Nicht nur verzeihen können, ist wichtig...

"Was unsere Seele am schnellsten und am schlimmsten abnützt, das ist: verzeihen ohne zu vergessen."

-- Arthur Schnitzler

Das Thema "Verzeihen" ist eines, zu dem wir immer wieder viele Anfragen bekommen. Offenbar tragen sehr viele Menschen tiefe Verletzungen mit sich herum und immer wieder reißen die Wunden auf.

Es ist nicht einfach, jemanden zu raten, was er oder sie tun soll, um das Verzeihen zu lernen, denn Loslassen gehört wohl zu den schwierigsten Dingen überhaupt. Hier finden Sie aber einen ausführlichen Artikel dazu, in dem ich einiges zusammengetragen habe, was nützlich sein könnte.

Mir hat darüber hinaus die Erkenntnis sehr geholfen, die Arthur Schnitzler in dem obigen Zitat sehr treffend beschreibt: Wir schaden uns selbst, wenn wir nicht mit Verletzungen abschließen. Vor allem, wenn wir zu verzeihen vorgeben (oder auch selbst daran glauben), innerlich aber nicht vergessen, nicht loslassen können.

Genau das ist es, was uns regelrecht auffressen kann.

Nehmen Sie sich einmal die Zeit, um ganz in Ruhe für sich herauszufinden, welche Verletzungen Sie bis zum heutigen Tag nicht vergessen können. Schreiben Sie diese auf! Und fragen Sie sich dann Folgendes:

  • Warum kann ich nicht vergessen, nicht loslassen?
  • Was ist es, das mich festhalten lässt?
  • Was könnte der Nutzen sein, dass ich nicht wirklich loslassen will?
  • Was erhoffe ich mir?
  • Ist der (tatsächliche oder auch nur erhoffte) Nutzen tatsächlich den Schmerz wert, den das Nicht-Vergessen-Können auslöst?

Sie können mit diesen Fragen sehr tief kommen, tief an den Schmerz. Das macht oft Angst. Aber wenn Sie einmal erkennen, was es genau ist, das Sie nicht vergessen lässt, bekommen Sie neue Möglichkeiten, damit umzugehen. Sie befassen sich dann mit der Wurzel des Ganzen. Und nur an der Wurzel sitzt auch die Möglichkeit der Heilung.

09.02.2010 • Kategorie: Selbsterkenntnis • Von: Tania Konnerth

Kommentare lesen und schreiben Kommentare

Autor Ingrid Riedl schreibt am 10.02.2010 23.00

Liebe Frau Tania Konnerth,

dieses aktuelle Thema haben Sie (wie viele andere auch) auf beeindruckende Art und Weise erläutert.
Ihren Selbstlernkurs zum Thema "Kreatives Schreiben" kann ich wärmstens empfehlen.

Herzliche Grüße aus Innsbruck !
@->->----------------------------------

Liebe, welche auch verzeiht.

Flügel, die uns Gott verleiht
aus dem Glauben, Hoffen.
Liebe, welche auch verzeiht,
lässt ein Fenster offen.

Seele, Herz – mental vereint,
Wehmut, die auch manchmal weint.

Sehnen, das in Träumen endet,
immer wieder Hoffnung spendet
mit der Liebe eng verbunden,
hat schon oft das Glück gefunden.

© Ingrid Riedl 2009

Zwischen Zweifel und Gewissheit liegt die Erfahrung der Geduld.© I. R.


Autor Yvonne schreibt am 14.02.2010 08.26

Liebe Frau Konnert,

ein Artikel, der Momentan super zu meiner Situation passt. Allerdings war und ist immer meine Devise: verzeihen kann ich, vergessen nie. Die Angst steckt Tief, vorallem weil es nun schon zum zweiten mal passiert ist – und dies einem kleinem – hilflosen Kind.

Mein kleiner ist gehörlos. Er muss jeden morgen mit dem Bus in den Kindergarten. Einmal ist der Bus im Schnee stecken geblieben. Am nächsten Tag gleich das zweite mal. Er ist strecken gefahren, die er nicht fahren hätte dürfen.

Mein Kind ist mittlerweile so sehr verängstigt, das er mir nicht mehr in den Bus einsteigen will.

Nun wird nach vielen Briefen vermutlich der Fahrer ausgewechselt, aber der Bus und die Strecke sind in etwa die gleichen. Noch immer weigert sich mein kleiner, in den Bus zu steigen – vermutlich aus Angst, das noch einmal so etwas passiert.

