Tue es oder lass es bleiben

„Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“

Das sagt der Jedi-Meister Yoda in StarWars zu Luke Skywalker, als dieser nach einer missglückten Übung mault, dass er doch sein Bestes versucht.

„Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“ Und über diesen Satz grübele ich schon seit mindestens 20 Jahren nach.

Denn natürlich gibt es irgendwo das “Versuchen”. Wenn ich etwas erreichen will und mir die Schritte auf dem Weg zu meinem Ziel nicht klar sind, dann kann ich es doch nicht mehr tun, als es zu versuchen, oder?

Was meinte Meister Yoda bloß damit, dass es kein Versuchen gibt?

Vielleicht, dass das Versuchen automatisch die Möglichkeit des Scheiterns beinhaltet und dass mein Vorhaben deswegen unter einem schlechten Stern steht?

Oder sagt mir dieser Spruch, dass ich mich auf das konzentrieren soll, von dem ich mir sicher bin, dass ich es bewältigen kann?

Oder sagt mir der Spruch vielleicht, dass das “Versuchen” etwas für Träumer oder Verlierer ist, die sich nicht trauen, das zu tun, was notwendig ist?

Man kann in diese paar Wörter eine Menge hineininterpretieren. Deswegen mag ich diesen Spruch von oben, weil man so wunderbar darüber philosophieren kann.

Ich weiß heute immer noch nicht genau, was Yoda nun genau mit dem Spruch gemeint hat. Aber ich kann Ihnen sagen, was ich persönlich mit dem “Versuchen” und was ich mit dem “Tun” verbinde.

Etwas nur zu versuchen, das riecht nach Angst, es klingt kraftlos, nach offen gelassenen Hintertüren, nach inneren Konflikten, nach Unentschlossenheit und nach Zweifeln.

Aber etwas zu tun oder etwas nicht zu tun … das ist mutig, ehrlich und kraftvoll, das ist gelebte Entschlossenheit und zeigt Klarheit.

Man muss es vielleicht wirklich einfach nur tun. Oder lassen. Alles dazwischen sorgt wahrscheinlich nur für Stress, Schmerz und Probleme.

Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie auch einen Bereich in Ihrem Leben, in dem Sie es nur “versuchen”, statt es einfach zu tun oder es bleiben zu lassen?

28.01.2010 • Kategorie: Erfolg • Von: Ralf Senftleben

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Autor Angela schreibt am 28.01.2010 12.13

"Etwas nur zu versuchen, das riecht nach Angst, es klingt kraftlos, nach offen gelassenen Hintertüren, nach inneren Konflikten, nach Unentschlossenheit und nach Zweifeln."
Genau das unterschreibe ich 100%ig. So verstehe ich den Spruch auch.
Ich kann gut nachvollziehen, dass so mancher Dinge lieber versucht, statt sie zu tun. Da schließe ich mich selbst auch gar nicht aus, ich bin ein großartiger "Versucher". Aber es stimmt schon. Wenn ich mir bei einer Sache sage "Ich versuche das jetzt mal", dann hege ich insgeheim den Gedanken "vielleicht/wahrscheinlich wird es doch nichts".

Spontan fiel mir jetzt ein: Man könnte sich ja statt dessen bewusst sagen "Ich tue das jetzt so gut ich es kann". Fühlt sich für mich weniger furchterregend an als "ich tue es".

Ich werde das für mich mal austesten. Danke für die Anregung!

Autor Thomas schreibt am 28.01.2010 13.12

Der Transaktionsanalyse entliehen:

Ist es nützlich? Funktioniert es?

Finde heraus, was nützlich und wirksam ist, indem Du es ausprobierst.
Wichtiger noch: finde heraus, wo es nicht wirkt und dass verändere es, bis es wirkt.

Autor Fritz Horsthemke schreibt am 28.01.2010 15.06

Meine Interpretation: Die Yedi sind nach dem Vorbild der Samurai. Im Bushido gibt es vom Zen beeinflusst die kompromisslose mit-einem-Schlag-zum-Sieg-Philosophie. In einen Schlag soll man alles hineinlegen. Wenn ich mit meiner Aktion eins werde, dann lebe ich und bin wahrhaftig. Dies förderte natürlich auch die Gefährlichkeit des Angreifers, weil er immer aufs ganze geht. Auch beim Judo gibt es die Ipponphilosophie. Mit einem Punkt (ganzen Punkt) soll man den Sieg erringen. Die Konzentration auf das Eine, mit diesem Eins sein.

Allerdings haben die Japaner z.B. ihre Vorherrschaft im Judo und Karate bei Meisterschaften verloren, als man auch halbe Punkte zu lies. Damit hat zumindest im Sport die Philosophie der kleinen Schritte an Bedeutung gewonnen.

Die Philosophie hat etwas Faszinierendes, weil so kompromisslos. Man muss es auch nicht auf die Kampfsportarten beziehen. Im Zen gilt es für alles. Nur wenn du eins mit deinem Tun wirst ...

Autor windfrau schreibt am 30.01.2010 13.35

ich kann mit den schlüssen, die ralf hier zieht, nichts anfangen und halte sie zudem für destruktiv, lebensbeschränkend und unzulässig.

das einige, was ich wirklich TUE, TUN KANN, IST, etwas ZU VERSUCHEN.
und aus der abfolge von versuch und irrtum zu lernen.
die spaltung in schwarz/weiß, tun oder nicht tun ignoriert alles, was dazwischen liegt.

"Etwas NUR zu versuchen" ist schon die erste abwertung. warum NUR?

"... das riecht nach Angst, es klingt kraftlos, nach offen gelassenen Hintertüren, nach inneren Konflikten, nach Unentschlossenheit und nach Zweifeln."
die nächste fatale fehleinstellung.
verleugnung von begleitender angst (gesund! notwendig! aufmerksamkeit und konzentration verlangend!!)und verdrängung von Zweifeln (=bestandsaufnahme, ob meine ressourcen auch ausreichen) führt zu leichtsinn.
nicht wissen um die offenen hintertüren (alternativen, alternativ-zielen, unerläßlich für entscheidungsfindungen und anpassung an neue umstände) führt zu verengten handlungsspielräumen und unflexibilität.
"unentschlossenheit" negativ zu konnotieren führt schnell zu übereilten "taten"
verdrängung der inneren konflikte führt zur nicht-gewahrwerden und zum übergehen von vielleicht auch wichtig(er)er bedürfnisse.


