleibt nur ein Arztwechsel.
    Und zur Geschichte: Mit welchem Recht erwarten Viele von älteren Menschen, daß sie mehr Zeit haben als Junge. Zeit ist, egal in welchem Alter, kostbar, denn wir wissen nie wie viel Zeit uns noch bleibt. Als ich jung war, habe ich 2 Kinder großgezogen, einen Haushalt mit Garten geführt und war berufstätig – Vollzeit. Zeit für mich blieb wenig, aber das hat mir nichts aus gemacht, alles was ich getan habe habe ich gern und mit viel Freude getan. Jetzt habe ich endlich Zeit für mich und von dieser Zeit möchte ich jede einzelne Sekunde für mich nutzen, so wie ich es gerne möchte .
    Heidi

  • ja, bei solchen Staus denken wir oft „wir sind froh, dass wir nicht in dem Unfall verwickelt sind“ und warten dann auch lieber im Auto und unterhalten uns, ich lese, hören Radio, genießen die Zeit
    … denn die Wartezeit wiegt das traurige Ende einer Fahrt nicht auf. Dann danken wir auch Gott, dass wir Glück hatten, denn oft ist es „beinahe“ hätte es uns erwischt.
    Danke für eine solche Wartezeit

  • Zu diesem Thema noch eine kleine Geschichte.

    Ich war vor geraumer Zeit in einem Stau hinter Dresden. Hatte Zeitdruck, Termindruck und entsprechend schlechte Laune.

    Endlich ging es nach 2 Stunden weiter. Ich war immer noch am Schimpfen. Als ich dann an der Unglücksstelle vorbeikam, wurde gerade ein Sarg in den Wagen geschoben.

    Ich empfand Demuth und habe mir fest vorgenommen – Zeit als Geschenk und Hilfe zur unverhofften Selbstfindung zu empfinden. Jetzt übe ich täglich, verliere täglich, gebe aber nicht mehr auf.

    • tanja schreibt am 20. Juli 2014

      Hallo Franz, wie recht du hast! Ein sehr gutes Beispiel dafür, was die schnelllebige Zeit aus uns gemacht hat!

  • ja, das war eine interessante Geschichte und ich frage mich – warum hatte der ältere Herr einen Termin und warum hat der Termin sich (bis dato) schon eine Stunde verlängert. Es war ja nicht klar, dass er dann nur noch eine kurze Wartezeit gehabt hätte, das hätte die Dame an der Anmeldung bestimmt dann gesagt.
    Weiterhin – wenn ich einen Termin habe, den ich mir vorab geholt habe, dann ist es KEINE akute Erkrankung. Denn ich kann nicht wissen, wann ich richtig krank werde. Termine holt man sich bei einer Nachschau oder Besprechung wegen Tabletten usw.
    Leider (und das ist mir vor kurzem erst wieder so gegangen) muss man bei akuten Erkrankungen, wenn man Schmerzen hat oder Fieber, oft sehr lange warten. Man möchte gerne wieder ins Bett oder einfach nur nach Hause – aber. Man muss dann erstmal ganz lange warten. die Sprechstundenhilfen haben dann die tollsten Ausreden, wenn man fragt, warum man für die angegebene Zeit bestellt wurde.
    Denn man wurde ja „dazwischen“ geschoben.
    Beispiel: ich rief wegen akuten Schmerzen an, sollte um 11:30 Uhr kommen und war um 13 Uhr immer noch nicht dran. Alle anderen die nach mir kamen, kamen eher dran und ganz schnell. Mir wurde dann gesagt, ich hätte ja auch keinen Termin gehabt und dann kam ich ganz zum Schluss dran. Mir war schon ziemlich schlecht und ich fand es nicht gut, hätte man mir auch sagen können, dann wäre ich nochmal wiedergekommen. Auch mein Mann, der mich mit dem Auto hingebracht hatte und gedacht hat, ich käme ungefähr zur bestellten Zeit dran, wäre dann nochmal nach Hause gefahren und nicht so lange draußen hin und her gelaufen.
    Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, sofort dran zu kommen, habe mir die Leute angeschaut, gelesen und gewartet, aber … mich immer mehr gewundert und mir ging es immer besch….