Wie bereits schon geschrieben, VERZEIHEN kann ich, VERGESSEN nicht. Der Schock sitzt Tief, die Angst ebenso – und die Nachwirkungen – das Verhalten des kleinen dannach.

Kleinigkeiten werden sicherlich vergessen, große vergehen – nur schwer.

Lieben Gruß ...

Autor Peter Schenk schreibt am 14.02.2010 08.45

Liebe Frau Konnerth,
immer wieder freue ich mich über Ihren Newsletter. Vielen Dank. Die Tipps- vor allem das Aufschreiben halte ich für sehr wirksam, weil wir beim Schreiben so vollkommen konzentriert sind. Die Empfehlung: nach dem "Vernichten" des "Schmerz-Briefes" unbedingt den "Wunschbrief" hnzufügen und die Situation, die wir uns wünschen detailliert beschreiben. So kommen wir weg vom negativen Erlebnis hin zum positiven.
Ergänzend möchte ich die Fast Phobia Cure aus dem NLP vorschlagen und bitte Sie hierzu um Ihre Meinung: Mit der Fast Phobia Cure lässt sich die Verbindung von Erinnerung und Schmerz auf denkbar einfache Weise auflösen. (Schwere traumatische Erlebnisse gehören dabei m.E. in die Hand eines Arztes oder Psychologen). Auch hier sollte nach dem Auflösen der negativen Gefühle ein positives Bild aufgebaut werden um die entstandene Lücke im Gefühlshaushalt zu füllen.
Herzliche Grüsse
Peter Schenk, Coach und Trainer

Autor bluecrisby schreibt am 14.02.2010 10.22

Hallo zusammen und allseits einen schönen Valentinstag.

Als ich eben Ihren Artikel über Verzeihen und Vergessen las, kamen mir gleich ein Gedanke – "ich verzeihe schnell aber vergesse nie".

Was sich im ersten Moment sehr hart liest stellt sich – in das richtige Licht gerückt – als nützlich heraus.

Das Leben ist voller Erfahrungen – guter und schlechter. Unsere Erfahrungen bereichern unseren inneren Kompass und machen uns achtsam. Sie stimulieren unsere Antennen.

Der Vorgang des Verzeihens ist in meinen Augen eigentlich das Wichtige!

Folgende Situation:

Ich bin nachts alleine unterwegs und werde von jemandem überfallen und zusammengeschlagen.

Würde ich verzeihen und vergessen, werde ich mich wieder unbedarft in so eine gefährliche Situation begeben. Erhalte ich die Erfahrung aber aufrecht, werde ich vorsichtiger!

Das ist jetzt sehr einfach dargestellt.

Ich denke, das Verzeihen sollte ein Vorgang sein, der die Erfahrung neutralisiert. Also löse ich durch Verzeihen die Verknüpfung Tat+Person auf, aber werde die gemachte Erfahrung weiterhin für mich verwerten indem ich nachts nicht mehr alleine durch die Straßen spaziere.

Würde das gerne ausdiskutieren :o))

Lieben Gruß – bluecrisby

Autor Ingo schreibt am 14.02.2010 10.36

"Go Best"

Verzeihen ist kein Tun, sondern ein In-Frieden-SEIN-Können mit dem was IST. Das bezieht sich natürlich vor allem auch auf unerlöste Dinge aus der Vergangenheit, die im Jetzt wieder hochkommen (damit sie endlich erlöst werden können).

Meine Gedanken und Gefühle mache ich immer selbst. Wenn es also überhaupt jemanden gibt, dem ich "verzeihen" kann, dann MIR selbst. Es ist nicht der Andere, der mich verletzt. Es ist ein unverarbeitetes Muster aus meiner Vergangenheit, an das ich durch einen Anderen erinnert werde und das ich mich anzuerkennen weigere.

Es geht darum, mit mir selbst SEIN zu können. Mit allen Gedanken und Gefühlen, die im Augenblick da sind. Diese voll und ganz in Besitz zu nehmen LÖST. Sein lassen ist das ganze Geheimnis. Was ich sein lasse, läßt auch mich selbst sein (los).