"Aber etwas zu tun oder etwas nicht zu tun … das ist mutig, ehrlich und kraftvoll, das ist gelebte Entschlossenheit und zeigt Klarheit."

ohne sich vorher all dem zu stellen, wonach "versuchen" laut ralfs auslegung "riecht", halte ich die entscheidung etwas zu tun oder zu lassen für fahrlässig.

das "Alles dazwischen" ist das was man gemeinhin entscheidungsfindung nennt. sich die damit verbundenen streßgefühle zu ersparen, das sogar als erstrebenswert hinzustellen, weil halt nicht angenehm IST, ist meiner meinung nach eine grobe vereinfachung, und außerdem eher eine infantile art zu leben.

"Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie auch einen Bereich in Ihrem Leben, in dem Sie es nur ”versuchen„, statt es einfach zu tun oder es bleiben zu lassen?"
ich habe KEINEN bereich, in dem ich es NUR versuche.
ich halte alles, was man erstmalig tut, für einen versuch.
die entscheidung, etwas zu versuchen, nachdem ich mich den "geruch" des versuchens gestellt habe, ist der anfang jedes Beginnens. und somit der anfang jedes erfolges.

ich KANN etwas, das mir noch fremd ist nur "versuchen":
ich kann keinen schritt gehen, wenn ich nicht vorher unzählicge male versucht habe, herauszufinden, wie sich mein körper im gleichgewicht halten kann.
ich kann keine klavieretüde spielen, wenn ich nicht vorher unzählige male versucht habe, die tasten richtig und im richtigen tempo anzuschlagen.

und aus den versuchen zu lernen und die fehler heruasfinden.
versuchen riecht nach mut. ich lasse mich ein auf mein scheitern und nutze es als quelle neuer erfahrungen, und versuche ein zweites und drittes mal... bis zum erfolg.

alles andere ist illusion und verkürzung.
der mensch ist ein homo ludens.
er lernt durch versuch und irrtum.
im kleinen und im großen, im innen und im außen.

so.
meine meinung.
lg, die windfrau

Autor Ute Klimpel schreibt am 31.01.2010 07.57

Ich habe eine ganz andere Interpretation zu dem Wort "versuchen":
Es beinhaltet für mich eine Absicht, etwas zu tun, obwohl es scheitern kann.

In dem Sinne: Der gute Wille ist da, aber für das Gelingen übernimmt derjenige keine Garantie. Z.B.: Ich versuche mich zu bessern...
Herzliche Grüße und vielen Dank für die sonntäglichen Gedankenanstöße
Ute Klimpel

Autor Angelika Fleckenstein schreibt am 31.01.2010 08.09

Mir gefallen diese Worte von Meister Yoda. Schon vergangene Woche hörte ich in einer Fernsehsendung, in die ich mich frühmorgens hineingezappt hatte, von der (vermeintlichen?) Kraftlosigkeit des Versuchens.
Mich berührt das Thema, weil ich selbst gerade vor einer großen Veränderung in meinem Leben stehe. Die Erfahrung bisher zeigt mir, dass mir ein Versuchen nicht reicht, um voranzukommen. Im "Reich des Versuchens" bedarf es der Schritte, die man tut oder lässt, um dem gesteckten Ziel näherzukommen. Manche Schritte, die getan werden aus tiefer Überzeugung, die richtigen zu sein, tragen uns weiter, andere lassen uns stürzen. Dann versuchen wir einen anderen. Wiederum andere lassen wir, weil sie uns nicht mal einen Versuch wert zu sein scheinen. Wenn wir ihnen keinen Versuch schenken, werden wir nie erfahren, ob sie nicht doch die richtigen Schritte hätten sein können.
Ich will damit sagen, dass das Versuchen immer ein Teil des Tuns oder Nichttuns ist – sowohl als auch.
Für mich persönlich stelle ich fest, nachdem ich nun zweimal so deutlich mit der Nase darauf gestoßen wurde, dass es an der Zeit ist, ES EINFACH ZU TUN. Wenn ich im Darübernachdenken steckenbleibe, was ich als erstes oder nächstes v e r s u c h e , komme ich nicht weiter. Versuchen sollte also AKTIV sein und mit einer Handlung verbunden, nur so sammeln wir Erfahrungen, die unserem Ziel letztlich dienlich sind und uns weiterbringen auf dem Weg dorthin.

Es ist dies ein sehr interessantes Thema zum Philosophieren..., ich werde mich in meinem TUN ganz sicher mehr damit befassen und es nicht bei einem Versuch belassen.

LG # Angelika Fleckenstein

Autor Stella schreibt am 31.01.2010 08.18

Ich glaube, es geht hier tatsächlich um die Einstellung, die mit der Aussage "Ich versuche es" verbunden ist. Dass klingt, als traue man sich nicht so richtig und rechne mit einem Scheitern. Das macht den Versuch kraftlos.

Wahrscheinlich wird man hier viel länger zögern, den ersten Schritt zu unternehmen, um den Versuch umzusetzen – z.B. mit dem Rauchen aufzuhören, mit dem Jogge anzufangen etc. Und so schiebt man alles vor sich her und im schlimmsten Fall macht man am Ende gar nichts.

Wenn man aber sagt "ich mach das jetzt einfach" ist das zwar letztlich streng genommen immer noch ein Versuch (!!!), aber einer mit der Energie und Selbstvertrauen. Und damit einer mit viel höherer Aussicht auf Erfolg. Weil man nämlich den ersten Schritt einfach sofort unternimmt.

Autor Michaela Teupen schreibt am 31.01.2010 08.51

Zu Tu es oder lasse es bleiben!

Dazu fällt mir nur der einfache Spruch ein: Gesagt, getan!
Die angekündigte Sache in die Tat umsetzen. Einfach schlicht konsequent. Danach lässt sich ein Leben ausrichten!

Autor Romana schreibt am 31.01.2010 09.06

Veruchen, das heisst doch, dass man zumindest einen weiteren Versuch hat. Dass, wenn man scheitert, es noch einmal versuchen kann.
Tu es, oder tu es nicht – bedeutet für mich, dass ich nur EINE Möglichkeit habe, etwas zu tun. Das Ergebnis ist dann nicht mehr korrigierbar.

Lieben Gruss
Romana

Autor Marion Zymolka schreibt am 31.01.2010 09.19

Ich versuche jetzt meine Interpretation darzustellen, weiß aber nicht, ob sie richtig verstanden wird. In dem ich etwas VERSUCHE, TUE ich es doch auch. Ich stimme allen Interpretationen zu, denn alle entbehren nicht den Sinn. Und gerade das finde ich an der Philosophie so wunderbar: Wir versuchen etwas zu ergründen und letzendlich etwas auf den Punkt zu bringen, und tun uns dabei oft sehr schwer. Für mich ist klar: während ich etwas versuche tue ich (der Versuch ist doch schon das Tun).
In diesem Sinne ein schönes Wochenende
Marion Zymolka

Autor Andrea Piro schreibt am 31.01.2010 09.24

Ich hatte die Tage eine Diskussion mit Freundinnen weil ich auch vor einer Entscheidung stand und bekam im Prinzip genau das gleiche gesagt:

Ein bisschen schwanger geht nicht...

