Kompass-Challenge

Das perfekte Haus

schneckenhaus

Ein Einsiedlerkrebs lebte auf dem Meeresboden ganz in der Nähe einer schönen Koralle. Er besaß ein feines Schneckenhaus, in das er sich jederzeit zurückziehen konnte.

Doch eines Tages schien ihm sein Schneckenhaus nicht mehr gut genug zu sein: „Ich bin ein angesehener Einsiedlerkrebs und sollte mir ein neues Haus suchen“, sagte er zu sich. „Ich habe einfach etwas Besseres verdient.“

Und so verließ er sein Schneckenhaus und machte sich auf die Suche. Dutzende, ja, sogar hunderte von Schneckenhäusern probierte der Krebs aus, aber keines erfüllte seine Erwartungen. Das eine war zu groß, das andere zu klein, wieder ein anderes hatte einen Riss und das nächste nicht die richtigen Farben.

Entmutigt setzte er sich in den Sand. Da fiel sein Blick auf ein weiteres Schneckenhaus. Er mobilisierte noch einmal alle Kräfte, kroch zu diesem Schneckenhaus und schlüpfte hinein.

Und ja, das war das perfekte Schneckenhaus! Es passte genau, es sah wunderschön aus und er fühlte sich auf Anhieb ganz zu Hause.

Selig schlief er ein.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, fiel sein Blick auf die schöne Koralle ganz in seiner Nähe. Darauf besah er sich das Schneckenhaus genauer … und es war exakt das Haus, das er verlassen hatte, um sich ein besseres zu suchen.

Von Tania Konnerth aus ihrem Buch Aus der Schatzkiste des Lebens

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Kommentare

  • Sehr schön! Das erinnert mich an ein Buch, das ich kürzlich gelesen habe („Der kleine Buddha“) und den darin enthaltenen Satz „Manchmal muss man erst auf eine kleine Reise gehen, um zu erkennen wie schön man es hat.“ :)

    • Christian schreibt am 29. August 2014

      “Manchmal muss man erst auf eine kleine Reise gehen, um zu erkennen wie schön man es zu Hause hat.” sollte es heißen…

  • … oder … auf mich zutreffend: ich mußte mein Zuhause verlassen, um mich zu finden!

  • Manchmal muss man erst weggehen, bevor man bei sich (zu Hause) ankommt, kam mir spontan in den Sinn.

  • Paulo Coelho’s „Alchemist“ lässt grüßen :-)
    Ich liebe solche Geschichten … so einfach sie sind, weisen sie den Weg „nach Hause“

  • Ich stimme voll mit Karin überein. Diese Geschicht entmutigt eher. Immer nach dem Motto, versuch es erst gar nicht, du landest eh wieder da wo du vorher warst. Wenn man sich nicht aufmacht, um seine Träume zu verwirklichen und immer nur da bleibt wo man ist, kann man sein Leben auch verschlafen. Selbst wenn man wieder da landet, wo man losgezogen ist, hat man doch den Weg erlebt, viele andere „Schneckenhäuser“ gesehen und vielleicht viele andere „Schnecken“ getroffen.

  • Mich erinnert die Geschichte an meinen letzten Kauf einer Brille. Aber welches Brillengestell? Mal was neues! Nach langem Hin und Her war ich mir einig: Dies hier soll es sein! Dazu die Optikerin: „Das ist genau das, was Sie bisher haben.“
    Jetzt trage ich keine Brille mehr. Sehe ich besser, weil ich weise geworden bin? Oder …

  • Diese Geschichte haut in die gleiche Kerbe, wie z.B.

    „Schuster bleib bei deinen Leisten“
    „Geld macht nicht glücklich“
    Die Geschichte vom Ikarus
    u.v.a.m. ,

    mit denen Leute seit Jahrhunderten klein gehalten werden sollen.
    Der Grundgedanke: „Versuch’s erst gar nicht. Es lohnt doch nicht.
    Maß Dir nichts an. Das haben schon ganz andere probiert“.

    Was hat dagegen der Einsiedlerkrebs nicht alles erlebt auf seiner Suche ….Suche zu sich selbst. Schade nur, dass er nicht die Traute hatte, in die großen Häuser reinzuwachsen.