Diese Reinigung und Klärung ist eine Arbeit, die mir niemand abnehmen kann – glücklicherweise. Es gibt Menschen, die ein "Raum" sein können, so daß es Anderen leichter fällt, mit sich selbst zu sein. Techniken sind da nicht wirklich hilfreich. Sie bestärken im Gegenteil nur die unterschwellige Ansicht, es sei die Technik, die löst. Lösung findet jedoch ausschließlich im eigenen Sein statt, ohne irgeneine "Technik".

Danke für dieses Kernthema, allen Segen INGO :-)

Autor Balancer schreibt am 14.02.2010 10.55

Verzeihen – Los lassen und Vergessen — das Thema schlechthin, für Menschen, die durch das ständige Beurteilen und Denken ihrer Situation, meinen, ihr Leben leben zu müssen und somit ihrem Leben immer wieder Nahrung geben.

Nachdenken, Antworten finden müssen, bestrafen, abgrenzen hat etwas von einer sadomasochistischen Gedankenspirale mit Suchtpotential.

Die Gesellschaft trimmt uns in diese Muster – wir sollen und Gedanken machen, darüber reden — es ist Teil der Kultur und des Systems — ein mentales Gefängnis, welches wir uns selber bauen.
Wer die Mauern und die Gitterstäbe verschwinden lässt, öffnet den Horizont – die Weite bringt uns nicht in Versuchung, Grenzen zu setzen. Es gibt nichts zu beurteilen, zu verzeihen, festzuhalten, los zu lassen.

Der menschliche Geist benötigt keine Begrenzung – er ist nicht Körper und somit auch nicht Identifikation.

Kann es nicht so leicht sein, wenn man es nicht schwer haben will....

lieben Gruss
Balancer

Autor Christine Carmen schreibt am 14.02.2010 10.57

Guten Morgen und Danke, ich fühle mich genau an meinem wundesten Punkt getroffen! Ich habe vor 1 1/2 Jahren meine beste Freundin verloren, nach schönen gemeinsamen Unternehmungen hat sie mich einfach weggestoßen, den Kontakt abgebrochen, ohne Angabe von Gründen. Ich weiß nicht, warum sie das getan hat, stehe da mit tausend Fragen, die ich nicht in der Lage bin zu klären. Das ganze ist schon so lange her und ich spüre den Schmerz darüber noch immer, als wäre es gestern gewesen. Meine Verletzung ist riesengroß. Ich wünsche mir, das sie wieder mit mir spricht, das wir unausgesprochenes klären können und uns gegenseitig die Chance geben, neu anzusetzen.Sie fehlt mir sehr.
Ich weiß, das der Schmerz, den ihr Vorgehen ausgelöst hat in mir, viel tiefer sitzt durch Verletzungen in meiner frühesten Kindheit, hab mir therapeutische Hilfe gesucht, gebe mit selber Hilfe über meinen philosophischen Lebensansatz und arbeite dran, ohne zu verdrängen. Es gelingt manchmal, Abstand zu bekommen, aber immer wieder sind die Gedanken an das Schöne, an das Verlorene da und ich sehne mich danach, diese guten Gefühle wieder zu spüren, die diese Freundschaft mir vermittelt hatte.
Ich habe ihr verziehen, aber ich kann nicht loslassen. Sie wird ihre Gründe haben, ich sollte Vertrauen haben, zuerst in mich und damit auch in Andere. Nichts passiert zufällig und ohne Sinn, davon bin ich überzeugt, auch wenn der Sinn sich mir bisher in dem Falle noch nicht erschlossen hat.
Dieser Vertrauensbruch hat vieles in mir wieder kaputt gemacht, was ich für Ganz hielt. Ich bin also für mich mit dem Lernen in Bezug auf Freundschaften noch lange nicht am Ende.
Wie schaffe ich es, loszulassen? Wie werde ich mit Verlusten fertig? Wie begegne ich solchen Situationen, die ich nicht klären kann? Wie kann ich ohne die Antworten, von denen ich wohl erhoffe, meine aufgebrochenen Selbstzweifel zu zerstreuen, leben? Die Antworten darauf sind zum Teil diffus, aber greifbar für mich. Ich weiß auch, das das Nicht Loslassen können mir viel Lebensqualität nimmt, mich immer wieder vergleichen lässt, das Verlorene betrauern lässt und mich die Möglichkeiten, die auch darin liegen, nicht erkennen lässt. Ich tue mir nichts Gutes, und das in vollem Bewußtsein. Liebe ich mich eigentlich wirklich?
Ja, das Leben ist voller Fragezeichen!
Schönen Sonntag an Alle, die hier Lesen und Schreiben und Danke für die Anregungen und Denkanstöße die ich auf dieser wunderbaren Seite immer wieder bekomme!