    • Katharina schreibt am 21. Juli 2014

      Hallo Christa,

      ich hatte neulich auch akute Beschwerden mit starken Schmerzen, das Wartezimmer voll und immer die Antwort der Arzthelferin sie wüßte nicht wann ich dran käme; aber ich konnte nicht mehr warten und sagte dann, ich würde in die Notaufnahme ins Krankenhaus fahren (habe da gute Erfahrungen gamacht), da wurde ich verwundert angesehen, aber ernst genommen und kam dann zügig dran… . Habe ich auch so gemacht als ich bei akuten Beschwerden mal keinen Termin bekam bzw. in 2 o. 3 Monaten hätte ich einen haben können… . Im Krankenhaus kam ich schnell dran und vor allem noch am selben Tag. Eine gewisse Wartezeit ist zu tolerieren und auch auszuhalten, aber alles sollte der Patient sich nicht gefallen lassen, auch Geduld hat ihre Grenze, bei stärkeren Beschwerden sowieso.

      Liebe Grüße
      Katharina

  • Jetzt muss ich nochmal schreiben:
    kürzlich saß ich bei einer bekannten Ärztin mit Termin und musste über eine Stunde warten – bei ihr noch nie vorgekommen – , dann saß ich endlich im Sprechzimmer und sie entschuldigte sich ausdrücklich……und erzählte mir ihre sehr privaten Probleme, (ich kenne sie schon ein Weilchen) die sie daran hindern, ihrer Arbeit so nach zu gehen wie sie das möchte.
    Warum erzähle ich das?
    Erstens dachte ich, was geht hier ab, ich bin doch der Patient! Schon wieder erzählt mir jemand ungefragt seine Probleme (passiert mir dauernd!) Und ich wusste, dass das wohl damit zusammenhängt meinen „Auftrag“ (Beratung) nicht aus dem Auge zu verlieren! also Botschaft an mich.
    Zweitens merkte ich, da steckt kein böser Wille oder Unachtsamkeit dahinter, sondern ein menschlicher Konflikt den ein Mensch (ja auch Ärzte sind nur Menschen!) in sich trägt.
    Also erst mal überlegen, was könnte dahinter stecken?

  • Hallo zusammen,
    interessant, diese Geschichte und die Kommentare zu lesen.
    Ich halte Ärzte auch „nur“ für Menschen, die ihr Möglichstes tun. Vermutlich sind gerade diejenigen, die sich über die „Zeitverschwendung“ im Wartezimmer aufregen, auch diejenigen, die schmollen, wenn der Arzt sich nicht genügend Zeit für sie nimmt. Bei dieser Grundhaltung möchte ich wirklich nicht der Arzt sein!! Frustration gibt es überall – die Kunst ist, sie auszuhalten und darüber nachzudenken, warum dies so ist.
    Es ist wohl doch so, dass nur Leute, die mit sich selbst im Reinen sind, gesund bleiben.
    Herzliche Grüße
    Petra B.

  • Für mich als Arzt ist es wichtig, meine Termine einzuhalten. Trotzdem gibt es mal einen Notfall oder ein längeres Gespräch als vorgesehen. Das größte Problem sind aber Menschen, die ohne Termin kommen und sich nicht abweisen lassen. Wenn Sie dazwischen geschoben werden verlängern Sie die Wartezeit der anderen und nörgeln noch über die lange Wartezeit.
    Diese Menschen sollten sich daran erinnern, dass das Wort Patient vom lateinischen Wort Patiens (d. h. Geduld) hergeleitet ist…

  • Ich bin Ärztin.
    Möchte aber gar keine Diskussion über ein Thema entfachen, das auch uns Ärzten stark am Herzen liegt, stattdessen bedanke ich mich für die Geschichte und besonders für die Kommentare, die werde ich, wenn ich darf, denn sie sind ja anonym, zitieren und an meine Wartezimmer Pinwand hängen..Allen einen schönen Sonntag

    • Marina schreibt am 20. Juli 2014

      Gute Idee :)))))

  • über meine lebenszeit wurde auch schon ordentlich fremdbestimmt. in einer firma stand eine entlassungswelle an. und einer der herren war der meineung, dass ich in meinem damaligen alter von 28, ja jetzt dann eh bald kinder bekommen würde. und somit wurde ich freigesetzt („frauen gehören an den herd!“ – brüllend). da fehlen mir die worte……

  • was mir diesem artikel besonders aufgefallen ist, war der „bissige“ kommentar über das alter des herren. woher will den die bissige dame wissen, was diese ältere herr noch alles vor hat in SEINEM Leben.
    Frechheit, diese Vorurteile…….

    • Wild Wolf schreibt am 20. Juli 2014

      Hola Charlotte,
      welcher Kommentar ist jetzt bissiger ! deiner über die Damen ? oder der, der Damen? ;-))) Wo ist die Frechheit und das Vorurteil jetzt aus der Sicht der Damen ?
      Herzliche Grüße
      Wolf

      Wir alle verachten Vorurteile, aber wir sind alle voreingenommen.