Hör auf mit der rumeierei, entscheide Dich, entweder ja oder nein und dann tue es.

Meine Entscheidungsprozesse laufen manchmal sehr lange weil ich dann alle Vor- und Nachteile abwäge, aber irgendwann muss man sich doch mal entscheiden und wenn ich mich dann dafür entscheide, ist mir bewusst dass ich mit dem Risiko auch leben kann.

Im Prinzip habe ich doch dann schon genau das vor Augen:
Ich tue dies und es kann eben das positive passieren oder das negative.
Und ich bin mir vorher drüber klar dass ich mit beiden Alternativen leben kann.
Und ich stehe dann auch hinter der Entscheidung.


Was mir noch dazu einfällt das gerade dieses "Ich versuche es" bei mir zumindestens immer etwas war, was ich widerwillig gemacht habe weil von jemand anderem aufgezwungen und nicht weil ich selber die Entscheidung klar getroffen habe.

Vielleicht könnt Ihr damit besser was anfangen.

Liebe Grüße

Andrea Piro

Autor Marmara schreibt am 31.01.2010 09.28

So ganz unrecht hat Windfrau nicht, wie ich finde. Auch wenn wir im ambivalenten Zustand "Versuch" zunächst möglicherweise – so in der Liebe z.B. – leiden und es ein Auf und Ab gibt, bekommen wir irgendwann Klarheit und ent-scheiden. Wenn wir das Wort ver-suchen so trennen, wird vielleicht klarer, was ich meine.Wir ver-lieben uns ja auch zuerst bevor wir dann lieben. Das hat meines Erachtens eine Qualität des Wachstums. Wenn wir immer sofort entscheiden JA oder NEIN können wir uns einem Wachstumsprozess nicht stellen.
LG Marmara

Autor Mark Talbot schreibt am 31.01.2010 09.32

Ich kann Ralfs Worte gut nachvollziehen.
Ich musste in den letzten Wochen erfahren das ich an einer Sache erkrankt bin, die über eine längere Zeit behandelt werden muss. Meine Partnerin macht sich Sorgen und zeigte natürlich Verständnis. In fast jedem Satz sprach sie von Hoffnung...bis ich sie unterbrach, denn genau in diesem Wort steckt die gleiche Unsicherheit wie in Ralfs Beispiel:
Ich glaube daran das Alles gut wird, und deshlab kann ich meine ganze Energie einbringen...meine positive Engerie.
Es geht nicht darum dumme Entscheidung zu treffen oder unüberlegt zu handeln...so verstehe ich Ralf nicht. Und wenn er von ofeengelassener Hintertür spricht, sind das genau meine Worte, die ich für Hoffnung gefunden habe.
Ich würde es so verstehen wollen und interpretieren, dass man sich Gedanken macht, eine Entscheidung findet und trifft, dann voller Entschlossenheit handelt.
Wer entschlossen handelt und hinter seinen Entscheidungen steht hat die größten Aussichten.
Mir hat der Beitrag gefallen...danke Ralf!
Mark

Autor happiness08 schreibt am 31.01.2010 10.05

„Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.”
Ich weiß nicht, vielleicht bin ich ja "zu einfach gestrickt" aber: indem ich etwas versuche, tue ich es doch schon. Ich kann doch nicht nur versuchen etwas zu tun. Ich tue es gut oder auch weniger gut, aber ich tue es. Ich kann nicht versuchen eine Sprache zu lernen. Ich setze mich entweder hin und lerne oder eben nicht. Das Gleiche gilt doch für alles und sagt nichts über den Erfolg aus.
Vielleicht sehe ich das aber auch zu einfach.

Autor Martina W schreibt am 31.01.2010 10.12

Meiner Meinung nach ist das, was damit gemeint ist, genau das was auch in "Matrix" von einem "Lehrer" an seinen "Schüler"vermittelt wird: "Nicht denken – wissen". Es ist der Glaube an uns selbst, unser Selbstbewusstsein und nicht das, was uns in unserer Kultur vermittelt wird: erst viel darüber nachdenken – dann nichts tun, denn es könnnte ja schief gehen.

In diesem Sinne: "Nicht denken wissen!"

MfG und einen guten sonntag

PS: Ich WUSSTE heute kommt die Sonne raus – und in diesem Moment scheint sie auf meine Tastatur ;)

Autor nenabohni schreibt am 31.01.2010 10.12

Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt-dieser Spruch fiel mir spontan zum Thema ein. Solange ich nur gedanklich alles durchspiele, mir aber nicht die Mühe mache, aktiv zu werden, wird sich um mich herum nix verändern und auch ich werde meinem Ziel nicht einen Schritt näher kommen.Ein Versuch kann durchaus etwas Positives sein, beinhaltet er doch für mich Bewegung, Aktivität...

Autor Nina schreibt am 31.01.2010 10.23

Hallo zusammen
Ich glaube eher dass das Wort "versuchen" ähnliche Reaktionen in uns auslöst wie eine "Erwartung". In dem heutigen Newsletter beschreibt Tania es ja auch schon zu ihrer Erfahrung mit dem Heizöl :-)
Zitat: "Der Unterschied lag eindeutig in meiner Erwartungshaltung. Am ersten Abend erwartete ich nicht, dass es wärmer werden würde, sondern sagte voll und ganz "Ja" zu den niedrigen Temperaturen. Ich stellte mich darauf ein und verschwendete keine Energie darauf, zu hadern. Am nächsten Abend aber kämpfte ich mit meiner Enttäuschung darüber, dass es noch nicht so warm war, wie ich es gehofft hatte. Und damit war ich im "Nein". Und so ein "Nein" kostet Energie und ja, es kostet die nötige Portion Humor, mit der man solche Situationen am besten nehmen kann.....Unsere Einstellung ist sehr oft entscheidend!" Zitatende


Vergleich mit dem "Versuchen":
Wenn ich persönlich jetzt sagen würde: "Ich versuche, weiterhin mit meinen gesundheitlichen Problemen (Nebenwirkungen durch Krebstherapie 1996/97) zu leben und mich weiter nach Möglichkeiten umsehe, diese zu verbessern.",sehe ich nicht so große Erfolgschancen, als wenn ich sage: "Ich werde weiterhin durchhalten und mich nach Möglichkeiten der Verbesserung umsehen!"