Autor bluecrisby schreibt am 14.02.2010 11.03

Hallo Ingo,

danke für diesen interessanten Beitrag.

Meine Wahrnehmung ist da etwas anders, denn sehr wohl kann ich durch andere verletzt werden. Auf emotionaler und auch auf körperlicher Ebene.

Unsere Muster entstehen doch durch diese real erlebten Verletzungen.

Gruß, bluecrisby

Autor Tirolerin schreibt am 14.02.2010 13.08

Dem von Ingo Geschriebenen stimme ich zu 100% zu.
Dass ich das kann, dazu hat Collin Tipping (googerln) sehr viel beigetragen.
Kann ich wärmstens empfehlen.
Euch allen wünsche ich die Gnade des Verzeihen könnens, wem und was auch immer!
Gruss aus Tirol

Autor Albert Ott schreibt am 14.02.2010 13.42

Liebe Frau Konnerth, 14.02.2010

da haben sie heute ein sehr tiefgreifendes Thema aufgegriffen. Aleine an meiner Formulierung merke ich gerade meine persönliche Ergriffenheit.
Mir sind auf meinem Weg dazu verschiedene Dinge bewußt geworden. Ich habe lange versucht, bestimmte Erfahrungen in meinem Leben loszulassen. Das ist mir nicht gelungen und ich glaube, darum geht es auch nicht. Was sich für mich als stimmig ergeben hat ist, das Annehmen dieser Erfahrungen. Seit ich bestimmte verletztende, unangenehme und schwierige Erlebnisse immer mehr annehmen kann und Teil meines Weges sein lassen kann, brauche ich sie nicht vergessen. Diese – ich nenne sie mal "Tretminen des Lebens" – sind jetzt nicht mehr wie bisher aktiv und explosiv, wenn ich in ihre Nähe komme, sondern durch das MIR und dem/n Anderen verzeihen, gewürdigt und geachtet worden. Dazu brauche ich allerdings den Mut, die Ruhe und die Zeit um die Gefühle, die damit verbunden sind, noch einmal zu fühlen (mit allem Schmerz und Leid). Das ist der schwierigste Teil, weil ich hier oft jahrzehnte alte Wunden öffne. Damit oder danach kommt oft unmittelbar die Erkenntnis und der Sinn, der damit verbunden ist und natürlich die "Entschärfung" und Heilung. Jetzt ist es rund und es gehört zu mir ohne wenn und aber und – ohne loslassen und vergessen -.

In diesem Sinne genug "Zeit zu leben" Ihnen und allen Mutigen

Albert Ott


P.S. – Herzlichen Dank für diese nun schon über 500-fach umgesetzte Idee der Selbsthilfe und Anregung

Autor Susanne schreibt am 14.02.2010 13.42

Guten morgen,
vielen Dank für den Gedankenanstoß. Ich schließe mich dem "Vorschreiber" gerne an, möchte aber doch auf eine Technik hinweisen, die helfen kann,"Perlen" aus dem Geschehen zu bergen und radikale Vergebung zu praktizieren. Das Werkzeug ist amerikanisch und für mich noch verbesserungswürdig (noch zu statisch, mechanisch...), doch im Prinzip kann es zu wirklicher Heilung führen.
Ich spreche von Colin Tipping und seinen Büchern "Ich vergebe" und "Radikale Selbstvergebung". Ich habe ihn selber erlebt und fand ihn auch als Mensch überzeugend.
Einen schönen Sonntag
Susanne

Autor Anna schreibt am 14.02.2010 15.56

Hallo,
Aber was macht Vergebung so schwer?
Ich denke, dahinter verbirgt Angst. Angst zu zu geben, dass man selber etwas falsch gemacht hat. Angst zu zu geben, dass die ganze Welt nicht nach meine Vorstellungen drehen muss uns soll....und das ich das auch nicht tuet.
Lieber mauert man zu, verweigert zu sprechen und vor allem zu zu hören. Denn es könnte ja dabei etwas in Vorschein kommen, was die Mauern aus "mein Recht" zum wackeln bringt.