      Herbert Spencer (1820-1903), engl. Philosoph u. Sozialwissenschaftler

  • Auch ich finde das beispiel in der geschichte nicht gut gewaehlt. Ein arzt hat sich an termine zu halten, es sei denn er hat notfaelle. Die bestenden wartezimmer zeugen doch immer wieder von einer guten portion missachtung der patienten, die so zu bittstellern degradiert werden. Wenn ich den arzt wirklich brauche, bin ich doch in einer zwickmuehle. Warten = etwas fuer mein wohlbefinden zu bekommen, wenn ich dann endlich drankomme. Gehen = die wartezeit vielleicht sinnvoller nutzen, voellig egal fuer was, das messe ich nicht in form von produktivitaet. Aber ich brauche einen neuen termin. Und dann geht es wieder von vorne los?

  • Hi,

    die Geschichte überzeugt mich selbst nicht – eher die Kommentare über Zeitverschwendung :)

    Jedoch: in dieser Geschichte geht es nicht (meiner Ansicht nach) um Zeitverschwendung. Der Autor schreibt über die Vergeudung der kostbaren Zeit.

    Etwas Verschwenden ist nicht gleichzusetzen mit Vergeuden. Obwohl es sinnverwandte Wörter sind.

    Wenn Zeit vergeudet wird, dann wird Zeit eingesetzt um ein Produkt zu erstellen – um ein Ziel zu erreichen – jedoch wird dieses Ziel nicht erreicht, die Zeit ist vergeudet. Wird die Zeit verschwendet um etwas zu erreichen, dann kann ein bestimmtes Ziel erreicht werden, jedoch unter der Anwendung von unnötig vielen Ressourcen – in diesem Fall Zeit.

    Das Buch heißt: „Gib deiner Seele Zeit“ – vielleicht haben wir Kommentatoren uns durch das Lesen dieser Geschichte Zeit für uns selbst genommen um über etwas – der Zeit – nachzudenken? Vielleicht haben wir sie auch verschwendet, da wir Zeit am Computer vergeudet haben, da es wichtigeres zu tun gibt, als hier einen Kommentar zu hinterlassen ;)

    Es sind auch nicht nur immer die anderen die einem die Zeit verschwenden – sondern jeder ist für sich selbst mit verantwortlich wie er mit seiner eigenen Zeit und die der Anderen umgeht. Wenn man merkt, dass z.B. ein Gespräch (Beratungsgespräch, Verkaufsgespräch,…) keine Früchte tragen will, dann kann dieses höflich beendet werden (anstatt in Wut auszubrechen um danach im Büro zu brüllen – ich hasse es wenn diese Leute meine Zeit verschwenden) – um zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zusammenzukommen um weitere Punkte zu klären. Herzliche Grüße Andreas

    • Andreas schreibt am 20. Juli 2014

      Jetzt habe ich noch einen Punkt vergessen ;)

      Manchmal ist es auch wichtig etwas aushalten zu müssen, warten zu können. Und etwas auszuhalten – in der heutigen Zeit – ist verdammt schwer.

  • Geduld zu haben ist nicht immer unsere Stärke. Warten zu müssen fordert oft ganz viel mühsame Geduld von uns und wird als vergeudete Zeit empfunden, egal ob in einer Schlange an der Kasse, beim Autofahren, beim Arzt…
    Erster sein, unabhängig sein, auf niemanden Rücksicht nehmen müssen ist unsere Devise.
    Wenn die Zeit nicht meine Gegner ist, sondern mein Freund, dann werde ich die Zeit anders erleben.
    Einen schönen Sonntag für euch.
    Herzliche Grüße
    Wolf

  • Ich habe mal einen Spruch gehört: „Wer nicht richtig faulenzen kann, kann auch nicht richtig arbeiten“. Müssen wir immer was „richtiges“, „wichtiges“ machen? Ich stehe dazu, wenn ich irgendo warten muss, dann kann ich auch einfach mal vor mich hin träumen – vollkommen sinnfrei. Aber jeder sieht das Gottseidank auf seine weise.