Muss zwar zugeben, das es auch nicht immer ganz so einfach ist, aber ich mache weiter!
Unsere inneren Einstellungen sind immer sehr wichtig beim Erfolg, beim durchhalten und beim schaffen!

Schönen Sonntag wünsch ich euch allen

Autor Nate schreibt am 31.01.2010 10.24

Ja, ein Versuch beinhaltet immer auch die Möglichkeit des Scheiterns. Aber wer es gar nicht erst versucht, IST schon gescheitert.

Wir Menschen lernen durch Erfolg und Misserfolg. Wo wären wir, wenn wir als Baby nicht versuchen würden, die Hand in den Mund zu stecken, als Kleinkind Bauklötze zu stapeln oder uns nicht das erste Mal aufs Fahrrad trauen würden?

Wenn ich "Versuch" mit Angst, Unsicherheit, Scheitern usw. verbinde, dann wird in den meisten Fällen auch genau dies passieren: ich werde unsicher sein und scheitern.
Verbinde ich "Versuch" jedoch mit Ausprobieren, Experiment, Testen, Neues lernen, dann bin ich guter Dinge und konzentriert. Nur so kann ich meinen Horizont erweitern und erfahren, was ich kann und was nicht.

Meiner Meinung nach kommt es darauf an, ob ich den Versuch/den Test/das Experiment als solches von vornherein aus einem negativen oder positiven Blickwinkel sehe. Und ob ich mir vorher Gedanken mache, was es mir und anderen bringt, wenn ich es versuche oder nicht. Wenn man sich dann entscheidet etwas zu versuchen, sollte man es auch mit ganzer Energie TUN.

Mir wäre Vieles entgangen, wenn ich "es" nicht versucht hätte. Und seien es auch nur ganz banale Dinge wie das Probieren einer fremden Speise.

Versuche halten den Geist offen und erweitern die Fähigkeiten.

Sonntägliche Grüße,
Nate


Autor Marina schreibt am 31.01.2010 10.26

Auch mich hat Ralf Senftlebens negativ anmutender Kommentar über die Haltung des "Versuchens" zum Nachdenken gebracht.

"Ich veruch`s mal, das hinzukriegen" ist nämlich eine Lieblingsantwort von mir,wenn ich als Assistentin im Labor, ein Projekt in die Hand nehme.
Und ehrlich gesagt, formuliere ich das so, weil ich immer wahnsinnige Angst vor dem Scheitern habe !!

Ich benutze also diese Formulierung, um MIR SELBST (und nicht den Anderen gegenüber) ein "Hintertürchen", wie es auch Ralf formuliert hat, zu lassen.

Würde ich mich aber BEDINGUNGSLOS annehmen können, woran ich ja arbeite, würde ein Scheitern in meinem Inneren nicht so viel anrichten und ich müsste es nicht extra ausdrücken.

Ausserdem, da ich einige junge Menschen auf dem Weg Ihrer Doktorarbeit kennengelernt habe, kann ich wirklich behaupten, das aunahmslos ALLE von der Sorte waren, die das Thema Ihrer Doktorarbeit mit einem entschlossenen "das mache ich" begonnen haben... obwohl sie erst einmal ABSOLUT unerfahren in der Praxis und innerlich unsicher waren.

Somit glaube ich WIRKLICH... das diese Entschlossenheit: "Das mache ich jetzt", dieses klare JA, unglaublich viel Kraft gibt, auch Krisenzeiten positiv zu durchleben und eben am Ende der Erfolg steht.

Mhh !!

Lieben Gruß
an alle hier..

Marina

Autor Sanne schreibt am 31.01.2010 10.37

Wenn es ums Tun geht, finde ich das Zitat "Tu es oder tu es nicht" beflügelnd, weil es mich ermutigt, etwas mit Hand und Hirn und Herz anzugehen. Das bedeutet nach meiner Meinung auch, dass ich mein Handeln voher überlege und abzuwäge. Ich muss 'es' ja nicht tun, aber wenn ich mich dazu entschließen sollte, dann gehe ich es ganzheitlich und entschlossen an.

Etwas zu Versuchen beinhaltet für mich eine spielerische Komponente. "Ich versuche mal, ob Schlagzeug spielen etwas für mich ist" und finde heraus, dass es mir Spaß gemacht hat, meine Begabungen aber woanders liegen. Versuch macht schließlich kluch. Etwas zu versuchen ist für mich eine kreative Erweiterung meines Handlungsspielraums, eine Art Test ohne großes Risiko.

@ralf, windfrau: Für mich beinhaltet das Tun auch das Üben. Ich übe etwas in der Absicht, es "richtig" zu machen. Im Gegensatz zum Versuchen beinhaltet für mich das Üben bereits die Richtung des Tuns. Ich übe nicht Zehnfingertippen, wenn ich Spanisch lernen will. Für mich sind versuchen und Üben zwei ganz verschiedene Dinge. Sie haben jedes einen eigenen Wert.

@mark: Auch ich habe vor wenigen Wochen eine niederschmetternde Diagnose erhalten (NHL). Ich habe einfach keinen zweiten Versuch, hiergegen etwas zu unternehmen (also tue ich es). Allerdings habe ich auch etwas anderes hinzubekommen: den deutlichen Hinweis, mein Leben zu überdenken und neu und besser auszurichten. Mein entschlossenes Handeln, verbunden mit positiver Herangehensweise, auch mit viel liebevoller Unterstützung, wird mir mein Leben quasi ein zweites Mal schenken. Ich kann Dir nur zustimmen: "Wer entschlossen handelt und hinter seinen Entscheidungen steht hat die größten Aussichten." Beste Grüße

Autor Manni schreibt am 31.01.2010 10.41

Ich würde den Satz "Tue es oder tue es nicht" ergänzen wollen: "Tue es ganz oder garnicht".
Und das soll heißen, dass ich eine Sache nur mit ganzem Herzen tue. Das Ergebnis (Erfolg oder Nicht-Erfolg) ist dabei nicht das Wichtigste.
Und das ist sicherlich gemeint mit "Es gibt kein Versuchen".

Autor Edmund schreibt am 31.01.2010 10.42

Vor einigen Jahren sagte eine gute Freundin zu mir:

"Es nicht versucht zu haben ist die vorweggenommene Niederlage."

Versuch es oder versuch es nicht. Auch ein Versuch ist ja schließlich ein Tun.