Autor Julia Bauer schreibt am 14.02.2010 19.24

Lieber Newsletter, Du hast mir heute den letzten Nerv geraubt...ich wurde am Freitag verlassen, eigentlich am Dienstag...egal. Heute ist Valentinstag. Alles voller Liebe, und so sehr ich sie gerade in mir selber suche, so weh tut auch die Tatsache, dass man tatsächlich nur durch loslassen, verzeihen & vergessen weiter kommt. Es ist manchmal so verdammt anstrengend, alles richtig zu machen. Vor allem wenn das Herz schmerzt. Man keinen Sinn im Gehen des anderen sieht. Und man sich hilflos fühlt, wie ein kleines Kind. Lieber Newsletter, Du hast 100 % ig ins schwarze getroffen. Deine Leserin.

Autor Heikea schreibt am 14.02.2010 19.59

Verzeihen ja, vergessen – wie geht das denn bewusst? Ich weiß, dass es Dinge gibt, die ich vergessen habe, die in mein Unterbewusstsein geschlüpft sind und zu denen ich keinen bewusst entscheidbaren Zugang habe ("jetzt erinnere ich mich an...") . Aber zu entscheiden "das vergesse ich jetzt" kann ich mir auch nicht vorstellen. Das sollte einen aber nicht hindern, zu verzeihen. Sich im Nachhinein an die Verletzung zu erinnern und sich wirklich sagen zu können "das habe ich verziehen" ist auch schon ganz gut, wenn man dabei das Gefühl hat "ich habe es losgelassen, mein Leben geht weiter, ich habe die Eigenverantwortung für das, was vor mir liegt, und ich lasse mich dabei nicht mehr von früheren Verletzungen behindern."

Autor Marinette schreibt am 14.02.2010 20.11

Hallo

Ich habe diese Anregung heute den ganzen Tag in meinem Inneren getragen. Ich war wie ab und zu in einer Klosterkirche und plötzlich bekam ich einen Einfall. Ja, Ihre Anregung ist wunderbar, doch es kommt drauf an wie tief die Verletzung ist. Und bevor ich verzeihen kann, muss meine Seele heilen. Dies heisst, ich muss meiner Seele Zeit lassen, um zu genesen. Erst dann kann ich vom ganzen Herzen verzeihen. Vergessen vielleicht nicht, dies is gar nicht so wichtig und nötig, weil diese schwerwiegenden und schmerzhaften Erfahrungen mir schlussendlich sehr geholfen haben, mich noch besser kennen zu lernen. Mit Selbstreflektion und therapeutischer Hilfe kann ich endlich meine Muster überprüfen, revidieren und ändern. Mit viel Geduld, Liebe und Akzeptanz mir gegenüber.
Herzliche Grüsse

Autor Alice schreibt am 14.02.2010 20.28

Vergebung ist sicher wichtig, um sich von Altem und Vergangenen zu lösen und den Blick nach vorne und auf Neues zu richten. Nur so können wir uns weiterentwickeln (denke ich).
Liebe Grüsse an alle
Alice

Autor beata schreibt am 14.02.2010 21.29

Hallo und lieben Dank für die Zeilen,
die mich zum Nachdenken brachten.
Seit September, nach dem ich etwas Herzbrechendes erlebt habe
( 2009, nach 11 jahren wurde unserer Sohn geboren, wo er Monate alt war, erfuhr ich, dass mich mein Lebenspartner, betrogen hatte ).....versuche ich zu verzeihen....
vergessen kann ich noch kaum. Ich sah die Fotos davon, die er dabei machte....die Bilder habe ich immer noch stets vor meinen Augen. Ob ich je verzeihen kann ....es schmerzt unheilmlich. Ich möchte es irgendwie verarbeiten..lösen...
um klar für mich selbst und meinen kleinen Schatz da zu sein. Ich möchte mich befreien..von dem Stein...um den Frieden in mir zu spüren...Leichtigkeit und Lebensfreude, die ich meinen Sohn schenken möchte. Er hat schon genug mitgemacht...weil ich oft weinte ( wusste nicht, ob es gut ihn dann in meinem Arm zu halten oder lieber, wenn er dies nicht sieht )...weil er sich durch meine Unruhe selbst abstillte...ich will wieder in mir ruhen, dem Glauben an mich als Frau neu finden....es ist sehr schwer.