    Wenn wir am Ende wieder zurückkommen und uns dort auch wohlfühlen, dann ist das doch wunderbar. Und wunderbar die Erinnerungen an den zurückgelegten Weg und das Glück dabei,
    gelernt und gelebt zu haben.

    Traurig die Gestalten, die erst gar keinen Fuß für die Tür setzen und sich selbst zur Schnecke machen.
    Ungelebtes Leben !

  • Manchmal muss man erst einen (kurzen oder langen, einfachen oder anstrengenden) Umweg machen, um sich selbst die Frage/n zu beantworten.

    Erst dann, wenn man zur Einsicht gelangt ist, es einem wirklich bewusst ist, wird man auch wieder mit dem zufrieden und glücklich sein, was bereits da ist.

    Ist das verinnerlicht, weiß man es erst wirklich zu schätzen und kann dafür wahre Freude und Dankbarkeit empfinden.

    Wäre der Krebs nicht auf die Suche gegangen, würde er wohl noch immer traurig und unzufrieden in seinem Haus sitzen und nicht wissen, wie glücklich er doch in seinem „alten“ Haus war und jetzt wieder ist. ;-)

    Schönen Sonntag!

  • Für mich steht das Haus, das Kreuz oder was auch immer als Symbol für DAS EIGENE LEBEN… manchmal möchte man es vielleicht tauschen, denkt, ein anderes würde besser passen. Wechsel ich meine Perspektive, schaue mir andere Leben genauer an – erkenne ich, dass mein Leben für mich genau das richtige ist und möchte mit niemanden tauschen.
    Es ist wie es ist…und wie es weiter geht liegt an dir :-).
    Herzlichst
    Conny

  • Ein Einsiedler-Krebs verlässt seine schützende Hülle nicht aus Gründen von Eitelkeit oder Langeweile oder dergleichen, sondern weil er gewachsen ist und ihm seine Hülle zu klein und einengend geworden ist. Dann wagt er sich hinaus und begibt sich, höchst verletzlich und ‚mit dem Rücken zur Wand‘, auf die Suche nach einer neuen Behausung, in der er gut sein und weiter wachsen kann. Dafür ist ein Zurück keine Option, und auch das Verweilen im Vertrauten ist nicht mehr möglich. So ist das mit Wachstumsprozessen – mitunter muss man los, ohne sicher zu sein, wohin man geht und wo man ankommen wird.

    • Mermaid schreibt am 30. August 2014

      Wunderbar ausgedrückt..
      Genau so sehe ich es auch.
      Danke dafür.. und lieber Gruß :)

  • Ich denke, es ist in Ordnung sein Haus zu wechseln, wenn der rechte Zeitpunkt dafür gekommen ist: nämlich wenn es wirklich zu ‚eng‘ darin wird, und ‚aussortieren‘ nicht mehr hilft. Ist wie mit Schuhen, aus denen man heraus gewachsen ist.

    Mit vor – herbstlichen Sonntagsgrüßen
    Regina

  • Ich kenne d Geschichte mit religiösem Hintergrund. Statt Haus suchte der Mensch ein leichteres Kreuz u fand im Endeffekt wieder sein altes Kreuz. Die anderen waren zu gross o zu schwer.
    Schönen Sonntag

  • Schöne Geschichte, aber ganz einverstanden bin ich nicht.
    Denn irgendwie sollte man das rechte Maß finden zwischen den Polen „alles Unglück der Welt kommt daher, dass die Menschen nicht ruhig in ihrem Zimmer sitzen bleiben können“ und „wenn niemand einen Aufbruch wagen würde, würden wir heute noch in der Savanne von Afrika auf den Bäumen sitzen“.

    Schönen Sonntag im vorgezogenen Herbst wünsche ich Euch allen.

  • Heide-Rose .Decurtins schreibt am 24. August 2014 Antworten

    Diese Geschichte zeigt klar auf, dankbar sein für das was man hat, nicht im Aussen suchen, sondern bei sich bleiben – und wenn man meint, dass man zu Besserem „geboren“ ist und ins Aussen drängt, kann es ein weiter Weg sein um wieder bei sich anzukommen.
    Fazit: sei dankbar für das was Du hast – geniesse es, denn Unzufriedenheit bringt nur Umtriebe.

  • Erinnert an das schöne Kinderbuch von Janosh:“oh wie schön ist Panama“

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