Autor Madagaskar schreibt am 31.01.2010 10.48

Tja, da stellen sich viele Fragen. Es ist jedenfallz eine Superanregung. Man stelle sich vor, jemand handelt immer spontan, zackig und knackig, weil er denkt, das ist das, das ich will, stellt dann am Ende seines Lebens fest, hmm, ich hab immer alles total richtig gemacht, aber in die falsche Richtung, shit, nochmal. Hätte ich am Anfang des Tuns gedacht, dann wäre das ja auch eine richtige Entscheidung gewesen, hmm, und das Ergebnis wäre ....hmm, schwierig. Kann man im Einlang mit sich dennoch Scheiße bauen? Ich denke, ja. Damit kommen wir zur Frage, die ich darinnen fühle: Sind wir frei, schaffen wir eine reale Welt? Wenn das so ist, dann ist es richtig, total zu tun, was ich will, aber total, dann wäre alles andere, Blödsinn!
Ey, danke für die Anregung!

Autor Silke schreibt am 31.01.2010 10.57

...bedeutet es nicht, dass wenn ich "nur" etwas versuche, dass ich mir sage: okey, ich mache was ich kann (oder mir zutraue...) aber verantwortung übernehme ich dafür nicht... da ich euch ja gesagt habe, dass ich es "nur" versuche...

für mich hat es eher mit dem thema verantwortung zu übernehmen zu tun...

Autor Andrea schreibt am 31.01.2010 10.59

Ich sehe es so, dass Versuche in einem Labor ablaufen. Dort wird ausprobiert, getestet und versucht .. im Sinne von neuen Möglichkeiten finden. Ich finde es gut und wichtig im Vorfeld genau zu überlegen, Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu prüfen und in meiner Vorstellung verschiedene Wege zu versuchen.
Doch irgendwann kommt der Punkt an dem ich die Entscheidung treffe: Tun oder nicht tun.

Die Frage die ich mir bezgl. meines Lebens stelle ist: Will ich, dass mein Leben ein Probelauf ist? Dann gehe ich mit der Idee des "versuchen" an eine Sache ran. Und versuchen schwächt in meinem Empfinden meine Kraft.

Oder will ich mein Leben aktiv gestalten und stehe zu meinen Entscheidungen? Dann tue ich etwas und übernehme die Verantwortung für meine Handlungen und fühle mich lebendig.

LG
Andrea

Autor Mira schreibt am 31.01.2010 11.30

Für meine Empfinden steckt in der Einstellung "ich versuch es mal" nicht die 100%ige Kraft, die ich brauche, damit etwas auch wirklich gelingt. Da ist noch so ein bisschen "Zweifel" in einem selber enthalten; man traut sich nicht so viel zu, ist sich nicht so sicher, vielleicht auch über sein eigenes Können, seine eigene Stärke. Dabei, so glaube ich, kann jeder Mensch das erreichen, was er möchte, sich von Herzen wünscht, sich vornimmt. Nur, damit ich es auch so gut wie möglich mache, muss ich mit meiner ganzen Kraft, meiner ganzen Entschlossenheit an die Sache herangehen, und dabei auch das Vertrauen und die Gelassenheit behalten, wenn manches vielleicht nicht so schnell und reibungslos verläuft, dran zu bleiben, wenn der Wunsch und die Kraft an der Sache in mir weiterhin bestehen bleibt.
Es ist auch ne Frage des Selbstbewusstseins und ich glaub auch ne Übungssache, mit der Einstellung und dem Vertrauen (auch Vertrauen in sich selbst) an eine Sache heran zu gehen, das sie gelingt- Stück für Stück.

Autor Susanne Spill schreibt am 31.01.2010 11.46

Das ist es doch, was "im Hier und Jetzt zu sein" bedeutet.
Wenn ich bei dem was ich tue, nicht im hier und jetzt bin oder es "nur" versuche, dann bin ich nicht mit meiner ganzen Aufmerksamkeit bei dem was ich tue, setze nicht meine ganze Kraft und Energie in das was ich tue- oder auch nicht tue. Etwas ganz bewußt nicht zu tun erfordert mindestens genausoviel Mut, wie etwas zu tun.

Susanne

Autor janeeisklar schreibt am 31.01.2010 11.46

Es geht m.M.n. darum, dass es viel anstrengender ist, etwas zu versuchen, als es zu tun.
Eine Trainerin hat mal eine kognitive Übung mit uns in einem Seminar veranstaltet.

Die Übung bestand darin, dass man _versuchen_ sollte, sich auf einen Stuhl zu setzen. Also standen wir längere Zeit ziemlich angespannt in fast Sitzhaltung etwa zwei Fingerbreit über der Sitzfläche. Denn wir _versuchten_, uns zu setzen. Klar, je länger es dauerte und so schwieriger wurde es und die Oberschenkel krampften schon etwas.

Dann (durften) wir uns setzen. Es war eine Wohltat. Im Ergebnis war es demnach wesentlich einfacher etwas (tatsächlich) zu tun, als es (nur) zu versuchen.
Danach wollte keiner mehr _etwas versuchen_. :-)

Den o.g. Kommentaren stimme ich größtenteils zu. Hierzu vielleicht noch ein plakatives Beispiel:
Welchen Satz möchte man lieber hören?
"Ich versuche dir 1.000 Euro zu geben!"
oder
"Ich gebe dir 1.000 Euro!"

Autor Claudia-Sophia Kirchner schreibt am 31.01.2010 11.47

Ich hab gerade mal im Internet nach der Vorsilbe „ver” geschaut. Es gibt dazu verschiedene Erklärungen. Am Besten hat mir die gefallen: als Umschreibung für „am richtigen vorbei”.

Miss Sophie

Autor franz gubitz schreibt am 31.01.2010 12.19

Als ich das „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.„ gelesen habe sind mir zwei Dnge dazu eingefallen:
1 es gibt jede Menge von Dingen, die ich versuchen möchte ... ich werde sehr bald damit anzufangen, auszusortieren:
ein Häuflein "Mach ich!" und den Rest entsorgen, weil es so wichtig nicht sein kann, sonst hätte ich es längst getan.
2 hat mich gleich ans "Fallschirmspringen" erinnert: entweder Du tust den Schritt raus und bist ab sofort "skydiver" oder Du tust es nicht – versuchsweise rausspringen oder umkehren geht nicht ...
allerdings gibt es immer noch die Möglichkeit "es morgen zu tun" – immer wieder, oder? ;-)


Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie auch einen Bereich in Ihrem Leben, in dem Sie es nur ”versuchen„, statt es einfach zu tun oder es bleiben zu lassen?

