Der verzagte Baumwollfaden

Es war einmal ein kleiner weißer Baumwollfaden, der hatte ganz viel Angst, dass er so wie er war, zu nichts nutze sei.

Ganz verzweifelt dachte er immer wieder: „Ich bin nicht gut genug, ich tauge zu nichts. Für einen Pullover bin ich viel zu kurz. Selbst für einen winzig kleinen Puppenpullover tauge ich nichts! Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach. Nicht mal ein Hüpfseil kann ich aus mir machen lassen! Mich an andere kräftige, dicke, lange Fäden anknüpfen kann ich nicht, die lachen doch sowieso über mich. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und zu farblos. Ja, wenn ich aus Goldgarn wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid… Aber so?! Ich bin zu gar nichts nütze. Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Keiner beachtet mich. Es mag mich sowieso niemand.“

So sprach der kleine weiße Baumwollfaden mit sich – Tag für Tag. Er zog sich ganz zurück, hörte sich traurige Musik an und weinte viel. Er gab sich ganz seinem Selbstmitleid hin.

Eines Tages klopfte seine neue Nachbarin an der Tür: ein kleines weißes Klümpchen Wachs. Das Wachsklümpchen wollte sich bei dem Baumwollfaden vorstellen. Als es sah, wie traurig der kleine weiße Baumwollfaden war und sich den Grund dafür erzählen ließ, sagte es: „Lass dich doch nicht so hängen, du schöner, kleiner, weißer Baumwollfaden. Mir kommt da so eine Idee: wir beide sollten uns zusammen tun! Für eine Kerze am Weihnachtsbaum bin ich zu wenig Wachs und du als Docht zu klein, doch für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu klagen!“

Da war der kleine weiße Baumwollfaden ganz glücklich und tat sich mit dem kleinen weißen Klümpchen Wachs zusammen und sagte: „Endlich hat mein Dasein einen Sinn.“

Wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch viele kleine weiße Baumwollfäden und viele kleine weiße Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu leuchten?!

Geschickt von einer
Zeit zu leben-Leserin

 

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Kommentare

  • @Stephan Riemann:
    das ist der Satz des Jahres — großartig!

  • sehr schöne Geschichte, aus der Jeder lernen kann. Wer sich immer nur klein macht, oder klein denkt, geht irgendwann an seinem Selbstmitleid zu Grunde. Wir können sooo viel mit guten Gedanken und Selbstachtung erreichen

  • eine meiner Lieblingsgeschichten frei aus der Erinnerung (Titel und Verfasser vergessen):

    ein Meister kam mit seinen Schülern an ein Dorf, um das rundherum alle Bäume abgeholzt worden waren, alle bis auf einen…

    fragt, warum sie diesen einen Baum stehen ließen, beauftragte der Meister seine Schüler…

    Als sie zurückkamen antworteten sie: Dieser Baum ist zu nichts zu gebrauchen. Sein Holz ist so knorrig, dass man keine Möbel aus ihm fertig kann… nicht einmal zum Verbrennen eignet er sich… Deshalb ließen sie ihn stehen…

    Werdet wie dieser Baum, sagte daraufhin der Meister…

    • Saskia schreibt am 8. Mai 2017

      … ein Licht, das einem auf wundersame Weise die Augen öffnet. Es erinnert mich etwas an die Schüssel mit dem Sprung, welche mir ein befreundeter Arbeitskollege mal geschickt hat.

      Auch sie wird von ihrer heilen „Kollegin“ immer wieder auf ihren Makel hingewiesen.

      Doch die Eigentümerin der Schüsseln findet eine Lösung (sinnvolle Aufgabe) für die kaputte Schüssel: Sie streut auf deren Seite Blumensamen, welche sie auf diese Weise immer gießt. Dadurch ziert immer ein schöner Blumenstrauss die Stube.

      Oft bedarf es jemand, der den (persönlichen) Makel ins Positive wandelt – getreu dem Motto: Schau – Du hast zwar weder Führerschein, noch fahrbaren Untersatz. Aber Du kennst Dich so gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus und bist so gut im Beschreiben von Wegen. Egal, wohin: Ich finde den von Dir beschriebenen Weg immer auf Anhieb!

      Dazu gehört auch das Nennen bestimmter Orientierungspunkte, z. B. „Wenn sie vor dem Bäcker stehen, sollten links diese oder jene Kirche sehen. Da wenden sie sich von ab und gehen so und so weiter.“

    • Saskia schreibt am 8. Mai 2017

      Es erinnert mich an eine andere Mail meines befreundeten Arbeitskollegen:

      Ein Motivations-Trainer ist mit ca. 10 – 15 Teilnehmern zusammen in einem Raum. Er zeigt einen 50 €-Schein und bietet ihn an („Wer will ihn haben?!“). Prompt gehen alle Hände hoch.

      „Doch vorher lasst mich noch Folgendes machen!“, sagt er, wirft den Schein auf den dreckigen Boden und tritt darauf. „Wer will ihn haben?!“. Wieder gehen alle Hände hoch.

      „So eben haben sie eine wertvolle Lektion gelernt: Ob sauber oder schmutzig: Der Schein hat für sie nie seinen Wert verloren! Ähnlich ist es mit ihnen (persönlich)!

      Es mag Leute geben, für die sie nichts wert sind. Aber es gibt andere, die sie dafür um so mehr um ihrer selbst lieben, bzw. wertschätzen!“

      Egal, wie frustrierend die aktuelle Situation empfunden wird: Man hat immer Leute, denen man nicht egal ist. Wenn man mal (warum auch immer) nicht wie gewohnt da sein kann (z. B. in der eigenen Freizeit-Gruppe), kommt sofort die Frage auf: Wo ist er/ sie?

      Es kann auch sein, dass diese einen mal (vielleicht nach ein oder zwei Tagen) anrufen, um mal zu hören, wie es einem geht.

      Man merkt dann: Ich bin nicht allein – egal, was ist!

  • Eine schöne Geschichte..macht Mut.

  • @ Ismir Übel: … und es war ein wundervolles Licht…

  • … und am Ende waren beide verbrannt

    • Stephan Riemann schreibt am 21. April 2017

      Besser für etwas gebrannt zu haben,
      als nutzlos herum gejammert zu haben.

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