  • Ich kann alle Kommentare gut nachvollziehen.
    Umgang mit Zeit, der Nutzen, den man aus dem Warten ziehen kann, etc.
    Aber was ist mit Respekt, Wertschätzung und Verlässlichkeit? Und das in dem aktuellen Beispiel in einer Arztpraxis! Erfordert ein respektvoller und wertschätzender Umgang nicht auch, dass man sich an Zusagen hält? Dass man jedem, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, zubilligt, sich auf etwas, und sei es ein einzuhaltender Termin beim Arzt oder Friseur, verlassen zu dürfen?
    Respekt, Werschätzung, Verlässlichkeit – Attribute, die in unserer Gesellschaft oftmals egoistischen Interessen weichen – schade, sehr schade!

    • Rose schreibt am 20. Juli 2014

      Auch ich schätze Respekt und Verläßlichkeit aber vielleicht zeigt gerade der Arzt Respekt, der seinen Patienten mehr Zeit widmet. Friseur und Arzt sollte man meiner Meinung nach unterschiedlich beurteilen, da doch in einer Arztpraxis immer wieder unvorhergesehene Fälle eintreten können. Beim Friseur würde es mich schon ärgern, wenn ich mit Termin eine Stunde warten müßte, beim Arzt nur, wenn es offensichtlich ist, daß Praxis und Terminvergabe schlecht organiseirt sind.

  • Bärbel Röpke-Stieghorst schreibt am 20. Juli 2014 Antworten

    Toller Diskurs hier zum Thema Lebenszeitverschwendung, danke!! Ich fühle durch die letzte Äußerung inspiriert und werbe einmal für die Position „Wie vor Was!“ Also, WIE gehe ich mit der Zeit um, die ich als Verschwendung bezeichne? Nicht, WAS muss ich stattdessen tun?

    Sondern sinn- oder vergnügenstiftende Optionen dieser Situation entwickeln. Was würde geschehen, wenn ich so tief in eine Unterhaltung einsteigen würde, dass die Zeit nur so verfliegt? Oder alle zusammen im Wartezimmer beginnen, Kanon zu singen? Oder ich ganz heimlich rosarote Herzen der Zuneigung versende und beobachte, was geschieht? Oder eine Einkehr halte und mich mit den großen Kräften des Lebens, des Universums verbinde??

    Natürlich ist es auch ok, sich einen neuen Termin geben zu lassen. Habe ich auch schon gemacht, aber insbesondere, weil dies ein neuer Arzt war und mich so ein ungemütliches Bauchgefühl beschlich beim Warten. Dies habe ich als Zeichen dafür verstanden, dass diese Praxis und ich nicht so prima zusammen passen. Und letztendlich ist es auch völlig ok, seinem Bauchgefühl zu folgen, wenn dieses sagt, dass ist heute aber Zeitverschwendung, was du hier machst. Wie so oft, liegt die Lösung im sowohl als auch und darin, sich mit seinem Gefühl, seiner Intuition anzunehmen. Oder eben doch mal etwas ganz anderes als üblich zu versuchen und diese o.g. Herzchennummer zu probieren. Habe ich schon gemacht und ich glaube, die funktioniert ;-)

    Vielen Dank für die Möglichkeit, über Resilienz im Wartezimmer zu sinnieren sagt .. Bärbel

    • Stella Damm schreibt am 20. Juli 2014

      Schöne Ideen, danke Bärbel!

    • Marina schreibt am 20. Juli 2014

      Ganz genau.
      Manchmal ist es an der Zeit zu warten, die Zeit bewusst zu nehmen und manchmal ist es Zeit zu handeln, auf zu stehen, vielleicht auch sich zu beschweren.
      Es ist immer eine Interaktion mit meiner Umwelt.
      Und die Umwelt ist nun mal der beste Lehrmeister. Auch ich bin diese Umwelt, die sich manchmal eben beschwert und ein anderes mal alles völlig locker nimmt.
      Gelassenheit hilft in jedem Fall. Und oft ist es ganz gut zu merken, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben. Das Leben lebt sich aus sich selbst….ganz ohne unser Ego.

  • Hallo zusammen!

    Nun, als Zeitverschwendung würde ich das nicht sehen, denn in der Zeit, in der ich warten muss, denke ich über Dinge nach, für die ich in der Hektik des Alltags „keine Zeit“ habe. Ich nutze somit die Zeit des Wartens für mich zum Innehalten. Auch habe ich schon so manches interessante Gespräch innerhalb der Wartezeit gehabt, nette Menschen kennengelernt, die ich sonst nicht kenngelernt hätte…

    Von daher sehe ich das nicht so eng, wenn ich mal warten muss. Ich überlege mir, was ich in der Zeit für mich tun kann, wenn ich keine Zeitung lesen mag… Gelangweilt habe ich mich während der Wartezeit jedenfalls noch nie.