Autor Balancer schreibt am 31.01.2010 12.32

Meiner Meinung nach liegt die Botschaft im 1. Satz, komischerweise konzenrieren sich alle auf das "versuchen".
Warum ?

Tu es oder tu es nicht ist doch eindeutig.
Wer bei sich ist – sich jedes Momentes bewusst ist – für den gibt es keinen Versuch.
ER/Sie beobachtet und entscheidet, nimmt wahr und beobachtet und entscheidet -
Es gibt dabei keinen Versuch.
Nur Wahrnehmen und Entscheiden.

Es ist die Leichtigkeit des Lebens im Jetzt.

Autor ulla vogeley schreibt am 31.01.2010 13.32

Seit längerer Zeit coache ich Menschen, die keine Arbeit haben oder finden, da sie sich oftmals zu sehr auf das versteifen, was sie mal gelernt haben und nur da und sonst nirgends, wieder sicher und langfristig unterkommen möchten.

In ihren "Versuchen" anderweitig zu arbeiten, lässt sich aus meiner Erfahrung die Theorie des Scheiterns eindeutlig nachvollziehen. Da gibt es auf Grund der vielen missglückten "Versuche" schlicht das runterziehnde vergleichen mit der schmerzhaften Vergangenheit. Das beinhaltet auch eher die Haltungen des "Ja, aber..." oder des "Eigentlich müsste/sollte ich" also den fruchtlosen Konjunktiv. Es verstärkt umso mehr die Aspekte der Hilflosigkeit und Wertlosigkeit.

Nützlicher ist – die Gegenwart annehmen – "Ja , so ist es, was kann ich jetzt tun?"...und eine entschlossenere Zukunftsausrichtung initialisieren, in dem was man realisieren möchte, darauf konzentriere ich meine Coachings.
Sich im not-wendigen TUN ÜBEN. Schritt für Schritt, testen, ausprobieren, experimentieren.
Mich freuts immer wieder – diese Haltung zeigt inzwischen sehr gute Ergebnisse:-)
Nicht bei allen, aber bei immer mehr...!

in diesem Sinne
mit schön verschneiten Grüßen aus dem wilden Süden
Ulla


Autor Hans-Georg schreibt am 31.01.2010 13.36

Hier eine kleine Übung als Beweis, dass "versuchen" per se nicht zum Erfolg führt:
Stelle dich mit dem Rücken vor einen Stuhl, beuge die Knie und versuche zu sitzen. VERSUCHE! Also nur versuchen, nicht sich setzen! Sich zu setzen bedeutet ja bereits, es zu tun.
Da merkt man schnell, dass ein bloßer Versuch notwendig nicht zum Erfolg führt, sondern scheitern MUSS.
Viel Spaß beim Üben,
Hans-Georg

Autor inge schreibt am 31.01.2010 14.48

hallöchen ihr lieben...

ich habe mir alle beiträge durchgelesen und finde sie allesamt superinteressant...
persönlich stehe ich auch zu dem ich tue es..., denn auch ich kann mir persönlich sagen, dass es für mich immer mit meiner inneren einstellung zusammenhängt...

fühle ich mehr die erwartungshaltung, die man an mich trägt...baut sich schon ein kleiner innerer widerstand auf, so dummes gefühl von druck baut sich ansatzweise auf...
dann würde sich für mich schon eine sehr schwammige haltung ergeben.
daraus resultierend, würde ich persönlich allenfalls über ein versuchen nachdenken...
wie auch schon oben einige male erwähnt...nicht in der gesamtheit dahinterstehen...

wenn sich bei mir dieses gefühl aufbaut, lehne ich fast immer den versuch ab...

wenn ich etwas mache, dann mache ich es in der tat, weil ich es auch wirklich ernsthaft so möchte, dann habe ich eine entscheidung für mich getroffen, da bin ich mir dann auch völlig im klaren in puncto konsequenzen.

wir können doch alle nur für uns selbst entscheiden, was wir wollen...wollen wir versuchen...?, dann ist es meistens etwas, wo andere vielleicht eher überzeugt sind, dass es gut für uns wäre...
wollen wir es tun...?, dann ist es der punkt für mich, dass ich es aus freien stücken heraus für mich tue..

für mich bringe ich es mal so auf den punkt...

wenn ich höre, sehe, spüre....dass ich etwas ändern soll...muss...dann geht es in erstes linie vom aussen aus...

wenn ich selbst für mich weiss, dass ich etwas verändern will, weil es die situation erfordert...dann versuche ich es nicht...dann TUE ICH ES....

ich wünsche euch allen einen wunderschönen sonntag...habt noch ganz viel spass am philosophieren...

herzlichst...*inge :-)

Autor samos99 schreibt am 31.01.2010 15.41

Alles interessante Beiträge / Kommentare. Für mich hat das Wort versuchen etwas ähnliches (wenn auch nicht ganz so krass) wie das Wörtchen "eigentlich" in der deutschen Sprache.
Z.B. sagt jemand: "Versuchen Sie einmal den rechten Arm zu heben" Das bedeutet für mich: "Halt – sie sollen es VERSUCHEN nicht Tun !" So ist für mich rein sprachlich der VERSUCH, genau wie "EIGENTLICH" ein ängstlicher, unselbständiger "WISCHI-WASCHI" Ausdruck.
samos99 31.01.2010

Autor Andrea Gabriele schreibt am 31.01.2010 15.58

Ich habe meine Wohnung gewechselt und bin in ein Projekt gezogen. In einiger zeit gehe ich vielleicht in meine alte Wohnung zurück, die inzwischen renoviert ist. In der Zwischenzeit habe ich gesehen, das es geklappt hat, wenn auch mit sehr viel Aufwand, ich glaube sogar ZU VIEL. Andererseits wußte ich in der alten Situation nicht mehr weiter, ich konnte mich nicht mehr ENT-WICKELN und bin auf der Stelle getreten. Bisher habe ich meine Übersiedlungen nicht bereut, aber etwas ruhiger und angenehmer könnte es schon noch werden. Das hängt aber von Beziehungen ab, in denen ich mich fallen lassen kann und nicht nur von äußeren Umständen, wenngleich diese nötig sind. ICH HAB HALT EINMAL ZUGEPACKT, um nicht immer ÁM GLEICHENN ORT ZU SITZEN und EIN LEBEN LANG ABZUWARTEN – aber auch das ist eine Illusion, es wär sowieso immer irgendwas passiert, Betonung auf "IRGENDWAS" ! ! ! Ich muss aber auch dazu sagen, dass immer nur im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Geldmittel handeln konnte und die sind mir nicht immer zur Verfügung gestanden. Ich hoffe, dass ich im nächsten Lebens:Schritt MEINE ZIELE dann NOCH PRÄZISER/GENAUER ANPEILE. Bin ich a Bogenschütze oder was – frag ich mich grad – ich wollt doch nie zu den Olympischen Spielen ? ?