Lieben Dank, dass ich hier lesen dürfte

Beata

Autor lena schreibt am 16.02.2010 08.58

Dieser Newsletter ist mir etwas sauer aufgestossen.
Denn : Verzeihen ist ein bewusster Akt und Vergessen ein unbewusster.
Ich will mir keine Gewissensbisse machen, wenn ich etwas nicht vergesse weil ich das ja bewusst gar nicht steuern kann.
Und wenn ich das alles aufschreibe wird es mir nochmals in Bewusstsein gerufen und verzögert den Vorgang des Vergessens.
Zudem ist es bei manchen Dingen besser sie nicht zu vergessen. Weil man ja auch aus Erfahrungen lernt.



Autor M.Dikti schreibt am 16.02.2010 12.28

Wer mit sich und auch unausgesprochen mit seiner Umwelt kämpft, kann diese Art der Begeisterung nicht erleben, denn die Umwelt ist die Widerspiegelung dessen, was in uns vorgeht.
Wenn wir uns ängstlich fühlen, ist die Umwelt eine Bedrohung.
Fühlen wir uns mutig, verstehen wir die Umwelt als die Fülle der Möglichkeiten, die wir zur Verfügung haben.
(Schoenaker)
Meine Freundin, hat mich mitten in unseren Urlaub zum heulen gebracht,allein mit meinen Tränen sitzen lassen.Seelische Grausamkeit, würde man jetzt denken.Dies hat den stärksten Eindruck bei mir hinterlassen.Doch sie hat mich auch stark geprägt.Dabei habe ich auch viel gelernt von ihr, sie hat zB.Im Urlaub für uns gekocht,
da habe ich wieder etwas dazugelernt. Wir haben uns voneinander sehr distanziert,heute habe ich ihr vergeben!
Denn jetzt bin ich nicht mehr allein!
Das wichtigste im Leben ist, einen Freund zu haben.Und diesen Freund habe ich gefunden, in meinem lieben Mann!!
Danke!Danke!Danke!
M.Dikti

Autor Holger schreibt am 17.02.2010 14.37

Ist es denn überhaupt sinnvoll, schlimme Erfahrungen zu verzeihen... und dann zu vergessen?
Egal was es ist, es ist eine Lebenserfahrung, die uns zu dem macht, was wir gerade sind.

Wenn ich eine schlimme Erfahrung wirklich vollkommen vergessen würde, könnte mir genau das Gleiche wieder passieren. Es heißt doch auch "aus Fehlern lernt man" und nicht "Fehler vergißt man besser".

Dabei gehe ich allerdings davon aus, daß mein derzeitiges Leben für mich in Ordnung ist.

Wenn vergangene schlimme Erfahrungen meinen momentanen Zustand ständig negativ beeinflussen, ist es vielleicht besser, eine Lösung in Form von "ich verstehe jetzt, was warum passiert ist" zu finden als zu versuchen, es zu vergessen.

Vergessen hat für mich den Beigeschmack von verdrängen, ohne sich der Sache zu stellen.

Viele Grüße,
Holger

Autor Renate schreibt am 18.02.2010 17.27

Hallo an alle,
in Italien gibt es ein Sprichwort das folgendes sagt:
E ivano perdonare se non si sa dimenticare...
Uebersetzt heisst das

Es hat keinen Sinn zu verzeihen, wenn man nicht vergessen kann....

Ich finde dieses Sprichwort sehr zutreffend....
Lg

Autor Erika König schreibt am 25.02.2010 19.03

Guten Tag,
an dieser Stelle muß ich das älteste Buch der Bücher zum Einsatz bringen. Verzeihen(Vergeben): Unzählige Mal. –
Vergessen: Mir ist keine biblische Antwort bekannt. –
Festgehalten im Buch des Lebens. – Wenn mir ein gravierendes Leid zugefügt wurde, kann ich irgendwann verzeihen, aber das erlittene Leiden bleibt weiterhin ein Teil von mir. Mit der Zeit wird es verblassen wie "
Tinte auf dem Papier", doch vergessen d.h. auslöschen wird nicht möglich sein. Gruß E.König

Autor Udo schreibt am 16.03.2010 09.34

Hallo Holger

Holger schreibt am 17.02.2010 14.37

Vielen Dank für Deine Worte. Deine Worte werden mir bestimmt helfen.
Dieser Satz "ich verstehe jetzt, was warum passiert ist", wird mir wohl helfen, den Schmerz in einem anderen Licht zu sehen.

Danke Holger. Danke.

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