    Anders herum gesehen begrüße ich es, wenn ein Arzt sich für mich Zeit nimmt. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

    Schönen Sonntag!

    • Ulla schreibt am 21. Juli 2014

      Hallo, liebe Gudrun,

      nun weiß ich ja nicht wie alt du bist, doch ein älterer, oder alter Mensch hat von Zeit eine ganz andere Ansicht, und so gebe ich dem Herrn recht, auch ich bin auch schon beim Arzt weg gegangen, da ich finde, dass eine Stunde Wartezeit des wartens zu viel ist. Es sollte mein erster Besuch sein. Ich bin da auch nicht mehr hingegangen. So gut kann keine Arzt sein, ich empfinde es sogar als Frechheit, die Krankheit von Menschen so auszunutzen.

  • Ich finde das Beispiel unglücklich gewählt:
    Vorausgesetzt, ich habe einen guten Grund, in einer Arztpraxis zu sitzen, kann ich eine Stunde meines Lebens wohl kaum gewinnbringender investieren als in meine Gesundheit.
    Warum nicht einfach mal gelassen hinnehmen, dass sich die Welt nicht einzig und allein um mich dreht und mal eine! Stunde warten?
    Natürlich gibt es auch schlecht organisierte Arztpraxen … ;-)

    • tanja schreibt am 20. Juli 2014

      Hallo Stefan, stimme dir absolut zu! Manchmal muss man warten, weil es einfach Menschen gibt, denen es noch schlechter geht als einem selbst. Lebenszeit hin oder her. Außerdem muss besagter älterer Herr ja beim nächsten Mal vielleicht eebenso lange warten und hat dann gleich zweimal Lebenszeit verschenkt – und sich zweimal geärgert.
      Es würde mich mal interessieren, wie viele Kommentatoren hier JEDEN TAG eine Stunde ihrer Lebenszeit mit Pendeln zum Arbeitsplatz und/oder im Stau verbringen… In diesem Sinne ein ganz klares Plädoyer für Gelassenheit und Geduld!

  • Aber wer oder was entscheidet denn was die „bessere“ Zeitverwendung ist ?

    Vielleicht erfährt man im Wartezimmer oder der Schlange an der Supermarkt Kasse interessantere oder sogar entscheidendere Dinge für sich oder über sich selbst als anderswo ?

    Probiert es einmal einen Monat lang aus: an ungeraden Tagen den Dingen möglichst weit Ihren Lauf lassen. An geraden Tagen die eigenen Pläne über die Entscheidungen des „Zufalls“ stellen.

    Zu dem Plan für ungerade Tage gehört aber auch das man offen für die Situation und Ereignisse bleibt. Also im Beispiel mit dem Wartezimmer sollte man nicht in seinem Smartphone versinken, sondern die Menschen, Zeitungen, Bilder etc. um sich herum wertschätzen.

    • Volker Specht schreibt am 20. Juli 2014

      Lieber Andrew! Wer ist „man“? Ich bin ein Mensch und eigenverantwortlich für mich. Dazu gehört auch meine Zeit. Die Warterei in der Schlange im Supermarkt ist für mich auch unterhaltsam. Ich kann mit dem Vorder- oder Hintermann in’s Gespräch kommen und ein Lächeln in deren Gesichter zaubern. Wenn ich allerdings vorher sehe, dass an allen Kassen riesige Schlangen stehen, kann ich meinen Einkauf auch auf einen anderen Termin verschieben.

      Beste Grüße!

      Volker

  • Torsten Fleischer | Personal Trainer Berlin schreibt am 20. Juli 2014 Antworten

    Hallo.

    Ich sehe das genau wie meine Vorkommentatorin. Meine Lebenszeit ist mit das wertvollste Gut das ich habe – die sehe ich auch nicht gern verschwendet.

    Beste Grüße.

  • Genau. Ich reagiere auch mehr und mehr gereizt, wenn Leute meine Zeit verschwenden. Deshalb bin ich auch #Freuberufler geworden :) Sonnige Grüße aus Dresden, Sandra

    • Katrin schreibt am 20. Juli 2014

      Danke für die Inspiration, Sandra. Ich bin seit heute auch nur noch Freu-beruflerin :-)

  • Ein sehr schöne kleine Geschichte :-)

    • Ursula schreibt am 20. Juli 2014

      Finde ich auch. Eine 88 jährige Freundin, die 2,5 Std warten mußte, hat in dieser Zeit die Wartenden skizziert und dann dem Arzt geschenkt. Auch eine Möglichkeit …

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