Autor movie schreibt am 01.02.2010 10.17

Beim Thema rund um den Begriff "versuchen" fällt mir ein Beispiel aus der Zeit meiner Zusatzausbildung zur Suchtpräventionslehrerin ein. Im Praktikum waren wir einige Tage in einer Psychosomatischen Klinik, in der sämtliche Suchtprobleme behandelt wurden, zu denen zu meinem Erstaunen dort auch Depressionen gerechnet wurden.
Bei den täglichen Berichten der Patienten wurde auf einen ihrer Sätze, der so lauten konnte: "Ich versuche, mit dem Rauchen, Trinken, dem permanenten "Ja schon – aber", etc. aufzuhören" seitens der Behandler entgegnet, dass ein Versuchen nie zum Erfolg führt. Genauso wurde jemand, der die Worte formulierte: "Ich kann nicht" korrigiert in der Weise, dass er "eigentlich" damit zum Ausdruck bringt: "Ich will nicht".
Ich habe dieses Hinterfragen in der Folge für mein eigenes Leben übernommen und mich immer wieder dahingehend überprüft und festgestellt – es stimmt. Versuchen impliziert das Scheitern, das an sich keine Schande ist, indem man jedoch von vornherein daufhin weist, sich auch selbst, schwächt man seinen Willen und vermittelt sich und anderen, für das Versagen nicht verantwortlich zu sein – ich kann ja nicht.., was zumeist beinhaltet: ich will nicht wirklich.
Andererseits habe ich dort auch erlebt, dass, wenn der Leidensdruck und die Einstellung wirklich stark genug waren und damit auch der Wille zur Veränderung, die Betroffenen, die es später auch zumeist geschafft haben, von sich aus sagten: "Ich will" und nicht mehr "ich versuch´s". "Ich will" ist das Resumee eines vorausgegangenen Prozesses, ohne halbherziges "mal versuchen" und "eigentlich schon oder doch lieber nicht" konsequent zu handeln. Allein in diesen beiden Wörtern ICH WILL steckt schon eine Menge Kraft – im Unterschied zu "ich versuch´s".
Ich wollte dann auch nicht mehr rauchen und habe beschlossen, damit aufzuhören und – es in der Erinnerung an diesen Entschluss bis heute durchgezogen. Hätte ich es nur versucht....
Eigener Wille kann (wieder) antrainiert werden – wie ein Muskel oder man lässt ihn verkümmern und er wird geschwächt.

Viele Grüße aus dem zauberhaft verschneiten Süd-Westen, den die vielen hungrigen Vögel in meinem Garten, gut versorgt, damit auch besser überstehen

Autor Jantimi schreibt am 01.02.2010 11.02

Alle Kommentare haben ihren Wert.
Ich kenne keinen Versuch, weil ich etwas tue oder lasse. Wenn es nicht klappt, lerne ich oft mehr, als wenn es klappt. Ich tue Dinge, nicht weil es 100% klappt, sondern weil es "dran " ist.
Deshalb gibt es kein Versagen. Super, gelle?

Autor eba schreibt am 01.02.2010 11.19

"Tue es oder tue es nicht" bedeutet für mich in allererster Linie eine Entscheidung zu treffen und diese dann aber auch umfänglich im Sinne von Konsequent "ohne wenn und aber" durch zu ziehen. D.h. fällt die Entscheidung "tue es nicht" dann gibt es auch kein "hätte ich bloß".

"Versuchen" impliziert für mich Entschluß im Sinne von "tue es" und darausfolgend Aktivität im Bewußtsein, daß es keine Garantie für den Erfolg gibt und diese auch nicht wichtig ist, d.h. ein Scheitern ebenso "klaglos" aktzeptiert wird wie der Erfolg am Ende des Versuchs.

Autor Britta Knebel schreibt am 01.02.2010 16.52

Tu es oder lass es bleiben...

Dazu habe ich in meiner Ausbildung zur Mentaltrainerin eine gute Lektion erhalten. Unser Trainer sagte zu uns: "Versucht einmal aufzustehen." Als wir aufstanden schüttelte er mit dem Kopf und meinte: "Ihr sollt es NUR versuchen!" Das hat mir die Augen geöffnet.

Autor Georg schreibt am 01.02.2010 18.23

Stell Dir vor Du fliegst nach Amerika. Als das Flugzeug gestartet ist, meldet sich der Pilot über den Bordlautsprecher: ich begrüße Sie recht herzlich an Bord, wir versuchen nun nach Amerika zu fliegen....

Autor Monika schreibt am 04.02.2010 10.02

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß es beim Versuchen oft der Hintergrund ist, daß ich nicht an mich glaube. Daß es dann im Hinterkopf schon heißt ich glaube das wird nichts. Aber natürlich heißt es ja Versuch und Irrtum. Es ist legitim etwas mal auszuprobieren, wenn man sich nicht sicher ist. Was soll daran falsch sein. Das ist normal denke ich. Wenn aber alles im Leben nur versucht wird, dann sit sicher was faul.

Autor Dagmar schreibt am 04.02.2010 10.18

Vor vielen Jahren hat mir eine Freundin erzählt, sie sah auf der Bühne einen berühmten Pantomimen (ich glaube, es war Marcel Marceau) der ein Taschentuch auf die Bühnenbretter warf, dann darum herumstelzte, sich bückte, danach schnappte, es verfehlte, es kurz anhob und fallen ließ, sich in jeder Weise verrenkte – etwa zehn Minuten lang.
Dann sprach er plötzlich. Er wandte sich an das Publikum und fragte "Wissen Sie, was ich gerade gemacht habe? Ich hab versucht, ein Taschentuch aufzuheben!"
Danach bückte er sich, hob das Tuch auf und fügte hinzu: "Jetzt hab ich es getan."
Das hat sie damals tief beeindruckt und mich auch. In unserer Familie ist es seitdem Gang und Gäbe, wenn jemand sagt: "Ich versuch mal..." ihn zu unterbrechen: "Nein, tu es lieber..."

Autor Jörn schreibt am 04.02.2010 12.43

"Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen."

Entscheide Dich. Für den einen oder den anderen oder auch gar keinen Weg. Einfach nur – entscheide Dich!

"End"-"Scheidungen" "ent"-"wickeln"; bringen Klarheit und damit die Möglichkeit von Wachstum.

Versuche setzen Enscheidungen voraus – Entscheidungen jedoch, bedürfen keiner Versuche. Zwar vermögen Versuche (oder vielmehr deren Ergebnisse) neue Entscheidungen auszulösen – doch der Anfang von Allem ist eine Entscheidung. Und diese kann zufällig, bewußt, unbewußt, wie auch immer, getroffen werden/worden sein.

Je mehr Du weißt, umsomehr weißt Du, das Du eigentlich gar Nichts weißt. Also verliere Dich nicht in ziellosen Versuchen der Objektivierung, sondern entscheide Dich. Subjektiv und auf Deiner Basis. Heute, Morgen, immer und immer wieder.

Herzliche Grüße

Jörn

Autor Siegfried Baumgartner schreibt am 05.02.2010 13.52

Zu Ihrem Zitat „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.” passt ganz gut auch das folgende chinesisches Sprichwort:

"Eine Schlucht überwindet man nicht mit zwei Sprüngen"

Quelle und weitergehende Kommentare dazu: in Samuel Brunner/Detlef Koenig: "30 Minuten für erfolgreiche Führungspersönlichkeiten" gabal-Verlag.

Herzliche Grüsse
Sigi

Autor Claus Rieth schreibt am 05.02.2010 20.27

Hallo Tanja,
der Yedi – Ritter ist (war?) ein kluges Wesen. Versuchen impliziert die Versuchung des Scheiterns. Es gibt keine halbe Schwangerschaft oder einen halben Herzschlag. Ganz seine Dinge zu Tun und sein Herz reinzugeben schafft eine tiefe Befriedigung. Und wenn mal was nicht klappt, das ist dann eben so. Das wird aber selten vorkommen.
Es gab mal einen Film, der hieß "Alexis Sorbas" aus den 60gern mit Anthony Quinn,der erzählt viel von der Hingabe und Lebenslust an jedem seinem eigenen Tun. Das ist eine Lebenseinstellung, die ich liebe, danach versuche ich, meine Dinge zu tun. Alles andere ist Murks an der eigenen Schöpfung.

Lieben Gruß Claus

Autor Jeyx schreibt am 06.02.2010 00.10

Es liegt daran, ob ich etwas wirklich WILL, oder ob ich es NICHT wirklich will.
In beiden Fällen kann ich etwas versuchen, aber das erste, hat mehr Aussicht auf Erfolg.

Wenn ich mir vorher Gedanken darüber mache, OB oder DASS ich etwas wirklich will, dann steckt in dem darauf folgenden Versuch, viel mehr Energie, und Willenskraft als wenn ich es "nicht will".

Wenn ich die Sache allerdings eigentlich nicht will, also noch innere Zweifel daran hege, dann sind die Chancen, meiner Meinung nach, viel geringer dass es klappt.


"Versuch macht klug."

Das mag zwar zutreffen, aber ich interpretiere es so, dass mir der (gescheiterte) Versuch von etwas was ich mit inneren Zweifeln versucht habe (etwas wovon ich noch nicht überzeugt bin das es das richtige ist), in der Hinsicht weiterhilft, dass er mir zeigt was ich WIRKLICH will.

Und nachdem ich also etwas versucht habe, was ich eigentlich nicht aus voller Überzeugung getan habe, und gescheitert bin, oder auch nicht, weiß ich hinterher mehr darüber WAS ich denn nun will. Und kann DAS mit mehr Überzeugung "versuchen". Alleine dadurch, habe ich schon mehr Aussicht darauf, das zu erreichen, was ich wirklich WILL.

Ich hoffe das war verständlich.
Jeyx ;)

Autor Andrea schreibt am 11.02.2010 14.37

Hallo zusammen,

schön, daß ich meine Gedanken dazu einmal loswerden kann. Vor zwanzig Jahren habe ich einmal in einem Motivationsseminar gelernt, dass Versuchen etwas ganz Negatives ist. Und ich habe über 15 Jahre gebraucht, um mir "Versuchen" selbst wieder einzugestehen. Ich bin jemand, der sich selbst sehr unter Druck setzt und seit ich versuchen eher zulassen kann, kann ich mir den Raum (ab und an) geben, den ich brauche, um erfolgreich zu sein. Für mich ist versuchen etwas ganz wichtiges!
Ich verstehe die Sichtweise, daß Versuchen eine Ausrede sein kann, für mich ist Versuchen aber – wieder – etwas Positives.

Liebe Grüsse
Andrea

Autor Heidi schreibt am 04.03.2010 07.57

Im Hier und Jetzt gibt es immer nur das, was ich tue; die Folge dessen (z.B. Nicht-Erreichen des Beabsichtigten) liegt in der Zukunft.

Ich weiß NIE, ob ich mit dem, was ich tue, mein Ziel auch wirklich erreichen werde (ich kann kurz vorher tot umfallen z.B. ;)).

Für mich ist das Versuchen ein unklarer Zustand, der mir Kraft raubt, da er zeigt, dass ich nicht an mich glaube (ich versuche zu joggen, mit dem Rauchen aufzuhören etc, der -wie viele vor mir schon schreiben – das "Scheitern" als Möglichkeit einbezieht. (Es gibt aber kein Scheitern, denn wer weiß, ob das Nichterreichen womöglich auf lange Sicht viel wichtiger / wertvoller ist???)

Oder er sagt meinem Gegenüber, dass er sich nicht zu viel Hoffnung machen soll, was ebenfalls mentale Kraft einschränkt. Jeder, der halbwegs klar ist, weiß, dass nichts im Leben sicher ist; "Das einzig sichere ist die Veränderung"; darin sind sich alle Philosophen einig.

So könnte man ganz salopp sagen, dass das Wort versuchen total überflüssig ist; denn ALLES kann ein anderes Ergebnis bringen, als beabsichtigt, ALLES ist somit nur ein Versuch, etwas zu erreichen.

Das Handeln aber ist im Hier und Jetzt und somt (eigentlich) unabhängig vom Ergebnis, das es in der Zukunft bringt.

Oder noch anders: Das, was ich tue, muss ich um des Augenblicks willen tun (im Einklang mit der Matrix), denn ich weiß nie, in welchem Moment mich z.B. der Tod erreilt und meine Handlung abgebrochen wird. Ich muss also jeder Sekunde des (Nicht-)Handelns ein Ja geben.

Und auch das Nichthandeln ist ein Handeln, da ich im Nichthandeln Dinge unterlasse; aber das wäre ein neues Thema wert....

Vielen Dank für die Anregung! Ich hätte sonst nicht sobald darüber nachgedacht.... :))

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